Kulturheimat verschiedener Arbeitsgruppen

Pressemitteilung 24.02.2015

Bund für Natur und Umwelt (BNU) des Landes Sachsen-Anhalt

Pressemitteilung zur Jahresversammlung der Naturschutzverbände 2015

Am Sonnabend, dem 21.02.2015, hatten sich in Wernigerode rund 60 Vertreter der Naturschutz- und Umweltverbände bzw. Naturschutzgruppen des Landkreises Harz zu ihrer traditionellen Jahreshauptversammlung eingefunden. In seinen Grußworten informierte Landrat Martin Skiebe über die Erarbeitung eines Kreisentwicklungskonzeptes, welches selbstverständlich auch die Aspekte des Natur- und Umweltschutzes berücksichtigt. In die Interessenabwägung sollen die Naturschutzbeauftragten frühzeitig eingebunden werden. Ziel sind tragfähige Kompromisslösungen.

Gerade das Ringen um solche Lösungen haben die aktiven Natur- und Umweltschützer in der Vergangenheit zu oft vermisst. So musste G. Karste als Chef der NABU-Kreisverbandes feststellen, dass zu wichtigen Punkten der Resolution der Jahreshauptversammlung 2014 kein konstruktiver Fortschritt, z. B. in Richtung Erhalt des unverbauten Selketales bei gleichzeitiger Gewährung des notwendigen Hochwasserschutzes, erreicht wurde. Bei der diesjährigen Jahresversammlung konzentrierte man sich deswegen darauf, das Interesse der breiten Öffentlichkeit nur auf ein Thema zu richten – auf den Schutz des Bodetales vor einer technischen Verbauung, die zwar den positiven Begriff Baumwipfelpfad trägt, aber – so meinen die Naturschützer – nur auf die Schaffung einer nicht erforderlichen Super-Aussichtsplattform ausgerichtet ist. Ein Offener Brief unter der Überschrift „Gemeinsam handeln für den unverbauten Erhalt einer einmaligen Naturschönheit Sachsen-Anhalts – das Bodetal bei Thale“ fand deswegen die Zustimmung aller Anwesenden.

Schwerpunkt der Veranstaltung war die Berichterstattung der einzelnen Verbände für die geleistete Vor-Ort-Arbeit bei der Erfassung der in der Nordharzregion besonders reichen Tier- und Pflanzenwelt sowie bei der Organisation und Durchführung von Pflegemaßnahmen, um diesen Reichtum zu erhalten. Nicht wenige unserer heimischen Arten sind in anderen Regionen Deutschlands selten geworden oder sogar vom Aussterben bedroht. In diesen Fällen kommt dem Land Sachsen-Anhalt eine besondere Fürsorgepflicht für den Artenerhalt zu. Dafür wird durch die beteiligten Akteure –die Naturschutzbehörde, der Fördermittelgeber, Schäfereibetriebe, ehrenamtliche Naturschützer, Landschaftspflegeunternehmen und einbezogene wissenschaftliche Einrichtungen viel getan. Beispiele dafür sind blühstarke Bestände einer sehr seltenen Orchideenart oder einer Enzianart, für die nur noch in wenigen Bundesländern Vorkommen bestehen.

Die Veranstaltung fand ihren Abschluss mit einem spannenden Fachvortrag über die schrittweise Vergrößerung der Naturdynamik-Flächen im Nationalpark Harz, in denen im Unterschied zu den ursprünglich durch den Menschen geschaffenen Forsten die Natur sich selbst überlassen bleibt.

Im Pausengespräch gab es eine gut Nachricht: Sowohl Männchen als auch Weibchen des im Winter getrennt durch südliche Gefilde streifenden Wanderfalken-Paares sind wieder im Brut-Lebensraum im Bodetal bei Thale eingetroffen.

Leserbrief an die MZ

Leserbrief an die MZ Quedlinburg (28. 2. 2014, Dr. Werner Wandelt) zum Thema Baumwipfelpfad am Bodetal bei Thale

Ohne Hinweise auf die rechtlichen Aspekte ist das Pro und Kontra bezüglich eines Baumwipfelpfades nicht ganz verständlich. Wir erkennen vielleicht als Bürger zu selten, dass es in aller Regel um Interessenabwägungen geht – auf der Grundlage des geltenden Rechtes. Und dies gilt eben für alle. Es gibt auch Pflichten gegenüber den künftigen Generationen, denen eine intakte Natur gesichert werden muss. Deswegen gibt es z. B. das Landschaftsschutzrecht. Auf dieses wird im nachfolgenden Leserbrief hingewiesen.

 Der Konflikt bezüglich Baumwipfelpfad am landschaftlich einmalig schönen und erdgeschichtlich besonders interessanten Bodetal bei Thale ist vielgestaltig. Ein Kernpunkt dabei ist, dass sich die Vorhabensfläche überwiegend in einem Gebiet befindet, welches einen gesetzlichen Naturschutzstatus aufweist - die Fläche gehört zum Landschaftsschutzgebiet „Harz und nördliches Harzvorland“. Diese Naturschutzkategorie ist auf der Grundlage des Bundesnaturschutzgesetzes im Landesnaturschutzgesetz von Sachsen-Anhalt verankert. Dieser Schutzstatus beinhaltet allgemein immer eine Beschreibung des Schutzzweckes, u. a. aber auch bestimmte Verbote, die zur Gewährleistung des Schutzzweckes notwendig sind. Im konkreten Fall ist es verboten, bauliche Anlagen aller Art zu errichten. Deswegen – so sieht der ehrenamtliche Naturschutz dies - kann hier kein Baumwipfelpfad errichtet werden. Die Stadt Thale meint offensichtlich, dass der gesetzliche Landschaftsschutz zwar zu beachten ist, eine Befreiung von dem genannten Verbot aber gefordert und erlangt werden kann. Dabei geht es um ein technisches Großbauwerk „Baumwipfelpfad“ dass mit einer Teilstrecke von rund 150 m Länge und einer Höhe von durchschnittlich 16 m aus allen Richtungen voll sichtbar an der Abbruchkante des Bodetales und damit an der Grenze des Naturschutzgebietes entlang führt.

Wie sieht die von allen beteiligten Akteuren zu beachtende rechtliche Situation aus?

Landschaftsschutzgebiete werden durch die zuständige Kreisverwaltung durch eine Verordnung als solche erklärt – fachlich zuständig ist die Untere Naturschutzbehörde. Die Unterschutzstellung des Landschaftsschutzgebietes „Harz und nördliches Harzvorland“ (hier Altkreis Quedlinburg), erfolgte am 4. 2. 1994 durch den damaligen Landrat (Landrat Mahlo). Sie gilt unverändert fort.

Für die Bewertung der Problematik eines Baumwipfelpfades am Bodetal bei Thale ist es erforderlich, die Festlegungen in der Verordnung über das genannte Landschaftsschutzgebiet zu kennen. So wird in dieser Verordnung zum Schutzzweck gesagt ( § 2), dass der Charakter des Landschaftsbildes insbesondere bestimmt wird durch das Freisein des Außenbereiches von Bebauungen. Es ist besonderer Schutzzweck der Erklärung zum Landschaftsschutzgebiet, dass das Gebiet in seiner Erscheinung erhalten und weiterentwickelt und dass es von Bebauung frei gehalten wird. Das Landschaftsschutzgebiet ist als Pufferzone zu angrenzenden Naturschutzgebieten zu nutzen. Im Landschaftsschutzgebiet   ist es unter anderem verboten, bauliche Anlagen aller Art zu errichten (§ 4 Verbote). Von den Verboten und Geboten dieser Verordnung kann die Untere Naturschutzbehörde auf Antrag Befreiungen gewähren (§ 8 Befreiungen), wenn z. B. 1.das Verbot eines Bauvorhabens zu einer nicht beabsichtigten Härte führen würde und die Abweichung von dem Verbot mit den Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege zu vereinbaren ist und 2.wenn überwiegende Gründe des Wohls der Allgemeinheit die Befreiung erfordern.

Aus den in der Tagespresse veröffentlichten Aussagen wird deutlich, dass   die Stadt Thale der Meinung ist, dass das geplante Bauvorhaben dem Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes nicht entgegensteht, dass die Realisierung des Bauvorhabens „Baumwipfelpfad“ mit den Belangen des Naturschutzes und dem Erhalt des unverbauten Landschaftsbildes zu vereinbaren ist und dass überwiegende Gründe des Wohls der Allgemeinheit die Befreiung erfordern.

 Die im Landkreis Harz aktiven Naturschutzverbände sehen dies völlig anders und haben deswegen auf der Jahreshauptversammlung der Naturschutz- und Umweltverbände des Landkreises Harz (15. 2. 2014) festgestellt: „Der geplante Baumwipfelpfad am NSG Bodetal wird von den Naturschutzverbänden abgelehnt, da von ihm negative Beeinträchtigungen auf das NSG , auf das FFH und auf das europäische Vogelschutzgebiet Bodetal ausgehen bzw. ausgehen können.“ Der Bund für Natur und Umwelt Sachsen-Anhalt (BNU) ist dabei der Auffassung, dass im vorliegenden Fall das öffentliche   Interesse des Landschaftsschutzes, d. h. der Erhalt des technisch unverbauten Bodetales, eindeutig das kommunale und das privatwirtschaftliche Interesse an der kommerziellen Nutzung von geschütztem Naturraum überwiegt. Die Funktionen des Baumwipfelpfades wie vom Vorhabensträger vorgesehen können auch an anderer Stelle realisiert werden, wo das zu schützende Landschaftsbild nicht oder deutlich weniger negativ beeinträchtigt wird.

Die Entscheidung zu dem bestehenden Konflikt muss die Untere Naturschutzbehörde des Harzkreises treffen. Dazu muss die Stadt Thale einen Antrag auf Befreiung von den Verboten nach § 6 der   Landschaftsschutzverordnung stellen. Einen Bescheid dazu gibt es noch nicht. Die Untere Naturschutzbehörde hat allein nach naturschutzfachlichen Aspekten zu entscheiden. Sie unterliegt dabei auch der Fachaufsicht durch die Obere Naturschutzbehörde.

 

 

Ergebnisse der Jahrestagung der Naturschutzverbände Wernigerode 2013

Presseinformation

Am 23. 2. 2013fand in Wernigerode die Jahreshauptversammlung 2013der im Harzkreisvertretenen Naturschutz- und Umweltverbände undNaturschutzvereinigungen statt. Ungeachtet der durch reichlich Neuschneeverursachten schwierigen Straßenverhältnissenahmen rund80 Vertreter der genannten Organisationenan dieserTagung teil. Der Vormittagsteilder Veranstaltung warden Berichtender einzelnen Naturschutzorganisationen über ihre Aktivitätenvorbehalten. Eingeleitet wurde dieser Veranstaltungsteildurch die Grußworte des stellvertretenden Landrates Martin Skiebe. Die vorgetragenen Berichte wurden intensiv diskutiert. Zu vielen Sachfragen konnten die Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde Detailantworten geben. Es wurde deutlich, dassdiekonkrete Naturschutzarbeit im Kreisgebiet durch ein vertrauensvolles Miteinandervon Naturschutzbehörde undehrenamtlichen Naturschutz geprägt ist. Die Pausenzeiten wurden von den Anwesenden zu einem intensivenErfahrungs- und Meinungsaustauschgenutzt. Der Veranstaltungsnachmittagwar durch denVortrag von Bernd Ohlendorf(Landesreferenzstelle für Fledermausschutz Land Sachsen-Anhalt) geprägt. Es wurde über die spannenden Forschungsergebnisse zuden Vorkommenvon Fledermausarten um Nationalpark Harzberichtet.

 

Die Ergebnisse der Naturschutzkonferenz haben ihren Niederschlag gefunden inder Resolution der anerkannten Naturschutzverbände des Landkreises Harz 2013.

Die Naturschutzverbände des Landkreises Harz fordern und setzen sich ein

 

  • für den Erhalt und für die Erlangung derUNESCO -Anerkennung des BiosphärenreservatesKarstlandschaft Südharz.

 

  • für die Entwicklungvon Wintersportgebieten in Schierke und am Wurmberg(Braunlage) mit Augenmaß auf derBasis gemeinsamer Entwicklungskonzepte und ohne ungebremsten Landschaftsverbrauch.

 

  • für einen naturverträglicherHarztourismus auf der Basis länderübergreifend abgestimmter Planungen für den gesamten Harzeinschließlich der Schaffung eines länderübergreifenden öffentlichen Nahverkehrs.

 

  • für den Schutz des Bodetals, welches immer mehr durch Massenveranstaltungen und Baumaßnahmen gefährdet wird. Die Verbände lehnen jegliche negativen Beeinträchtigungen von Naturschutzgebieten und sowie Flächen im Nationalpark Harz ab.

 

  • für einen naturraumschonenden Hochwasserschutz im Selketal. Das NSG Selketal ist nach wie vor durch zwei Erdschüttdämme und einen Wasseraufstau in Hochwasserzeiten bedroht. Naturverträgliche Alternativen werden nicht berücksichtigt.

 

Den Wanderfalken im Bodetal schützen

Appell der Interessengemeinschaft Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg für den Erhalt des naturgeschützten Wanderfalken im Bodetal bei Thale

Insbesondere in Fernsehberichten wurde in der letzten Zeit dargestellt, wie z. B. der Lebensraum des Tigers auf dem indischen Subkontinent in einem erschreckenden Tempo bis auf wenige inselartige Restvorkommen zusammengeschmolzen ist und die Individuenanzahl dramatisch abnimmt, weil vor Ort den Belangen des Natur- und Artenschutzes keine oder nicht die notwendige Beachtung geschenkt wird. Wir können nicht verstehen, wie dies zugelassen werden kann. Ähnliches hören wir vom Schicksal des Orang-Utan in Indonesien. Hier wird sein Lebensraum – der tropische Urwald – abgeholzt, um z. B. in Plantagen Ölpalmen anzubauen. Die Filmberichte über die unendlich schwierige Aufzucht verwaister Jungaffen berühren unsere Herzen. Mit Spendenaktionen möchten wir im fernen Deutschland dazu beitragen, z. B. durch Kauf von Waldparzellen das durch Gewinnsucht heraufbeschworene Aussterben dieser Menschenaffenart zu verhindern. Für eine große Bevölkerungsmehrheit ist der Schutz von Natur und Umwelt an allen Orten unserer Erde ein wichtiges Anliegen, wirtschaftlichen Interessen des Menschen kann nicht immer ein Primat eingeräumt werden. Sich zu einem solchen Grundsatz zu bekennen fällt leicht, wenn es um ferne Länder und andere Kulturen geht. Geht es um den konkreten Schutz der Natur und den Erhalt der Naturschönheiten vor Ort bzw. um Naturschutz im „eigenen Haus“, wird es offensichtlich schwierig mit einem Bekenntnis für Natur- und Umweltschutz. In einer solchen Entscheidungssituation für oder gegen Natur- und Umweltschutz stehen aktuell die Mitglieder des Stadtrates von Thale. Konkret geht es darum, ob der Brut-und Lebensraum des Wanderfalken ( der wegen seines Schicksals - erst Umweltgift-bedingt 1973 ausgestorben, dann Dank deutschlandweitem tätigen Naturschutz 1980 erste Wiederansiedlung für ganz Ostdeutschland – eigentlich ein Symbol für das zukunftsträchtige Thale ist) im Bodetal bei Thale den mit der Errichtung eines Baumwipfelpfades verbundenen privatwirtschaftlichen Interessen geopfert werden soll oder nicht. Gleichermaßen geht es darum, ob der im Durchbruchstal der Bode bestehende Schutz der Landschaft ersatzlos aufgehoben wird, um diesen Baumwipfelpfad als technisches Großbauwerk in unmittelbarer Nachbarschaft der Abgründe des Bodetales platzieren zu können. Eine erste Vorentscheidung scheint gefallen zu sein- laut MZ-Bericht hat sich der Bauausschuss Thale für die Errichtung des Baumwipfelpfades ausgesprochen. Aus der Berichterstattung ist abzuleiten, dass vermutlich fehlende Informationen oder eine nicht sachgerechte Bewertung der Sachfakten die Mitglieder des Ausschusses zu ihrer Entscheidung bewogen haben. Der geplante Baumwipfelpfad soll direkt von der Bergstation des Sesselliftes im leichten Bogen durch den hier hohen Buchenwald bis zur felsigen Kante des Bodetales oberhalb der Blockhalden der Schurre führen. Hier stößt das Bauwerk auf die Grenze des Naturschutzgebietes Bodetal und führt parallel dazu am Rande des lichten Bestand kleinwüchsiger Krüppeleichen bzw. der Silikatfelsenvegetation bis an den Heidenwall heran. Der Baumwipfelpfad stellt in dem beschriebenen Abschnitt baulich eine langgestreckte Aussichtsplattform mit freiem Blick in das Bodetal und hin zur gegenüberliegenden „Prinzensicht“ dar. Schräg nach unten stößt der Blick auf die markante Felsrippe des so genannten Wacholderrückens. Wenn bislang Wanderer bis hierher mangels geeigneter Wege kaum gelangt sind, würden sich hier zukünftige Besucher im Reich der Wanderfalken bewegen, denn die hier anstehenden Klippen und Felsrippen dienen dem Ansitzen und Ausruhen der Altvögel und dem Füttern der Jungvögel. Der Horstbereich, der nur von hier einsichtbar ist, befindet sich auf der anderen Seite des Bodetales in rund 350 m Luftlinien-Entfernung. Die Naturschützer wissen, dass der Wanderfalke des Bodetales nicht mit Menschenströmen in seinem Brutgebiet zurecht kommt. So hat er nun schon seit Jahren die angestammten Brutbereiche am Hexentanzplatz und an der Roßtrappe verlassen. Das muss sich nicht wiederholen, wenn die Trasse eines Baumwipfelpfades so angelegt wird, dass keine Sichtbeziehungen zu Brutgebieten des Wanderfalken bestehen. Dafür gibt es im Bereich zwischen Bergstation Sessellift und Heidenwall mehr als genug Raum. Herr Blosfeld als Thales Bauamtsleiter hat unrecht, wenn er sagt, dass die geplante Trasse des Baumwipfelpfades keine sensiblen Bereiche berührt. Um dies glaubhaft zu machen und das Problem mit der Störung des Lebensraumes des streng geschützen Wanderfalken zu umgehen, wird behauptet, dass in der letzten Zeit kein Wanderfalke gesichtet wurde. Er ist nicht da, er könnte aber kommen. Soll mit einer solchen falschen Behauptung, die schon im Bauantrag enthalten ist, die Abgeordnetenzustimmung zu dem Vorhaben erreicht werden? Das ist ein Verhalten, dass mit Recht kritisiert wird, wenn es in uns fernen Ländern so praktiziert wird. Es ist nicht schwer, sachkundige Informationen über die seit 1980 ohne Unterbrechung bestehende Präsenz eines Wanderfalken im Bodetal zu erlangen. Für geübte Beobachter ist es nicht schwer, den Wanderfalken hier zu sehen. Das Jahr 2011 war ein besonders glückliches Jahr für unser Wanderfalkenpaar im Bodetal bei Thale. Erstmalig im Verlauf vieler Jahre konnte es 3 Jungvögel großziehen. Alles hat gestimmt: Die Witterung im zeitigen Frühjahr, fehlende Störungen durch Menschen, keine Verluste durch andere Beutegreifer. 3 Jungvögel erfolgreich großziehen bedeutet: Über viele Wochen hinweg wird in vielen täglichen Anflügen des großen Greifvogels Futter für das brütende Weibchen und später für die Jungvögel herangeschafft. Es ist schon höchst eigenartig, wenn ungeachtet dessen behauptet wird, dass die Wanderfalken nicht gesichtet wurden, also nicht da sind. Wir können hier nur an die Stadträte der Stadt Thale und an die Verwaltung der Stadt Thale den eindringlichen Appell richten, auch vor Ort - im eigen Haus - für den Schutz der Natur einzutreten, den Schutz des Wanderfalken im Bodetal zu sichern und dem Fortbestand dieses Kleinods unserer heimischen Natur das Primat gegenüber den privaten wirtschaftlichen Interessen an der Errichtung eines Baumwipfelpfades genau in seinem Lebensraum einzuräumen. Der Wanderfalke kann sich nicht wehren – wir alle müssen deswegen Anwalt für seinen Fortbestand sein. Das Jahr 2011 darf nicht das letzte glückliche Jahr für den Wanderfalken in Bodetal bei Thale gewesen sein.

Quedlinburg, Dezember 2011


Naturschutz-Pflegearbeiten am Schierberg Rieder

Presseinformation

IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg, 3. Mai 2011

zum MZ (Quedlinburg) - Bericht vom 20. 4. 2011 "Vertreibung aus dem Paradies"

Rettung der Schierberg-Orchideen und - Enziane

In Zusammenhang mit dem MZ-Beitrag „Vertreibung aus dem Paradies“ haben die Anstrengungen zur Rettung der Schierberg-Orchideen und - Enziane einen Rückschlag erlitten. Die laufenden Pflegearbeiten wurden gestoppt. Dies zeigt, wie schwer es vor Ort sein kann, das politische Bekenntnis zum Schutz der Biodiversität – der Vielfalt der Lebensformen – nicht nur in fernen Ländern, sondern auch unmittelbar vor Ort umzusetzen.

 

Worum geht es am Schierberg Rieder , den Gegensteinen und dem Steinberg Ballenstedt ? Welche Prioritäten sind zu beachten ?

Es geht in erster Linie um die Rettung seltener Enzianarten und vor allem um die Bewahrung einer extrem seltenen Orchideenart vor dem Aussterben in Deutschland und die dazu notwendige Pflege von Teilflächen innerhalb des rund 100 ha umfassenden Naturschutzgebietes Gegensteine Ballenstedt – Schierberg Rieder.

 

Die notwendigen Pflegearbeiten ergeben sich aus den Zielstellungen der Unterschutzstellung als Naturschutzgebietes. Diese lauten:

„Erhaltung von Trockenrasen, Halbtrockenrasen, Zwergstrauchheiden, Trockengebüschen und naturnahen Waldgesellschaften sowie von Streuobstwiesen auf Kalk- und Sandsteinstandorten mit zahlreichen gefährdeten Arten; Schutz der für den Nordharzrand charakteristischen Felsbildungen.“

Bezüglich der Schutzbedürftigkeit der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten sind Prioritäten festzulegen. In den Halbtrockenrasen kommen u. a. folgende besonders gefährdete Pflanzenarten vor: Feldenzian in der Unterart Baltischer Enzian, Deutscher Enzian, Fransenenzian und eine kleine Orchideenart - die Herbstwendelorchis.

Für den Erhalt der Vorkommen der Herbstwendelorchis trägt das Land Sachsen-Anhalt mit seinem Vorkommen im Raum Ballenstedt – Rieder eine besondere nationale Verantwortung, weil in allen anderen Bundesländern mit Ausnahme des Freistaates Bayern diese früher häufige Orchidee im Ergebnis des Niedergangs der Schafhaltung und damit der Schafhutung ausgestorben oder vom Aussterben bedroht ist. Auch der Bestand im NSG Gegensteine Ballenstedt- Schierberg Rieder war dem Erlöschen nahe. 1998 wurden im Bereich des großen Gegensteines – dem größten Vorkommen - nur noch 35 blühende Pflanzen gezählt.

 

Viele Pflanzen- und Tierarten sind selten geworden oder vom Aussterben bedroht, weil sich die Landnutzung verändert hat. Erst in jüngerer Zeit wird immer besser verstanden, dass ein Arten- und Flächenschutz nicht ausreicht, sondern dass es darauf ankommt, die Art und Weise der Flächennutzung fortzuführen, die zur Herausbildung bestimmter Lebensräume mit den Vorkommen dafür typischer Arten geführt hat.

 

Die vom Aussterben bedrohte Herbstwendelorchis ist mit ihrem jährlichen Entwicklungsrhytmus und mit ihrem Habitus (kleine Basalblätter, die dem Boden aufliegen)

nicht nur schlechthin an Beweidung und sommertrockenes Klima angepasst, sondern daran, dass Weidetiere den gesamten Aufwuchs bis in Bodennähe abfressen. Die Herbstwendelorchis verträgt keinen Konkurrenzdruck durch hoch wachsende Gräser und Kräuter oder gar durch Gebüsch- und Baumwuchs. Im mehrjährigen Bodenfilz nicht abgeweideter Grasmasse „erstickt“ diese Orchidee. Eine Entwicklung von Jungpflanzen ist nicht möglich. Stimmen die Lebensraumbedingungen, können sich durch Samenvermehrung schnell wieder individuenreiche Populationen aufbauen. Ähnliches gilt z. B. auch für den einjährigen Baltischen Enzian.

 

Überweidung in früheren Zeiträumen ließ Offenflächen entstehen

Im genannten Gebiet, das überwiegend durch sehr ertragsschwache – schiere – Verwitterungsböden gekennzeichnet ist, erfolgte über Jahrhunderte hinweg eine sogenannte Überweidung- es wuchs weniger Futter auf, als eigentlich für die vielen weidenden Schafe und Ziegen erforderlich war. Nur unter diesen Bedingungen konnte kein Gehölzaufwuchs hochkommen, es entstand kein mehrjähriger Filz aus abgestorbenen Gräsern. Tiefwurzelnde blütenreiche Kräuter oder Pflanzen mit spezieller Anpassung prägten die kahl gefressenen Hügelketten der Vorharzlandschaft. Ein Paradies für viele Tier- und Pflanzenarten, vor allem für Enzianarten und für die Herbstwendelorchis !

 

In kleinen, aber kontinuierlichen und nun immer schneller werdenden Entwicklungsschritten hat sich diese Situation grundsätzlich geändert. Die Schafhaltung ist nicht mehr rentabel. Existierten im Altkreis Quedlinburg bis etwa 1990 noch 20- 25 Schafherden, so sind es heute nur noch 2. Voraussetzung für deren Fortbestand ist die EU-Förderung der Schafhutung auf Naturschutzflächen.

 

In Folge der großflächigen Veränderungen der Nutzung von gering ertragsfähigen Flächen wurde in den zurückliegenden Jahren die Funktionsfähigkeit des Schutzgebietes im Bereich Schierberg (Rieder) und Steinberg (Ballenstedt) durch eine schnell voranschreitende Vergrasung, Verbuschung und Verwaldung gefährdet und eingeschränkt. Während auf der Nordseite des Schierberges frühere Offenflächen mit Enzianvorkommen ausgehend von den natürlichen Waldbereichen von Baumarten überwachsen wurden ( die Espe als Pionierholzart breitet sich partiell bereits bis an den Feldrand aus), erfolgte auf den Halbtrockenrasen der Südseite z. B. im Bereich zwischen Dicker Stein und Schießplatz innerhalb der letzten 20 Jahre ein vollständiges Verbuschen vor allem mit Weißdorn und Hundsrosen. Diese Flächen sind auch für Schafe und Ziegen undurchdringbar geworden. Die einzige Schaftrift, welche die Nordseite des Schierberges mit der Südseite verbindet, ist für eine Schafherde kaum noch passierbar.

 

Es ist müßig, die Frage zu stellen, weshalb ungeachtet einer gewährten Förderung für Schafhutung die dargestellte Situation eingetreten ist. Viele Faktoren im Komplex sind wirksam geworden: starker Nährstoffeintrag beschleunigt die natürliche Verwaldungstendenz, die in ihrer Intensität völlig unterschätzt wurde, Förderregularien waren oder sind nicht wirksam genug auf die Naturschutzziele ausgerichtet, die Zuständigkeit für den Gesamtprozess ist auf 3 verschiedene Behörden verteilt, Kontrollen waren nicht ausreichend zielführend, nicht ausreichendes Sachwissen, fehlende Mittel für Landschaftspflegeleistungen (Entbuschung).

 

Artentod muss und kann verhindert werden

Wichtig ist, dass jetzt - ehe das Aussterben konstatiert werden muss - die für eine Umkehr der eingetretenen Situation notwendigen Maßnahmen ergriffen werden.

Für eine kleine Fläche am Gegenstein wird sei dem Jahr 1998 durch den Arbeitskreis heimische Orchideen ein spezielles Pflegeprogramm für den Erhalt der Herbstwendelorchis erprobt und realisiert. Dieses Programm, das überwiegend mit ehrenamtlicher Arbeit realisiert wird, hat an diesem Standort zu guten Ergebnissen geführt. Kernstück der Pflege ist, dass eine manuelle Grundinstandsetzung ( vollständige Entbuschung, vollständige Entfernung von mehrjährigem Grasfilz) erfolgt und in Kombination damit durch eine gezielten Schafhutung ( Termin, Dauer, Intensität) eine vollständige, genau terminisierte Entnahme des jährlichen Aufwuchses an Pflanzenmasse erfolgt. Nur so kann der Lebensraum erhalten oder wieder revitalisiert werden, der für das Fortbestehen der vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten erforderlich ist.

 

Die Erfahrungen, die mit diesem Programm gesammelt werden konnten, sind nun auf die Offenflächen des gesamten Naturschutzgebietes zu übertagen.

 

Seit 2009 werden Entbuschungsarbeiten auch am Schierberg durchgeführt. Dabei gibt es klare Abgrenzungen von Waldflächen und Hutungsflächen ( Halbtrockenrasen) sowie Flächen von Streuobstwiesen. Diese durch die Art der erfolgten Form der Landnutzung charakterisierten Flächen im Naturschutzgebiet sind wegen der eingetretenen Verbuschung und Verwaldung vor Ort meist nicht mehr erkennbar gewesen. Jeder interessierte Bürger kann sich diese Abgrenzungen in der amtlichen topographischen Karte 1 : 10 000 Blatt 4233 – SW- Ballenstedt ansehen – hier sind sie eindeutig ausgewiesen. Diese Abgrenzungen sind auch die Grundlage für die bislang durchgeführten Entbuschungsarbeiten, z. B. im Bereich des „Dicken Steins“ .

Die teilweise vollständige Entbuschung mag nach dem in den Vorjahren erfolgten vollständigen Zuwachsen und Verwalden als krass erscheinen – sie ist dennoch aus fachlichen Gründen unumgänglich.

 

Probleme bei der Sicherung von Offenflächen

Bei der Wiederherstellung und Sicherung von Offenflächen als Lebensraum vieler geschützter Tier- und Pflanzenarten tun sich 2 Hauptprobleme auf:

 

1.Die Grundinstandsetzung verbuschter und verwaldeter Offenflächen durch Entbuschen und spezielles Mähen ist nicht Gegenstand der Agrarförderung. Solche Leistungen für den Naturschutz und für die Landschaftspflege werden abgesehen von Kleinvorhaben oder speziellen Projekten bislang nicht von der EU gefördert und nicht anderweitig ( z. B. mit Landesmitteln) finanziert.

 

2.Die spezielle Förderung der Schafhutung in Naturschutzgebieten erfolgt nur für Graslandflächen und nicht für verbuschte Flächen. Dabei werden die verbuschten Flächenanteile durch den Fördermittelgeber mit der heute verfügbaren Technik m² - genau ausgemessen und von der Förderung ausgenommen. Lässt sich ein Schäfereiunternehmen darauf ein, eine vorhandene partielle Verbuschung bei geförderten Flächen selber zurückzudrängen (unentgeltlich – ohne Aufwandsersatz) , kann ihm Schlimmes widerfahren: Ergibt eine Kontrolle, dass die Flächenanteile mit Verbuschung nach Multiplikation mit 3 mehr als 20 % der Förderfläche überschreiten, wird die Förderung für die Gesamtfläche (100 %) zurückgezogen – für den in Anspruch genommenen Förderzeitraum ( maximal 4 Jahre). Alle erfolgten Förderzahlungen sind einschließlich Zinsen an den Fördermittelgeber zurückzuzahlen. Erbrachte Leistungen (Hutung und Entbuschung) werden nicht erstattet. Unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen muss in einem solchen Fall ein Schäfereiunternehmen seine Betriebsexistenz aufgeben.

 

Wie kann die notwendige Entbuschung vorangebracht werden ?

Ehrenamtliche Naturschutzfreunde können - unterstützend - beim besten Willen nur kleinste Flächen – gemessen an den Gesamtflächen – entbuschen - natürlich verbunden mit dem sachgerechten genehmigten Verbrennen des Schnittgutes an Ort und Stelle. Solche Aktivitäten hat es bereits 2009 am Schierberg ( und ein Jahr später am Steinberg) gegeben. Das Problem Entbuschung wird damit nicht gelöst.

 

Eine andere Möglichkeit ist dadurch gegeben, dass 1-Euro - Kräfte für Landschaftspflegearbeiten eingesetzt werden. Wichtige förderrechtliche Detailfragen sind dabei allerdings nicht geklärt. 1-Euro-Maßnahmen sind so knapp finanziert, dass Kosten für einen eventuellen Abtransport und für ein an zentraler Stelle erfolgendes Schreddern von Schnittgut übernommen werden können. Dies zu realisieren wäre auch eine völlig unzulässige Mittelverschwendung, wenn ohne Nachteile für den Naturhaushalt ein Verbrennen vor Ort möglich ist.

1-Euro -Maßnahmen richten sich in ihrer Dauer nicht unbedingt nach dem Ablauf der Vegetation. Dies bedeutet, dass sich bei Entbuschungsmaßnahmen Konflikte mit Brutzeiträumen ergeben können. Hier sind dann Sonderauflagen zu beachten, um Ausnahmeregelungen für Entbuschungsarbeiten auch in diesem Zeitraum erlangen zu können.

 

Durch die Realisierung einer 1-Euro-Maßnahme im Herbst 2010 konnte ein Großteil der verbuschten Flächen wieder freigeschnitten werden. Es ist dem Entgegenkommen der KoBa (Kommunale Beschäftigungsagentur Jobcenter Landkreis Harz ) zu danken, dass eine zweite 1- Euro-Maßnahme jetzt im Frühjahr 2011 in Angriff genommen werden konnte. Mit dieser Maßnahme könnte die letzte, erst in den zurückliegenden 20 Jahren total verbuschte frühere Offenfläche zwischen Dicker Stein und Schießplatz frei gestellt werden. Bedingt durch die Veränderungen am Arbeitsmarkt und durch von der Politik geforderte Mittelkürzungen muss erwartet werden, dass es für diese Entbuschungsarbeiten keine weiteren 1-Euro-Maßnahmen geben wird. Es wäre eine unverzeihliche Fehlentscheidung, diese vielleicht letzte Möglichkeit für die Rettung von unverzichtbarem Lebensraum nicht zu nutzen.

 

Bei der Realisierung von Entbuschungsarbeiten fallen in der Regel Unmassen von Schnittgut an. Dabei ergeben sich 2 Probleme:

1.Handelt es sich um Schnittgut von Dorngebüsch, ist es unmöglich, dieses Schnittgut über größere Strecken zu transportieren. Es muss an Ort und Stelle verbrannt werden. Dazu gibt es keine Alternative. Jeder, der an einem Entbuschungseinsatz teilgenommen hat, kann dies aus schmerzvoller Erfahrung bestätigen.

2.Da Entbuschungsarbeiten in einem Naturschutzgebiet von niemandem bezahlt werden, gibt es auch kein Geld für ein eventuelles Zusammentragen und Abfahren von Schnittgut – und dies vielleicht noch über mehrere km hinweg. Schnittgut kann in der Regel auch nicht an Ort und Stelle liegen bleiben und verrotten. Deswegen stellt generell das Verbrennen an Ort und Stelle, auch auf Flächen des Naturschutzgebietes, oft die einzige Alternative dar.

Selbstverständlich müssen die erforderlichen behördlichen Genehmigungen dafür vorliegen, die fachliche Aufsicht muss gesichert sein.

 

Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet für den Regelfall das Abbrennen der Bodendecke auf Wiesen, Feldrainen, Hochrainen und ungenutzten Grundflächen sowie an Hecken und Hängen. Es verbietet aber nicht das Verbrennen von Schnittgut, welches bei der Durchführung von unverzichtbaren und durch die zuständige Behörde genehmigten und kontrollierten Pflegemaßnahmen anfällt.

 

Brandstellen sehen nicht schön aus – dies ist unstrittig. Sie stellen aber keine Zerstörung von Lebensraum dar. In der Regel sind sie nach 2 Jahren wieder vollständig von Vegetation bedeckt. Sie stellen Bodenverwundungen dar, die gerade für viele Pflanzenarten für die Regeneration des Bestandes von großer Bedeutung sind.

 

Die Rettungsarbeiten für vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten im Naturschutzgebiet Gegensteine – Ballenstedt – Schierberg Rieder zeigen erste Erfolge. Die Zusammenarbeit zwischen dem zuständigen Schäfereiunternehmen K. Schneider, der Unteren Naturschutzbehörde und dem ehrenamtlichen Naturschutz hat sich zunehmend gut entwickelt.

 

Dank für die Akteure – Pflegearbeiten am Schierberg unbedingt fortsetzen !

Wir bedanken uns ausdrücklich bei den 1-Euro-Arbeitskräften für die von ihnen geleistete gute und schwere Arbeit. Dieser Dank gilt gleichermaßen den für die Anleitung und Kontrolle zuständigen Mitarbeitern der Gesellschaft für Arbeitsförderung Thale bzw. der unteren Naturschutzbehörde. Wir bedanken uns bei dem Leiter dieser Behörde Egbert Günther für seine Tatkraft und auch Mut beim Treffen notwendiger Entscheidungen. Gleichermaßen gilt unser Dank auch der Abfallbehörde für notwendige unbürokratische Genehmigungen zum Verbrennen von dornigem Schnittgut. Wir hoffen, dass engagierte Naturschützer – gleich in welcher Naturschutzvereinigung organisiert- nicht den Mut verlieren, sich auch zukünftig in Form von Entbuschungseinsätzen für den Erhalt besonders schutzbedürftiger Natur einzusetzen. Auch dem Feuersalamander muss nicht Bange sein: Die Wiederherstellung von Offenflächen schmälert nicht seine Lebensraumansprüche am Schierberg – er braucht vor allem sauberes Wasser für das Absetzen der Jungtiere.

Jetzt kommt es darauf an, dass schnell der ausgesprochene Stopp für die Fortsetzung der Entbuschungsarbeiten aufgehoben wird. Fortgesetzt werden muss das Verbrennen des flächig gelagerten Schnittgutes, welches in den letzten Wochen angefallen ist. Geschieht dies nicht, können die neuen Ausschläge des auf Stock gesetzten Buschwerkes nicht von den Weidetieren abgefressen werden. Nach dem Abschluss der Vegetationszeit haben sich die weichen Jahrestriebe wieder in Dornenranken verwandelt, die nicht mehr gefressen werden. Dann waren diese und auch vorjährige Entbuschungsarbeiten für die Katz´ !

Adonisröschenblüte

Adonisröschenblüte begeistert Naturfreunde
(MZ Quedlinburg, 15. 5. 09)

Ein besonderer Schatz der Pflanzenwelt der Nordharzregion ist das naturgeschützte Adonisröschen, dessen Blüte etwa ab Mitte April beginnt und bis Mitte Mai fortwährt. Die tiefgelben zahlreichen Einzelblüten erreichen am Naturstandort ( und keineswegs im Garten !) Durchmesser von mehr als 5 cm. Dieses eigentlich in den pontischen Steppen nördlich des Schwarzen Meeres bis hin nach Südsibirien beheimatete Hahnenfußgewächs ist in Wärmeperioden nach der letzten Eiszeit auch in Gebiete nördlich der Alpen eingewandert und dabei z. B. im Odertal bis in das heutige Ostbrandenburg vorgedrungen, solange der mitteleuropäische Raum noch nicht von den nacheiszeitlichen Wäldern zurückerobert wurde. Nur in ausgesprochenen Trockengebieten und hier an südexponierten Hanglagen hat das Adonisröschen diese Bewaldungsphase überlebt. Mit der späteren Zurückdrängung der Bewaldung durch Rodung für Ackerbau und Weidenutzung (Schaf- und Ziegenhaltung) verbesserten sich die Existenzbedingungen für das Adonisröschen. Bedingt durch seine starke Giftigkeit wurde es vom Vieh verschmäht. Bodenverwundungen und Bodenverfestigung durch den Tritt der Schafe begünstigten gleichzeitig das Keimen der Samen. Dies führte über lange Zeiträume hinweg dazu, dass das Adonisröschen als Kulturfolger zu einer sehr häufig vorkommenden Pflanzenart der mitteldeutschen Kalkhügellandschaft wurde. Dies gilt insbesondere auch für die Schichtrippenlandschaft des nördlichen Harzvorlandes und hier für den Großraum Quedlinburg. Die unbewaldeten Steppenhügel erstrahlten z. B. noch vor rund 150 Jahren ab Mitte April bis Anfang Mai im Blütengold unzähliger Adonisröschenblüten. Seit dieser Zeit haben diese Vorkommen zunächst langsam und später rapide abgenommen. An vielen früheren Standorten sind die Vorkommen restlos erloschen. Ursachen dafür ist keine Klimaveränderung, sondern die Veränderung der Nutzung der Natur durch den Menschen. Es wurde noch bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts als eine wichtige Kulturtat angesehen, Hügel mit spärlicher Staudenvegetation insbesondere mit Kiefern aufzuforsten. Den Kampf mit dem aufkommenden Wald musste auf Dauer das Adonisröschen verlieren. Restbestände unter heranwachsenden Kiefern an der Südseite des Quedlinburger Steinholzes oder des Hohen Helmsteines bei Westerhausen sind ein Zeugnis dieses ungleichen Kampfes. Zu den Vorkommensverlusten seit den letzten 200 Jahren hat maßgeblich auch das schrittweise Vergrößern der Ackerflächen verbunden mit dem Wegpflügen der zahlreichen Feldraine beigetragen. Hauptursache für die dramatischen Vorkommensverluste ist aber die anfänglich nur allmählich erfolgende Reduzierung der Schafhutung auf weit außerhalb der Siedlungen befindlichen Hutungsflächen bis hin zum während der letzten 20 Jahre erfolgten fast vollständigen Aufgeben der unwirtschaftlich gewordenen Schafhaltung. Mit dem Aufgeben einer intensiven Schafhutung auf Trockenrasenflächen erfolgt auf allen derartigen Flächen eine natürliche Wiederbewaldung, die in der Regel mit einer Rosen- und Weißdornverbuschung sehr, sehr langsam beginnt, um schließlich nach ca. 40 bis 60 Jahren in eine intensive Waldentwicklung einzumünden. Dieser Prozess kann nur durch gezielte Pflegemaßnahmen in Naturschutzgebieten gebremst oder zu einem zeitweiligen Stillstand gebracht werden. Es ist wichtig für unser konkretes Naturverständnis, dass viele Menschen die Großartigkeit und Einmaligkeit der letzten noch vorhanden blütenreichen Adonisstandorte erleben und gleichzeitig sehen, wie dieser Naturreichtum durch die voranschreitende Verbuschung und Bewaldung durch vollständigen Verlust bedroht ist. Nur dieses Erleben kann auch den politischen Willen stärken, mit vergleichsweise ganz geringem Aufwand den Erhalt unserer Naturreichtümer zu sichern. Die mit 3000 bis 4000 blühenden Pflanzen größten Adonisröschenvorkommen, die gut von einem Wanderpfad aus zu bestaunen sind, befinden sich auf der Südseite des bei Westerhausen bzw. Börnecke gelegenen Wein- und Schusterberges.

Hier kann auch gesehen werden, wie frühere Pappelpflanzungen Adonisstandorten des Lebenslicht nehmen und die in den letzen Jahren nicht mehr gesicherte aktive Verbuschung mittelfristig das Fortbestehen des Gesamtbestandes in Frage stellt. Es darf hier nicht das geschehen, was z. B. an anderer Stelle in der Quedlinburger Feldflur passiert ist. Noch bis etwa 1970 existierte direkt am Fuße der Seweckenwarte eine durch das Blütengold des Adonisröschens geprägte große offene Trockenrasenfläche. Heute stockt hier nur noch dichtes Strauchwerk.

IG Ornithologie und Naturschutz im Kultur- und Heimatverein Quedlinburg

 

Mehr Schutz für Bode- und Selketal - Forderungen der Naturschutzverbände des Harzkreises zu Naturschutzdefiziten im Landkreis Harz

Am 14.2. 09 trafen sich Vertreter der Naturschutzverbände NABU, BUND, BNU S-A, GFN und IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg zur Jahreskonferenz 2009. Im Ergebnis der Beratung zur Situation im Naturschutz des Harzkreises wurden auch aktuelle Gefährdungen von Natur und Umwelt angesprochen. Dazu wurde folgende Resolution verfasst und als Presse-Mitteilung öffentlich gemacht:

1.Der Schutz des Bodetals ist durch immer neue touristische „Events“ gefährdet. Die Bestrebungen, eines der schönsten Harztäler immer mehr zu vermarkten, haben dazu geführt, dass der Taleingang bei Thale inzwischen einer „Rummelzone“ gleicht. Die dringend erforderliche und mehrfach geplante Erweiterung dieses Naturschutzgebietes, eines der bedeutendsten deutsche Schutzgebiete, stagniert seit den 1990er Jahren. Da die Betreuung des Gebietes durch eine Naturschutzstation seit 2003 nicht mehr gegeben ist, fehlt jegliche Kontrolle im Gebiet. Wir fordern die Wiederaufnahme des Verfahrens zur Erweiterung des Naturschutzgebietes „Bodetal“ auf der Grundlage des seit 2003 beim Verwaltungsamt in Halle (Obere Naturschutzbehörde) vorliegenden Verordnungsentwurfes. Auf der Grundlage dieses Verordnungsentwurfes könnte aus unserer Sicht noch im Jahr 2009 die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange entsprechend erfolgen. Dabei sollen sich Naturschutz und nachhaltiger Tourismus keineswegs ausschließen. Der Naturschutz darf aber nicht weiter ins Hintertreffen gelangen!

2.Das Selketal zwischen Selkemühle und Meisdorf ist durch die vom Land geplante Überstauung in Hochwasserzeiten akut gefährdet. Die Naturschutzverbände haben mehrfach auf eine Vielzahl von Alternativen des notwendigen Hochwasserschutzes der Städte und Gemeinden im Harzvorland verwiesen, die jedoch von den Landesbehörden nie ernsthaft geprüft wurden. Wir fordern die Einstellung dieser Planungen, die bei Ausführung zur Vernichtung eines der schönsten Harztäler führen würde. Das Selketal ist eines der bedeutendsten Naturschutz- und Tourismusgebiete des Landes Sachsen-Anhalt, welches zugleich EU-Vogelschutz- und FFH-Gebiet ist, in dem sich eine Vielzahl wichtiger Lebensräume von Tier- und Pflanzenarten befinden.

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Nationalpark Harz – Zwischenbilanz zur Naturwald- Entwicklung

Für den Nationalpark Harz stellen reichlich 18 Jahre nach der Erstgründung viele Bürger der Harzregion die Frage , wie weit die Entwicklung vom Wirtschaftswald zum Naturwald vorangeschritten ist, welche Probleme es dabei gibt, wie wir uns in Mitteldeutschland Naturwald vorstellen müssen und welche Zeiträume erforderlich sind, bis das Ziel Naturwald erreicht ist? Um Antworten auf diese Fragen geben zu können, hatte die Quedlinburger IG Ornithologie und Naturschutz den stellvertretenden Leiter des Nationalparkes , Diplom-Biologen Dr. Hans-Ulrich Kison (Quedlinburg) , zu ihrer öffentlichen Januar-Vortragsveranstaltung „Die Entwicklung der Kernzone des Nationalparks Harz: Tier- und Pflanzenwelt sowie Waldbestockung“ eingeladen. Mit der Wahl dieses Themas hatten die Quedlinburger Naturschützer einen guten Griff getan – buchstäblich bis zum letzten Platz waren am 14. Januar 09 alle Sitzgelegenheiten im Vortragsraum des Kunsthokens besetzt.

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Die nach Süden ziehenden Kraniche haben den Winter mitgebracht

Quedlinburg liegt im Bereich einer der beiden großen Vogelzuglinien der Kraniche Europas. Ab Ende Oktober bis Mitte November konnten so die Quedlinburger wieder wie jedes Jahr den Kranichzug beobachten. Insgesamt mehrere Tausende Tiere nahmen ihren Weg in ihre Zwischen- oder Winterquartiere direkt über unsere Stadt hinweg und weiter den Harz querend in Richtung Thüringen (der Stausee Kelbra hat sich zu einem großen Rastplatz entwickelt).Tage mit dichtem Nebel zwangen die Tiere dabei oft zum ausgesprochenen Tiefflug oder zum langen Kreisen über der Stadt. Die Zugbewegungen des Kranichs werden von den Mitgliedern des Ornithologenverbandes Sachsen-Anhalt e. V. seit Jahren aufmerksam beobachtet und erfasst. Die Feststellungen von rund 120 Beobachtern, darunter auch aus Quedlinburg, gestatten eine recht genaue Rekonstruktion der Kranichwanderwege quer durch Sachsen-Anhalt.

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Gelebte Städtepartnerstadt

Besuch von Naturschützern aus der Partnerstadt Herford in Quedlinburg

In diesem Jahr war es wieder an der Reihe der Quedlinburger IG Naturschutz und Ornithologie, vom 27. bis zum 29. Juni Mitglieder der „Bund für Natur und Umwelt“-Gruppe Herford als Gäste in Quedlinburg zu begrüßen. Der Kontakt zwischen den beiden Naturschutzgruppen besteht seit 1990. Ein besonderer Punkt des diesjährigen Besuchsprogrammes für die Gäste aus Herford war die Vorstellung des Quedlinburger Ökogartens. Bei dessen Einrichtung standen Anregungen Pate, welche die Quedlinburger 1991 beim Besuch des Biologiezentrums Bustedt im Raum Herford gewonnen hatten. Die BNU-Mitglieder aus Herford waren mehr als überrascht, welches Kleinod mit dem Quedlinburger Ökogarten entstanden ist, dessen didaktisch klug gestalteten gärtnerischen Anlagen sich in einem ausgezeichneten Pflegezustand befinden. Ganz besonderen Beifall fand die durch Frau Sibinski als Ökogarten-Mitarbeiterin vorgetragene Vorstellung des Handlungskonzeptes „Die andere Stadt“. Hier gestalten die den Ökogarten besuchenden Kinder sehr eigenständig den Alltag in einer Kinderstadt „Andershausen“. Sie übernehmen dabei in kleinen Gruppen die Aufgaben, die in einer richtigen Stadt durch Handel, Gewerbe und Verwaltung realisiert werden. Eine Küchenmannschaft gewährleistet die Vorsorgung aller anwesenden „Stadtbürger“ z. B. mit einem Nudelangebot aus der „Stadtküche“.

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