Kulturheimat verschiedener Arbeitsgruppen

Im Dezember 983, vor 1.025 Jahren, war Kaiser Otto II. in Rom verstorben.

- Die Kaiserpfalz Quedlinburg musste sich als ein Zentrum europäischer Diplomatie, als nationaler Regierungssitz starker Frauen beweisen -
Hochmittelalterliche Erinnerungskultur

Wo in Sachsen-Anhalt „auf den Spuren des Werdens unserer Nation“ gewandelt wird, ist es geradezu unvermeidbar, auf die wichtigsten, weil die Geschichte unserer Nation und Europas prägenden Höhepunkte der Politik der ersten deutschen Könige und Kaiser aus dem Sachsengeschlecht, den Ottonen, aufmerksam zu machen. Quedlinburg, die beurkundete „erste Ottonenmetropole“, kann dabei helfen. Der Ort bewahrt noch heute die „bedeutendsten Hinterlassenschaften ottonischer Politik, Siedlungslandschaft, Kunst und Kultur für unsere Nation“. Sie machen das 10. Jahrhundert, seine Namen und Ereignisse nachvollziehbar.


Anfang des 10. Jahrhunderts war das Karolingerreich endgültig zerbrochen und die Zeit sah die Geburt des „mittelalterlichen deutschen Reiches“. Dazu musste Neues, Zukunftsträchtiges entstehen. Das ottonische Kaisertum konsolidierte und stabilisierte durch seine „gottgewollte Autorität“ gegenüber den weltlichen Fürsten und der Kirche den Werdeprozess unseres Volkes.

„Quedlinburger Ottonen-Daten“ zählen zu den historischen Belegen einer Zeit des Aufbruchs, die mehr als 1000 Jahre zurückliegt und die Zukunft geschaffen hat.

Die Vereinigung der ostfränkischen Stämme im „REICH DER OTTONEN“ hatte den ersten DEUTSCHEN EINHEITSSTAAT geschaffen. Sein Wesen lag in der Einheit von Kirche und Staat. Seine Legitimation manifestierte sich mit dem König / Kaiser als dem christlichen Universalherrscher.

Nachstehend wollen wir daran erinnern, dass vor 1025 Jahren, im Dezember 983, Kaiser Otto II. als einer der christlichen Universalregenten plötzlich verstorben war. Da war auch die ottonische „Kaiserpfalz Quedlinburg“ gefordert.


Otto II. erlag 983 in Rom, achtundzwanzigjährig, der Malaria. Er ist der einzige deutsche König, der als römischer Kaiser in den Katakomben des Vatikan bestattet ist.
 
Quedlinburg war spätestens 983 nationaler Regierungssitz starker Frauen

Der plötzliche Tod Kaiser Ottos II. hatte ebenso eine unerwartete wie schwierige nationale Lage mit sich gebracht. Zum ersten Mal seit Bestehen des deutschen Staates lag das Szepter in der Hand eines Kindes, nämlich Ottos III., der Weihnachten 983 in Aachen dreijährig gekrönt worden war. Die Weissagung Salomos „Wehe Dir Land, dessen König ein Kind ist“ sollte sich nun erfüllen. Der Onkel Ottos III., der bayrische Herzog Heinrich der Zänker, bemächtigte sich des königlichen Kindes sowie der Kroninsignien und ließ sich Ostern 984 in Quedlinburg zum König huldigen.

Dem großen diplomatischen Geschick der beiden Kaiserinnen Theophanu und Adelheid, des Erzkanzlers Willigis von Mainz, des Kanzlers Hildibald von Worms und vor allem der Äbtissin Mathilde ist es zu verdanken, dass Otto III. der Mutter in Rara (Rohr bei Meiningen) zurückgegeben werden konnte. Mathilde, die staatskluge und feingebildete Tochter Ottos I. „(regis stirpis, gemma perlucida)“ wie es in der gestaepiscopo-
rum Halberstadensium heißt, besaß nicht nur einen bedeutenden Anhang im sächsischen, geistlichen und weltlichen Adel, „sondern überzeugte allein durch ihr Erscheinen, durch die Wirkung ihrer scharf ausgeprägten Persönlichkeit“.

Reiche Schenkungen an Mathilde und an das freiweltliche Damenstift in Quedlinburg sowie Interventionen bezeugen den großen Einfluss, den Mathilde am Königshof, der viele Jahre von der Pfalz Quedlinburg aus operierte, besaß - ja, man kann sogar sagen, dass Quedlinburg eine Art Residenz, die Metropole des Reiches war.

Nach dem Tode der Königin Mathilde im Jahre 968 gehörte die Quedlinburger Äbtissin zum engsten Kreis der politischen Berater Ottos II., der bereits seit 961 Mitkönig und seit 967 Kaiser war. 974 erhielt sie für ihre Verdienste von ihm u. a. die Königshöfe Ditfurt, Duderstadt und Nienburg / Saale.

Im Konflikt zwischen Otto II., seiner Mutter, der Kaiserin Adelheid und seiner Gemahlin Theophanu, entschied sich Mathilde 978, ihre Mutter nach Burgund zu begleiten. Gemeinsam zog sie danach mit Otto II., seiner Gemahlin Theophanu und dem erst wenige Monate alten Sohn Otto III. im November 980 nach Italien. In Pavia versöhnte sich Otto II., gewiss auf Vermittlung von Mathilde, mit seiner Mutter. Das Oktoberfest 981 feierte Mathilde mit Otto II. und den beiden Kaiserinnen in Rom. Quellenmäßig lässt sich nicht belegen, ob Mathilde in Verona 983 anwesend war, als die deutschen und italienischen Feudalherren den erst dreijährigen Otto III. zum König wählten.

Beim Tode Ottos II. am 7. Dezember 983, es ist übrigens der einzige deutsche König und römische Kaiser, der in Rom verstarb und im Dom St. Peter begraben wurde, weilte Mathilde noch in Italien. Noch kurz vor seinem Tode hatte Otto II. seine Schwester Mathilde und das von ihr geleitete Servatiusstift reich beschenkt. Der Chronist Thietmar von Merseburg schrieb dazu: „Wie er nun sein Ende nahen fühlte, teilte er sein Geld in vier Teile: .. den dritten Teil schenkte er seiner geliebten Schwester Mathilde ...“ für Quedlinburg.

Eine ottonische Stiftung Ottos II. für Quedlinburg: Das Königliche Ditfurt 974

- Heute ein trefflicher Ort mit beeindruckender Kulturhistorie -
 
Die auf dem langgestreckten westlichen Bode-Hochufer thronende Bonifatiuskirche (neugebaut 1901-1903), die Kantorberg-Hausbebauung und die ihr zu Füßen liegende Mühlgrabenbrücke sind
die „symbolischen Endstationen“ auf dem geschichtsträchtigen Weg Ditfurts von der frühmittelalterlichen Siedlung an der seinerzeit bedeutendsten Bodefurt, der „Volksfurt“, über den 974 beurkundeten „Christlichen Quedlinburger Königsort“ bis zur „Vorortstadtgemeinde der Neuzeit“, 1802 durch Preußen „geboren“. Bis dahin hatte die „gestiftete Ehe“ von Quedlinburg und Ditfurt 828 Jahre gehalten.
 
1856 wurden zwei steinerne Brücken für Ditfurt gebaut. Während die kleinere den oben genannten Mühlgraben überspannt, war die danebenliegende größere Brücke über die Wilde Bode gebaut worden (hier im Bild).
Beide Brücken ersetzten die alten Holzbrücken, die einst an der uralten Heersstraßen-Bodefurt am Schützenhaus standen.
 
 
 
Die gebaute Rathausumgebung des Haufendorfes Ditfurt besitzt städtebauliche Qualitäten, begründet durch im Mittelalter beurkundete Marktrechte.
 
 
 
 Die im Jahr 2000 eröffnete „Begegnungsstätte des Heimatvereins Ditfurt e.V.“ wurde durch umfassende Sanierungsarbeiten aus den Baukörpern des 1845 errichteten Ochsenstalls des Amtshofes durch Umnutzung gewonnen.
 
 
 
 
Die erste Ottonenmetropole Quedlinburg war zwischen 983 und 994 zeitweiser fester ottonischer Regierungssitz

Chronologie von „Quedlinburg-Daten“ aus dieser Regierungszeit Ottos II. und Ottos III. (Quelle: Gerlinde Schlenker, „Äbtissin Mathilde“; Verlag Janos Stekovics, 1991):

980:
Geburt Ottos III. im Sommer des Jahres.
983:
Durch den Tod seines Vaters, Ottos II., erfolgt die Krönung des mit drei Jahren noch unmündigen Otto III. zum König in Aachen.
984:
Herzog Heinrich der Zänker (Vetter Ottos II.) erreichte die Auslieferung des unmündigen Königs. Dessen Mutter Theophanu, die Königinwitwe Ottos II., Großmutter Adelheid und Äbtissin Mathilde von Quedlinburg
erzwingen die Rückführung des Königskindes auf die Reichsburg Quedlinburg und nehmen die vormundschaftliche Regierung im Inneren des Reiches wahr.
986:
Äbtissin Mathilde stiftet zu Ehren ihres verstorbenen Bruders, Ottos II., auf dem Münzenberg in Quedlinburg ein Marienkloster. In Quedlinburg werden Hoftage abgehalten. Hierbei wird der noch unmündige König
Otto III. in seinem hohen Amt bestätigt.
991:
Tod der Königinwitwe Theophanu, der Mutter Ottos III., die bis zu diesem Zeitpunkt die vormundschaftliche Regentschaft ausübte. Bis 994 übernimmt Adelheid, die Großmutter Ottos III., diese Regentschaft.
994:
Im September wird Otto III. mündig.
996:
Am 21. Mai 996, dem Fest Christi Himmelfahrt, war Otto III. vom Papst in Rom zum Kaiser gekrönt worden, ganz in der von Otto I. und Otto II. begründeten Tradition ottonischer Italienpolitik.
997:
Zweite Italienreise Ottos III.. Während seiner Abwesenheit führt Äbtissin Mathilde von Quedlinburg die Regierungsgeschäfte in Stellvertretung des Kaisers.
999:
Sterbejahr von Adelheid, der Gemahlin Ottos I. und beider erster Tochter Mathilde, der ersten Quedlinburger Reichsäbtissin.
1000:
Otto III. feiert das Osterfest in Quedlinburg, gleichzeitig findet dort eine
Synode und Reichsversammlung statt.
1002:
Otto III. stirbt unverheiratet und kinderlos mit 22 Jahren am 23. oder 24. Januar in Italien. Die Beisetzung erfolgt in der Marienkapelle Aachen. Sein Nachfolger wird Heinrich II.

Geschrieben von Manfred Mittelstaedt mit freundlicher Unterstützung des "Quedel"-Verlages