Den Wanderfalken im Bodetal schützen

Appell der Interessengemeinschaft Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg für den Erhalt des naturgeschützten Wanderfalken im Bodetal bei Thale

Insbesondere in Fernsehberichten wurde in der letzten Zeit dargestellt, wie z. B. der Lebensraum des Tigers auf dem indischen Subkontinent in einem erschreckenden Tempo bis auf wenige inselartige Restvorkommen zusammengeschmolzen ist und die Individuenanzahl dramatisch abnimmt, weil vor Ort den Belangen des Natur- und Artenschutzes keine oder nicht die notwendige Beachtung geschenkt wird. Wir können nicht verstehen, wie dies zugelassen werden kann. Ähnliches hören wir vom Schicksal des Orang-Utan in Indonesien. Hier wird sein Lebensraum – der tropische Urwald – abgeholzt, um z. B. in Plantagen Ölpalmen anzubauen. Die Filmberichte über die unendlich schwierige Aufzucht verwaister Jungaffen berühren unsere Herzen. Mit Spendenaktionen möchten wir im fernen Deutschland dazu beitragen, z. B. durch Kauf von Waldparzellen das durch Gewinnsucht heraufbeschworene Aussterben dieser Menschenaffenart zu verhindern. Für eine große Bevölkerungsmehrheit ist der Schutz von Natur und Umwelt an allen Orten unserer Erde ein wichtiges Anliegen, wirtschaftlichen Interessen des Menschen kann nicht immer ein Primat eingeräumt werden. Sich zu einem solchen Grundsatz zu bekennen fällt leicht, wenn es um ferne Länder und andere Kulturen geht. Geht es um den konkreten Schutz der Natur und den Erhalt der Naturschönheiten vor Ort bzw. um Naturschutz im „eigenen Haus“, wird es offensichtlich schwierig mit einem Bekenntnis für Natur- und Umweltschutz. In einer solchen Entscheidungssituation für oder gegen Natur- und Umweltschutz stehen aktuell die Mitglieder des Stadtrates von Thale. Konkret geht es darum, ob der Brut-und Lebensraum des Wanderfalken ( der wegen seines Schicksals - erst Umweltgift-bedingt 1973 ausgestorben, dann Dank deutschlandweitem tätigen Naturschutz 1980 erste Wiederansiedlung für ganz Ostdeutschland – eigentlich ein Symbol für das zukunftsträchtige Thale ist) im Bodetal bei Thale den mit der Errichtung eines Baumwipfelpfades verbundenen privatwirtschaftlichen Interessen geopfert werden soll oder nicht. Gleichermaßen geht es darum, ob der im Durchbruchstal der Bode bestehende Schutz der Landschaft ersatzlos aufgehoben wird, um diesen Baumwipfelpfad als technisches Großbauwerk in unmittelbarer Nachbarschaft der Abgründe des Bodetales platzieren zu können. Eine erste Vorentscheidung scheint gefallen zu sein- laut MZ-Bericht hat sich der Bauausschuss Thale für die Errichtung des Baumwipfelpfades ausgesprochen. Aus der Berichterstattung ist abzuleiten, dass vermutlich fehlende Informationen oder eine nicht sachgerechte Bewertung der Sachfakten die Mitglieder des Ausschusses zu ihrer Entscheidung bewogen haben. Der geplante Baumwipfelpfad soll direkt von der Bergstation des Sesselliftes im leichten Bogen durch den hier hohen Buchenwald bis zur felsigen Kante des Bodetales oberhalb der Blockhalden der Schurre führen. Hier stößt das Bauwerk auf die Grenze des Naturschutzgebietes Bodetal und führt parallel dazu am Rande des lichten Bestand kleinwüchsiger Krüppeleichen bzw. der Silikatfelsenvegetation bis an den Heidenwall heran. Der Baumwipfelpfad stellt in dem beschriebenen Abschnitt baulich eine langgestreckte Aussichtsplattform mit freiem Blick in das Bodetal und hin zur gegenüberliegenden „Prinzensicht“ dar. Schräg nach unten stößt der Blick auf die markante Felsrippe des so genannten Wacholderrückens. Wenn bislang Wanderer bis hierher mangels geeigneter Wege kaum gelangt sind, würden sich hier zukünftige Besucher im Reich der Wanderfalken bewegen, denn die hier anstehenden Klippen und Felsrippen dienen dem Ansitzen und Ausruhen der Altvögel und dem Füttern der Jungvögel. Der Horstbereich, der nur von hier einsichtbar ist, befindet sich auf der anderen Seite des Bodetales in rund 350 m Luftlinien-Entfernung. Die Naturschützer wissen, dass der Wanderfalke des Bodetales nicht mit Menschenströmen in seinem Brutgebiet zurecht kommt. So hat er nun schon seit Jahren die angestammten Brutbereiche am Hexentanzplatz und an der Roßtrappe verlassen. Das muss sich nicht wiederholen, wenn die Trasse eines Baumwipfelpfades so angelegt wird, dass keine Sichtbeziehungen zu Brutgebieten des Wanderfalken bestehen. Dafür gibt es im Bereich zwischen Bergstation Sessellift und Heidenwall mehr als genug Raum. Herr Blosfeld als Thales Bauamtsleiter hat unrecht, wenn er sagt, dass die geplante Trasse des Baumwipfelpfades keine sensiblen Bereiche berührt. Um dies glaubhaft zu machen und das Problem mit der Störung des Lebensraumes des streng geschützen Wanderfalken zu umgehen, wird behauptet, dass in der letzten Zeit kein Wanderfalke gesichtet wurde. Er ist nicht da, er könnte aber kommen. Soll mit einer solchen falschen Behauptung, die schon im Bauantrag enthalten ist, die Abgeordnetenzustimmung zu dem Vorhaben erreicht werden? Das ist ein Verhalten, dass mit Recht kritisiert wird, wenn es in uns fernen Ländern so praktiziert wird. Es ist nicht schwer, sachkundige Informationen über die seit 1980 ohne Unterbrechung bestehende Präsenz eines Wanderfalken im Bodetal zu erlangen. Für geübte Beobachter ist es nicht schwer, den Wanderfalken hier zu sehen. Das Jahr 2011 war ein besonders glückliches Jahr für unser Wanderfalkenpaar im Bodetal bei Thale. Erstmalig im Verlauf vieler Jahre konnte es 3 Jungvögel großziehen. Alles hat gestimmt: Die Witterung im zeitigen Frühjahr, fehlende Störungen durch Menschen, keine Verluste durch andere Beutegreifer. 3 Jungvögel erfolgreich großziehen bedeutet: Über viele Wochen hinweg wird in vielen täglichen Anflügen des großen Greifvogels Futter für das brütende Weibchen und später für die Jungvögel herangeschafft. Es ist schon höchst eigenartig, wenn ungeachtet dessen behauptet wird, dass die Wanderfalken nicht gesichtet wurden, also nicht da sind. Wir können hier nur an die Stadträte der Stadt Thale und an die Verwaltung der Stadt Thale den eindringlichen Appell richten, auch vor Ort - im eigen Haus - für den Schutz der Natur einzutreten, den Schutz des Wanderfalken im Bodetal zu sichern und dem Fortbestand dieses Kleinods unserer heimischen Natur das Primat gegenüber den privaten wirtschaftlichen Interessen an der Errichtung eines Baumwipfelpfades genau in seinem Lebensraum einzuräumen. Der Wanderfalke kann sich nicht wehren – wir alle müssen deswegen Anwalt für seinen Fortbestand sein. Das Jahr 2011 darf nicht das letzte glückliche Jahr für den Wanderfalken in Bodetal bei Thale gewesen sein.

Quedlinburg, Dezember 2011


Information zum Baumwipfelpfad Thale

Zum Vorhaben „Baumwipfelpfad Roßtrappe“


Zu Beginn des Jahres 2011 hat ein Investor Planungsunterlagen zu dem Vorhaben „ Baumwipfelpfad Roßtrappe“ eingereicht. Die Unterlagen beinhalten u. a. einen Umweltbericht und eine Umweltverträglichkeitsprüfung (FFH-VP). Aus den Unterlagen wird ersichtlich, dass das Vorhaben schwerwiegende Eingriffe in das Landschaftsbild beinhaltet und eine Realisierung des Vorhabens den Lebensraum geschützter Arten irreversibel beeinträchtigen würde. Aus den Planunterlagen wird auch ersichtlich, dass der Baumwipfelpfad in einem Waldbereich errichtet werden soll, der keineswegs typisch für einen intakten produktiven Harz-Laubwald ist. Er soll überwiegend in einem Waldbereich errichtet werden, der eine Kampfzone der „krummschäftigen“ Traubeneichenbestockung auf trockenen Felshalden und Felskuppen darstellt. Im vorliegenden Fall soll die Abwägung aller Pro- und Kontra-Argumente (z. B. wirtschaftliche Interessen, Natur- und Umweltschutz) auf der Ebene der Stadt Thale erfolgen. Im Prozess solcher Abwägungen stellt sich nicht selten heraus, dass die für die Interessensabwägung Verantwortlichen nicht ausreichend über die Auswirkungen eines Vorhabens informiert sind. Deswegen hat die Interessengemeinschaft Ornithologie und Naturschutz ihren Appell zum Schutz des Wanderfalken im Bodetal bei Thale (siehe Rubrik Presseinformationen ) mit Datum 10. 12. 2011 über das Büro des Stadtrates Thale auch direkt an alle Stadträte gerichtet. Mit den nachfolgenden aktuellen Aufnahmen wird die Vor-Ort-Situation im Vorhabensgebiet vorgestellt.

Dr. W. Wandelt, IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg, 2. 2. 2012

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Krummschäftiger, niedrigwüchsiger Eichenhangwald auf felsigem Untergrund

Trasenführung im schwachwüchsigen Wald

 

Wald in der Kampfzone

 

Trassenführung durch Birkenwald

 

Altbuchenbestand kurz vor der Fällung

Naturschutz-Pflegearbeiten am Schierberg Rieder

Presseinformation

IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg, 3. Mai 2011

zum MZ (Quedlinburg) - Bericht vom 20. 4. 2011 "Vertreibung aus dem Paradies"

Rettung der Schierberg-Orchideen und - Enziane

In Zusammenhang mit dem MZ-Beitrag „Vertreibung aus dem Paradies“ haben die Anstrengungen zur Rettung der Schierberg-Orchideen und - Enziane einen Rückschlag erlitten. Die laufenden Pflegearbeiten wurden gestoppt. Dies zeigt, wie schwer es vor Ort sein kann, das politische Bekenntnis zum Schutz der Biodiversität – der Vielfalt der Lebensformen – nicht nur in fernen Ländern, sondern auch unmittelbar vor Ort umzusetzen.

 

Worum geht es am Schierberg Rieder , den Gegensteinen und dem Steinberg Ballenstedt ? Welche Prioritäten sind zu beachten ?

Es geht in erster Linie um die Rettung seltener Enzianarten und vor allem um die Bewahrung einer extrem seltenen Orchideenart vor dem Aussterben in Deutschland und die dazu notwendige Pflege von Teilflächen innerhalb des rund 100 ha umfassenden Naturschutzgebietes Gegensteine Ballenstedt – Schierberg Rieder.

 

Die notwendigen Pflegearbeiten ergeben sich aus den Zielstellungen der Unterschutzstellung als Naturschutzgebietes. Diese lauten:

„Erhaltung von Trockenrasen, Halbtrockenrasen, Zwergstrauchheiden, Trockengebüschen und naturnahen Waldgesellschaften sowie von Streuobstwiesen auf Kalk- und Sandsteinstandorten mit zahlreichen gefährdeten Arten; Schutz der für den Nordharzrand charakteristischen Felsbildungen.“

Bezüglich der Schutzbedürftigkeit der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten sind Prioritäten festzulegen. In den Halbtrockenrasen kommen u. a. folgende besonders gefährdete Pflanzenarten vor: Feldenzian in der Unterart Baltischer Enzian, Deutscher Enzian, Fransenenzian und eine kleine Orchideenart - die Herbstwendelorchis.

Für den Erhalt der Vorkommen der Herbstwendelorchis trägt das Land Sachsen-Anhalt mit seinem Vorkommen im Raum Ballenstedt – Rieder eine besondere nationale Verantwortung, weil in allen anderen Bundesländern mit Ausnahme des Freistaates Bayern diese früher häufige Orchidee im Ergebnis des Niedergangs der Schafhaltung und damit der Schafhutung ausgestorben oder vom Aussterben bedroht ist. Auch der Bestand im NSG Gegensteine Ballenstedt- Schierberg Rieder war dem Erlöschen nahe. 1998 wurden im Bereich des großen Gegensteines – dem größten Vorkommen - nur noch 35 blühende Pflanzen gezählt.

 

Viele Pflanzen- und Tierarten sind selten geworden oder vom Aussterben bedroht, weil sich die Landnutzung verändert hat. Erst in jüngerer Zeit wird immer besser verstanden, dass ein Arten- und Flächenschutz nicht ausreicht, sondern dass es darauf ankommt, die Art und Weise der Flächennutzung fortzuführen, die zur Herausbildung bestimmter Lebensräume mit den Vorkommen dafür typischer Arten geführt hat.

 

Die vom Aussterben bedrohte Herbstwendelorchis ist mit ihrem jährlichen Entwicklungsrhytmus und mit ihrem Habitus (kleine Basalblätter, die dem Boden aufliegen)

nicht nur schlechthin an Beweidung und sommertrockenes Klima angepasst, sondern daran, dass Weidetiere den gesamten Aufwuchs bis in Bodennähe abfressen. Die Herbstwendelorchis verträgt keinen Konkurrenzdruck durch hoch wachsende Gräser und Kräuter oder gar durch Gebüsch- und Baumwuchs. Im mehrjährigen Bodenfilz nicht abgeweideter Grasmasse „erstickt“ diese Orchidee. Eine Entwicklung von Jungpflanzen ist nicht möglich. Stimmen die Lebensraumbedingungen, können sich durch Samenvermehrung schnell wieder individuenreiche Populationen aufbauen. Ähnliches gilt z. B. auch für den einjährigen Baltischen Enzian.

 

Überweidung in früheren Zeiträumen ließ Offenflächen entstehen

Im genannten Gebiet, das überwiegend durch sehr ertragsschwache – schiere – Verwitterungsböden gekennzeichnet ist, erfolgte über Jahrhunderte hinweg eine sogenannte Überweidung- es wuchs weniger Futter auf, als eigentlich für die vielen weidenden Schafe und Ziegen erforderlich war. Nur unter diesen Bedingungen konnte kein Gehölzaufwuchs hochkommen, es entstand kein mehrjähriger Filz aus abgestorbenen Gräsern. Tiefwurzelnde blütenreiche Kräuter oder Pflanzen mit spezieller Anpassung prägten die kahl gefressenen Hügelketten der Vorharzlandschaft. Ein Paradies für viele Tier- und Pflanzenarten, vor allem für Enzianarten und für die Herbstwendelorchis !

 

In kleinen, aber kontinuierlichen und nun immer schneller werdenden Entwicklungsschritten hat sich diese Situation grundsätzlich geändert. Die Schafhaltung ist nicht mehr rentabel. Existierten im Altkreis Quedlinburg bis etwa 1990 noch 20- 25 Schafherden, so sind es heute nur noch 2. Voraussetzung für deren Fortbestand ist die EU-Förderung der Schafhutung auf Naturschutzflächen.

 

In Folge der großflächigen Veränderungen der Nutzung von gering ertragsfähigen Flächen wurde in den zurückliegenden Jahren die Funktionsfähigkeit des Schutzgebietes im Bereich Schierberg (Rieder) und Steinberg (Ballenstedt) durch eine schnell voranschreitende Vergrasung, Verbuschung und Verwaldung gefährdet und eingeschränkt. Während auf der Nordseite des Schierberges frühere Offenflächen mit Enzianvorkommen ausgehend von den natürlichen Waldbereichen von Baumarten überwachsen wurden ( die Espe als Pionierholzart breitet sich partiell bereits bis an den Feldrand aus), erfolgte auf den Halbtrockenrasen der Südseite z. B. im Bereich zwischen Dicker Stein und Schießplatz innerhalb der letzten 20 Jahre ein vollständiges Verbuschen vor allem mit Weißdorn und Hundsrosen. Diese Flächen sind auch für Schafe und Ziegen undurchdringbar geworden. Die einzige Schaftrift, welche die Nordseite des Schierberges mit der Südseite verbindet, ist für eine Schafherde kaum noch passierbar.

 

Es ist müßig, die Frage zu stellen, weshalb ungeachtet einer gewährten Förderung für Schafhutung die dargestellte Situation eingetreten ist. Viele Faktoren im Komplex sind wirksam geworden: starker Nährstoffeintrag beschleunigt die natürliche Verwaldungstendenz, die in ihrer Intensität völlig unterschätzt wurde, Förderregularien waren oder sind nicht wirksam genug auf die Naturschutzziele ausgerichtet, die Zuständigkeit für den Gesamtprozess ist auf 3 verschiedene Behörden verteilt, Kontrollen waren nicht ausreichend zielführend, nicht ausreichendes Sachwissen, fehlende Mittel für Landschaftspflegeleistungen (Entbuschung).

 

Artentod muss und kann verhindert werden

Wichtig ist, dass jetzt - ehe das Aussterben konstatiert werden muss - die für eine Umkehr der eingetretenen Situation notwendigen Maßnahmen ergriffen werden.

Für eine kleine Fläche am Gegenstein wird sei dem Jahr 1998 durch den Arbeitskreis heimische Orchideen ein spezielles Pflegeprogramm für den Erhalt der Herbstwendelorchis erprobt und realisiert. Dieses Programm, das überwiegend mit ehrenamtlicher Arbeit realisiert wird, hat an diesem Standort zu guten Ergebnissen geführt. Kernstück der Pflege ist, dass eine manuelle Grundinstandsetzung ( vollständige Entbuschung, vollständige Entfernung von mehrjährigem Grasfilz) erfolgt und in Kombination damit durch eine gezielten Schafhutung ( Termin, Dauer, Intensität) eine vollständige, genau terminisierte Entnahme des jährlichen Aufwuchses an Pflanzenmasse erfolgt. Nur so kann der Lebensraum erhalten oder wieder revitalisiert werden, der für das Fortbestehen der vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten erforderlich ist.

 

Die Erfahrungen, die mit diesem Programm gesammelt werden konnten, sind nun auf die Offenflächen des gesamten Naturschutzgebietes zu übertagen.

 

Seit 2009 werden Entbuschungsarbeiten auch am Schierberg durchgeführt. Dabei gibt es klare Abgrenzungen von Waldflächen und Hutungsflächen ( Halbtrockenrasen) sowie Flächen von Streuobstwiesen. Diese durch die Art der erfolgten Form der Landnutzung charakterisierten Flächen im Naturschutzgebiet sind wegen der eingetretenen Verbuschung und Verwaldung vor Ort meist nicht mehr erkennbar gewesen. Jeder interessierte Bürger kann sich diese Abgrenzungen in der amtlichen topographischen Karte 1 : 10 000 Blatt 4233 – SW- Ballenstedt ansehen – hier sind sie eindeutig ausgewiesen. Diese Abgrenzungen sind auch die Grundlage für die bislang durchgeführten Entbuschungsarbeiten, z. B. im Bereich des „Dicken Steins“ .

Die teilweise vollständige Entbuschung mag nach dem in den Vorjahren erfolgten vollständigen Zuwachsen und Verwalden als krass erscheinen – sie ist dennoch aus fachlichen Gründen unumgänglich.

 

Probleme bei der Sicherung von Offenflächen

Bei der Wiederherstellung und Sicherung von Offenflächen als Lebensraum vieler geschützter Tier- und Pflanzenarten tun sich 2 Hauptprobleme auf:

 

1.Die Grundinstandsetzung verbuschter und verwaldeter Offenflächen durch Entbuschen und spezielles Mähen ist nicht Gegenstand der Agrarförderung. Solche Leistungen für den Naturschutz und für die Landschaftspflege werden abgesehen von Kleinvorhaben oder speziellen Projekten bislang nicht von der EU gefördert und nicht anderweitig ( z. B. mit Landesmitteln) finanziert.

 

2.Die spezielle Förderung der Schafhutung in Naturschutzgebieten erfolgt nur für Graslandflächen und nicht für verbuschte Flächen. Dabei werden die verbuschten Flächenanteile durch den Fördermittelgeber mit der heute verfügbaren Technik m² - genau ausgemessen und von der Förderung ausgenommen. Lässt sich ein Schäfereiunternehmen darauf ein, eine vorhandene partielle Verbuschung bei geförderten Flächen selber zurückzudrängen (unentgeltlich – ohne Aufwandsersatz) , kann ihm Schlimmes widerfahren: Ergibt eine Kontrolle, dass die Flächenanteile mit Verbuschung nach Multiplikation mit 3 mehr als 20 % der Förderfläche überschreiten, wird die Förderung für die Gesamtfläche (100 %) zurückgezogen – für den in Anspruch genommenen Förderzeitraum ( maximal 4 Jahre). Alle erfolgten Förderzahlungen sind einschließlich Zinsen an den Fördermittelgeber zurückzuzahlen. Erbrachte Leistungen (Hutung und Entbuschung) werden nicht erstattet. Unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen muss in einem solchen Fall ein Schäfereiunternehmen seine Betriebsexistenz aufgeben.

 

Wie kann die notwendige Entbuschung vorangebracht werden ?

Ehrenamtliche Naturschutzfreunde können - unterstützend - beim besten Willen nur kleinste Flächen – gemessen an den Gesamtflächen – entbuschen - natürlich verbunden mit dem sachgerechten genehmigten Verbrennen des Schnittgutes an Ort und Stelle. Solche Aktivitäten hat es bereits 2009 am Schierberg ( und ein Jahr später am Steinberg) gegeben. Das Problem Entbuschung wird damit nicht gelöst.

 

Eine andere Möglichkeit ist dadurch gegeben, dass 1-Euro - Kräfte für Landschaftspflegearbeiten eingesetzt werden. Wichtige förderrechtliche Detailfragen sind dabei allerdings nicht geklärt. 1-Euro-Maßnahmen sind so knapp finanziert, dass Kosten für einen eventuellen Abtransport und für ein an zentraler Stelle erfolgendes Schreddern von Schnittgut übernommen werden können. Dies zu realisieren wäre auch eine völlig unzulässige Mittelverschwendung, wenn ohne Nachteile für den Naturhaushalt ein Verbrennen vor Ort möglich ist.

1-Euro -Maßnahmen richten sich in ihrer Dauer nicht unbedingt nach dem Ablauf der Vegetation. Dies bedeutet, dass sich bei Entbuschungsmaßnahmen Konflikte mit Brutzeiträumen ergeben können. Hier sind dann Sonderauflagen zu beachten, um Ausnahmeregelungen für Entbuschungsarbeiten auch in diesem Zeitraum erlangen zu können.

 

Durch die Realisierung einer 1-Euro-Maßnahme im Herbst 2010 konnte ein Großteil der verbuschten Flächen wieder freigeschnitten werden. Es ist dem Entgegenkommen der KoBa (Kommunale Beschäftigungsagentur Jobcenter Landkreis Harz ) zu danken, dass eine zweite 1- Euro-Maßnahme jetzt im Frühjahr 2011 in Angriff genommen werden konnte. Mit dieser Maßnahme könnte die letzte, erst in den zurückliegenden 20 Jahren total verbuschte frühere Offenfläche zwischen Dicker Stein und Schießplatz frei gestellt werden. Bedingt durch die Veränderungen am Arbeitsmarkt und durch von der Politik geforderte Mittelkürzungen muss erwartet werden, dass es für diese Entbuschungsarbeiten keine weiteren 1-Euro-Maßnahmen geben wird. Es wäre eine unverzeihliche Fehlentscheidung, diese vielleicht letzte Möglichkeit für die Rettung von unverzichtbarem Lebensraum nicht zu nutzen.

 

Bei der Realisierung von Entbuschungsarbeiten fallen in der Regel Unmassen von Schnittgut an. Dabei ergeben sich 2 Probleme:

1.Handelt es sich um Schnittgut von Dorngebüsch, ist es unmöglich, dieses Schnittgut über größere Strecken zu transportieren. Es muss an Ort und Stelle verbrannt werden. Dazu gibt es keine Alternative. Jeder, der an einem Entbuschungseinsatz teilgenommen hat, kann dies aus schmerzvoller Erfahrung bestätigen.

2.Da Entbuschungsarbeiten in einem Naturschutzgebiet von niemandem bezahlt werden, gibt es auch kein Geld für ein eventuelles Zusammentragen und Abfahren von Schnittgut – und dies vielleicht noch über mehrere km hinweg. Schnittgut kann in der Regel auch nicht an Ort und Stelle liegen bleiben und verrotten. Deswegen stellt generell das Verbrennen an Ort und Stelle, auch auf Flächen des Naturschutzgebietes, oft die einzige Alternative dar.

Selbstverständlich müssen die erforderlichen behördlichen Genehmigungen dafür vorliegen, die fachliche Aufsicht muss gesichert sein.

 

Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet für den Regelfall das Abbrennen der Bodendecke auf Wiesen, Feldrainen, Hochrainen und ungenutzten Grundflächen sowie an Hecken und Hängen. Es verbietet aber nicht das Verbrennen von Schnittgut, welches bei der Durchführung von unverzichtbaren und durch die zuständige Behörde genehmigten und kontrollierten Pflegemaßnahmen anfällt.

 

Brandstellen sehen nicht schön aus – dies ist unstrittig. Sie stellen aber keine Zerstörung von Lebensraum dar. In der Regel sind sie nach 2 Jahren wieder vollständig von Vegetation bedeckt. Sie stellen Bodenverwundungen dar, die gerade für viele Pflanzenarten für die Regeneration des Bestandes von großer Bedeutung sind.

 

Die Rettungsarbeiten für vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten im Naturschutzgebiet Gegensteine – Ballenstedt – Schierberg Rieder zeigen erste Erfolge. Die Zusammenarbeit zwischen dem zuständigen Schäfereiunternehmen K. Schneider, der Unteren Naturschutzbehörde und dem ehrenamtlichen Naturschutz hat sich zunehmend gut entwickelt.

 

Dank für die Akteure – Pflegearbeiten am Schierberg unbedingt fortsetzen !

Wir bedanken uns ausdrücklich bei den 1-Euro-Arbeitskräften für die von ihnen geleistete gute und schwere Arbeit. Dieser Dank gilt gleichermaßen den für die Anleitung und Kontrolle zuständigen Mitarbeitern der Gesellschaft für Arbeitsförderung Thale bzw. der unteren Naturschutzbehörde. Wir bedanken uns bei dem Leiter dieser Behörde Egbert Günther für seine Tatkraft und auch Mut beim Treffen notwendiger Entscheidungen. Gleichermaßen gilt unser Dank auch der Abfallbehörde für notwendige unbürokratische Genehmigungen zum Verbrennen von dornigem Schnittgut. Wir hoffen, dass engagierte Naturschützer – gleich in welcher Naturschutzvereinigung organisiert- nicht den Mut verlieren, sich auch zukünftig in Form von Entbuschungseinsätzen für den Erhalt besonders schutzbedürftiger Natur einzusetzen. Auch dem Feuersalamander muss nicht Bange sein: Die Wiederherstellung von Offenflächen schmälert nicht seine Lebensraumansprüche am Schierberg – er braucht vor allem sauberes Wasser für das Absetzen der Jungtiere.

Jetzt kommt es darauf an, dass schnell der ausgesprochene Stopp für die Fortsetzung der Entbuschungsarbeiten aufgehoben wird. Fortgesetzt werden muss das Verbrennen des flächig gelagerten Schnittgutes, welches in den letzten Wochen angefallen ist. Geschieht dies nicht, können die neuen Ausschläge des auf Stock gesetzten Buschwerkes nicht von den Weidetieren abgefressen werden. Nach dem Abschluss der Vegetationszeit haben sich die weichen Jahrestriebe wieder in Dornenranken verwandelt, die nicht mehr gefressen werden. Dann waren diese und auch vorjährige Entbuschungsarbeiten für die Katz´ !

Bericht über die Arbeit der IG Ornithologie udn Naturschutz für die Jahre 2008 und 2009

Wahlversammlung der IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg am 10. 2. 2010 im Kunsthoken Quedlinburg

Die Wahlversammlung der IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg hat am 10. 2. 2010 im Kunsthoken Quedlinburg stattgefunden.

Von 21 Mitgliedern haben 14 Mitglieder an der Veranstaltung teilgenommen ( 67 %). Laut Satzung war für den Zeitraum 2008 – 2009 Rechenschaft über die Aktivitäten der Interessengemeinschaft abzulegen und eine neue Leitung für die Jahre 2010 und 2011 zu wählen.

Dem öffentlichen Vortragsteil der Mitgliederversammlung schloss sich die Wahlversammlung an.

In offener Abstimmung wurde Alois Hunstock zum Versammlungs- und Wahlleiter gewählt.

Den Rechenschaftsbericht für den Zeitraum 2008 – 2009 erstattete Dr. Werner Wandelt . Der Finanzbericht wurde von Wolfgang Hohlfeld vorgestellt.

Im Rechenschaftsbericht wurden noch einmal wichtige Ziele der Arbeit der IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg herausgestellt:

Eine gute Gemeinschaft sein, gemeinsam Freude an Natur und Umwelt haben, etwas für den Erhalt von Natur und Umwelt tun, neues Wissen erwerben, ein breites Spektrum in der Beschäftigung mit Natur und Umwelt gewährleisten, für Natur und Umwelt werben, die Öffentlichkeit in die Natur- und Umweltschutzarbeit der IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg einbeziehen, über Schönheiten der heimischen Natur informieren sowie über aktuelle Probleme des Natur- und Umweltschutzes in der Region berichten.

2008 wurden 10 Mitgliederversammlungen ( einschließlich Weihnachtsfeier) durchgeführt, daran haben im Durchschnitt 13,2 Mitglieder teilgenommen. Dies wurde als ein gutes Ergebnis bewertet – sind doch einige Mitglieder beruflich daran gehindert, regelmäßig an den Mitgliederversammlungen teilzunehmen. 2009 bietet sich das selbe Bild: an ebenfalls 10 Veranstaltungen haben im Durchschnitt 14,3 Mitglieder teilgenommen.

 

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Naturschutzkonferenz

Jahreshauptversammlung 2011 der Naturschutz- und Umweltverbände des Landkreises Harz

am Sonnabend, dem 26. Februar 2011 9.00 Uhr in Wernigerode

 

Jährlich einmal findet eine Versammlung aller Naturschutz- und Umweltverbände des Landkreises Harz (früher nur der Altkreise Wernigerode und Halberstadt) statt. Die diesjährige Hauptversammlung findet am Sonnabend, dem 26. Februar 2011 9.00 Uhr , im Hörsaal C der Hochschule Harz in Wernigerode statt (38855 Wernigerode, Friedrichstr. 54 - Richtung Elend/Schierke - , Tel. 03943 659-0).

Die Veranstaltung beginnt 9,00 Uhr und endet gegen 14,30 Uhr.

 

Folgende Tagesordnung ist vorgesehen:

9.00 Uhr

 

Eröffnung durch Herrn Dr. Uwe Wegener

9.20 – 11.45 Uhr

Jahresberichte der Verbände mit anschließender Diskussion und Kurzbeiträge

12.00 Uhr bis 13.00 Uhr

 

Mittagspause

13.00 Uhr – 14.00

„Refugium Selketal – ein besonderes Schutzgebiet“ – eine außergewöhnliche Präsentation von Annette Westermann, NABU/HZ

 

14.00 Uhr – 14.30 Uhr

Diskussion

 

 

Gäste sind wie immer herzlich willkommen !

 

Einladende:

 

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschlands e. V (BUND)

 

Landesverband Sachsen-Anhalt des Bund für Natur und Umwelt e. V. (BNU)

 

Naturschutzbund Deutschland e. V. ( NABU)

 

Gesellschaft zur Förderung des Nationalparks Harz e. V. (GFN)

 

Die Umweltverbände wünschen Ihnen eine gute Anreise und noch alles Gute für das Jahr 2011

 

Einladung zur Wahlversammlung

Einladung zur Wahlversammlung der IG Ornithologie und Naturschutz am 10. 2. 2010 im Kunsthoken Quedlinburg

 

Nach dem Vortrag von Dr. Kison zum Thema „Flechten – die wenig beachteten Lebenskünstler“

 

erfolgt im nichtöffentlichen 2. Teil der Mitgliederversammlung die

diesjährige Wahlversammlung der IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg. Seit der Wahlversammlung 2008 sind zwei Jahre vergangen. Die Gruppenleitung legt Rechenschaft über die geleistete Arbeit ab, es ist ein neuer Vorstand erneut für 2 Jahre zu wählen. Als Wahlleiter der Veranstaltung ist Alois Hunstock vorgeschlagen. Die bisherigen Mitglieder der Gruppenleitung (Horst Rudolph, Wolfgang Hohlfeld, Alois Hunstock, Dr. Werner Wandelt) stehen für eine Wiederwahl in den Vorstand zur Verfügung. Im Rahmen der Wahlveranstaltung können selbstverständlich auch andere Mitglieder der IG für die Wahl vorgeschlagen werden. Gegenstand der Wahlversammlung ist die Aussprache zum Rechenschaftsbericht sowie über zukünftige Vorhaben der IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg.

 

Einladung zur Jahresversammlung der Naturschutzverbände 2010

Jahreshauptversammlung der Naturschutz- und Umweltverbände des Landkreises Harz

am Sonnabend, dem 20. Februar 2010 9.00 Uhr in Wernigerode

 

Jährlich einmal findet eine Versammlung aller Naturschutz- und Umweltverbände des Landkreises Harz (früher nur der Altkreise Wernigerode und Halberstadt) statt. Die diesjährige Hauptversammlung findet am Sonnabend, dem 20. Februar 2010 9.00 Uhr , im Hörsaal C der Hochschule Harz in Wernigerode statt (38855 Wernigerode, Friedrichstr. 54 -Richtung Elend/Schierke- , Tel. 03943 659-0).

Die Veranstaltung beginnt 9,00 Uhr und endet gegen 14,30 Uhr. Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch Dr. Uwe Wegener referieren Frau Kerstin Rieche, Herr Guido Harnau und Dr. Christoph Schönborn zu Bergwiesenprojekten im Landkraus Harz. Dem schließen sich die Jahresberichte der Verbände mit anschließender Diskussion an. 13 Uhr folgt der Vortrag „Vogelwelt im Klimawandel“ von Prof. Franz Bairlein (Vogelwarte Helgoland).

 

Zu dieser Veranstaltung haben eingeladen:

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschlands e. V. (BUND), Landesverband Sachsen-Anhalt des Bundes für Natur und Umwelt e. V. (BNU), Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU), Gesellschaft zur Förderung des Nationalparks Harz e. V. (GFN).

 

Gäste sind ausdrücklich willkommen geheißen !

Einladung zur Jahresversammlung der Naturschutzverbände

Jahreshauptversammlung der Naturschutz- und Umweltverbände des Landkreises Harz

am Sonnabend, dem 20. Februar 2010 9.00 Uhr in Wernigerode

Jährlich einmal findet eine Versammlung aller Naturschutz- und Umweltverbände des Landkreises Harz (früher nur der Altkreise Wernigerode und Halberstadt) statt. Die diesjährige Hauptversammlung findet am Sonnabend, dem 20. Februar 2010 9.00 Uhr , im Hörsaal C der Hochschule Harz in Wernigerode statt (38855 Wernigerode, Friedrichstr. 54 -Richtung Elend/Schierke- , Tel. 03943 659-0).

Die Veranstaltung beginnt 9,00 Uhr und endet gegen 14,30 Uhr. Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch Dr. Uwe Wegener referieren Frau Kerstin Rieche, Herr Guido Harnau und Dr. Christoph Schönborn zu Bergwiesenprojekten im Landkraus Harz. Dem schließen sich die Jahresberichte der Verbände mit anschließender Diskussion an. 13 Uhr folgt der Vortrag „Vogelwelt im Klimawandel“ von Prof. Franz Bairlein (Vogelwarte Helgoland).

 

Zu dieser Veranstaltung haben eingeladen:

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschlands e. V. (BUND), Landesverband Sachsen-Anhalt des Bundes für Natur und Umwelt e. V. (BNU), Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU), Gesellschaft zur Förderung des Nationalparks Harz e. V. (GFN).

 

Gäste sind ausdrücklich willkommen geheißen !

Rückblick 2009

Rückblick auf das Jahr 2009

Die Interessengemeinschaf t Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg umfaßt aktuell 21 Mitglieder. Alle für das Jahr 2009 geplanten 9 öffentlichen Vortragsveranstaltungen der IG wurden realisiert. Veranstaltungsort war jeweils der Quedlinburger Kunsthoken in der Marktstraße 2. Die Vorträge waren folgenden Tier- oder Pflanzenarten gewidmet: invasive Insektenarten, Brutvögel in Halberstadt, Orchideen in S-A. , der Luchs im Harz, Muffelwild im Harz, die Fischbestände in den Harzgewässern, Baumpilze. Vorgestellt wurden außerdem die Entwicklung des Nationalparkes Harz und Natur, Menschen und Landschaft der Molukkeninsel Seram. In allen Vorträgen wurde aktuelles und spannendes naturkundliches Wissen in großer Bandbreite vermittelt. Den Referenten, die Mehrheitlich aus der Nordharzregion stammen bzw. Mitglieder der IG Ornithologie und Naturschutz sind, sei auch an dieser Stelle ausdrücklich Dank gesagt. Im Durchschnitt haben 9 interessierte Gäste an diesen Vortragsveranstaltungen teilgenommen. Hier meinen wir, dass dieser Teilnehmerkreis angesichts der interessanten Themen noch größer sein könnte.

 

Im zurückliegenden Jahr wurden folgende Exkursionen durchgeführt:

4-Tage-Exkursion nach Zinnwald – Georgenfeld (Osterzgebirge) ,

Kurzexkursion zu den Beständen von Adonisröschen und Kuhschellen im Raum Börnecke,

Kurzexkursion Ackerwildkräuter in die Quedlinburger Seweckenberge,

Kurzexkursion zu den Orchideenbeständen der Kalkteiche Latdorf (Bernburg),

Tagesexkursion Biosphärenreservat Südharz. Höhepunkt war das Erleben des sehr großen Bestandes eines naturgeschützten Farnes, der Hirschzunge im Bereich des Naturschutzgebietes Mooskammer.


3-Tage-Fahrt zu der BUND-Partnergruppe in Herford mit großer Wanderung durch mehrere Naturschutzgebiete. Die regelmäßigen Kontakte nach Herford bestehen seit 1992.

 

Traditionell fand am 27. 12. 09 die Weihnachtswanderung bzw. Jahresend-Wanderung statt. Für die 18 Teilnehmer ging es von Friedrichsbrunn vorbei am Bergrat-Müller-Teich dem Bärweg folgend bis zur Feriensiedlung Bremerteich und ab hier dem Konenweg entlang bis Mägdesprung.

Nach 10 km Wanderung bei bestem Wetter und Schnee, aber reichlich Glätte, mundete hier das Mittagessen in der Kutscherstube. Kurz vor Mägdesprung konnte ein Vorkommen der Bartflechte festgestellt werden. Diese sehr markante Flechte breitet sich aktuell wieder aus, nach dem die frühere Luftverschmutzung für diese Flechtenart keine Lebensbedingungen mehr bot.

 

Im Rahmen der Gruppenarbeit fanden folgende Arbeitseinsätze statt:

1 Pflege – und Entbuschungseinsatz im Naturschutzgebiet Harsleber Berge,

2 Pflege – und Entbuschungseinsätze im Naturschutzgebiet Schierberg Rieder,

1 Pflegeeinsatz im Bereich der Gersdorfer Burg (Biotoppflege im Rahmen des Steinkauzprojektes).

Bemerkenswert für das Jahr 2009 war die überaus reiche Blüte des naturgeschützten Baltischen Enzians im Bereich des Großen Gegensteins. Hier wirken sich die Mäharbeiten der Mitglieder des Arbeitskreises Heimische Orchideen Sachsen-Anhalt sehr positiv aus. Profitiert von dem Kurzhalten der Halbtrockenrasenflächen hat vor allem die Herbstwendelorchis, für die rund

3 000 blühende Pflanzen festgestellt werden konnten.

 

Frau K. Schneider hat seit 2009 als Schäferin u. a. auch die Bewirtschaftung der Flächen des Naturschutzgebietes Gegensteine –Schierberg übernommen. Dabei wurde eine ausgezeichnete intensive Hutearbeit geleistet. Das Zurückdrängen jeder Verbuschung und des Rasenfilzes ist eine Grundvoraussetzung für die Entwicklung und nachhaltige Sicherung der Bestände geschützter Pflanzen in diesem Gebiet. Die Quedlinburger Naturschützer gehen davon aus, dass auch zukünftig diese zusätzlichen Leistungen für den Naturschutz gefördert werden. Für das Jahr 2010 sind da offensichtlich noch administrative Hürden zu überwinden.

 

 

 

 

 

Baltischer Enzian im NSG Gegensteine - Schierberg

 

Neuer Veranstaltungsort der IG Ornithologie und Naturschutz !!!

Zukünftiges Domizil der Interessengemeinschaft Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg im Kultur- und Heimatverein Quedlinburg e. V. ist das Bildungshaus „Carl Ritter“ in Quedlinburg

 

Mit der Schaffung des Bildungshauses „Carl Ritter“ in Quedlinburg als einer integrativen Einrichtung, die Sitz der Kreismusikschule, der Kreisbibliothek und der Kreisvolkshochschule ist, ergab sich auch die Möglichkeit, auf der Grundlage einer Kooperationsvereinbarung zwischen der Kreisvolkshochschule Harz GmbH und der Interessengemeinschaft Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg für die Quedlinburger Naturschützer im Quedlinburger Bildungshaus „Carl Ritter“ ein langfristig nutzbares Domizil zu schaffen. Mit Wirkung ab September 2011 finden alle Mitgliederversammlungen sowie sonstigen Veranstaltungen der IG Ornithologie und Naturschutz im Bildungshaus „Carl Ritter“, Quedlinburg, Heiligegeiststraße 8, statt. Dies gilt insbesondere auch für die öffentlichen Lichtbildervorträge, die unverändert jeweils als Teil der Mitgliederversammlung den Quedlinburgern sowie allen Gästen aus dem Kreisgebiet monatlich angeboten werden. So wie in der Vergangenheit finden diese Vortragsveranstaltungen jeweils am 2. Mittwoch des Monats statt. Sie beginnen 19 Uhr, Eintritt ist ab 18.30 Uhr möglich. Vortragsraum ist der Raum „Einstein“ der Kreisvolkshochschule. Ab September 2011 finden damit diese Veranstaltungen der Quedlinburger Naturschützer nicht mehr im Quedlinburger „Kunsthoken“ statt. Um Beachtung dieser Veränderung wird gebeten. Unverändert wird zu den Veranstaltungen der Quedlinburger Naturschützer im Bildungshaus „Carl Ritter“ kein Eintritt erhoben. Voranmeldungen sind nicht erforderlich. Grundlage für die mit der Kreisvolkshochschule abgeschlossene Kooperationsvereinbarung ist das gemeinsame Anliegen, insbesondere zu den Themen Natur und Umwelt für alle Bürger interessante Vorträge anzubieten und dabei Kooperationseffekte zu nutzen. Das Vortragsangebot der Quedlinburger Naturschützer wird gleichzeitig ein Vortragsangebot der Kreisvolkshochschule. Alle zukünftigen Vorträge können z. B. auch auf der Internetseite der Kreisvolkshochschule gefunden werden. Die mit der Kreisvolkshochschule Harz GmbH abgeschlossene Vereinbarung sichert langfristig für die Mitglieder der IG Ornithologie und Naturschutz die erforderliche räumliche Heimstatt. Diese unverzichtbare langfristige Nutzungssicherheit konnte leider weder durch die Stadt Quedlinburg noch durch die Stadtwerke für den „Kunsthoken“ geboten werden. Dies ist zu bedauern, weil gerade im Kunsthoken als ehemaligem Kulturbundhaus und heutiger Einrichtung der Quedlinburger Stadtwerke für Vereine und Arbeitsgemeinschaften gute Arbeitsbedingungen gewährleistet sind. Der Abschied vom Kunsthoken fällt deswegen den Quedlinburger Naturschützern nicht leicht. Sie bedanken sich an dieser Stelle bei den Stadtwerken für die langjährige Unterstützung ihrer Vereinsarbeit.

 

Flächenbereitsstellung für Ausgleichs-und Ersatzmaßnahmen

25. 6. 2009: Magdeburg, Fachtagung „Aktives Flächenmanagement –Instrumente für eine nachhaltige Entwicklung des Ländlichen Raumes“ Die Alarmsignale der Bauern sind nicht zu überhören – mit jedem Tag reduziert sich die für die Produktion von Nahrungsgütern und für die Erzeugung von agrarischen nachwachsenden Rohstoffen zur Verfügung stehende Fläche. Der Flächenverbrauch für nicht landwirtschaftliche Zwecke beträgt im Durchschnitt der letzten 3 Jahre in Sachsen-Anhalt 4 h ha/Tag. Für den einzelnen Landwirt mag dies nicht existenzbedrohend sein. An der schrittweisen Vernichtung von oft bester Anbaufläche kann niemand vorbeigehen. Erschreckend wird dies aktuell im Umfeld von Magdeburg sichtbar, wo auf besten Schwarzerdeböden riesige Produktionsanlagen entstehen, die auch auf weniger fruchtbarem Sandböden einen guten Platz gefunden hätten. Ein richtiges Flächen-Management für die nicht vermehrbare landwirtschaftliche Nutzfläche steht deswegen auch auf der Tagesordnung der Landespolitik. Dies war auch der Anlass für die oben genannte Fachtagung, zu der Ministerin Petra Wernicke ( Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt) in Zusammenarbeit mit anderen Ministerien insbesondere die Vertreter der Industrie, die Vertreter der Kreise, Städte und Gemeinden, die Bauernverbände, Landespolitiker, wissenschaftliche Einrichtungen und auch die Naturschutzverbände nach Magdeburg eingeladen hatte. Im Verlauf der Tagung kam die gegensätzliche Vielfalt der Standpunkte und auch einschlägiger Rechtsvorschriften zum Thema voll zum Tragen. Während das Landwirtschaftsministerium mehr auf den Appell zum sparsamen Flächenverbrauch bei besserer Nutzerabstimmung setzte, forderte Staatssekretär Schubert vom Wirtschaftsministerium dazu auf, der Ansiedlung von Großindustrie in Sachsen-Anhalt und der Bereitstellung der dafür erforderlichen sehr großen Flächen an jedem gewünschten Standort keine Hemmnisse in den Weg zu legen, weil Sachsen-Anhalt so am besten seine Zukunft im globalen Konzert der Weltmärkte sichern könnte. Es war nicht zu übersehen, dass hier voll auf ungehemmtes Wachstum auch in aller Zukunft gesetzt wird. Der Vertreter der IHK Halle –Dessau setzte dieser Denkweise nur schwach entgegen, dass Hauptakteur eigentlich die eher klein strukturierte mittelständische Wirtschaft ist, die durchaus auch aktuell nicht genutzte nichtagrarische Flächen nutzen kann. Auf der Basis der Bundes- und Landesnaturschutzgesetzgebung sind Eingriffe in den Naturhaushalt ( z. B. der Entzug von Flächen aus dem Naturhaushalt) durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zu kompensieren. Basis dafür ist in Sachsen-Anhalt eine Bewertung von Eingriff und Ausgleich/Ersatz mit sogenannten Ökopunkten auf der Basis eine pauschalierten ökologischen Bewertung der Einzelmaßnahmen. Reine Ackerflächen erfahren dabei die geringste ökologische Bewertung. Baumpflanzungen werden mit hohen Punktbewertungen honoriert. Dabei soll der Ausgleich bzw. Ersatz immer so zeitnah und ortsnah wie möglich zum Geschehen des Eingriffes in den Naturhaushalt erfolgen. Diese Rechtsregelung stellt durchaus eine Fortschritt dar, offenbart aber zunehmend Unzulänglichkeiten. Im Rahmen der Veranstaltung wurde dazu aufgeführt, dass bei dem geplanten Bau der Nordverlängerung der A 14 für 1 km Autobahn 5 ha landwirtschaftliche Nutzfläche bzw. Waldfläche für Trassen und Nebenanlagen benötigt werden. Für den Ausgleich des Eingriffes „Autobahn“ werden nach den bisherigen Regelungen 5- 15 ha weitere zusätzliche Fläche für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen erforderlich. Das muss die betroffenen Landwirte, aber auch den gesamten Bauernstand „auf die Palme“ bringen. Diesem Druck der Landwirte entsprach Ministerin Wernicke mit dem Hinweis darauf, dass über eine Reduzierung des Flächenaufwandes für Ausgleichsmaßnahmen nachgedacht werden muss. Ein Vertreter des Naturschutzes ( NABU Niedersachsen) betonte, dass der Ausgleich am Ort des Eingriffes unverzichtbar ist. Gerade dieser Grundsatz hat u. a. dazu geführt, dass Baumpflanzungen oder noch schlechter : Flächen, die der natürlichen Sukzession überlassen werden, auf Flächen, die nicht selten viel größer als die Entzugsflächen sind, zum Hauptinstrument des Eingriffsausgleichs geworden sind. Und dies bei einem schnellen und ungebremsten Prozess der natürlichen Verbuschung und Verwaldung z. B. der naturgeschützen Areale mit teilweise seltenster Trockenrasenvegetation ! Dies führt dazu, dass nicht selten Entbuschung ( Arbeitseinsätze der Naturschutzhelfer) und neue Stauch - u. Baumpflanzungen auf angrenzenden Flächen erfolgen – so im Altkreis Quedlinburg praktiziert. Für die dringend notwendige Pflege und Aufrechterhaltung geschützter Biotope fehlt es schlicht am Geld. Es ergibt sich die Frage, warum nicht die finanziellen Aufwendungen, die jetzt für oft nicht sinnvolle Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen getätigt werden, nicht der Finanzierung der Pflege und artenschutzgerechten Nutzung ( z. B. gesteuerte Schafhutung) zu Gute kommen könnten ? Dazu gab es auf der Fachtagung seitens des Umweltministeriums eine klare, aber negative Antwort: Nein. Grund für das Nein sind die aktuellen Rechtsvorschriften , sicher aber auch festgefahrene Gleise innerhalb der Naturschutz-Verbandslandschaft. Es gibt allerdings erste Versuche des Landes, auch Möglichkeiten eines finanziellen Ausgleichs anzubieten. Ein Anwendungsbeispiel kann die dauerhafte Finanzierung der Unterhaltung eines Ackerwildkräuter-Schutzackers in den Quedlinburger Seweckenbergen sein. Seitens des Bund für Natur und Umwelt Sachsen-Anhalt wurde auf der Tagung auf die Gesamtproblematik aufmerksam gemacht und gefordert, den Reglungen zu Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen heute und in der Zukunft eine nächste Fachtagung zu widmen. Die nächste Zeit wird zeigen, ob dieser Notwendigkeit entsprochen werden wird. Die Quedlinburger Naturschützer werden auf jeden Fall „am Ball“ bleiben.

Orchideenblüte auf Kalkhalden

29. Juni 2009 Kurzexkursion zu Orchideenstandorten auf Latdorfer Kalkschlamm-Deponien (Salzlandkreis)

Bei der industriellen Herstellung von Natriumkarbonat (Soda) fällt in großen Mengen schlammiges Abwasser an, welches vor allem Calciumkarbonat ( Kalk) enthält. Seit Jahrzehnten wird dieses Abwasser in Absatzteiche geleitet. Schicht um Schicht lagern sich die Abprodukte ab, es entstehen regelrechte Kalk-Hochdeponien, die schließlich austrocknen und nach mehreren Jahrzehnten auch eine natürliche Begrünung aufweisen. Es gehört zu den Wundern der Natur, dass zu den Erstbesiedlern derartiger Flächen auch einheimische Orchideenarten gehören. Die Erstbesiedlung erfolgt immer durch Samenanflug, der angesichts der Staubgröße von Orchideensamen durch den Wind auch über Entfernungen von deutlich mehr als 10 km erfolgen kann. Entwickeln sich die ersten Orchideenpflanzen bis zur Blüte, ist für Nachwuchs an Ort und Stelle gesorgt. Bei konkurrenzfreien oder konkurrenzarmen Standorten kann es dann zu Massenvorkommen bestimmter Orchideenarten kommen, bis diese schließlich mit aufkommender Verbuschung und Verwaldung wieder erlöschen. Der Gesamtvorgang kann einige Jahrzehnte dauern. Diese Vorgänge laufen auch auf den Kalkschlammdeponien bei Bernburg ab. Das Besondere dieser Orchideenvorkommen ( Flächennaturdenkmale) ist, dass in unmittelbarer Nachbarschaft Orchideenarten trockener Standorte und Arten von Feuchtstandorten gemeinsam in großer Individuenanzahl vorkommen. Ursache dafür ist, dass die anstehenden Kalkschlammablagerungen Niederschlagswasser teilweise nicht sofort versickern lassen, schließlich aber doch trocken fallen. Die Natur zeigt: Orchideen sind enorm tolerant gegenüber weniger optimalen Bodenverhältnisse, wenn sie sich frei vom Konkurrenzdruck anderer Pflanzenarten entwickeln können. Dies vor Ort kennen zu lernen, war das Anliegen einer Kurzexkursion von Mitgliedern der Quedlinburger IG Ornithologie und Naturschutz zu den genannten „Kalkteichen“. Bei der von dem Leiter des Arbeitskreises heimischer Orchideen (AHO) Sachsen-Anhalt, Frank Meysel, begleiteten Exkursion konnten insgesamt 6 Orchideenarten und eine Reihe anderer seltener Pflanzenarten beobachtet werden. Glanzpunkt waren dabei die voll fruchtenden Bestände des im Harzkreis extrem selten gewordenen Fleischfarbenen Knabenkrautes (Dactylorhiza incarnata).

Buchgeschenk für Heineanum

10. 6. 09 Wertvolles Buchgeschenk der Quedlinburger Naturschützer und Ornithologen für das Vogelkundemuseum - Heineanum Halberstadt

Quedlinburger Naturschützer haben auch mit Blick auf das 100jährige Jubiläum des Heineanums im Rahmen der Vortragsveranstaltung von Dr. Bernd Nicolai , Leiter Heineanum Halberstadt, zum Thema „Die Brutvogelwelt im Wandel - Veränderungen der Avifauna am Beispiel von Halberstadt“ für eine jahrzehntelange Zusammenarbeit mit Übergabe eines sehr wertvollen historischen Fachbuches über die amerikanische Vogelwelt gedankt. Alois Hunstock stelle dieses Fachbuch aus seinem Bestand zur Verfügung. Bernd Nikolai konnte seine Freude über dieses völlig unerwartete besondere und einmalige Buchgeschenk nicht verhehlen. Abgesehen vom fachlichen Wert handelt es sich um ein mehrfarbiges buchgestalterisches Unikat ( Edition Leipzig, 1973). So betragen die Maße z. B. 75 x 100 cm, vom Gewicht ganz zu schweigen. Die Bibliothek des Heineanums verfügt über 19 000 Bände Spezial-Literatur. Der Leipziger nummerierte Reprint von " The Birds of America" ( John James Audubon) bereichert nun diesen Bücherschatz auf besondere Weise.

Seltene Ackerwildkräuter werden geschützt

5. 6. 09. Quedlinburger Feldflur – Mekka für Naturschützer und FachbotanikerKurzexkursion zum Schutzacker für Ackerwildkräuter in den Quedlinburger Seweckenberge Mit dem Vordringen des Getreideanbaus in der Jungsteinzeit wanderten auch begleitende ein- und zweijährige Pflanzenarten aus dem vorderen Orient bzw. aus dem Mittelmeerraum in das heutige Mitteldeutschland ein. Dabei kam es zu einer gemeinsamen Evolution der Nutzpflanzen ( z. B. auch des Leins) und der begleitenden Wildpflanzen mit dem Ergebnis, dass eine nahezu perfekte Anpassung dieser er Wildpflanzen an die Anbauweise z. B. der Getreidearten, an den Vegetationsablauf, an die Gestalt der Kulturpflanzen und sogar an die Form der Nutzpflanzensamen erfolgte. Es ist ein Effekt der Anpassung ( eigentlich: unbewußte Auslese von Formen mit erblich fixierten entsprechenden Eigenschaften) , wenn die Samen dieser Wildpflanzen ohne Verlust der Keimfähigkeit mehrere Jahre in tieferen Bodenschichten überliegen können und erst dann keimen, wenn sie in den Bereich der Erdoberfläche gelangen. Die flache Bodenwendung vor der Aussaat beim Winter- oder Sommergetreideanbau früherer Jahrhunderte vollzog genau diesen Vorgang. Tieferes Pflügen nach einer Brache mit reichem Samenanfall der Wildkräuter brachte diese Samen wieder in tiefere Bodenschichten für eine Langzeitsamenruhe. Mit der mittelalterlichen einfachen Samenreinigung konnten die Samen des Leins nicht vollständig von den ganz ähnlichen Schötchen des wilden Leindotters bereinigt werden. Das Mitwachsen mit dem Getreidebestand sicherte dem schlanken einjährigem blutroten Sommeradonisröschen das fortdauernde Überleben. Die so entstandenen Wildkrautarten sind ein biologisches und gleichzeitig historisches Zeugnis für die Entwicklung der Landwirtschaft und speziell des Getreideanbaus seit den ersten Anfängen, z. B. hier in Mitteldeutschland. Sie sind deswegen auch ein Kulturdenkmal. Dies sollte uns bewusst sein. Mit der Intensivierung der modernen Landwirtschaft erlischt Schritt für Schritt die Jahrtausende fortwährende gemeinsame Existenz von angepaßtem Wildkraut und Getreide. Zunächst wurde die Brache aufgegeben und dafür Hackfrüchte angebaut, die unkrautfrei gehackt wurden. Dann wurde tiefer gepflügt – zu tief für viele Wildkrautsamen, um wieder an die Oberfläche gewendet zu werden. Moderne Saatgutreinigung kennt keinen Pardon für Wildkräuter. Es wurden Herbizide entwickelt, die spezifisch dosiert jede Wildpflanze im Getreidebestand auslöschen. Schließlich haben auch die umweltpolitischen Instrumente versagt, die auf einem kleinen Teil der Ackerfläche eine Koexistenz von Kulturpflanze und Wildkraut sichern sollten - z. B. die geförderten Ackerrandstreifenprogramme oder der rechtliche Schutz für Ackerraine, die weitestgehend bis an den Weg umgepflügt sind und weiterhin umgepflügt werden. Unstrittiger Landverlust durch Straßen, Gewerbe und Industrie wird so in kleinen Portionen kompensiert. Um unter diesen Rahmenbedingungen die von der Existenzauslöschung durch den Menschen bedrohten Wildkrautarten, die eben nicht nur eine Gruppe seltener Pflanzen darstellen, sondern auch Denkmal für Entwicklung unserer Ackerkultur sind, zu erhalten, wurde jetzt unter Federführung der Universität Göttingen ein neues Artenschutzprogramm begründet. Der Kerngedanke: 100 Schutzäcker bundesweit in Deutschland von der Größe jeweils eines Hektars können bei Fortsetzung des traditionellen Getreideanbaus , d. h. insbesondere Anbau ohne Herbizidanwendungund und bei reduzierter Düngung, auch die zukünftige Existenz der in Deutschland einheimischen gewordenen Ackerwildkräuter nachhaltig sichern, biologische Vielfalt erhalten. Solche Schutzäcker setzen das Vorhandensein eines Restbestandes möglichst vieler der hier in Betracht kommenden Ackerwildkräuter voraus. Voraussetzung ist außerdem, dass der Landeigentümer oder der Bodennutzer bereits sind, einen persönlichen Beitrag zur Rettung der Wildkräuterflora vor dem Ausrotten und Aussterben zu erbringen. Dabei ist es ein Ziel des Natur-und Artenschutzes, die Ertragsverluste und den entstehenden Mehraufwand bei der Bewirtschaft eines „Schutzackers“ finanziell zu kompensieren. Es ist ein ganz besonderer Glücksumstand, dass im Bereich der Altkreise Quedlinburg und Halberstadt 3 Ackerflächen existieren, die mit dem noch vorhandenen Artenspektrum an Ackerwildkräutern die Voraussetzungen für einen Schutzacker erfüllen. Im Bereich der Seweckenberge konnten mit der Pächterfamilie König ein Landnutzer gefunden werden, der für die Realisierung des Schutzprogrammes volle Unterstützung gewährleistet (wofür auch an dieser Stelle ganz besonders Dank gesagt werden soll). Der hier etablierte Schutzacker von etwas mehr als 1 ha Größe war das Ziel der Kurzexkursion der Mitglieder der IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg. In diesem Jahr erfolgt die Nutzung der Fläche als Brache. Die Flora dieser Brachfläche bot allen Exkursionsteilnehmern ein einmaliges Erlebnis. Geprägt ist der Blühaspekt durch das Sommeradonisröschen – auch wenn der nicht fehlende Klatschmohn natürlich ein farbkräftigeres „Aushängeschild“ ist. Folgende Arten wurden bei diesem „Kurzbesuch“ festgestellt:

Sommeradonis -Adonis aestivalis, Rundblättriges Hasenohr - Bupleurum rotundifolia, Sonnenwend-Wolfsmilch- Euphorbia helioscopia, Kleine Wolfsmilch – Euphorbia exigua, Ackerkohl –Conringia orientalis, Acker-Glockenblume – Campanula rapunculoides, Feldrittersport – Delphinium regalis, Ackerklatschmohn –Papaver rhoeas, Verwechselte Trespe -Bromus commutatus, Hopfen-Luzerne - Medicago lupulina, Ackersteinsame – Lithospermum arvense, Schlitzblättriger Storchschnabel – Geranium dissectum, Sophienrauke – Descurainia sophia, Hunds-Kerbel –Anthriscus caucalis, Gemeiner Klettenkerbel -Torilis japonica, Leindotter - Camelina, Geruchlose Kamille –Tripleurospermum maritimum, Ackerhaftdolde – Caucalis platycarpos, Blauer Gauchheil –Anagallis foemina, Finkensame – Neslia paniculata .

Mit diesem Artenreichtum an Ackerwildkräutern wird Quedlinburg zum Mekka für Naturschützer und Fachbotaniker. Es bleibt die Frage, wie zukünftig die finanziellen Aufwendungen abgesichert werden können. Aktuell werden die Kosten durch die Uni Göttigen getragen. Beteiligt ist auch der Landwirt. Die Landgesellschaft Sachsen-Anhalt will aus ihrem Ökopool (Ausgleichfonds) Leistungen erbringen.

Kurzexkursion Ackerwildkräuter

5. Juni 2009: Kurzexkursion zum Thema „seltene Ackerwildkräuter“ Am Freitag, dem 5. Juni 2009, 17 Uhr , findet für die Mitglieder der Quedlinburger IG Ornithologie und Naturschutz die langfristig geplante Kurzexkursion ( 2 h ) zum Thema „seltene Ackerwildkräuter“ statt. Dazu sind alle Mitglieder der IG sowie interessierte Gäste herzlich eingeladen. Dr. Veronika Kartheuser stellt im Bereich der Quedlinburger Seweckenberge / Gersdorfer Burg im Rahmen einer Kurzexkursion eine Ackerfläche mit einem reichen Bestand von Ackerwildkräutern vor. Treffpunkt ist 17 Uhr bei Wandelt, Quedlinburg, Albert-Schweitzer-Str. 21. Von hier aus fahren wir per PKW zu dem Standort. Eine telefonische Teilnahmeanmeldung ist willkommen.