Arbeitsgemeinschaft Astronomie und Raumfahrt

Epsilon Aurigae - der Stern von Quedlinburg

Epsilon Aurigae“ wird als Stern von Quedlinburg bezeichnet

geschrieben von Karl-Heinz Mau - Wegeleben

Im Jahre 1821 fiel dem Quedlinburger Pfarrer Johann Heinrich Fritsch, der auch ein leidenschaftlicher Himmelsbeobachter war, etwas Seltsames an einem Stern im Sternbild Fuhrmann (Auriga) auf: der Stern Epsilon Aurigae hatte keine konstante Helligkeit. Er erschien nämlich deutlich lichtschwächer, als in alten Sternkarten verzeichnet. Später bestätigten andere Astronomen diese Entdeckung von Johann Heinrich Fritsch.

Im Weltall gibt es zahlreiche Sterne mit deutlichen Helligkeitsschwankungen, welche sich in verschiedene typische Klassen einordnen lassen. Epsilon Aurigae gehört zur Klasse der so genannten „Bedeckungsveränderlichen“. Bei diesen Bedeckungsveränderlichen haben wir ein Doppelsternsystem vor uns, wo sich zwei Sterne mit unterschiedlicher Helligkeit umkreisen. Das hat zur Folge, dass sich, von der Blickrichtung Erde aus gesehen, beide Komponenten des jeweiligen Doppelsternsystems gegenseitig bedecken. Schiebt sich nun die dunklere Komponente des Doppelsterns vor die hellere, so kommt es zu einer Art Sternenfinsternis. Die Helligkeit des Gesamtsystems sinkt deutlich ab.

Das Besondere am bedeckungsveränderlichen Epsilon Arigae ist, dass er eine ungewöhnlich lange Umlaufperiode von 27,1 Jahren hat. Das letzte „Minimallicht“ wurde im Jahre 1983 beobachtet. Für das Jahr 2010 steht das nächste Minimum bevor. Seit August 2009 hat der Helligkeitsabfall begonnen, der dann im August 2010 am größten sein wird. Bis März 2011 wird dieses Helligkeitsminimum bestehen bleiben. Dann beginnt wieder der Anstieg der Helligkeit, die im Mai 2011 ihr Maximum erreicht haben wird.

 

Die wahre Natur des ca. 3000 Lichtjahre entfernten Doppelsternsystems Epsilon Aurigae ist aber noch völlig unklar. Die Hauptkomponente dieses Doppelsternsystems ist ein gelber Riesenstern von über 200-fachem Sonnendurchmesser. Bei der umkreisenden dunklen Komponente handelt es sich nicht um einen Stern, sondern wohl eher um eine riesige nichthomogene Staubscheibe, welche den hellen Zentralstern alle 27,1 Jahre umkreist und verfinstert. Die genaue Natur dieses ungewöhnlichen Doppelsternsystems wird vielleicht während des diesmaligen Bedeckungsvorganges gelöst werden können.