Pilze aktuell – Januar 2020

Orangeseitling – Phyllotopsis nidulans

Orangeseitling (Bild: R. Wandelt)

Heute möchten wir einen Pilz vorstellen, der an liegenden Stämmen und auch Stubben von altem Laub- und Nadelholz vom Herbst an bis in den April hinein zu finden ist und auch jetzt im Januar schon mehrfach gefunden wurde. Trotzdem ist der Pilz nicht allzu häufig hier im Harzvorland und Unterharz anzutreffen.

Die hübsch anzusehenden muschelförmigen Fruchtkörper sind 2 bis 6 cm breit, filzig behaart und orange- bis blassgelb gefärbt. Die Lamellen sind orange bis rostgelb. Der Pilz ist einzeln bis dachziegelartig stiellos am Substrat angewachsen, erst im Alter bildet sich oft ein kurzer Stiel. Das Pilzfleisch ist gelb und zäh.

Der Orangeseitling gilt als ungenießbar. Sowohl der Geschmack des Pilzes als auch sein Geruch sind unangenehm. Letzterer erinnert an verfaulenden Kohl.

Pilze aktuell – Dezember 2019

Falscher Pfifferling (Hygrophoropsis aurantiaca)

Falscher Pfifferling (Bild: W. Wandelt)

Schon seit Anfang Oktober bis jetzt in den Dezember hinein – in manchen Jahren sogar bis Januar, Februar - begleitet uns der Falsche Pfifferling (Hygrophoropsis aurantiaca). In diesem Jahr war er in besonders großen Mengen zu finden und wurde daher auch sehr häufig in der Pilzberatung vorgestellt. Die Enttäuschung ist dann immer groß, dass es sich nicht um den begehrten Echten Pfifferling (Cantharellus cibarius) handelt.

Der in der Regel 2 bis 7 cm breite Hut des Falschen Pfifferlings ist mit seiner gelblich bis orangen Farbe nicht zu übersehen. Die gegabelten Lamellen zeichnet ein leuchtendes Orange aus. Sie laufen weit am Stiel hinab und lassen sich im Gegensatz zu den Leisten des Echten Pfifferlings leicht vom Hutfleisch trennen. Der dünne Stiel ist ähnlich wie der Hut gefärbt. Gegenüber dem festfleischigen Echten Pfifferling sind die Fruchtkörper des Falschen Pfifferlings eher als weich-wattig zu bezeichnen.

Den Falschen Pfifferling finden wir in unseren Nadelwäldern auf dem Waldboden in der Nadelstreu, auf Holzresten und auf Baumstümpfen in oft großer Anzahl. Er zählt als ungiftiger, jedoch minderwertiger Pilz, der bei Verzehr in größeren Mengen Übelkeit hervorrufen soll.

Pilze aktuell – November 2019

Grünblättriger Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare)

Grünblättriger Schwefelkopf
Grünblättriger Schwefelkopf (Bild: Birgit Kaworek)

Das Pilzjahr 2019 neigt sich allmählich dem Ende entgegen. Trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit sind gegenwärtig noch etliche Pilzarten in unseren Wäldern zu finden. Nach den Niederschlägen im September haben sich im Gegensatz zum Vorjahr auch verschiedene holzbewohnende Pilze noch gut entwickeln können. Einen davon möchten wir heute vorstellen, den Grünblättrigen Schwefelkopf.

Bei diesem Pilz handelt es sich um einen häufig vorkommenden kleinen Lamellenpilz. Er wächst büschelig meist auf Laubholzstümpfen, besiedelt aber auch Nadelholz.

Der Hut des Grünblättrigen Schwefelkopfes ist 1 bis 4 cm breit, gelb bis schwefelgelb mit rotbrauner Mitte. Die dicht stehenden Lamellen sind im Jugendstadium schwefelgelb gefärbt und mit einem Grünton versehen, später grünlich mit purpurnem Ton. Der Stiel ist ebenso wie das Pilzfleisch gelb bis schwefelgelb gefärbt – vor allem in der Jugend ein farblich sehr auffälliger Pilz! Der Geschmack ist sehr bitter. Der Grünblättrige Schwefelkopf ist ein Giftpilz.

Nur auf Nadelholzstubben - ebenfalls im Herbst bis weit in den Winter hinein - wächst der essbare Graublättrige Schwefelkopf. Es kommt nicht selten vor, dass beide Pilzarten, der essbare Graublättrige Schwefelkopf und der giftige Grünblättrige Schwefelkopf, gleichzeitg an ein und dem selben Nadelholzstubben wachsen. Beide Pilzarten können im Alter ihr Aussehen sehr verändern. Typische Merkmale wie die Lamellenfärbung sind dann weniger deutlich ausgeprägt. Auch für erfahrene Pilzkenner kann deswegen die Unterscheidung beider Arten manchmal Schwierigkeiten bereiten.

Sammler des schmackhaften Graublättrigen Schwefelkopfes sollten deswegen dessen Merkmale sehr gut kennen und im Zweifelsfall die Pilze auch einmal stehen lassen können.

Pilze aktuell – Oktober 2019

Fliegenpilz (Amanita muscaria)

Fliegenpilz
Fliegenpilz (Bild: Eik Schrader)

Endlich – nach den lange ersehnten Niederschlägen - ist der Fliegenpilz in unseren Laub- und Nadelwäldern wieder anzutreffen. In einem herbstlichen Pilzwald würde ohne ihn bestimmt etwas fehlen, auch wenn wir alle wissen, dass der Fliegenpilz ein Giftpilz ist. Dafür entschädigt uns dieser wunderschön anzusehende Pilz, der auch oft in Familienverbänden auftritt, mit dem leuchtenden Rot seiner Hüte mit den hübschen weißen Pünktchen.

Der Fliegenpilz gehört zu den Wulstlingen, zu den neben essbaren Pilzarten wie dem bekannten Perlpilz u. a. die tödlich giftigen Pilzarten Grüner Knollenblätterpilz und Pantherpilz gehören.

Die Hüte der Fliegenpilze können bis etwa 20 cm breit werden. Auffallend sind neben dem roten Pilzhut die weißen Lamellen und der ebenso weiße Stiel, der einen hängenden weißen Ring (Manschette) trägt. Die Stielbasis wird von einer zwiebelartig verdickten warzig-gezonten Knolle gebildet.

Der Fliegenpilz kommt in der nördlichen gemäßigten Klimazone vor, aber auch in gebirgigen Regionen subtropischer Länder. Neben seiner Giftwirkung ist bereits seit Jahrhunderten auch die halluzinogene Wirkung des Pilzes bekannt. Gleichzeitig wird er als Glückssymbol verwendet.

Pilzausstellung 2019 in Quedlinburg fällt aus

Die für den 12. und 13. Oktober 2019 vorgesehene Pilzausstellung im „Weißen Engel“ in Quedlinburg findet nicht statt.

Die nach der wochenlang anhaltenden Trockenheit von Mai bis September 2019 dann doch noch einsetzenden Niederschläge haben leider nicht bewirkt, dass sich ein größeres Spektrum an Pilzarten entwickeln konnte. Für eine qualitätsvolle Pilzausstellung ist es jedoch erforderlich, das die „problematischen“ Pilzarten wie z. B. die Wulstlinge – dazu gehören Perlpilz, Grauer Wulstling, Fliegenpilz, der tödlich giftige Grüne Knollenblätterpilz und andere Arten – vorgestellt werden können. Auch die an Pilzarten reichen Gattungen der Täublinge und Milchlinge sind komplett ausgefallen. In den jetzt durchgeführten Pilzberatungen ist die geringe Artenvielfalt an Pilzen ebenfalls sichtbar. Das schließt nicht aus, dass sich auch hier im Unterharz bei entsprechend milden Temperaturen noch ein akzeptables Pilzwachstum einstellt. Eine Pilzausstellung zu einem späteren Termin in diesem Jahr ist allein aus technischen Gründen nicht mehr möglich. Wir bedauern das sehr und bitten alle Pilzenthusiasten um Verständnis.

Pilze aktuell – September 2019

Krause Glucke (Sparassis crispa)

Krause Glucke
Krause Glucke (Bild: Erika Zidek)

Leider hat sich an der Aussage vom August 2019, dass hier bei uns im Unterharz und im Harzvorland aufgrund der wochenlangen Trockenheit dem Pilzsammler gegenwärtig nur selten Pilzglück beschieden ist, nichts Wesentliches geändert. Trotzdem wurde jetzt von Pilzsammlern schon vereinzelt die sehr begehrte Krause Glucke gefunden. Diese wächst an der Stammbasis oder an Stümpfen älterer Kiefern, äußerst selten auch an anderen Nadelbäumen. Die runden anfangs weißlichen, später hellbraunen Fruchtkörper mit 10 bis 40 cm Durchmesser können bis 5 kg schwer werden. Die krause Struktur und die vielen Verästelungen des Fruchtkörpers erinnern an Blumenkohl und von weitem gesehen auch an eine auf ihrem Nest sitzende Glucke – daher natürlich auch der Name. Der sehr wohlschmeckende Pilz lässt sich vielseitig verwenden – zum Trocknen und nach der meist etwas mühevollen Säuberung hervorragend zum Braten oder für Suppen.