Kulturheimat verschiedener Arbeitsgruppen

Festliche Harzvorland - Basiliken als Geschichtszeugnisse von zeitloser Größe

Die mittelalterliche Kunstsprache vereint die Quedlinburger Stiftskirche mit den Domen von Halberstadt und Magdeburg

Das nördliche Harzvorland,eine Kunstlandschaft von nationaler Bedeutung.
 

Die Weihnachtsfesttage und mit ihnen die Erinnerung an die Geburt Christi stehen bevor. Christmetten versammeln dazu die Gemeinden an den feierlichsten Stätten. Anlaß genug, in der Historie bedeutendster christlicher Versammlungsorte unseres Landes Sachsen-Anhalt zu blättern, deren Heimat die Landschaft nordöstlich des Harzes ist.

Die romanische Stiftskirche zu Quedlinburg, sowie die gotischen Dome zu Halberstadt und Magdeburg sind die künstlerisch überragenden Bauwerke dieser Landschaft. Ihr Bautypus ist die Basilika, das seit dem frühen Mittelalter auf Jahrhunderte bedeutsamste Formvermächtnis der Mittelmeerkulturen an die germanischen Völker. Mit ihrer Baukunst und Ausstattung repräsentieren die Vorharz-Basiliken die handwerklichen und geistigen Höchstleistungen ihrer Zeit. Sie zählen auch noch heute zu den künstlerischen Höhepunkten unserer nationalen Kultur des Hochund Spätmittelalters.

Das Harzvorland ist im Süden vom Harzgebirge, im Westen von der Weser und im Osten von der Elbe begrenzt. Im Mittelalter zählte dieses Gebiet zu den Kernlandschaften im Stammesherzogtum Sachsen. Unter Karl dem Großen war der sächsische Stammesverband als letzter der germanischen Stämme zwischen Rhein und Elbe - Saale - Linie im Zeitraum
von 772 bis 804 in das Fränkische Großreich eingegliedert und in der Folge christianisiert worden.

Halberstadt wurde im frühen 9. Jahrhundert die am weitesten nach Osten vorgreifende geistliche Karolingermetropole. Als der Stammesverband der Sachsen von 919 bis 1024 sogar Fundament und Träger bei der Herausbildung des frühfeudalen deutschen Staates wurde, zählten Quedlinburg als seine erste Metropole, Halberstadt als bedeutendes
klerikales Machtzentrum und Magdeburg als ottonische Königspfalz, als Erzbistum und Ostmissionierungszentrum zu seinen bedeutendsten Siedlungen. Handwerkliche und geistige Höchstleistungen fanden hier ihre Heimstatt und noch heute ihren Kunstausdruck in den Bauzeugen dieser Zeit. Die Wahrung der sächsischen Bautradition und die Auseinandersetzung mit den durch Kulturaustausch neuerworbenen künstlerischen Fähigkeiten und Erkenntnissen wurden Baumaßstäbe, die Kulturen Oberitaliens und Frankreichs Vorbild und Anregung.

Heute machen die geschichtlichen Zeugnisse dieser Zeit von Quedlinburg, Halberstadt und Magdeburg das nordöstliche Harzvorland zu einer Kunstregion von zentraleuropäischer Bedeutung, die wir in ihrer landschaftlichen Umgebung nachvollziehen und dabei in ihrem historischen Zusammenhang verstehen können. Die mehr als 1000 km messende „Straße der Romanik“ lädt dazu zur

 

Stadtherrlich - romanische Frühstädte als „gestiftete“
Kristallistionskerne der heutigen Städte


Die Stiftskirche zu Quedlinburg und die gotischen Dome von Halberstadt und Magdeburg sind noch heute als Kristallisationskerne und Stadtkronen der örtlichen Siedlungsorganismen erlebbar. Die Siedlungsteile von Quedlinburg, Halberstadt und Magdeburg waren von Anbeginn sinnvoll auf ihre Kultur- und Geisteszentren bezogen, die ihr Werden zur Stadt beförderten. Die Ottonen hatten unsere mittelalterlichen Stadtwerdungen und damit das Werden der Frühstädte Quedlinburg, Halberstadt und Magdeburg mit dem ankommenden Lehnswesen begründet. So sind diese Städte als größere geschlossene Wohngemeinden mit Sitz von Handel und Gewerbe das komplexeste Ergebnis der sozialen und kulturellen Entfaltung ihrer Bewohner.

Die Entstehung der ersten deutschen Städte ist dabei als Vorgang zu betrachten. Als wichtigstes Anfangsdatum gilt das Jahr 919, das die Wahl des Sachsenherzogs Heinrich zum König des ostfränkischen Reiches bezeugt. Blieb doch die in der Regierungszeit König Heinrich I. zwischen 919 und 936 erreichte Westgrenze des Reiches bis zum Ende
des Mittelalters im wesentlichen unverändert bestehen.

Bereits im 10. Jahrhundert, in ottonischer Zeit, übertrugen die Könige geistlichen und weltlichen Herrschern die Herrschaft über Zentren des Handels und der handwerklichen Produktion. Aufbauend auf ihren Keimzellen frühstädtischer Entwicklung entwickelten sich so die mittelalterlichen Bürgerstädte Quedlinburg, Halberstadt und Magdeburg im topographischen Dualismus mit ihren Herrschersitzen.

Unser Bundesland Sachsen-Anhalt ist reich an Städten. Ihre Zahl beträgt ca. 150. Quedlinburg, Halberstadt und Magdeburg sind aus Siedlungen hervorgegangen, die sich neben herrschaftlich gestifteten Kristallisationskernen
(Lehen) befanden. In Sachsen, dem Kerngebiet der sächsischen Könige und Kaiser, die von 919 - 1024 regierten, wurden
Quedlinburg, Magdeburg und Halberstadt die wichtigsten Siedlungen, ausgezeichnet durch ihre wirtschaftspolitische Bedeutung. Diese Städte verdanken ihren Aufschwung der urkundlichen Privilegierung durch die Herrschaft der Ottonen:

Neustiftung des Nonnenklosters (Reichsstift) Quedlinburg - in der Urkunde Ottos I. vom 13. Sept. 936, ausgestellt in der Burgstadt Quedlinburg.

Bestätigung des Bistums Halberstadt
- in der Urkunde Ottos. I.
vom 4. Febr. 937, ausgestellt in Allstedt.

Neustiftung des Moritzklosters Magdeburg
- in der Urkunde Ottos I. vom 21. Sept. 937,
ausgestellt in der Burgstadt Magdeburg.

 
Die meisterliche Bausprache von Basiliken befördert
auch noch heute Festlichkeit
 
Auch uns Gegenwärtigen kommt der erlebbare Glanz, die Festlichkeit der Basiliken von Quedlinburg, Halberstadt und Magdeburg aus deren architektonischer Schönheit und geschichtlicher Vergangenheit. Die historische Erinnerung in diesen Gotteshäusern und Gebäuden der Herrschaftspräsentation ist hier ohne Bruch möglich, weil das Bestehende alle Zeiten des zweiten Jahrtausends legitimiert. Obwohl oftmals vorhergehende Generationen verheerend für Magdeburg, Halberstadt und einschränkend für Quedlinburg gewirkt haben, waren und sind deren Stadtwahrzeichen infolge ihrer Zeitlosigkeit nur dem Geist der Kunst verpflichtet. So gehören auch die denkmalpflegerischen Sicherungen und Instandsetzungen, sowie die Restaurierungen der Harzvorland-Basiliken nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges zu den großen Kulturleistungen unserer wiedervereinigten Nation. Die als politische Folge nach der Vernichtung des barbarischen Hitlerregimes gegründete Deutsche Demokratische Republik hat hierbei insbesondere in Magdeburg und Halberstadt Maßstäbe gesetzt.

 

Das Innere der Stiftskirche zu Quedlinburg

Mittelschiff und Hoher Chor in der Ansicht nach Osten zeigen überwältigend und von zeitloser Größe die klare räumliche Abstufung des Raummantels in den Grenzen von Flachdecke und Arkadenreihungen. Die Krypta unter dem Hohen Chor birgt mit der Grablege des ersten deutschen Königspaares das Heiligtum des deutschen Staates aus dem 10. Jahrhundert.
Das Innere des Domes zu Halberstadt

Vom Mittelschiff geht der Blick nach Osten auf Lettner und Triumphkreuzgruppe. Steil und von fast schwindelnder Höhe zeigt sich das Langhaus als geheiligter Raum. Die Abstände der engen Arkaden lassen alle Raumenergien in senkrechte Richtung fließen. Das Resultat: Den Besucher fasziniert ein Gesamtkunstwerk, großartig in seiner künstlerischen Einheitlichkeit, beeinflußt von der Kathedralgotik Frankreichs.
Das Innere des Domes zu Magdeburg

Mittelschiff, Hoher Chor und Lettner zeigen in der Ansicht nach Osten den steilen und langgestreckten
Riesenleib der Kathedrale, majestätisch bekrönt von dem Hochchor und seiner Ziergalerie. Die mächtigen Pfeiler bezeugen die romanische Grundstimmung in der hochgotischen Basilika.

Quedlinburgs Stadtwahrzeichen aus dem Deutschen Mittelalter vermögen Geschichte festlich zu erzählen

Beim festlichen Weihnachtsbummel durch die auf uns gekommene Stadt-Kulturhistorie kommt spätestens dann das hohe Gefühl auf, „in ein weihnachtliches Gemälde zu steigen“, wenn unsere Stadtlandschaften ganz malerisch mit ihrem Winterkleid im Lichterschein grüßen:

Der verschneite Quedlinburger Burgberg, von Nordost im Lichterglanz gesehen.
Im festlichen Lichterschein und im Schnee gespiegelt: Das Renaissance-Portal auf der Südseite des Quedlinburger Rathauses.
Die Fotos von 1970 auf dieser Seite verdanken wir dem Quedlinburger Meisterfotografen i. R. Heinz Kittel (Jahrgang 1916). Die historischen Bildpostkartenmotive in diesem Beitrag entstammen der „Sammlung Mittelstaedt“.