Pressemitteilung 24.02.2015

Bund für Natur und Umwelt (BNU) des Landes Sachsen-Anhalt

Pressemitteilung zur Jahresversammlung der Naturschutzverbände 2015

Am Sonnabend, dem 21.02.2015, hatten sich in Wernigerode rund 60 Vertreter der Naturschutz- und Umweltverbände bzw. Naturschutzgruppen des Landkreises Harz zu ihrer traditionellen Jahreshauptversammlung eingefunden. In seinen Grußworten informierte Landrat Martin Skiebe über die Erarbeitung eines Kreisentwicklungskonzeptes, welches selbstverständlich auch die Aspekte des Natur- und Umweltschutzes berücksichtigt. In die Interessenabwägung sollen die Naturschutzbeauftragten frühzeitig eingebunden werden. Ziel sind tragfähige Kompromisslösungen.

Gerade das Ringen um solche Lösungen haben die aktiven Natur- und Umweltschützer in der Vergangenheit zu oft vermisst. So musste G. Karste als Chef der NABU-Kreisverbandes feststellen, dass zu wichtigen Punkten der Resolution der Jahreshauptversammlung 2014 kein konstruktiver Fortschritt, z. B. in Richtung Erhalt des unverbauten Selketales bei gleichzeitiger Gewährung des notwendigen Hochwasserschutzes, erreicht wurde. Bei der diesjährigen Jahresversammlung konzentrierte man sich deswegen darauf, das Interesse der breiten Öffentlichkeit nur auf ein Thema zu richten – auf den Schutz des Bodetales vor einer technischen Verbauung, die zwar den positiven Begriff Baumwipfelpfad trägt, aber – so meinen die Naturschützer – nur auf die Schaffung einer nicht erforderlichen Super-Aussichtsplattform ausgerichtet ist. Ein Offener Brief unter der Überschrift „Gemeinsam handeln für den unverbauten Erhalt einer einmaligen Naturschönheit Sachsen-Anhalts – das Bodetal bei Thale“ fand deswegen die Zustimmung aller Anwesenden.

Schwerpunkt der Veranstaltung war die Berichterstattung der einzelnen Verbände für die geleistete Vor-Ort-Arbeit bei der Erfassung der in der Nordharzregion besonders reichen Tier- und Pflanzenwelt sowie bei der Organisation und Durchführung von Pflegemaßnahmen, um diesen Reichtum zu erhalten. Nicht wenige unserer heimischen Arten sind in anderen Regionen Deutschlands selten geworden oder sogar vom Aussterben bedroht. In diesen Fällen kommt dem Land Sachsen-Anhalt eine besondere Fürsorgepflicht für den Artenerhalt zu. Dafür wird durch die beteiligten Akteure –die Naturschutzbehörde, der Fördermittelgeber, Schäfereibetriebe, ehrenamtliche Naturschützer, Landschaftspflegeunternehmen und einbezogene wissenschaftliche Einrichtungen viel getan. Beispiele dafür sind blühstarke Bestände einer sehr seltenen Orchideenart oder einer Enzianart, für die nur noch in wenigen Bundesländern Vorkommen bestehen.

Die Veranstaltung fand ihren Abschluss mit einem spannenden Fachvortrag über die schrittweise Vergrößerung der Naturdynamik-Flächen im Nationalpark Harz, in denen im Unterschied zu den ursprünglich durch den Menschen geschaffenen Forsten die Natur sich selbst überlassen bleibt.

Im Pausengespräch gab es eine gut Nachricht: Sowohl Männchen als auch Weibchen des im Winter getrennt durch südliche Gefilde streifenden Wanderfalken-Paares sind wieder im Brut-Lebensraum im Bodetal bei Thale eingetroffen.