Arbeitsgemeinschaft Astronomie und Raumfahrt

12. Sternfreundtreffen in Todtenrode / Harz

Unser Wochenende im Harz - Ein Tatsachenbericht von Odette Woost

Endlich ist es wieder soweit. Todtenrode steht vor der Tür. Am Donnerstagnachmittag ging es los. Die Autos waren vollgepackt, schließlich war mit Beobachtungs-Gefechtsalarm zu rechnen. Ab 17 Uhr trudelten die ersten im Waldgasthof „Zum alten Forsthaus“ in Todtenrode ein. Es ist für alle immer wieder eine große Freude, dort aufzuschlagen und alte Bekannte zu treffen. Das Wetter war freundlich und so wurden schnell die Zimmer besiedelt, um sich im Gasthaus zu einem gemütlichen Pläuschchen zu treffen. Der Vortragsraum wurde gemeinsam vorbereitet, alle waren bester Laune. Jens Briesemeister stellte uns einige empfehlenswerte Beobachtungsobjekte vor und erklärte die voraussichtlichen Wetteraussichten. Da dann doch einige Wolken aufzogen, hatten wir Zeit, in Ruhe ein leckeres Abendbrot einzunehmen und den Tresen zu besiedeln. Die Nacht brach heran und das Wetter besserte sich. Gegen Mitternacht war dann kein Halten mehr. Es waren zwar schon einige im Reich der Träume, aber draußen war nun alles klar, also Gefechtsalarm. Wenigstens der 12“-Lomo-Dobson musste auf dem Parkplatz aufgebaut werden, um einen Blick auf den fantastischen Sternenhimmel zu erhaschen. Und so waren wir plötzlich zwischen 7 bis 9 Leute und spechtelten am Himmel umher. NGC 2169 – Ein kurioser offener Sternhaufen im Orion, wie eine „37“ (im Dobson umgekehrt) Zunächst war der Mars dran, naja, das Seeing war doch nicht so doll. Aber M 51, die Whirlpool- Galaxie in den Jagdhunden sah schon gar nicht so übel aus. Beide Galaxien zeigten Spiralstrukturen, wir waren begeistert. Weiter ging es, schließlich gab es einige „Hausaufgaben“ von Jens abzuarbeiten. Also suchten wir als nächstes den offenen Sternhaufen NGC 2169 im Orion auf, der wie eine „37“ aussah. Sehr hübsch anzusehen war auch das Löwentriplett M65/66/NGC 3628, drei Galaxien in einem Gesichtsfeld. Die nächste Aufgabe war da schon etwas aufregender, eine face on und eine edge on Galaxie (NGC 4298/4302) am „T“ der Coma Berenice dicht beieinander (Abb. links). Wundervoll auch anzuschauen waren die Galaxie M 63, der Ringnebel M 57, der Doppelstern Delta Corvi und der Kugelsternhaufen M 3. Wir fanden dann noch zufällig eine spindelförmige Galaxie im Wagen, die später als NGC 5377 identifiziert wurde. Es wurde langsam feuchtkalt, also schnell noch den Kometen C/2012 K1 Panstarrs und die Supernova SN 2014J in M 82 gesucht und gefunden. Reicht! Es hat uns allen viel Spaß gemacht, aber es war mittlerweile 3 Uhr und die bevorstehende Exkursion verlangt ja auch noch etwas Kraft von uns. Also war Bettruhe angesagt. Der Freitagmorgen begann ziemlich nebelig. Da hilft nur ein ausgiebiges Frühstück in netter Gesellschaft. Gesagt – getan. Gegen 9 Uhr trafen wir uns dann alle mehr oder weniger munter, aber doch gut gelaunt im Gastraum. Nach der Magenfüllung, Koffeinstoß und einem ersten Gruppenbild der 13 Exkursionisten ging es kurz nach 10 Uhr mit drei Autos voller Leute Richtung Blankenburg zur Burgruine Regenstein. Bevor die Wanderung startete, gab es noch schnell ein paar Informationen zu Hans Battermann. Wer das war? Tja, auch nach Blankenburg verirrt sich der ein oder andere Astronom. Battermann, 1860 in Bückeburg geboren, verbrachte hier seine letzten Lebensjahre bis zu seinem Tod am 15.06.1922. Nach dem Abitur studierte er in Berlin Astronomie und arbeitet dann einige Zeit in Hamburg, Göttingen und Berlin, wo er sich ausgiebig vor allem den Sternbedeckungen widmete. Im Jahre 1904 berief man ihn als Direktor der Sternwarte Königsberg. Hier wirkte er bis zu seinem Schlaganfall, trat dann von seinem Amt zurück und übersiedelte mit seiner Frau nach Blankenburg. Das musste erst mal reichen, schließlich waren wir zum Wandern hier, jedenfalls einige ☺. So gingen wir als erstes in den Nordic Fitnesspark unterhalb der Burg. Nach flotter „Sternenhimmel“ - Musik von Hubert Kah wurden unterm Sternenhimmel- Regenschirm die ersten Leibesübungen durchgeführt. Der Erfolg war eher mäßig, auch wenn sich einige richtige Mühe gegeben haben. Den Kreislauf in Schwung gebracht ging es weiter durch den Frühlingswald, in dem wir zahlreiche Grenzsteine aus der Festungszeit der Burg (ab 1670) fanden, als Regenstein eine preußische Enklave inmitten des Braunschweiger Gebietes war. Auf den Steinen erkannte man auf der einen Seite ein „B“ für Braunschweig und auf der anderen Seite ein „P“ für Preußen. Am Hohlweg vorbei erreichten wir das Gebiet der Regensteinmühle, die aus dem 12. Jahrhundert stammt. Anlass genug, eine kleine vorösterliche „Brotzeit“ einzulegen, gab es Leckerlis und „Puddinglikör“. Nun wieder mit Energie versorgt zogen wir weiter durch den Mühlgraben, der die Mühle einst mit Wasser aus dem Goldbach versorgte. Mit einem Schnürsenkel wurde das „Maultier“ an den Maultierführer gekettet. Oftmals waren keine Unterschiede erkennbar. Nun sollten wir den Zugang vom Vorwerk zur Mühle passieren. Der in Sandstein geschlagene Weg hatte eine Laufrinne für das Maultier und einen Steg für den Maultierführer. Das brachte uns auf lustige Gedanken. An den beiden im Durchmesser 4 und 5 Meter großen Wasserrädern angekommen, ertönte von oben aus dem etwa 20 m langen Wasserstollen unerwartet Musik „ Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauß. Es war zwar nicht Zarathustra, sondern der Mühlengeist, der den modifizierten Vorosterspaziergang frei nach Goethe plagiatierte. „..Doch an Blumen fehlt`s im Revier, sie nimmt heut` lustige Astronomen dafür. Jeder sonnt sich doch so gern, und heut Abend wollen wir beobachten die Stern`. Ich höre schon das Harz-Getümmel, hier ist des Beobachters wahrer Himmel. Zufrieden jauchzet groß und klein, (und alle) hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.“ Vor der restaurierten Mühle, die vom 12. bis zum 15. Jahrhundert von den Grafen der Burg Regenstein genutzt wurde, erfolgte das obligatorische Gruppenbild. Es ist immer wieder ein Genuss zu erleben, welche Mühe die Fotografen haben, die Bande zeitgleich passend zu positionieren, die Lichtverhältnisse zu korrigieren und alle Köpfe und Füße zu erwischen. Selbstverständlich war es auch erforderlich, sich an jeder Stempelstelle die notwendige Legitimation zu besorgen. Der herrschaftliche Hund „Jetset vom Lichtblick“, geboren in der Kaiserstadt Karl des Großen, übernahm nun die verantwortungsvolle Aufgabe, uns am Regenstein vorbei über die „Alte Heerstrasse“ die Wege der Kaiser und Könige entlang zu den kleinen und großen Sandhöhlen zu führen. Thingplatz/Altar Unser Ziel ist nahe: Der Regenstein – aus Sandstein und 295 Meter hoch. Hat auch nichts mit „Regen“ zu tun, sondern kommt von „ragin“ = herausragend! Hier herrschte das Blankenburger Grafengeschlecht vom 11. bis zum 14. Jahrhundert, als die Dynastie zerbrach. Im 30-jährigen Krieg errichtete Brandenburg (Preußen) ab 1670 aus den Burgruinen eine Bergfestung mitten im Braunschweiger Gebiet. Diese preußische Enklave wurde 1757 für etwa ein Jahr von den Franzosen besetzt. Im Jahre 1758 lässt Friedrich II. die Festung zerstören, damit sich hier keine neuen Truppen mehr festsetzen können. Seit dem 19. Jahrhundert gibt es hier ein Ausflugslokal, was uns am heutigen Tag besonders erfreute. Das Bierchen hatten wir uns verdient. Ohne Verluste ist die Olsenbande erhobenen Hauptes in die Burg einmarschiert und hat ihr Ziel erreicht. Alle Zwischenaufgaben wurden ordnungsgemäß abgerechnet. Damit sind wir alle 13+1 optimal auf das Spanferkelessen vorbereitet. Nach einer beobachtungsfreien, nebeligen und trotzdem recht kurzen Nacht in gemütlicher Runde vertrieb die Morgensonne den Nebel und es wurde ein herrlicher Samstag mit blitzeblauem Himmel. So konnten wir Sonnenbeobachtungen mit verschiedenen Teleskopen im Weißlicht und im Ha durchführen. Das Vortragsprogramm war für die 35 Teilnehmer in diesem Jahr besonders interessant und kurzweilig. Es gab viele Neuigkeiten zu berichten, aber es wurden auch historische Geschehnisse beleuchtet. Einfach super!! Ein großes Dankeschön an alle Referenten und natürlich an den Organisator Jens Briesemeister. Nach dem Abendbrot hielt uns dann aber nichts mehr. Gefechtsalarm wurde ausgelöst und wir bauten alle unsere Gerätschaften auf der Wiese auf. Es war zwar ganz schön feucht, aber das hinderte uns nicht, ein paar Stunden unter dem herrlichen Himmelszelt zu verbringen und verschiedene Objekte zu beobachten, zu fotografieren oder die Technik auszuprobieren. T: 5°C SQM: 21,5 An dieser Stelle sei an unser „Projekt“ erinnert, die Beobachtung von NGC 2261 (auch Hubble's Variable Nebula und Caldwell 46), einem variabler Reflexionsnebel im Sternbild Einhorn. Er wird durch den Stern R Monocerotis (R Mon) beleuchtet, der aber selbst nicht sichtbar ist. Der Nebel wurde vor 230 Jahren von W. Herschel entdeckt und 1949 von E. Hubble als „first light“ des Hale-Teleskopes fotografiert. NGC 2261 im Monoceros Es wurde wieder eine kurze Nacht, die den Sonntag einläutete. Pünktlich um 2 Uhr stellten wir die Uhren um eine Stunde vor, die Sommerzeit hatte Einzug gehalten. Nach dem Frühstück war allgemeine Aufbruchstimmung und so nach und nach reisten alle wieder ab. Das Sonntagsrätsel wurde gelöst und ein wundervolles Wochenende nahm ein Ende. Es hat allen großen Spaß gemacht und so wird es auch im nächsten Jahr wieder sein!