Gernrode entdecken (Teil 2)

Der Landwirtschaft Gernrodes stehen 3137 ha Nutzfläche zur Verfügung. Davon sind 2716 ha Wald, 355 ha Acker und 65 ha sonstige Kulturen. Das Gelände am Ostrand des Harzes, bedingt durch Berge, Täler und Bachläufe,Landwirtschaft ließ nur kleine und zum Teil winzige Ackerflächen mit einer geringen Bodenfruchtbarkeit zu. Größere Höfe waren die von Klamroths, Könnemann und Henneberg. (Quelle: Stadtarchiv Gernrode) Sie hatten ihre Höfe zu Beginn des 20. Jahrhunderts an Klein- und Mittelbauern verpachtet. Durch Holzabfuhren oder andere Lohnfuhren musste das Betriebsergebnis aufgebessert werden.

In den sechziger Jahren wurde  der  Obstanbau forciert, denn Gernrode verfügte im Obstanbau über eine lange Tradition. Eine Reihe neuer Plantagen wurde angelegt. Vor allem mit Kirschen und Äpfeln wurden gute Erträge  erzielt.

Die Waldflächen wurden vom staatlichen Forstbetrieb bewirtschaftet. Es gab die Förstereien Haferfeld, Sternhaus, Gernrode und Wegners Kopf. Der Wald und sein Produkt Holz prägte die einheimische holzverladungWirtschaft. Viele Gernroder verdienten in der Forstwirtschaft ihren Lebensunterhalt. Die Arbeit im Forst war schwer und körperlich anstrengend. Der Einsatz technischer Hilfen war aus unterschiedlichen Gründen noch sehr spärlich. Moderne Technik kostete Devisen und mit denen musste man sehr sparsam umgehen. Die Baumfällung geschah noch mit Schrotsäge, Axt und Keilen. Erst allmählich drangen mobile Motorsägen auf den Markt, auch die waren noch sehr unhandlich und mussten zu zweit benutzt werden. Mit Rückepferden wurde das gefällte Holz aus dem unwegsamen Gelände an die Transportwege gebracht, wo es auf Langholzwagen verladen abtransportiert wurde. Auch hier kamen lange Zeit noch Pferde zum Einsatz. In den zum staatlichen Forstbetrieb gehörenden Sägewerken, in Gernrode war das Machemehl, wurde das Holz zu Bohlen, Brettern und Kanthölzern aufgearbeitet. Auch viele Kleininteressenten nutzten den Wald zur Versorgung ihrer Bedürfnisse mit dem so wertvollen Rohstoff Holz. Leseholz wurde vorwiegend als Brennholz genutzt. Das Stangenholz fand vielseitige Verwendung zum Beispiel als Rankhilfen im Obst- und Gartenbau, für Einfriedungen als Zäune. Trotz vieler Engpässe hatten die DDR Forstwirtschaftsbetriebe den Harzwald im Griff. Hege und Pflege der Wälder waren Voraussetzung für wichtige Holzexporte.

genrode v FörsterblickGernrode war nie eine Stadt mit hohem Industrieanteil. Nur wenige kleine mittelständische Unternehmen hat es gegeben, manche waren in der DDR in große Kombinatsbetriebe eingegliedert .wurden. Eine längere Lebensdauer ist keinem beschieden gewesen. Trotzdem waren einige Betriebe für Gernrode äußerst bedeutsam. Zu Beginn des 20.Jahrhunderts waren das die Zündholzfabrikanten, die Gernrode bekannt machten. . Ihr Spiritus Rektor war Doktor Friedrich Moldenhauer, einer der Erfinder des Phosphorzünders für die Zündhölzer.

Fortgesetzt wurde das durch die Polsterwaren- und Möbelindustrie. Gernroder Falttüren waren begehrte Produkte. Auch die Uhrenproduktion eroberte sich einen überregionalen Markt.

harzer uhren. 1Die Baumschule Teickner stattete so manchen Kleingarten mit den bewährten Obst- und Ziergehölzen aus.

Das Gewerbe mit der ältesten Tradition war das Gernroder Brauwesen. Noch ehe das alte „Bürgerliche Brauhaus“ sein Leben ausgehaucht hatte, stellte man - gleichsam als Ersatz für das Bier - das Gernroder Birkenwasser her, ein erfrischendes Getränk von Birkensaft, Wein, Selterswasser und Zitrone, das immerhin eine Zeitlang, auch wenn es keine Berühmtheit erlangte, so doch auch Fremden nicht ganz unbekannt war.

In der Tat hat es in Gernrode ein nicht unbedeutendes Brauereiwesen gegeben. Schon im 15. Jahrhundert wird in Gernrode ein geordnetes Brauwesen erkennbar. Ein erstes Braubuch mit Brauberechtigungen stammt aus dem Jahre 1448. Auf Betreiben der Äbtissin soll eine der ältesten Braustätten im Lande entstanden sein. Braugerechtigkeit gehörte im Mittelalter zu den Vorrechten der Grund - oder Landesherrschaft. Das Braurecht war an ein Grundstück oder ein Haus, den Bierhof, gekoppelt.Das Brauwesen in Gernrode war organisiert. Während in Quedlinburg die „Braugerechtigkeit“ einzelnen Häusern vorbehalten war, in denen dann gebraut wurde, besaßen die Gernroder Bürger eine gemeinsame Braustätte, das „Bürgerliche Brauhaus“. Es befand sich ausgangs des Hagentals am Spittelplatz. Seit dem 16.Jahrhundert, genau seit 1545 befindet sich Gernrodes Braustätte an diesem Ort. Hier waren die Bedingungen günstig, der nahe Spittelteich lieferte im Winter Eis zur Kühlung, er diente den Pferden zur Tränke und zur Reinigung der Fässer. Drei Tiefbrunnen lieferten das Wasser für die Bierproduktion und mehrere gewölbetiefe Keller erlaubten die Lagerung der gekühlten Fässer. Das „Bürgerliche Brauhaus“ hat als Eigentum der Stadt noch bis 1876 überlebt, dann verkaufte die Stadt in Privatbesitz

Die Gernroder Quellwasserfabrik von Fellecke stellte dagegen ein wesentlich bescheideneres Getränk her. Von der Gernroder Schokoladenfabrik zeugen nur noch der Schornstein und das Gebäude im Garten der Cyriakus Apotheke. Vom „Eau de Gernrod“ ist kaum mehr als der anspruchsvolle Name in der Erinnerung geblieben.elementarschule

Bemerkenswert entwickelte sich das Schulwesen im kleinen Harzstädtchen Gernrode. Die Stiftsschule des von Gero gegründeten Damenstifts widmete sich zwar der Bildung   der Töchter des deutschen Hochadels. Erst mit der Umsetzung der Reformen Luthers im 16.Jahrhundert erhielt Gernrode eine der ersten protestantischen Schulen Deutschlands, in der Kinder aller sozialen Schichten eine Schulbildung erhielten. Und es war zu Beginn des 19.Jahrhunderts, als die Stadt die Basis dafür schuf, Jungmädchenstadt zu werden, weil man mit den entstehenden Mädchenpensionaten eine Ausbildungslücke bediente, in der betuchten Töchtern eine Schulbildung vermittelt wurde, die ihnen den Übergang ins Berufs- beziehungsweise Familienleben erleichtern sollte, denn in dieser Zeit war für Mädchen der Zugang zu höheren Bildungseinrichtungen nahezu unmöglich. Nicht von ungefähr konzentrierten sich diese Töchterpensionate in den Villen am Schwedderberg und im Hagental. Die Ausbildung,dreyscharff lehrinstitute sw die einer heutigen mittleren Reife entsprach und unter anderem hauswirtschaftliche Ausbildungsschwerpunkte vermittelte, war kostenpflichtig und auf einem Niveau, dass sich nur finanzkräftige Familien leisten konnten. Initiatorin dieser Idee, jungen Mädchen nach ihrem Schulabschluss eine Weiterbildungschance zu geben, war Caroline Moldenhauer, sie war die Schwester des Streichholzexperten Friedrich Moldenhauer. Bereits 1830 wurden in der damaligen Friedrichstraße, der heutigen Steinbachstraße, mit den Häusern „Daheim und „Edelweiß“ die ersten staatlich anerkannten Töchterpensionate eröffnet. Die Idee war überaus erfolgreich und schon sehr bald eröffneten weitere 11 Pensionate, in der lernwillige Mädchen im Alter zwischen 16- und 20 Jahren ausgebildet wurden. Die renommierteste Einrichtung wurde die Dreyscharffsche Lehranstalt.

Das Bildungswesen in Gernrode kann  auf eine tausendjährige Tradition zurückblicken. Ein organisiertes Lernen war schon im Damenstift Geros eine existentielle Grundlage, auch wenn sie nur privilegierten Schülern vorbehalten war. Von einem beide Geschlechter und alle Bevölkerungsschichten umfassenden Unterricht kann man trotz der Klosterschule aber erst nach der Reformation sprechen. Diese erst brachte für die Schule die entscheidenden Impulse und führte im Schulwesen zu längst überfälligen Veränderungen. "Mit dem erwachten reformatorischen Leben in der Kirche greift auch urplötzlich eine ganz neue Auffassung der Schule und ein ganz neuer Sinn für die Pflege der Schule Platz". (Heppe; Das Schulwesen des Mittelalters)

Die allgemeine Volksschule, eine der Hauptfaktoren, welche Deutschlands Größe begründen halfen, ist und bleibt eine Tochter der Reformation, mag die katholische Geschichtsschreibung das auch noch so sehr bestreiten. "Nichts wird uns und unseren Nachkommen mehr helfen, denn gute Schulen und Auferziehung der Kinder." (Zitat Luthers)

Dieses Wort Luthers trifft den Kern einer erfolgreichen Schulentwicklung. Gernrode war eine der ersten Städte, die diesen Gedanken richtig erkannt und erfolgreich in die Tat umgesetzt haben.

Zwei st cyriakusprägnante und für die Entwicklung der Stadt bedeutsame Kirchen hat Gernrode. Kirchen waren die Mittelpunkte der mittelalterlichen Siedlungen, je prunkvoller sie waren, umso wohlhabender waren die Gemeinden, die sie erbauen ließen.

Die Krypta der Gernroder Marktkirche ist von außen nicht mehr als Kirche zu erkennen. Wer kann ahnen, dass sich in dem massiven Unterbau neben und unter dem als alte Küsterei gekennzeichneten Teilgebäude des evangelischen Erholungsheims ein ehrwürdiger Kirchenraum von hohem Alter befindet?

Vieles spricht dafür, dass es das älteste Bauwerk Gernrodes ist. Schon die Siedler des Fleckens Geronrod könnten hier eine Holzkapelle errichtet haben, um ihren Glaubensritualen eine Wirkungsstätte zu verleihen. An gleicher Stelle wurde dann zu Beginn des 11. Jahrhunderts eine gemauerte Kapelle im romanischen Stil erbaut. Mit dem Bau der neuen Stephanuskirche verlor sie ihre gottesdienstlichen Aufgaben. St. Stephani in erhöhter Lage gebaut, bestimmte mit dem aus Bruchsteinen gebauten Turm das Stadtbild Gernrodes prägend mit. Im Ostgiebel befindet sich ein Inschrift Stein mit der Datierung 1582.

Nach der Reformation 1521 wurde die Kirche nur noch zu Begräbnissen genutzt, da die Stiftskirche für alle Bürger zugänglich wurde. Bis zum Jahr 1830 wurden die Kirchenbücher geführt. Bereits 1847 wurde das Kirchenschiff zur Schule umgebaut.

Die Stiftskirche St, Cyriakus ist eines der bedeutendsten Architekturdenkmale aus der Zeit der Herrschaft der Ottonen in Deutschland.Ihr Bau wurde in der Zeit zwischen 959 und 961 zu Lebzeiten des Markgrafen Gero begonnen und später unter Ver­antwortung seiner Schwiegertochter Hathui weitergeführt und beendet. Der Baustil wurde von der Romanik, deren Blütezeit zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert lag, bestimmt.

Wesentliche Merkmale dieses Stils waren Strenge, Festigkeit und Monumentalität. Der Wert der Gernroder Stiftskirche liegt vor allem darin, dass sie der einzige monumentale Kirchenbau der ottoni­schen Zeit ist, der als Ganzes erhalten bzw. durch Restauration in der Ursprünglichkeit wiederhergestellt werden konnte. Damit war diese Kirche nicht nur für Gernrode von Interesse, sondern Besucher aus aller Welt wollten das romanische Bauwerk mit seinem Heiligen Grab besichtigen. 961 wurde es erstmals erwähnt.

Durch die Stiftsgründung des Markgrafen Gero wurde die Kirche Stiftskirche des Gernroder Damenstifts. Als das Stift im Jahr 1616 aufgelöst wurde, begann der Verfall der Kirche und der Stiftsgebäude. Im 18. Jahrhundert waren die Gebäude noch fast vollständig erhalten gewesen. Im 19. Jahrhundert mussten sie abgebrochen werden. Die Kirche wurde als landwirtschaftliches Gebäude genutzt. Fenster wurden zum Teil zugemauert, die Krypten durch Mauern vom Rest der Kirche abgetrennt und erhielten Zugänge von außen.

Von der reichen Ausstattung haben sich nur wenige Reste erhalten, so einige Grabplatten von Äbtissinnen, die 1519 geschaffene Tumba des Stiftsgründers Gero sowie das Heilige Grab. Der romanische Taufstein gehörte ursprünglich nicht zur Ausstattung, sondern zur abgerissenen Kirche von Alsleben. Die heutige historistische Ausstattung stammt aus der Zeit nach der Restaurierung.

Weitsichtig denkende Menschen und ihr beherztes Eingreifen verhinderten das Schlimmste. Die entstandenen Schäden wurden im 19.Jahrhundert durch die fachmännische Restaurierung durch Ferdinand von Quast behoben und die Kirche wurde in den Zustand des 10.Jahrhunderts rückgeführt. Die Restaurierungsarbeiten erstreckten sich über die Jahre 1858 bis 1872.

Als sich die Äbtissin Elisabeth von Weida der Reformation anschloss, wurde die Kirche eine der ersten protestantischen Kirchen weltweit. Damit schrieb die Kirche Weltgeschichte und wurde als Pfarrkirche für die evangelische Kirchengemeinde Gernrode nutzbar.Premierenfahrt

Die Harzquer- und Brockenbahn sowie die Selketalbahn sind Schmalspurbahnen im Ostharz. Sie gehören zu den bedeutendsten Kleinbahnen Deutschlands. Die Reichsbahn bewirtschaftete zu DDR -Zeiten das Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen. Am 1.September 1946 wurde die Bahn Volkseigentum und am 1.April 1949 übernahm die Deutsche Reichsbahn die Gernrode‑Harz­geröder Eisenbahngesellschaft (GHE).

Die Reichsbahndirektion Magdeburg war von nun an für die Betriebsführung verantwortlich. Zu diesem Zeitpunkt bestand der Fahrzeugpark aus 2 Lokomotiven, 1 Personenwagen und 16 Güterwagen. Im Generalverkehrsplan in der DDR wurde 1966 beschlossen, die Schmalspurbahn stillzulegen. Zum Glück kam es nicht dazu, deshalb konnte die Selketalbahn im August 1987 ihr 100jähriges Betriebsjubiläum feiern.

Npremiereach der Wiedervereinigung wurden die Kleinbahnen wieder selbstständig, 15 Kommunen und Landkreise gehören zu den Gesellschaftern der GmbH Harzer Schmalspurbahnen. (HSB)

Für Gernrode war die Selketalbahn besonders relevant, da viele Jahrzehnte der Bahnhof Gernrode der Ausgangspunkt für die Fahrten der Schmalspurbahn hinauf in den Harz war.

Die Streckenführung der Selketalbahn ist romantischer und weckt mehr Abenteuerlust als die des größeren Konkurrenten Harzquerbahn, so die Meinung vieler Natur‑ und Eisenbahnfreunde.

Auf den 52 Kilometern zwischen Gernrode, Harzgerode, Hasselfelde und der Eisfelder Talmühle führt sie durch eine wildwüchsige und romantische Naturlandschaft. Es beginnt mit der Bergauffahrt zum Haltepunkt Sternhaus- Ramberg, dem höchsten Punkt der Streckenführung.

Entlang der Strecke wechseln sich schroffe Felsen mit blühenden Wiesen, malerischen Teichen wie dem Osterteich und den Heiligen Teich mit weiten, einsamen Buchen- und Eichenwäldern ab. Die Beförderung der Urlauber und Gäste auf der Schiene ist zweifelslos die Hauptaufgabe der Selketalbahn. Zu einem nicht unbeträchtlichen ökonomischen Nutzen wurden zu DDR-Zeiten die Gütertransporte, die die Bahn für die streckenanliegenden Betriebe erledigte. Tausende Tonnen von Gütern wurden auf dem Schienenwege für das Druckguß-und Kolbennwerk in Harzgerode, die Rinkemühle in Alexisbad oder die Pyrotechnik in Silberhütte befördert.

Die Harzer Schmalspurbahnen fahren auf 131,2 km durch die schönsten Gegenden des Harzes. Es ist das längste zusammenhängende Schmalspurnetz Deutschlands. Ursprünglich waren es drei Gesellschaften, die den Harz touristisch mit der Bahn erschlossen hatten und damit den Fremdenverkehr fördern wollten.

1913 wurden die Bahnen miteinander verbunden Die vereinte Gesellschaft verfügte über 44 Bahnhöfe und Haltepunkte, 400 Brücken und Durchlässe gehören zu dem Streckennetz der Harzbahnen. Die Harzbahn ist Anziehungspunkt vieler Touristen und sie ermöglicht vielen Besuchern die Sehenswürdigkeiten des Harzes auf der Schiene zu erreichen.

Mit einem mehrtägigen Volksfest feierte die HSB 1987 ihr 125jähriges Bestehen. Zu den Höhepunkten gehörten ein mit zwei Mallet­lokomotiven bespannter Oldtimerzug, eine Fahrzeug‑ und eine Modellbahnausstellung, Sonderstempel der Post und historische An­sichtskartenserien. Händler boten eine umfangreiche historische Literatur zur Thematik „Faszination Bahn“ an. Rangierfahrten und ein begleitendes Kulturprogramm fanden ein zahlreiches und interessiertes Publikum

Er war umstritten und nicht ohne Gegner, der Anchluss Quedlinburgs an das Streckennetz der Harzer Schmalspurbahn. Nach jahrelanger Diskussion um diese Streckenerweiterung ergab sich durch das „Aus" für die Normalspurstrecke Quedlinburg - Frose diese neue Chance, das Vorhaben doch noch zu realisieren. Baubeginn für die 8,5 km Strecke war 2005.

Aus dem Kopfbahnhof Gernrode wurde ein Durchgangsbahnhof. Die Kosten des Projekts waren mit 6 Millionen € beziffert. Am 4. März 2006 fand die Premierenfahrt nach Quedlinburg auf der neuen Strecke statt. 17.000 m Schiene mit einem Gesamtgewicht von etwa 850 t mussten aus und wieder eingebaut werden. 13800 neue Betonschwellen und fast 12.000 t Schotter wurden verbaut.   Der fahrplanmäßige Zugbetrieb begann im Juni 2006.Nach Fertigstellung der Strecke sollen täglich neun Zugpaare verkehren und den Gästen der Weltkulturerbe-Stadt Quedlinburg eine Zugreise in den Harz und auf den Brocken ermöglichen. Verkehrsminister Daehre, HSB Chef Wagner und die Bürgermeister Grundmann und Brecht für die Städte Gernrode und Quedlinburg eröffneten damals den Streckenabschnitt. Die Tatsache, dass aus dem Kopfbahnhof Gernrode ein Durchgangsbahnhof wurde, ist inzwischen in den Routinebetrieb übergegangen

Der Bahnhof der schmalspurigen Selketalbahn liegt dem stillgelegten Bahnhof der Normalspur gegenüber. Mit der Selketalbahn kann man die Gernrode umgebenden Sehenswürdigkeiten des Harzes erreichen.

Die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 125jährigen HSB- Geburtstag fanden viel interessiertes Fachpublikum aus zahlreichen Bundesländern. Die Kleinbahn und schon gar nicht die dampfbespannten Züge haben nichts an ihrer Faszination eingebüßt. Eine Fahrt mit der Kleinbahn hinauf in den landschaftlich so schönen Harz ist in jeder Jahreszeit ein besonderes Erlebnis und hat nichts von seinem Reiz verloren. Durch den Anschluss Quedlinburgs an das Streckennetz können nun auch die Besucher der Weltkulturerbestadt diesen Vorteil nutzen. Durch diese Bündelung ihrer touristischen Potentiale erwachsen sowohl den Touristen wie den Gastgebern Vorteile, die sich zum Wohle des Tourismus niederschlagen.

Urathausturnmm den Touristen, die Gernrode besuchen, die vorhandenen Sehenswürdigkeiten  zu präsentieren, wurden drei zeitlich unterschiedlich lange Rundgänge in der Stadt ausgewiesen, an denen die 22 historisch bedeutsamen Denkmale liegen und zu besichtigen sind. . Die wichtigsten kulturellen Objekte sollen darüber hinaus in einer Ausstellung im Rathaus gezeigt werden. Diese Möglichkeit ergab sich nach der Entscheidung, das Rathaus zum Willkommenszentrum auszubauen. Die obere Etage soll für derartige Ausstellungen hergerichtet werden. Künftig soll Gernrode sich auf dieser Etage nach verschiedenen Gesichtspunkten präsentieren, so dass sich Gäste und Interessierte vororientieren können.

Der jährlich vom Kulturverein herausgegebene Kalender beschäftigt sich im kommenden Jahr ebenfalls mit Motiven dieser Lehrpfadstationen. Damit finden langjährige Vorarbeiten an der Erarbeitung der Inhalte dieser historischen Rundgänge einen vorläufigen Abschluss und Gernrode macht einen weiteren wichtigen Schritt in Sachen Tourismusfreundlichkeit.

Ergänzend möchte ich noch einige Fotos anfügen über Sehenswürdigkeiten, die man als Gast in Gernrode besichtigen sollte.

Eine der schönsten Stadtansichten ist der Malerwinkel am Spittelteich. Einst mitten im Stiftsbezirk gelegen, war er mit der Brauerei, der Badestube, dem Hennebergschen Hof und dem historisch bekannten Spital prägend  für die Geschichte Gernrodes.malerwinkel

Die Marktstraße mit ihren ehemals vorhandenen Geschäften und gastronomischen Einrichtungen demonstriert die Enge um das Gernroder Rathaus. Die bergige Lage ließ keinen größeren Marktplatz zu.

Marktstraße Dafür wude für einen Millionenaufwand ein neues Stadtzentrum im Jacobsgarten geschaffen. Leider erfüllten sich die in das Projekt gesetzten Erwartungen nicht wie gewünscht und vorgesehen.

neues zentrum 1In der Burgstraße liegt der östliche Zugang zur Stiftskirche. Einst begrenzte sie den Stiftsbezirk und schützte mit den Burggräben das Stift nach Osten. Hier lag auch der einzige Zugang  zum Stiftsgelände. In veschiedenen Häusern der Burgstraße wurden Zimmer für Unterrichtszwecke angemietet, so dass sie auch als Schulstraße bekannt wurde. Burgstraße

Die schönsten Panoramablicke auf Gernrode hat man von den Aussichtspunkten der Stadt. Empfehlenswert sind die Wilhelmshöhe, der Försterblick, der Panoramaweg, das " Einzelne Bäumchen", der Bückeberg auf seiner ganzen Länge und natürlch der einzigartige Blick vom Stubenberg. Mit diesem  Ausblick möchte ich meinen Bericht über das liebenswerte Städtchen Gernrode abschließen. gernrode v Stubenberg

Gernrode entdecken (Teil 1)

Entdecke Gernrode (Teil 1)

Bereits im beginnenden 20.Jahrhundert wurde in einem Reiseprospekt Gernrode als der schönste Gebirgskurort des Ostharzes gepriesen.

„ In die Talausläufer des gewaltigen Ramberggebietes im Ostharz hineingeschmiegt, die Waldhänge des Oster– und Schwedderberges hinankletternd, in einem Kranze von Gärten, aus denen im Frühling lockender Obstblütenduftaufsteigt und über die beherrschenden Türme der wuchtigen, tausendjährigen Cyriakuskirche, diesem Juwel ältester deutscher Baukunst, neben den Türmen der alten Stefanikirche gen Himmel weisen, überragt vom Stubenberge, den angeblich schon Kaiser Barbarossa bei einem Besuche der alten Reichsabtei bestiegen, und der seit jeher als die malerischeste Weitsicht am Harz gerühmt wird, so bietet sich das schmucke, saubere Bergstädtchen Gernrode dem Reisenden, der auf der Strecke Quedlinburg Aschersleben am Ostharzrande entlang fährt.“Bückebergblick

In der Tat war es damals die Bahn, die Gernrode dem Besucher erschloss. Anfangs löste der eiserne Koloss auf Schienen bei den Einheimischen noch Skepsis und sogar Angst und Schrecken aus, das änderte sich aber rasant durch die Vorteile, die die Bahn der Stadt brachte.

Die Bahn machte es damals möglich, dass Gäste aus ganz Deutschland in Gernrode ihren Urlaub bzw. ihre Freizeit verbringen konnten. Der automobile Individualverkehr steckte zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen.

Gäste aus dem Norden Deutschlands erreichten Gernrode über die Reiserouten Berlin – Magdeburg – Halberstadt – Quedlinburg, über Berlin – Güsten – Aschersleben oder über Hildesheim und Goslar bzw. über Magdeburg –Halberstadt..

Reisende aus dem Westen konnten über Köln – Hannover – Hildesheim – Goslar / Seesen – Halberstadt nach Gernrode kommen

Vom Osten kamen Gernrodes Gäste über Breslau – Dresden – Leipzig – Halle – Aschersleben. Gäste aus dem Süden kamen über Frankfurt, Kassel, Goslar und Halberstadt, oder Frankfurt, Nordhausen, Sangerhausen, Sandes leben und Aschersleben nach Gernrode. Auch über Halle oder Erfurt war die Anreise nach Gernrode möglich

bahnhof gernrode 1Gernrodes Bahnhof war deshalb der zentrale Empfangsort für viele der anreisenden Gäste. Er liegt im östlichen Teil der Stadt und ist mit seinem aus roten Backsteinen gebauten Empfangsgebäude ein denkmalgeschützter Bahnhof. Er wurde 1885 gebaut und lag an der normalspurigen Strecke Frose – Quedlinburg.

Zu dieser Zeit gab es in Gernrode eine Reihe namhafter und gutsituierter Hotels. Dazu gehörten das Hotel „Brauner Hirsch“, der Stubenberg, das Deutschen Haus, das Hotel Belvedere, der Markgraf Gero, der Gasthof zum Schwarzen Bären und die Villa Mathilde im Hagental. Brauner HirschFür diese Hotels gehörte es zum guten Stil, die Gäste am Bahnhof angemessen zu empfangen und mit Autodroschken und Pferdekutschen in ein Hotel ihrer Wahl zu bringen.

Durch die Bahnhofstraße gelangt der Besucher ins Stadtzentrum. Schöne alte Villen säumen den Weg. Leider wurden einige der Villen und alten Bürgerhäuser nicht stilgerecht saniert. Trotzdem sind sie Zeugnisse Gernroder Stadtbaukunst.

Durch die Bahnhofstraße gelangt der Besucher ins Stadtzentrum. Schöne alte Villen säumen den Weg. Leider wurden einige der Villen und alten Bürgerhäuser nicht stilgerecht saniert. Trotzdem sind sie Zeugnisse Gernroder Stadtbaukunst.

spichalskiAuf der östlichen Seite der Bahnhofstraße befinden sich mit dem Haus Schumann, dem ehemaligen Ärztehaus, dem Haus Depner einige gut erhaltene Bürgerhäuser mit bedeutsamer Vergangenheit. Auf dem Gelände der Gärtnerei Schumann befand sich zum Beispiel das Elternhaus des Sinologen Otto Franke, dessen Vater langjährig Bürgermeister in Gernrode war.

Gemeinhin ist der Marktplatz mit dem Rathaus das Zentrum einer Stadt. In Gernrode ist das auf Grund der bergigen Lage der Stadt nicht so. Vergeblich sucht man einen Marktplatz. Serpentinenartig und eng umschließen die Straßenzüge das Rathaus. Im Jahre 1539 verlieh die Äbtissin Anna von Plauen der Stadt Gernrode Wappen und Siegel, das entsprach in der damaligen Zeit einer Stadtrechtsverleihung.

Entsprechend alt sind die Rathäuser der Stadt. 1530 soll das erste entstanden sein, leider ist davon nichts überliefert. Auf die längste Dienstzeit brachte es das nach Ende des 30jährigen Krieges von Andreas Bocken in den Jahren 1664 bis 1666 erbaute Rathaus. Die Baukosten beliefen sich auf 2375 Taler, der erste Bürgermeister im Rathaus war Nikolaus Petersohn.

RathausÜber 250 Jahre wurde Gernrode in diesem Haus verwaltet. Zu Beginn des 20.Jahrhunderts war es seinen Aufgaben nicht mehr gewachsen. Ein neues Haus an gleicher Stelle wurde geplant und trotz schwieriger Zeiten, der erste verheerende Weltkrieg bedrohte den Frieden und das Leben der europäischen Völker, auch gebaut.

Im Mai 1914 war Richtfest und bereits ein Jahr später konnte der damalige Bürgermeister  das Rathaus einweihen. In seiner baulichen Gestaltung ist das Gebäude eher prunklos, trotzdem aber ansprechend. Es erfüllte den  Anspruch  eines städtischen Verwaltungsbauses dieser Zeit.

Beeindruckend sind der Festsaal, das Hochzeitszimmer und der Treppenaufgang. Die schönen bleiverglasten farbigen Fenster der Räume wurden in der Quedlinburger Kunstanstalt Ferdinand Müller gefertigt und von Sponsoren finanziert. Ein weiteres Prunkstück besitzt der Festsaal mit seinem in der RatssaalWerkstatt des Quedlinburger Schmiedemeisters Rinkenberg gefertigten Kronleuchters. Ein umlaufendes Spruchband trägt die Inschrift „Ich spende mein Licht den Vätern der Stadt zu wohlweisem Rat und gut deutscher Tat“.

2015 wurde 100järiger Geburtstag gefeiert. Mitglieder des Gernroder Kulturvereins „A.Popperodt“ gestalteten in historischen Kostümen die Höhepunkte der damaligen Einweihungsfeier nach.

Obwohl Gernrode nie eine schützende Stadtmauer besaß, gelang man über drei beurkundete Stadttore in den mittelalterlichen Stadtkern Gernrodes. Von Osten kommend passierte man das Ostentor, das in der Marktstraße am Scheelichen vermutet wird, vom Süden kam man über das Steigertor in die Stadt. Es befand sich in der Marktstraße, dort, wo die Schulstraße abzweigt. Es sicherte den Zugang aus Harzgerode und dem Harz. Aus westlicher Richtung kam man über das Häuschentor in die Stadt.

schlüsselübergabeWestlich der Häuschenstraße und nördlich der Wolfgangstraße war damals noch Sumpfgebiet. Das zog sich vor der Stiftskirche nach Westen und lässt vermuten, dass das Häuschenntor zwischen dem Grundstück Ziesing und der Badeanstalt Vorwerk gestanden hat.

Gernrode war von Wassergräben Bächen und Maueresten umgeben, die Tore der Stadt dienten einzig ökonomischen Zwecken. Beim Passieren von Stadtgrenzen wurden Zölle fällig, die die immer knappen Stadtkassen füllten. Besonders begehrenswert war in diesem Zusammenhang das Marktrecht, im Mittelalter war es das Recht, einen Wochen-oder Jahrmarkt abzuhalten. Der dafür bestimmte Platz stand dann unter Marktfrieden und wurde vom Marktherrn geschützt. In Gernrode gab es den Sülzäppel- und den Blockpiepenmarkt, beide Märkte lockten viele Besucher nach Gernrode. Gehandelt wurden Lebensmittel, Schmiedewaren, Textilien, Tabakwaren, Töpfe und Pfannen aus Steingut. Auch Zinn und Messing, Futtermittel, Obst und Gemüse wurden angeboten.

Der Handel auf den Märkten strukturierte auch die Bevölkerung. Die an der Handelsspanne Verdienenden bereicherten sich, die auf kargen Lohn angewiesenen blieben in Armut. Die wirtschaftlich gestärkte Einwohnerschaft nutzte die häufigen Finanznotlagen der Abtei. Sie sicherte sich Privilegien und Rechte bei der Wald- und Weidewirtschaft, beim Fischfang, der Erzschürfung sowie im Brauereiwesen. Kontinuierlich entwickelte sich Genrode von der ehemaligen Rodesiedlung zu einer Marktgemeinde. Die wirtschaftliche Bedeutung der Kaufmannsiedlung blieb jedoch regional begrenzt. Die Kaufleute Gernrodes sahen ihre vorrangige Aufgabe in der Versorgung der Bedürfnisse der Stiftsdamen, der Kleriker, der Ministerialen und Handwerker, der Knechte des Stifts und der Bergleute. Dazu kam die Versorgung der bäuerlichen Siedler der nahen Umgebung.

Einen Handelsverkehr, der auf Grund eines königlichen Privilegs hätte stattfinden können, hat es für Gernroder Kaufleute nie gegeben. Dazu trug auch die verkehrsmäßig ungünstige Lage abseits der großen Verkehrsstraßen bei. So blieb Gernrode die beschauliche Harzer Kleinstadt am Rande des Ostharzes.

obstbauDer Tourismus, die Forstwirtschaft und die holzverarbeitende Industrie, sowie der Obstbau und die Landwirtschaft sind die wirtschaftlichen Lebensadern der Stadt und ihrer Einwohner. Der Urlauber -und Fremdenverkehr war die wichtigste Lebensader. Die DDR machte Gernrode durch den Neubau und den Ausbau bestehender Hotelanlagen wie dem Heckert - Heim, dem Stubenberg und der Freundschaft populär und bekannt. Jährlich besuchten etwa 20 000 Urlauber Gernrode. Sie waren in den FDGB Heimen, in Betriebsferienheimen und bei privaten Vermietern untergebracht.

Der Harz bietet auf relativ kleinem Raum wundervolle Wälder und romantische und großartige Täler, zahllose Aussichtsberge, wie den Stubenberg oder den Auerberg bei Stolberg mit dem Josephskreuz. Mit der Hermanns-und der Baumannshöhle gibt es hier die interessantesten und größten deutschen Höhlen, viele Burgen, Flüsse und Ruinen und eine Reihe tausendjähriger Städte mit Zeugen hoher Kultur und interessanter Geschichte. Von Gernrode waren diese Sehenswürdigkeiten bequem und schnell erreichbar.

Es waren vor allem auch die deutschen Romantiker, die ins Schwärmen gerieten, wenn sie von ihren Harzeindrücken berichteten. Insbesondere der Gernroder Stubenberg genoss ihre besondere Wertschätzung. Die Gästeliste des Stubenberghotels stände wohl jedem Hotel außerordentlich gut zu Gesicht.

<>ottobadDie Ansprüche der Feriengäste entwickelten natürlich auch die Infrastruktur Gernrodes und die Lebensqualität in der Stadt.

Eine attraktive und einmalige Freizeiteinrichtung Gernrodes war das Otto – Bad. Zur Eröffnung des Bades 1926 schwärmte die damalige regionale Presse: „ Der liebliche Ostharz ist um ein Kleinod bereichert wurden, um das ihn Kurorte von Weltruf beneiden können. In der reizenden Landschaft zwischen Gernrode und Suderode ist ein Seebad entstanden.“

In der Tat, in den gipshaltigen Untergrund einer stillgelegten Gipsgrube wurde ein betoniertes Badebecken von 2500m2 gebaut. Es verfügte über 50m- Wettkampfbahnen, Nichtschwimmer- und Planschbereiche und verfügte über einen Turm mit Seilbahn, verschieden Sprungbretter und eine steile Wasserrutsche. Das Becken wurde aus einer Quelle gespeist, die das Quellwasser von einem Windkraftwerk aus einer Tiefe von 35 Metern pumpte und so das Becken kontinuierlich mit Wasser von 9° versorgte. Die Heilquelle wurde von Otto von Graeve, einem aus Ostpreußen stammenden Wünschelrutengänger entdeckt.

Das Bad verfügte auch über eine Terassengaststätte, von dem aus der Besucher einen wunderschönen Ausblick auf die Anlage und das Harzvorland hatte. Leider wurde der kalkhaltige Untergrund durch Ausspülungen und Frostschäden immer instabiler, so dass die Betondecke des Beckens ständig riss und aufwendig repariert werden musste. 1974 wurde das Bad aus diesen Gründen geschlossen, weil eine Sanierung nicht mehr finanzierbar war. Der Verlust des Bades wurde von vielen Einheimischen und Gästen schmerzlich bedauert. Da auch der Badebetrieb im Familienfreibad von Schrader im Osterfeld auf ähnlich tragische Weise eingestellt wurde, blieb Gernrode und seinen Gästen nur das Waldbad am Osterteich. Badefreuden und Camping pur kann der Erholungssuchende aber auch am Bremer Teich geniesen. Er wurde in der Regierungszeit des Fürsten Victor Friedrich im 18.Jahrhundert angelegt. Man wollte Hirsche mit ihm fangen und nannte ihn deshalb Hirschteich.

bnremer teich 4Als das für den Bergbau wichtige Pochwerk am Osterteich vom Wasser des Wellbaches nicht ausreichend versorgt werden konnte, wurde Wasser aus dem Einzugsgebiet des Bremer Teiches in das Wellbachtal geleitet.

Seit 1956 wird der Bremer Teich mit der Errichtung einer Zeltjugendherberge touristisch genutzt. Inzwischen ist ein idyllisch gelegener 3 Sterne Camping Platz aus ihm geworden, der ein idealer Ausgangspunkt für Aktivurlauber ist.

Am Fuße des Osterberges wird der aus dem Gebirge kommende Wellbach gestaut. Dadurch entstand der Osterteich. Dieses kleine künstlich angelegte Staugewässer war und ist für Gernrode in mehrfacher Hinsicht bedeutsam. Früher war es für den Bergbau wichtig, das Stauwasser betrieb  ein Pochwerk und mehrere Mühlen, heute ist es Aufzucht- und Angelgewässer der Sportfischer und ein beliebtes Waldbad, das für den Erholungs-und Freizeitbereich der Region von Bedeutung ist.

Die Bevölkerung Gernrodes hatte sich nach dem Kriege nahezu verdoppelt, zu Beginn der1950iger Jahre belebte sich der Urlaubs- und Feriendienst nach den verheerenden Kriegsjahren und den Folgen. Das stellte Gernrode vor erhebliche Versorgungsprobleme.

SchwalenbergNach dem Krieg war der Einzelhandel in Gernrode privatwirtschaftlich organisiert. 1950 beispielsweise hatte Gernrode 16 Bäckereien oder Konditoreien bzw. Geschäfte mit Backwarenverkauf. In der Stadt lebten zu dieser Zeit etwa 3500 Einwohner.

Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, dass so viele Bäcker in diesem kleinen Ort existieren konnten.Sechs Fleischereien versorgten ehemals die Gernroder mit Fleisch und Wurstwaren;

Lebensmittel und Gemüse wurden in 15 Geschäften angeboten.

Hermann Schwalenberg Lebensmittelgeschäft war bereits zu Beginn des Jahrhunderts mit Kolonialwaren aller Art für die Gernroder Kunden präsent. Bis 1980 war es ein Lebensmittelgeschäft in einem halbstaatlichen Kommissionshandel.

In manchen Entwicklungsstandards tat sich Gernrode schwer. Relativ spät, nämlich erst 1959, gab es für Gernrode eine geregelte städtische Müllabfuhr. Auch die Belieferung mit festen Brennstoffen musste oft selbst organisiert werden. Das Kohlengeschäft Barth war mit der Versorgung aller Haushalte in Gernrode überfordert, wurden doch fast alle Brennstätten mit Holz und Kohle betrieben. Das erklärt auch die hohe Anzahl von Fuhrgeschäften in der Stadt, deren Auftragsbücher rappelvoll waren. Transportfahrzeuge waren in dieser Zeit sehr gefragt. Noch eine Kuriosität hatte Gernrode zu bieten. Die Häuser der Stadt wurden bis in die fünfziger Jahre von den städtischen Stadtwerken mit 110 Volt Gleichstrom versorgt. Viele Haushalte hatten noch Außentoiletten auf dem Hof, da waren für die Wintermonate kurzzeitige Toilettenaufenthalte garantiert

Gernrode im Einfluss seines Kanonissenstiftes

Das Frauenstift Gernrode wurde 961 von Markgraf Gero auf dem Gelände der Burg Geronisroth gegründet.  Es wurde ein freiweltliches von Fürsten und Bischöfen unabhängiges Stift und verfügte über Ländereien von etwa 35 000 Morgen. Es sollte für viele Jahrhunderte die dominierende  Einrichtung für den Ort Gernrode werden.

Die Wirtschaftskraft des Stifts Gernrode basierte auf Grundbesitz. Zu besten Zeiten besaßen Stift und Propstei etwa 1000 Hufen Land, das waren etwa 11000 ha, bestehend aus Wald, Weinbergen, Fischteichen, Schafweiden und Ackerland.

Karri StiftsgründungDas Stift Gernrode war wie eine weltliche Herrschaft organisiert. Diese Abtei war ein Staat im Reiche und hatte mit ihren Besitzungen im Harzvorland einen guten und soliden Ruf und Leumund. Hochrangige Herrscher  der damaligen Epoche wie Kaiser Heinrich II. und Gemahlin (1004), Kaiser Heinrich V. (1105), Kaiser Barbarossa (1188), Friedrich II. (1215) und die vielen geistlichen Würdenträger und Fürsten waren zu Gast im Stift Gernrode.

Tatsächlich war  dieses Stift an Gütern und Vorrechten den berühmtesten deutschen Stiften gleichgestellt. Noch im gleichen Jahr erwirkte Gero bei Otto dem Großen Königsschutz, rechtliche Autonomie und das Recht auf freie Wahl der Äbtissin und des Vogts. Das Stift war reichlich ausgestattet, nach der Urkunde von 964  besaß es 76 Ortschaften, Kirchen und Güter,  außerdem erhielt die Stiftung Güter von Markgraf Eckhard und von König Heinrich IV.

Auf einer Romreise übertrug Gero seine Gründung dem Stuhl Petri. Papst Johannes XII. nahm das Stift unter päpstliche Aufsicht und entzog es damit der Kontrolle durch den Bischof von Halberstadt. Durch die Schutzunterstellung Geros an Papst und König hatten weltliche Dritte keinen Zugriff auf Vermögen und etwaige Besteuerungen des Stiftsvermögens. Das Stift finanzierte sich aus den Einnahmen der reichlichen Ausstattung, Gero hatte sein gesamtes Privatvermögen in das Stift eingebracht, dazu kamen Schenkungen und ähnliche Zuwendungen.

König Otto I. bestätigte die Stiftung schon 961, und Otto II. erteilte dem Kapitel in einer zweiten Urkunde desselben Jahres die Freiheit der Wahl einer Äbtissin und den Einsatz der Schutzvogte nach dem Bedürfnis des Klosters. Die Kaiser Otto III., Konrad II und Heinrich III. bestätigten gleichfalls die Stiftung und erteilen ihr alle Vorrechte, welche Gandersheim, Quedlinburg und andere kaiserliche Abteien besaßen.

Noch zu Geros Zeiten wurde das Stift Frose mit der Abtei Gernrode vereint.Der Grundbesitz war aufgeteilt in das Gut für die Äbtissin, die  Kanonissen und die sonstigen Bewohner der Abtei und der Propstei. (1)

Das Stift Gernrode war kein Kloster im eigentlichen Sinn, die Kanonissinnen konnten es jederzeit auf eigenen Wunsch wieder verlassen, sie behielten ihren Privatbesitz, konnten eine Ehe eingehen und durften in eigenen Unterkünften wohnen.

Der Konvent war die  Gemeinschaft der vollberechtigten Mitglieder eines Klosters oder Ordens. Die Äbtissin, die in der Regel durch die Stifterfamilie benannt oder gewählt wurde, stand dem  Stift vor. Sie bestimmt die Inhaberinnen der Ämter. Folgende Ämter wurden vergeben:

  • Die Priorin, sie verwaltet die Güter der Stiftsdamen.
  • Die Schatzmeisterin, sie verwaltet das Eigentum vom Konvent.
  • Die Kellermeisterin, sie verwaltet die Lebensmittel.

  • Die Pförtnerin, sie hütet die Klausur.

  • Die Schulmeisterin, sie lehrt Latein und die Inhalte der Schriften.

  • Die Küsterin, sie läutet die Glocken zum Stundengebet.

stiftsstrukturDie Kanonissinnen kamen  aus dem lokalen Adelsgeschlecht und dem deutschen Hochadel, waren also außerordentlich priveligiert. Eine der Prominentesten war Uta von Ballenstedt, die spätere Gemahlin von Ekkehard II., dem Markgrafen von Meißen. Beide sind als  in Stein gehauene  Skulpturen im Naumburger Dom zu sehen.Auch Hazecha, eine der späteren Äbtissinnen, wurde im Kloster erzogen und ausgebildet. Beide, sowohl Uta als auch Hazecha, waren Schwestern des Grafen Essiko von Ballenstedt, dem Begründer des Geschlechts der Askanier.

Die Statuten schrieben den Stiftsdamen ein Leben in strenger Abgeschlossenheit (Klausur) vor, deshalb war das Stift von sehr starken Mauern umgeben und nur durch eine Pforte zu betreten. Hauptanliegen des Stiftlebens war das Führen eines gottgefälligen Lebens der alleinstehenden adligen Damen. Die Aufgaben der Kanonissen bestanden im Chordienst und der Armen‑ und Krankenpflege. Die täglichen Gebetsverpflichtung und die Teilnahme an den Messen an hohen kirchlichen Feiertagen und an den Todestagen für die Stiftungsfamilienmitglieder nahmen einen breiten Raum ein. "Inbrünstig und mit ganzer Anstrengung des Geistes und des Körpers" sollten die Kanonissinnen Gott dienen sowie für das Seelenheil der Herrscher - und Stifterfamilien beten. (1)

Ein Gelöbnis mussten sie nicht ablegen. Innerhalb des Stifts führten die Kanonissen ein gemeinschaftliches Leben. Die Sanktimonialen waren aufgerufen, unmittelbar nach dem Abendgebet in den Schlafsaal zu gehen und keine Zeit mehr zum Schmause, Trinken oder für überflüssiges Geplauder zu verschwenden. Die Speisen wurden im Speisesaal gemeinsam eingenommen, während des Essens wurde aus heiligen Schriften vorgelesen.

Aus dem Gemeinschaftsleben durften sich die Stiftsdamen in private Aufenthaltsbereiche zurückziehen. Das Bewohnen privater Bereiche war durchaus üblich, die Räume waren mit privatem Besitz und Gegenständen eingerichtet. Die Kanoniker des Stifts wohnten in eigenen Kurien außerhalb des Stiftsbezirks, der im Lageplan der Stiftskirche dargestellt wird.

Lageplan StiftskircheDie Kanonissen Gernrodes verfolgten  die gleichen Bildungsideale wie Gandersheim oder Quedlinburg, ohne im Detail deren Niveau zu erreichen. Das Gebetsgedenken war die Hauptaufgabe des Stifts. Es war und blieb ein Mittelpunkt des geistlichen Lebens im Kloster. Daher war der Tagesablauf der Sanktimonialen durch Gebetsstunden bestimmt und weitgehend ausgefüllt. Im Stundengebet wurden Psalmen und  Auszüge aus dem Alten und Neuen Testament gelesen sowie Hymnen, Fürbitten und Antiphonen gesungen. (1)

Besonders intensiv gedachte man der Toten in den Vigilien, das war ein nächtlicher Trauer- und Gedenkgottesdienst am Jahrestag des Todes eines Verstorbenen. Die so Geehrten wurden ins  Vigilien Buch eingetragen.

Die Kanoniker, das sind Kaplane, Kustos, Diakone und Subdiakone, hatten  seelsorgerische Aufgaben und wurden durch Stiftungen an das Kloster oder durch  Pfründe finanziert. Knechte, Mägde, Unfreie, vom Stift abhängige freie Bauern, Amtsleute sogenannte Ministerialen, einfache Lehensträger, sogenannten Vasallen, sie alle gehörten zum Stiftsverband, sie waren Mitglieder der „familia“. (1)

Äbtissin und Konvent bestimmten, welche Vogte und Untervogte bestellt wurden und wer Inhaber der Hofämter wurde. Die Vögte vertraten das Kloster in Rechtsangelegenheiten in der Öffentlichkeit. Sie erhoben das Vogt Geld, die Steuern, die Dienste und Abgaben.

Der Vogt sprach Gericht über die zur „familia“ gehörigen Menschen, die Mägde, Knechte, hörigen Ministerialen und  freien Bauern. Er schützte das Stift vor Übergriffen von Adligen, stellte Urkunden aus, nahm an der Äbtissinnen Wahl teil und erhob Abgaben.

Diese Aufgaben waren mit lukrativen Einnahmen verbunden, deshalb waren Vogteiämter beim Adel sehr begehrt. Seit dem zwölften Jahrhundert hielten die Grafen von Ballenstedt das Vogteiamt Gernrodes in erblichem Besitz. Wiederholte Versuche der Äbtissinnen, die Gewalt über die Vogtei  zurückzugewinnen, schlugen fehl.

Die Askanier setzten schon frühzeitig ein Zeichen. Die später aufkommende Geldwirtschaft in Deutschland schwächte die Naturaleinnahmen der verstreut liegenden Besitzungen, so dass Güter verkauft werden mussten.  Der Grundbesitz schrumpfte teilweise beängstigend. Nur einen geringen Teil verwalteten die Stiftsdamen selbst, mit dem größeren Besitzanteil wurden Vasallen und Ministeriale beliehen. Die Äbtissin und die Stiftsdamen ließen ihre Anteile von stiftsabhängigen Bauern gegen einen Zins bewirtschaften.

Durch Verschuldung und Misswirtschaft einzelner Äbtissinnen, durch Streitigkeiten innerhalb des Kapitels und rückläufige Siedlungsentwicklungen im Spätmittelalter verlor das Stift seit dem 13.Jahrhundert Güter und abhängige Bauern. 1544 war der Besitz auf Gernrode, fünf Dörfer und einige wüste Feldmarken zusammengeschrumpft.

Bei der Gründung des Gernroder Stifts wurde die Stiftskirche St Cyriakus  Maria und Petrus geweiht, als Schutzheilige kamen später der Heilige Cyriakus  und der Heilige Metro hinzu. (95) Gero brachte von seinen Romreisen den Armknochen des heiligen Cyriakus und Knochenteile des heiligen Metro nach Gernrode. Der Märtyrer Cyriakus galt als der Bezwinger des Teufels. Die Reli- quien wurden während der Reformation entfernt.

Grabstein HathuiÄbtissin Hathui war nicht nur die erste, sondern auch die bekannteste Gernroder Äbtissin. Sie war eine gebürtige Billunger, einer  in Westfalen und Ostsachsen reichbegüterten und mächtigen Familie und wurde 936 geboren.

Hathuis Tante Mathilde hatte 909 den Liudolfinger Heinrich geheiratet, der 919 als erster Sachse zum König gewählt wurde.

Hathui war eine hochgebildete Frau, die das Kloster über 52 Jahre vorbildlich leitete. Sie führte den Titel "gubermatrix", was so viel wie  "Herrscherin" bedeutete. Damit hatte sie Pflichten und Rechte wie eine Landesherrin, nur die obere Gerichtsbarkeit über ihre Gernroder Untertanen übte der Schutzvogt aus. Weisungsberechtigt waren nur der Papst und der König, der das Schutzrecht besaß.

Nicht alle späteren Äbtissinnen konnten diesem Vorbild folgen und es gab Zeiten, in denen das Stift durch Unfähigkeit einer Äbtis­sin in große wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet.

Die Führung eines Klosters war auch schon zur damaligen Zeit neben den speziellen Aufgaben einer klösterlichen Einrichtung mit verwaltungstechnischen, aber auch wirtschaftlichen und finanziellen Entscheidungen verbunden. Diese Aufgabe stellte hohe Anforderungen an Ausbildung und Eignung der Äbtissinnen. Zwar stand ihr der jeweilige amtierende Schutzvoigt zur Seite, die Verantwortung für das Wohlergehen des Stifts konnte ihr jedoch niemand abnehmen.

Die Ausbildung für ihr Amt hatte Hathui in dem 936 von der Königin Mathilde in Quedlin­burg errichteten Damenstift erhalten, 954 wurde sie die Frau Siegfrieds. Als 25-jährige Witwe, kinderlos, machte Gero sie zur ersten Äbtissin des von ihm gegründeten Stifts. Sie wurde 962 vom Halberstädter  Bischof Bernhard geweiht. Sie starb am 14. Juli 1014, sie erhielt einen Ehrenplatz vor dem heiligen Kreuzaltar in der Vierung der Stiftskirche neben ihrem Schwiegervater Gero. In Gernrode wurde diese Äbtissin wie eine Heilige verehrt.

äbtissin scholastika1469 wurde Scholastika Äbtissin. Sie war die Tochter  Fürst Georgs I. von Anhalt und wurde im Kloster Helfta erzogen. Im Alter von 18 Jahren wählten sie die Quedlinburger Äbtissin und die Stiftsinsassen einstimmig zur Äbtissin des Gernroder Stifts. Ihr wurde bestätigt, dass sie ihrem Stift mit Ernst und Würde vorgestanden habe, obwohl sie mit einigen konservativen Kirchenbräuchen nicht glücklich war und sie gern eine Anpassung herbeigeführt hätte. Ihre besonderen Tugenden während ihrer Amtszeit waren Demut und Geduld.

Sie starb am 31.August 1504. Ihre Nachfolgerin wurde Elisabeth von Weida. Sie gilt als die Bedeutende der Gernroder Äbtissinnen. Als treue Verehrerin Luthers ergriff sie als eine der Ersten Partei für die gereinigte Lehre des Christentums.

Gernrode bekam eine der ersten Schulen in Deutschland, in denen Luthers Reformen wirksam umgesetzt werden konnten, es entstand eine allgemein zugängliche Schule, in der Kinder aller sozialen Schichten eine elementare Bildung erwerben konnten. Daran hatte Elisabeth von Weida einen entscheidenden Anteil.

Als sie sich 1521 der Reformation anschloss, ahnte sie wohl nicht, dass sie damit der Abtei die Grundlage ihrer Selbstständigkeit entzog.

Elisabeth sah sich wegen ihrer fortschrittlichen Reformgedanken massiven Anfeindungen ausgesetzt, doch sie erwies sich allen Drohungen der Päpste und der daraus resultierenden Gefahren als sehr standhaft. Ihrem gesamten Kapitel stellte sie in einer  flammenden Rede dar, Dankbarkeit zu zeigen und es als Wohltat Gottes zu werten, dass sie die Zeit erleben durften, in welcher der papistische Sauerteig ausgefegt und das Licht  des Evangelium rein und lauter gepredigt würde. (2)

Diese starke Tat einer katholischen Äbtissin in jener Zeit brachte ihr den Hass der Vornehmen des Kapitels und der Grafen, Bischöfe und Edelleute ein. Sie blieb standhaft, fürchtete keine Gefahr und lebte ohne menschlichen Schutz. Nur vor Gott wollte sie Rechenschaft ablegen, sie zog dem Ruhm Christi allen irdischen Sachen vor. Eine starke Tat einer starken Frau, das kann man ihr auch heute noch bestätigen.

Schon im zwölften Jahrhundert verstärkte sich der Einfluss sächsischer Schutzvögte aus dem Haus der Askanier, den späteren Fürsten von Anhalt. Sie versuchten durch geschicktes Vorgehen das Stiftsgebiet ihrem Besitz einzuverleiben. Unter den beiden mittelbaren Nachfolgerinnen der Elisabeth von Weida, der tüchtigen Anna von Plauen (1532-1549) und der klugen Anna von Kittlitz, (1549-1558) wurde das Machtstreben der Anhaltiner noch nicht so offensichtlich vorangetrieben.Anna von Plauen war die Nichte des Fürsten Wolfgang, des damaligen Erbschutzvogtes der Abtei. 

Nach dem Tod der Äbtissin Sophie Elisabeth von Anhalt im Jahr 1614 wurde die Leitung des Stifts nicht wieder besetzt. 1616 gliederten die anhaltischen  Fürsten das Stift  in ihren Besitz ein und sahen sich damit am Ziel eines jahrhundertelangen Bestrebens, das Gernroder Stift in ihren Besitz zu bekommen.

Klaus Okesson

Literatur

(1) Begleitheft zur Ausstellung „Schleierhaft“ in St Cyriakus.

(2) Schönichen; Gernrode am Unterharze 

Bildnachweis 
Diagramm „Innere Struktur des Gernroder Stifts“ aus der Broschüre „Schleierhaft“.
Lageplan der Stiftskirche ist eine Montage des Autors. 
Bilder der Äbtissinnen  sind Archivbilder des Gernroder Kulturvereins

Gernrode erwirbt das Stadtrecht

Im  Mittelalter hatten sich zwei Machtzentren etabliert. Da  war der katholische Klerus mit dem Papst im Machtzentrum, die Basis  waren die Bistümer, die Klöster und die Abteien mit ihren in Gottesehrfurcht gehaltenen Gläubigen. Der Gegenspieler war der Staat in Form der Kaiser- und Königreiche. Nur der König oder Kaiser verfügte über das Land und damit über die Hoheitsrechte. Er belehnte einflussreiche Adelsfamilien und Fürsten und schuf dadurch ein filigranes Netz vonkleinstaatlichen Fürstentümern. Das Lehnrecht sicherte die Loyalität und die Gefolgschaft des Belehnten. Infolge des Erbrechts verzweigten sich die Fürstentümer und auch Kaiser- und Königreiche  immer wieder. Deshalb war Landzugewinn, egal wie und mit welchen Mitteln, eine existentielle Frage, in der Kriege und Intrigen keine ungewöhnlichen Spielarten waren, um den Besitz zu halten oder besser noch zu mehren. Das sei den nächsten Betrachtungen vorausgeschickt, um die erbitterten und ständigen Bemühungen im Kampf  der anhaltischen Fürsten, um die Besitzungen des Stifts einordnen zu können.

Ansicht GernrodeViele Jahrhunderte übten die Äbtissinnen durch die Vögte die staatsrechtliche Hoheit über das  Dorf Gernrode aus. Wegen der sich ändernden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Gegebenheiten in wachsenden Siedlungen, musste das bisher geltende Landrecht angepasst werden.

Im 13.Jahrhundert, nachdem der Ort größer geworden war, ordnete die amtierende Äbtissin  eine Verwaltung an, die aus einem Rat mit Bürgermeister und Ratsherren bestand. Diese Ortsvertreter wurden von den Einwohnern gewählt. (1)

 Das klang republikanisch und demokratisch und erweckte den Anschein einer städtischen eigenständigen Verwaltung. In Wirklichkeit entstand damit ein Instrument einer Befehlsvermittlungsstelle mit einem demokratischen Anstrich. Es deutete sich aber  trotz aller noch bestehenden Hindernisse an, dass sich ein neues bürgerliches Rechtsgefüge neben dem feudalen Landrecht zu entwickeln begann. Die obere Gerichtsbarkeit aber, die über Leib und Leben der Untertanen bestimmte, blieb noch fest in den Händen der Abtei.

Pastor Hartung berichtet in seinem Buche „Zur Vergangenheit von Gernrode“, dass schon früh neben der Abtei eine Marktsiedlung vorhanden war. Das war vorstellbar, denn das Kloster und die Burg mussten versorgt werden.

Solche Siedlungen strebten das Marktrecht an. Das Marktrecht war zu dieser Zeit ein Recht, einen Wochen- oder Jahrmarkt abzuhalten. Der dafür bestimmte Platz  stand dann unter Marktfrieden, also einem besonderen für den Markt und seine Besucher geltenden Recht und wurde vom Marktherrn (König, Fürst, Graf, Bischoff) geschützt.

blockpmDie in dieser  Zeit entstehenden kleinen Kaufmannsiedlungen bündelten die Wirtschaftskraft. Zentrum solcher Siedlungen war der Markt. Hierher brachten die Bauern ihre Produkte. Beim Passieren der Stadtgrenzen wurden Zölle fällig. Das erhöhte das Interesse, einen eigenen Markt zu haben. Für die städtische Wirtschaft war dieses Privileg von entscheidender Bedeutung.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Gernroder Kaufmannssiedlung ist wohl nie über den Ortsbereich hinausgegangen. Die verkehrsmäßig ungünstige Lage abseits der großen Verkehrsstraßen verhinderte das Entstehen eines reichen Kaufmannstandes. Das ist auch die Erklärung dafür, dass es in Gernrode keine beeindruckenden Fachwerkhäuser gibt wie in anderen gleichaltrigen Städten im Harzbereich.

Die Kaufleute Gernrodes sahen ihre vorrangige Aufgabe in der Versorgung der Bedürfnisse der Stiftsdamen, der Kleriker, der Ministerialen, Handwerker und Knechte des Stifts sowie die der Bergleute. Darin eingeschlossen war die Versorgung der bäuerlichen Siedler  der nahen Umgebung, wie Rieder und der kleinen Orte Suderode, Bicklingen, Wellbeck und Elbingerode. Einen eigentlichen Handelsverkehr, der aufgrund eines königlichen Privilegs betrieben werden konnte, den hat es für die Gernroder Kaufleute nie gegeben.

Es war üblich, wenn sich in einem Ort Kaufleute ansiedelten und ein Marktrecht ausgesprochen wurde, diesen als Flecken zu benennen. In Gernrode vollzog sich dieser Prozess sehr zögerlich. In Gernrode gab es seit 1681 Märkte.

Der Sülzäppel  und der Blockpiepenmarkt lockten viele Besucher nach Gernrode und machten es bekannter. Gehandelt wurden Lebensmittel, Schmiedewaren, Textilien, Tabakwaren, Töpfe und Pfannen aus Steingut. Selbst Zinn und Messing, Futtermittel,  Obst und Gemüse wurden angeboten.

Mittels Postkutsche und Pferdegespannen war man mobiler geworden. Die Postkutsche brachte außer größerer Mobilität Sommergäste, malende Künstler, Pakete mit Rohstoffen und Fertigfabrikaten, Kartoffeln,  Zucker, Rum, Steingut und Porzellan auf die Märkte. Die an der Handelsspanne verdienenden können sich bereichern, die auf kargen Lohn angewiesen sind, bleiben in der Armut. Die soziale Trennung wurde schärfer.

Im 14. und 15.Jahrhundert wurde die Vogtei über das Stift  Gernrode ausschließlich von den Äbtissinnen kontrolliert. Das war keinesfalls immer so. Die Äbtissinnen hatten den Ort großzügig mit Wald und Weide, mit der Braugerechtigkeit und mit der niederen Gerichtsbarkeit begabt.

bauernkriegAls aber die Vögte, d. h. die anhaltischen Fürsten, Landesherren wurden, begannen  diese, die Gerechtsamen einzuschränken. (2)

Sie verschärften die Vorschriften  beim Brauwesen (3)  sowie bei der Waldnutzung.  Mit neuen Erlassen versuchten sie, die Freiheiten und Rechte des Fleckens einzuengen.(4)  Die Bürger waren  nicht gut auf die Vögte zu sprechen. Das gute Verhältnis zwischen Äbtissin­ und Rat und Gemeinde hatte sich  im Bauernkrieg abgekühlt. In den Jahren 1523-1525 zerstörten die Bauern  viele Harzer Klöster, so auch das in Ballenstedt,  nur die romanische Krypta, das Refektorium, der Kreuzgang und der Kapitelsaal überlebten die Kampfhandlungen.

Die Situation im Land war äußerst kritisch, überall  tobten Religionskriege, Plünderungen und Zerstörungen waren an der Tagesordnung. In den durch den Krieg betroffenen Territorien wurden alle wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse  völlig umgestürzt.

Während ringsum im Lande die Klöster zerstört wurden, kam es in Gernrode und seiner Umgebung nur zu unbedeutenden Unruhen, die auf Grund der Besonnenheit und des Muts der Äbtissin von Weida völlig unblutig verliefen. Sie trat mit ihren Klosterfrauen den zerstörungswilligen Bauern mutig entgegen, bremste ihren  wütenden Unwillen und brachte sie mit ihrer Ansprache zur Vernunft und zurück zu ihren Pflichten.

Die Abrechnung der Sieger dieses Krieges war bekanntlich grausam. Dagegen verlief sie in Gernrode eher angemessenObwohl die Untertanen infolge  ihrer Auflehnung Leib, Leben, Ehre und das wenige Hab und Gut verwirkt hatten, verzichtete die Äbtissin  darauf, peinliche Strafen zu verhängen.

Die Lage blieb insgesamt angespannt, die Strafmaßnahmen in Folge der Bauernunruhen, die häufigen Wechsel der Schutzvögte und die Verpfändung der Vogtei vergifteten unterschwellig die Beziehung zwischen der Abtei und der Bevölkerung. Die Gemeindehäupter nutzten die Situation, um ihre Rechte und Befugnisse zu festigen  und auszubauen. Einige Jahre später ist die Macht der Äbtissin, inzwischen führte Anna von Plauen die Geschäfte der Abtei, so geschwächt, dass sie sich veranlasst sah, den Flecken durch Vergabe  eines Siegels aufzuwerten.

wappen siegelMit dieser beurkundeten Verleihung war das Recht  auf äußere  Souveränität für den Ort verbunden und  die Befugnis für das Führen eines Wappens.

Im Kapitelsaal der Abtei fand, streng nach Protokoll, jedoch im kleinsten Rahmen, der Staatsakt zur Siegelübergabe statt. Die Stimmung war sehr förmlich und unterkühlt, man begnügt sich auf beiden Seiten mit dem Austausch der geringsten Höflichkeitsbezeugungen. Der evangelische Stiftsgeistliche   und Lehrer Andreas Popperodt vermittelte  die Übergabe und verlas den Wortlaut der Urkunde

Damals war das Recht, Siegel und Wappen führen zu dürfen, gleichbedeutend mit einer Stadtrechtsverleihung, obwohl die Verleihung ursprünglich ein kaiserliches oder landesrechtliches Privileg war. Das Stadtrecht ist kein einheitliches Stadtgesetz, sondern besteht aus mehreren Privilegien und Einzelrechten. Das Marktrecht ist das älteste, ergänzt durch städtische Gerichtsbarkeit und das Befestigungsrecht.

MotivwagenDurch die Äbtissin Anna von Plauen erhielt der Ort 1539 das Recht, ein Siegel und ein Wappen zu führen.(5) Eine ausdrückliche Verleihung des Stadtrechtes hingegen scheint nie erfolgt zu sein, allerdings gratulierte der anhaltische Städtelandtag, in dem Gernrode Sitz und Stimme hatte, 1939 zum 400. Jahrestag der Verleihung des Stadtrechtes.

Gernrode blieb auch im 18. und im 19.Jahrhundert Marktflecken, selten wird in Urkunden dieser Zeit von der Stadt Gernrode gesprochen.

Obwohl  die Äbtissinnen des Stifts Landesherrinnen des Siedlungsgebiets waren,  in dem  Gernrode  liegt, verwalteten die Bürger ihre Stadt selbst, so dass Gernrode schon früh über ein Rathaus verfügte.

altes Rathaus 1Mittelpunkt einer jeden Stadt ist gemeinhin der Marktplatz mit dem Rathaus und der in Gernrode hat sich  in Größe und Gestalt bis in die heutige Zeit kaum verändert. Die geographischen Bedingungen ließen keine Optionen dafür. Er hat wohl eher einen straßenähnlichen Charakter. Natürlich hat auch dieses Haus eine Geschichte. Das älteste Gernroder Rathaus soll 1530 erbaut worden sein. Mehr ist von diesem Haus leider nicht bekannt. Das Rathaus mit der längsten Dienstzeit, es war fast 250 Jahre die Verwaltungszentrale der Stadt, wurde kurz nach Beendigung des 30jährigen Krieges in den Jahren 1664 bis 1666 erbaut. Baumeister war der Zimmermann Andreas Bocken, die Baukosten beliefen sich auf 2375 Taler. Nikolaus Petersohn war der  regierende Bürgermeister in der Bauzeit.alter Marktplatz

Die Gernroder Verwaltungszentrale für das städtische Gemeinwesen war zu Beginn des 20.Jahrhunderts seinen Aufgaben nicht mehr gewachsen. Der Verwaltungsaufwand wurde umfangreicher und immer komplexer. Für neue Geschäftsräume und mehr Arbeitskräfte, die zur Bewältigung des gestiegenen Verwaltungsaufwandes nötig wurden, taugte aber das baufällige vorhandene Rathaus in keiner Weise. Situationsbedingt entschied sich der Rat für den Bau eines neuen Rathauses. Dem geplanten Neubau standen zunächst auch viele Hindernisse  im Weg. Nach heftigem Für und Wider über Bauen  oder Nichtbauen, über Standort und über die Kosten siegte dann doch die Vernunft.

Nach der Genehmigung des herzoglichen Staatsministeriums wurde ein Baurat Starke mit der Ausarbeitung eines Entwurfs beauftragt, für den 80 000 RM veranschlagt wurden. Nach verschiedenen wunschgemäßen Änderungen, die Baurat Starke an dem Entwurf vornahm, stimmte der Herzog dem Projekt zu. Damit war der Weg für Gernrodes jetziges Rathaus frei. Regierender Bürgermeister und erster Amtsinhaber im neuen Haus war Gustav Schröder. Er erhoffte sich vom neuen Rathaus, dass es alle funktionalen Aufgaben zum Wohle der Stadt erfüllt. Er sollte auch in seiner "ganzen würdigen äußeren und inneren Ausstattung die Zierde und der Stolz unserer Stadt werden. Möge er zum Wahrzeichen der Stadt werden, ihr Ansehen und ihre Bedeutung richtig verkörpern." Der Rathausneubau war das wichtigste Ereignis für die Stadt. Leider stand der Baubeginn im Schatten eines ausbrechenden Krieges.

Gäste GrundsteinlegungAm 5.Mai 1914 fand die Grundsteinlegung statt. Prominente Gäste bei den Feierlichkeiten waren der Magistrat und das Stadtverordnetenkollegium, die Mitglieder der Rathausbaukommission, Baurat Starke, der Architekt Knoche, die städtischen Beamten und die Handwerksmeister der Baugewerke. Kreisdirektor Dr. Knorr vertrat die höhere, an der Teilnahme verhinderte Prominenz (6)

Bürgermeister Schröder würdigte in seiner Begrüßungsrede die Bedeutung dieses Tages. Im Grundstein wurde unter anderen Dokumenten die Urkunde mit diesem Inhalt deponiert.

"Wir Magistrat und Stadtverordnete der Stadt Gernrode tun hiermit Kund und zu Wissen, dass, nachdem der Bau unseres neuen Rathauses am 1.April im Jahre Eintausendneunhundertundvierzehn, das ist im sechsundzwanzigsten Jahre der Regierung des Deutsche Kaisers Wilhelm des Zweiten, und im elften Jahre der Regierung Friedrichs des Zweiten, Herzogs von Anhalt, begonnen und darauf bis zur Errichtung des Kellergeschosses glücklich gefördert worden ist, wir heute Dienstag den fünften Mai desselben Jahres dieses Hauses Grundstein gelegt haben, „ (7)

neues rathausDer Bau schritt ohne Verzögerung rüstig voran und war mit Beginn des Jahres 1915 soweit gediehen, dass die feierliche Einweihung erfolgen konnte. In seiner baukünstlerischen Gestaltung ist das Bauwerk in seiner äußeren Erscheinung prunklos aber ansprechend und trägt dem Gepräge eines städtischen Verwaltungs- und Repräsentationsbaus Rechnung. Mit seinen im schlichten Barock gehaltenen Fassaden, seinem geputzten Mauersteinverband und dem Fachwerk mit Putzflächen passt er sich gut in seine Umgebung ein.

StadttoreDer Ort Gernrode war von Wassergräben, Bächen oder Mauerresten umgeben, eine geschlossene Stadtmauer hat nie existiert.  Vermutlich auch ein Grund, warum man sich so schwer tat, Gernrode als Stadt zu behandeln.

Die Äbtissin war die Landesfürstin und die sah keine Notwendigkeit für eine Stadtbefestigung. Sie ging davon aus, dass das Kloster befestigt war und zu Notzeiten auch den Gernroder dort Schutz und Unterkunft gewährt würde. Da mutet doch der Umstand, dass Gernrode um 1534 drei urkundlich bestätigte Stadttore mit Torhäusern hatte, verwunderlich an. Welche Funktion hatten diese Tore? Bestandteil eines Sicherheitssystems zum Schutze der Stadt waren sie ganz offensichtlich nicht, dazu fehlten die Mauern oder mindestens Schutzwälle oder gleichartige Sicherungen. Die nachgewiesenen drei Tore dienten in erster Linie der Erhebung des Marktzolls, die Existenz der Stadtzugänge hat also eine wirtschaftliche Funktion und füllte die Stadtsäckel. Alle Zugänge zur Stadt wurden ausschließlich von Bürgern bewacht.

Quellennachweis:

  1. Siegfried Rietschel; „Markt und Stadt“. Siehe den Abschnitt „Verfassung des alten Fleckens“ Seite 7
  2. Von 1245 – 1315 war die Vogtei in der Ascherslebener Linie gewesen
  3. Siehe IV Seite 46: Brauordnung und Ib. Seite 50 Die Geschichte bürgerlichen Brauhauses
  4. Siehe I.a S. 84 (Brief des Fürsten Joachim Ernst an den Schosser Ballenstedt
  5. Beckmann; "Historia des Fürstentums Anhalt etc.“.(1710) Band I Seit 183
  6. Protokoll der Ratssitzung von 1914, Archiv Gernrode
  7. Auszug aus der Urkunde zur Rathausgrundsteinlegung, Archiv Gernrode

Mit Geronisroth hat alles begonnen

Bereits 1961 feierte unser beschauliches Vorharzstädtchen Gernrode seinen 1000 jährigen Geburtstag. Das ist schon mehr als ein halbes Menschenleben her. Die moderne Zeitrechnung definiert diesen Zeitraum als  das Mittelalter und meint damit die Zeit zwischen dem Untergang des Römischen Reiches im 5.Jahrhundert bis ins 15.Jahrhundert. Das  Frühmittelalter im 6. bis 9.Jahrhundert war geprägt von der weitreichenden Christianisierung des Abendlandes und der Machtergreifung der Franken unter Karl dem Großen. Das sich anschließende Hochmittelalter beschreibt die Epochen zwischen dem 10. und dem 13.Jahrhundert, das bestimmt war durch die mächtigen deutschen Herrschergeschlechter wie den Ottonen, den Saliern und den Staufern. Gemeinsam mit einem erstarkenden Papsttum bestimmten sie die Geschicke in Europa.

Das Spätmittelalter im 14.und 15.Jahrhundert erlebt das Aufblühen der Städte und des Handels und die Schwächung von Papst und Kaisertum. Bild 2

Um die Ursprünge unseres Heimatortes ergründen zu können, müssen wir uns in die Zeit des Hochmittelalters zurück begeben. Leider sind die überlieferten Erkenntnisse aus jener Zeit nicht sehr üppig, doch um über die Wurzeln unseres Gemeinwesens informiert zu sein, sollten wir jede Informationsquelle nutzen. Letztendlich geht es hier um das Leben unserer Vorfahren.

Das gesellschaftliche Wesen des Hochmittelalters gründet auf dem Lehnwesen, das römische, keltische und germanische Wurzeln hatte. Da nur Kaiser oder Könige über Land und damit über die Hoheitsrechte verfügten, belehnten sie ihre adlige Gefolgschaft mit einem Lehen, dass da hieß Landbesitz, Ämter und Privilegien. Damit schufen sie ein filigranes Netz von kleinstaatlichen Fürstentümern und stärkten ihre Macht und ihren Einfluss. Das Lehnrecht sicherte die Loyalität und die Gefolgschaft des Belehnten. Da auch die Lehennehmer wieder Lehen vergeben konnten,  bildete sich ein gut funktionierendes Abhängigkeitssystem heraus, das auf dem Prinzip des Geben und Nehmens basierte, der Zusammenhalt der mittelalterlichen Gesellschaft  funktionierte also auf Grund  persönlicher Beziehungen. Infolge des Erbrechts verzweigten sich die Fürstentümer und auch Kaiser- und Königreiche immer wieder, so dass zusätzlicher Landgewinn eine ständige Notwendigkeit war.

<>Der Frankenkönig Karl der Große unterstellte in seinem Machtbereich alles freie Land, so auch die Wälder des Harzes, direkt seiner Herrschaft. Er  teilte es in Gauen ein und legte neue Grenzen fest. Die Verwaltung erfolgte durch Gaugrafen, die Karl selbst bestimmte. Es waren Edle, die  für ihre Gefolgschaft  auf diese Weise belohnt wurden. Diese Ämter waren nicht erblich, aber mit großen Privilegien ausgestattet. Dieser Titel berechtigte zur Befehlsgewalt über eine regionale Heeresabteilung, der Titelträger war höchster Richter und erster Verwaltungsbeamter im Gau.

Allmählich entstand eine bevorteilte Adelsschicht, die die freigewählten Stammesfürsten ablöste. Es entwickelte sich eine feudalistische Lebensform in der Gesellschaft. Es regierten im geistlichen Bereich der Klerus und im weltlichen die absolutistischen Fürsten, Grafen und Könige. Landbesitz bestimmte die soziale Stellung in der Gaugesellschaft. In dieser Zeit entstanden die Harzer Adelsfamilien. Sie führten erbitterte Kämpfe um Besitz, Macht und Einfluss. Die  Namensgebung der besonders mächtig gewordenen Familien wurde üblich. Einflussreiche und  führende Familien im Harzraum wurden beispielsweise die Askanier, die Mansfelder, die Wernigeroder, die Blankenburger und die Stolberger.

Vor diesem geschichtlichen Hintergrund vollzog sich die Entstehung unserer Heimatstadt. Otto Franke, ein prominenter Gernroder Bürger und berühmter Chinakundler, dessen Vater langjähriger Gernroder Bürgermeister war, schätzte an seinem Heimatort: „Gernrode hatte eine glänzendere und rühmlichere Vergangenheit als die weitaus meisten Orte von seiner Größenordnung.“ (1)

Was  war wichtig für die Entwicklung unserer kleinen Stadt? In der Entstehungszeit Gernrodes waren wohl die Gunst und die Nähe zu den damals mächtigen Ottonen überaus bedeutsam. Mit dem Stift und der Stiftskirche entstanden die  Gernrode prägenden Einrichtungen.

Die Kleinstadt Gernrode liegt im Vorharz am Nordrand des Ostharzes, und schmiegt sich zwischen die Ausläufer des Rambergmassivs und wird nach der Ebene hin von den Muschelkalkrücken Bückeberg und  Kahlenberg abgeschirmt. Die geschützte Lage beschert dem Ort ein mildes Klima und vereint die Vorteile der bergigen Landschaft mit den Weiten der flachen Ebene. Bild 1

Das Rambergmassiv  überragt  als markante Grenze zwischen dem Nordharz und dem hügeligen Vorland diese Landschaft und ist weithin sichtbar. Die felsige Gebirgsformation ist geprägt von ausgedehnten und undurchdringlichen Laub- und Fichtenwäldern. Sie bot Lebensraum für einen stabilen Wildbestand und für reiche Vegetation. Bären hielten sich bis Ende des 17. Jahrhunderts und Wölfe sogar bis Mitte des 18. Jahrhunderts. Ramberg steht für starken, mächtigen und wuchtigen Berg. In seinen schluchtenartigen Tiefen rauscht im Osten die Selke und im Westen die Bode. Sie begrenzen das Bergmassiv. Das Wasser der Harzer Flüsse und Bäche wurde zu einem ersten natürlichen Reichtum. Seine von Wildbächen belebten Täler, wie zum Beispiel das Steinbachtal, das Wurmbachtal und das Kalte Tal sind unvergleichlich und typisch für den Harz.

Damals war der Hoch- und Oberharz bis ins 10.Jahrhundert schwer zugängliches Waldgebiet und deshalb kaum besiedelt. Die Randgebiete des Harzes und der Unterharz dagegen wurden bereits in vor‑ und frühgeschichtlicher Zeit durch vorwiegend bäuerliche Siedler erschlossen.

Bild 3Die Mulde vor dem Rambergmasiv, in denen die beiden Orte Gernrode und Bad Suderode liegen, war eine Buntsandsteinmulde, die damals sumpfig war. Die Mulde wurde an zwei Stellen natürlich entwässert. Einmal im Osten des Hagenberges an der „Rose“ und im Westen dieses  Hügelrückens nördlich der Stecklenberger Straße in Bad Suderode.Auf diesem Foto mit der Sicht auf Gernrode und Bad Suderode kann man die muldenartige „Wanne“ erahnen, in denen heute diese beiden dichtbesiedelten Orte liegen.

In diesem Sumpf mündeten außer mehreren kleinen zwei größere Bäche, der Hagentalbach und der Bach des Kalten Tales. Vor diesem Sumpfgebiet lag der verbreiterte Talausgang des Hagentals, dort hatte sich eine  aufgeschwemmte Insel gebildet, ähnlich einer natürlichen Zufluchtsstätte. Man vermutete, dass sich hier eine germanische Kultstätte befunden haben könnte.  Genau an diesem Ort  entstanden die Burg Geronisroth und das Kanonissen Stift, die die Geschichte Gernrodes so entscheidend prägten und die als Ursprung Gernrodes gelten.

Bild 3aEs war Geros Verdienst, dass dies der Standort der Wiege Gernrodes wurde.Das 10.Jahrhundert war das Jahrhundert der Ottonen.Heinrich I. hatte sein Reich vor den Ungarn und den Slawen zu schützen. Für die Grenzbefestigung hatte er einen Burgenplan entwickelt. Er wollte seine Befestigungsanlagen an ehemaligen germanischen Kult-und Versammlungsstätten erbauen lassen.  Durch den Bau und den Ausbau zahlreicher Burgen gelang es ihm, den Harzraum zu sichern. Sein Sohn und Nachfolger, Otto l., setzte diese Politik erfolgreich fort.In Gero, der  aus dem Geschlecht der Grafen von Merseburg stammte, fand er einen mächtigen Verbündeten. Gero wurde im Dienst der Ottonen zu einer der schillernsten Figuren dieser Epoche. Ihm übertrug Otto I. die Aufgabe, die Grenzen der Ostmark zu schützen. Dazu könnte der Aufbau eines befestigten Platzes im Bereich Gernrode gehört haben. Sollte am Fuße des Ramberges, an der Stelle einer germanischen Malstätte, in der Nähe Heinrichs I, die Burg der Geronen eingefügt werden?

Die  Insel im Sumpfgebiet des Buntsandsteinbeckens entsprach Heinrichs Anforderungen an den Standort einer Befestigungsanlage. Die Burg wurde auf dem jetzigen Stiftshügel, der südlich durch den teichartig angestauten Bach aus dem Hagental begrenzt wurde, erbaut.  Zwei Bacharme in steilen und tiefen Gräben umflossen im Osten und Westen den Hügel und das  flache Gelände der Nordseite wurde durch das Sumpfgebiet begrenzt. Das ergab schon einen gewissen Schutz der Anlage.Abb 4 Die freie Ostseite war durch Palisaden geschützt, mit einem Tor von dem eine Zugbrücke über den  Graben führte. Zur Sicherung der ungeschützten Südseite wurde ein 150 m langer, 28 m breiter und  5 m tiefer Graben angelegt, der noch heute an den tiefliegenden Gärten der Klosterstraße zu erkennen ist.Bis 1430 waren die Burg  und das Stift lediglich durch Holz-Erde-Konstruktionen geschützt. Über die Erbauungszeit der Burg ist nichts bekannt. Auf dem Gelände dieser Burg wurden die von Markgraf Gero gestiftete Abtei und die Stiftskirche errichtet. In einer Phantasiedarstellung versuchte der Gernroder Bürger Gerfried Seidel eine mögliche Vorstellung der Burgansicht auf dem Gelände der  Stiftskirche darzustellen.Bild 5 2

Das abgelegene, kaum zu kontrollierende Gelände war vorzüglich geeignet, unbemerkt in aller Stille ein Heer zu versammeln, wenn es gegen die Slawen gehen sollte. In den Stammbesitzungen Geros an der Grenze des Slawenlandes war das nicht möglich. Dort hätten es die slawischen Späher bemerkt.

Die Angst vor Überfällen war im Mittelalter allgegenwärtig. Zentralgewalt und allgemeingültiges Recht waren noch nicht bekannt, es galt das Recht des Stärkeren. Zwistigkeiten, Machtansprüche, aber auch hegemoniale Auseinandersetzungen wurden mit Schwert und Lanze geregelt. Um ein gewisses Maß an Sicherheit zu gewährleisten, war Eigeninitiative gefordert. Die 929 von Heinrich I. erlassene „Burgenordnung“ war Auslöser des „Burgenbaubooms“ im Ostfrankenreich. In jener Frühzeit wurden Burgen jedoch  nur zur Landesverteidigung und im Auftrag des Königs gebaut, deshalb war jede Burg im 9. und 10. Jahrhundert als ursprüngliches Reichsgut zu betrachten.

Burgen zu bauen war Königsrecht. (2) Im 9. und 10. Jahrhundert gab es in unserer Gegend nur Königsburgen. Die urbs Geronisroth war eine solche und keine Privatburg Geros.

"Zwei Namen werden unmissverständlich zwei bestimmten Rodungen zugeordnet, nämlich Geronisroth der Burg (urbs)  Geros, und Geronrod, dem Dorfe, das Teil der Stiftsgüter ist."

"die Burg lag nahe dem Kloster, die Bauten waren in Hufeisenform angeordnet, es war keine palastartige  Ritterburg mit hohem Turm und Zinnen mit steinernen Mauern, mit Kemenaten und schauerlichen Verliesen, vielmehr spricht dafür, dass es zweigeschossige Holzhäuser waren, die die Klostergebäude nicht überragt haben." (3)

Die urbs Geronisroth war also wohl  ein befestigtes Truppenlager und bestand vermutlich  aus einigen mit Wall- und Palisadenzaun eingehegtem Fachwerk - und Blockhäusern. Der Steinbau bei Burganlagen begann sich erst im elften Jahrhundert durchzusetzen, das ergab die  Forschung an mittel- und ostdeutschen Burganlagen. Zu Geros Zeiten, also im 10 Jahrhundert,  war der Mauerbau aus Holz und Erde bei Befestigungsanlagen der Normalfall. Die Gebäude aus Fachwerkverbänden standen auf Fundamenten aus Feldsteinen. Zur Verteidigung solcher Burganlagen genügten in der Regel 40 bis 80 Mann Besatzung, in Notfällen kamen im Innenraum zwischen 100 und 300 Menschen nebst des zugehörigen Viehs unter. Die dazugehörende Bevölkerung bewohnten offene Dörfer.

Zum Bau der Wälle der Befestigungsanlagen wurden mit Sand gefüllte, bis zu 5 Meter lange Holzkästen verwendet. Einen weiteren Schutz boten die Palisadenzäune und die meist trockenen, sehr tiefen, breiten und steilwandigen Befestigungsgräben.

Die Burg Geros erfüllte Angriffs- und Verteidigungsaufgaben gleichermaßen. Die überfallartigen Angriffe  der ungarischen Reiterverbände stellten die Verteidiger immerwieder vor neue Herausforderungen, für die wirksame Gegenmaßnahmen gefunden werden mussten.

In harten Kämpfen hatte Gero den Slawen den einstigen Boden germanischer Volksstämme wieder abgerungen.  Er hatte unter Otto I. die Lausitz zwischen 961 und 963 dem Reich einverleibt.  Ständig hatte er sich den Aufständen des unterdrückten Slawen zu erwehren. Seine Politik der Härte führte schließlich zur Unterwerfung des slawisch besiedelten Landes zwischen Oder und Elbe und bereicherte sein Machtgebiet erheblich. Der Sieg war teuer erkauft, sein Sohn Siegfried verlor in der Schlacht bei Gehren zur Niederschlagung eines der Wendenaufstände sein Leben. Der Tod seines Sohnes und vieler seiner tapferen Kampfgefährten könnte wohl sein Gemetzel an den eingeladenen, wehrlosen Stammesfürsten der Slawen  mit verursacht haben. Diese Gräueltat führte 965 zum großen Slawenaufstand. Alle Slawenstämme östlich der Elbe schlossen sich zusammen und drängten das deutsche Heer hinter die Elbe zurück. Bei diesen Kampfhandlungen verlor  Gero sein Leben und findet  in Gernrode seine letzte Ruhestätte. (4) Bild 6

Markgraf Gero vereinte Tatkraft mit Rücksichtslosigkeit und Brutalität und er glaubte an eine harte, expansive Politik. Nachdem er jedoch beide Söhne ohne Nachkommen verloren hatte, könnte er sich reuevoll  entschlossen haben, im Schatten der Burg Geronisroth seiner verwitweten Schwiegertochter Hathui eine gesicherte Zukunft zu schaffen und sich selbst eine Stätte des Seelenheils zu bauen. Das Massaker an den slawischen Stammesfürsten beschäftigte ihn im zunehmenden Alter sehr. So könnte die Gründung des Kanonissen Klosters für adlige Damen im Jahre 960 vorstellbar sein.

Es wurde ein freiweltliches von Fürsten und Bischöfen unabhängiges Stift und hatte die Größe  von etwa 35 000 Morgen. Es sollte für viele Jahrhunderte die dominierende  Einrichtung für den Ort Gernrode werden.

Die Gründungsurkunde Otto I. von 961 wurde zur wichtigsten und bedeutsamsten Urkunde für Gernrode. Sie war die Geburtsurkunde Gernrodes. Hierin stellt Otto I Geros Stiftung unter seinen persönlichen Schutz. Das Original dieses Schriftstückes wird in Göttingen aufbewahrt. Dieses Dokument hatte den folgenden übersetzten Wortlaut. (5)

Urkunde Otto’s des I. vom 17.Juli 961

Im Namen der heiligen und einigen Dreieinigkeit. Otto von der Gnade Gottes König.

Bekannt sei allen unseren Getreuen, gegenwärtigen sowie zukünftigen, das Markgraf Gero dem Kloster, welches er und sein Sohn Siegfried bei der Burg, welche Geronisroth genannt wird, erbaut haben, ihr gesamtes Erbe übergeben haben, einer des anderen, zum Heile unserer  nämlich des Königs und unseres Sohnes Seelen sowohl  für sich, nämlich Gero, als auch für Siegfried und alle ihre lebenden und toten Schuldner.

Und Gero gewähren wir, dass die Stiftung folgendermaßen fest und beständig unter unserer Macht sei und niemand sich erkühne, dem vorbezeichneten Kloster etwas wegzunehmen oder Schaden zu tun oder zu üben.

Als Vogt mögen sie  zum Nutzen der Kirche wählen, wen immer sie wollen.

Dazu betrauen wir ferner auf Bitten des vorerwähnten Grafen nunmehr Hathui, welche aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott der Welt entsagt  und nach dem Tode Siegfrieds ihr Haupt mit dem heiligen Schleier bekleidet hat, mit der vorgenannten Abtei und wir wollen, dass die Äbtissin selbst dem Kloster und allen meinen Zubehörungen immerfort unter unseres Schutz und unserer Beschirmung  bleibe.

Nach dem Tode der Äbtissin Hathui über sollen jene Stiftsfrauen das freie Recht haben, die unter sich zu wählen.

Und dass die Autorität unserer Schenkung hier unverletzlich und bekräftigt sei, haben wir hierzu befohlen, dieses niederzuschreiben und durch eigenhändiges  Eindrücken unseres Siegelringes da unten bestätigt.

Zwischen des Herren Otto des Serentimus Königs

Lindulf Kanzler an Stelle Brunos des Erzkaplans anerkannt

Gegeben an den 16. Mal des Augusts im Jahre der Fleischwerdung des Herrn 961, im 26.Jahre der Regierung Ottos

Aktum in Siptenfelde in Domino felicite amen

Auch die nachfolgenden Kaiser erteilten dem Stift die Freiheit, eine Äbtissin ihrer Wahl zu krönen und einen Schutzvogt nach den Bedürfnissen des Klosters zu bestimmen. Obwohl das Stift im Machtbereich des Bistums Halberstadt lag, unterstand es unmittelbar nur dem Papst und dem Kaiser.

Quellen:

  1. Franke, Otto; Erinnerung an zwei Welten, Berlin 1954

  2. Waitz; Verfassung 8, S. 203

  3. Prüfer, Fritz; Kulturbote, Broschüren 1961 und 1964

  4. Seidel, Klaus; Die Geschichte der Burg Jarina in Gehren

  5. M. Kestner; Geschichte Gernrodes, Teil 4

Klus Okesson
Gernroder Kulturverein "A.Popperodt"
(wird fortgesetzt)