Kulturheimat verschiedener Arbeitsgruppen

1094. "Geburtstag" unserer Königsstadt Quedlinburg

Am 22. April 2016 begehen wir den 1094. "Geburtstag" unserer Königsstadt Quedlinburg.

Die von König Heinrich I. seit 919 eingeleitete TRANSFORMATION Quedlinburgs von der mittelalterlichen Siedlung zur KÖNIGSSTADT ist  das größte VERMÄCHTNIS unserer WELTERBESTADT.

Im Jahr 2022 wird Quedlinburg zum 1.100. Geburtstagsjubiläum seiner Frühstadt-Werdung weit über seine Grenzen hinaus einladen. Seit 1997, dem 1075. STADTQUEDLINBURG-JUBILÄUM, bringt der Kultur-und Heimatverein diese »lebendige Quedlinburg-Geschichtsbeziehung zur Gegenwart« und »durch Erinnern zur Quellenkunde«. Auch 2016 will dieser zum Aufbau der damit verbundenen und anspruchsvollen Quedlinburg-Erinnerungskultur nachstehend beitragen.

(Bild unten: Königsurkunde vom 22.April 922)

urkunde

Quedlinburg, eine ottonische Stadtgründung,
ist als erste Hauptstadt des Ottonenstaates eine »Tochter Roms«

Ostern 922 wurde der Name Quedlinburg zum ersten Mal urkundlich erwähnt, als der 46-jährige König Heinrich I. am »Königssitz Quedlinburg« (in villa quae dicitur quitilingaburg) die Bestätigung der Rechte für das Kloster Corvey »vollzog«. Seit 1922, dem 1000. Jubiläum dieser urkundlichen Ersterwähnung, gilt diese Urkunde für die Königsstadt Quedlinburg als »Geburtsurkunde«.

In der Urkunde Heinrichs I. wurde zum Ausstellungsort »Quedlinburg« (lat.: »quitilingaburg«) noch die Beifügung »villa« hinzugesetzt. »Villa quitilingaburg« bezeichnet den »Königssitz der Quedlinburg genannten Königsgrundherrschaft«. Städte gab es im damaligen Sachsenland noch nicht. Aus den Pfalzen entwickelten sich Frühstädte, die Burgstädte, die ältesten Reichsstädte, die dem König direkt unterstanden. Zu ihnen zählte Quedlinburg. König Heinrich I. war 922 der mächtigste Mann des sich entwickelnden deutschen Staates und einer der mächtigsten im sich gründenden Europa. 922 hatte König Heinrich die gesamtstaatliche Anerkennung erreicht. Die königliche Urkunde vom 22. April 922 ist unter den 43 erhalten gebliebenen Urkunden Heinrichs I. das älteste urkundliche Zeugnis für die Verbindung des ersten deutschen Königs mit seiner Lieblingspfalz »Quedlinburg«. Sie nennen die Chronisten heute die erste beurkundete Hauptstadt der ottonischen Dynastie, als »geschichtliche Wiege unseres deutschen Staates eine „Tochter Roms«. Mit dem Osteraufenthalt der Königsfamilie von 922 in Quedlinburg wurde die Osterpfalz-Tradition begründet. Es sind dreizehn Aufenthalte der königlichen Familien anlässlich des Osterfestes Quedlinburg urkundlich bezeugt. Die Königliche Pfalz Quedlinburg war in der Regierungszeit Heinrichs I. (919 – 936) die wichtigste Stätte für die Herrschafts-Repräsentation. Der König führte den Titel »PRIMUS REX ROMANO«, solange er noch nicht die Kaiserkrone vom Papst empfangen hatte.

(Bild unten: Finkenherd, 1922)

finkenherd

Erinnerungskultur befördert Kulturreichtum

2019 wird an das 1100-jährige Jubiläum der Krönung Heinrichs I. erinnert. Ihm wurde die Krönigswürde in Quedlinburg beim Finkenfang angetragen, so die Legende. Die Legendenwahrheit bezeugt: König Heinrich I. hat Quedlinburg, »früheste Mutterstadt« des ersten feudal-föderativen Staatsverbandes mit »monarchischer Einherrschaft«, am 22. April 922 durch Beurkundung »gestiftet« und mit der festlichen Osterpfalz-Tradition belebt. Diese kulturgeschichtliche Landeskunde ist von einzigartiger kulturhistorischer Ausstrahlung.

Unser Kultur- und Heimatverein erinnert jährlich, so auch 2019, unter dem Motto »Zu Ostern feierte der Kaiser in Quedlinburg« an den noch fassbaren Kern von Landeskunde des Ottonenreiches, der in unserer Gegenwart wurzelt.


(Bild unten: Quedlinburg von Süd nach Nord um 1922, steinernes Lesebuch unserer Nation gleichsam in seiner visuellen Kommunikation im öffentlichen Raum.)

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Die "Geburt" unserer Königsstadt braucht nicht die BEWUNDERUNG ihrer VERGANGENHEIT, sondern die Auseinandersetzung mit ihrer GEISTES-INSTRUMENTALITÄT, auch für uns Gegenwärtige.

Quedlinburgs HISTORISCHER SCHRIFTQUELLEN-REICHTUM des STADTWERDENS ist dafür von hoher Bedeutung in der Quellen-Rechtskunde unserer Nation, insbesondere für die Zeit der früheuropäischen HOCHKULTUR-ENTWICKLUNGEN. Daraus abgeleitete Hinterfragungen nach der WÜRDE unserer gegenwärtigen STADTKULTUR der SPANNUNGEN, BRÜCHE und NARBEN finden wir in diesem QUEDLINBURG-SCHRIFTGEDÄCHTNIS. Seine identitätsstiftenden Symbole und Gradmesser vermögen WEGWEISUNGEN für das WOHNRECHT in unserem GESCHICHTSHAUS Stimme zu geben.

Beispielhaft dafür steht der KAISER-FRÜHLING QUEDLINBURG. Das HISTORISCHE QUEDLINBURG bietet hier eine einzigartige VISUELLE KOMMUNIKATION im öffentlichen Raum mit sozial-kultureller TEILHABE.

Geschichtszeugnisse, wie HISTORISCHE URKUNDEN und HISTORIENPRÄSENTATIONEN, sind dafür WEGEHERAUSFORDERUNGEN, weil sie mit verpflichtendem Kulturerbe insbesondere die NAMEN unserer STÄDTE und SIEDLUNGEN zeitlos lebendig verbreiten. So wird ERINNERUNGSKULTUR zum KULTURREICHTUM-INSTRUMENT.

(Bild unten: Der Burghof Quedlinburg mit Stiftskirche (links) und Residenz (rechts), Aquarellzusammenstellung von1945)

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Bild und Text: Sammlung Manfred Mittelstaedt