Kulturheimat verschiedener Arbeitsgruppen

Der „WEIßE ENGEL“ in Quedlinburg, ein Botschafts-Forum von Format

- Das berühmte ENGELS - ZIMMER gab der Herberge ihren Namen -

Die Weihnachtsfesttage und mit ihnen die Erinnerung an die Geburt Christi stehen bevor. Dazu versammeln sich die Gemeinden an den feierlichsten Stätten. Anlass genug, an Versammlungsorten, wie Herbergen, an christliche Botschaften zu erinnern.
In Quedlinburg, einem städtischen Glaubensbekenntnis, brauchen wir nicht lange auf große Suche zu gehen. Der „Weiße Engel“, eine Herberge mit Geschichte und Tradition, gewährt seit jeher nicht nur jedem Suchenden Einlass. Das Haus macht seinem Namen alle Ehre. Der Anspruch des Bauherren nach festlichem Gastempfang und Herbergsbotschaft entfaltet das Obergeschosszimmer des Kopfgebäudes, das Engelszimmer mit seinen herrlichen Skulpturen. Sieben von zwölf Stuckdeckenfeldern erzählen die Tobias-Legende. Tobias heißt hebräisch „Gott ist gut“. Die übrigen fünf Felder symbolisieren die Sinne, die Arten unserer Wahrnehmung. Der festliche Herbergsraum, das ENGELSZIMMER, macht neugierig auf das ganze Haus. Seine Historie erzählen uns die Steine und himmlische Symbolfiguren der Kulturstätte, zum Beispiel Engel. Engel, abgeleitet vom griechischen Wort „angelos“, sind nach biblischem Verständnis als halbgöttliche Wesen „Boten Gottes“. Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte der „WEIßE ENGEL“ zu den bekannten QUEDLINBURGER GASTHÖFEN. Das HAUS warb mit „einfachen Gastzimmern“ und der Hausanschrift „HALTESTELLE des OMNIBUS Quedlinburg - Halberstadt“ entlang der Altetopfstraße (Verkehrseröffnung 1851).

 

„Gasthof Weißer Engel“, historische Bildpostkarte von ca. 1910

 

Der „WEIßE ENGEL“, ein prägendes QUEDLINBURG-BAUWERK

 

 

Der „WEIßE ENGEL“ - Nordseitenflügel präsentiert sich bau- und kunstgeschichtlich in der Altetopfstraße hervorragend traufständig mit klassizistischer Putzquaderung-Fassade. Fries-Stuckleisten gliedern architektonisch straff die langgestreckte Straßenfassade aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

 

Das Eckhaus des „WEIßEN ENGEL“ prägt mit massivem Unterstock (um 1600) und Fachwerk-Oberstock (2. Hälfte des 17. Jahrhunderts) städtebaulich den Baukomplex im Winkel Lange Gasse / Altetopfstraße. Manfred Mittelstaedt, seit 15 Jahren Autor der Quedel-Historien-Artikel, war auch 2007 mit Momentblick aus Richtung „Hoher Straße“ davon angetan.

 

Aus der Historie des „WEIßEN ENGEL“


In exponierter Winkellage von „LANGE-GASSE-Eingang“ zum Burgberg-Komplex und „HOHE-STRAßE-Zugang“ zur Bürgerstadt Quedlinburgs ist die Eckbebauung des „WEIßEN ENGEL“ - Baukomplexes „geboren“. Bereits im MITTELALTER hat an dieser umfänglich befestigten Nahtstelle von „Herrschaftlicher Frühstadt“ und „Bürgerstadt“ ein quadratischer Wehr- und Wohnturm gestanden.


Mit Beginn der NEUZEIT erfolgte die Hausweiterentwicklung zum zweigeschossigen „KAUFMANNSHOF mit GASTHOF und AUSSPANN“. Als ältest erhalten gebliebene gastliche Stätte des Schlossbezirks präsentiert sich der mehrteilige Baukomplex noch heute bau- und kunstgeschichtlich hervorragend: DAS ERDGESCHOSS ist mit seinem ZWISCHENGESCHOSS um 1600 im Renaissancestil neu entstanden. Das FACHWERK-OBERGESCHOSS wurde im zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts frühbarock errichtet.


Um 1850 / 1860 erfolgte die Neugestaltung des mehrteiligen „WEIßE ENGEL-Komplex“ mit einem Seitenflügel in der Altetopfstraße. Klassizistische Putzquaderung, Fries und Stuckleisten zieren diese Schaufassade. Unter wechselnden Privateigentümern empfing der stadtbekannte GASTHOF seine Besucher von Anfang des 19. Jahrhunderts bis nach dem Zweiten Weltkrieg.


Rettung für das nach 1970 verfallende Gasthof-Ensemble brachte die am 1. April 1978 erfolgte Gründung des DDR-Betriebes „VEB DENKMALPFLEGE HALLE mit Betriebssitz in Quedlinburg“. Dieser schuf hier mit hohem denkmalpflegerischen Ansprüchen durch Umnutzung des „WEIßEN ENGELS“ von 1982 bis 1986 eines seiner Betriebsgebäude. Neue Hausgefahren brachten die Wirren der WENDEZEIT von 1989 / 1990.


Mit einer Hausauktion von 2004 wurde die Lebenshilfe Harzkreis-Quedlinburg gGmbH „zukunftsträchtiger“ Hauseigentümer. Sie schaffte mit einer  neuerlichen Rekonstruktion die „WEIßE - ENGEL - UMNUTZUNG“ zu einem ihrer Behinderten-Wohnensembles in Quedlinburg.


Zum „WEIßE-ENGEL-FORUM“ stieg der Gebäudekomplex erhöhend auf, weil die Quedlinburger ihren „ENGEL“ mit Galerie, Tonnengewölbe und dem Festzimmer mit der weiß gefassten ENGELSFIGUR wieder hatten.

 

Der im Festzimmer-Deckenbild Nr. 2 in weißem Stuck ausgeführte Engel (links im Bild) gab dem GASTHOFKOMPLEX seinen Namen.

 

Quedlinburgs Stadtwahrzeichen aus dem Deutschen Mittelalter vermögen Geschichte allzeit festlich zu erzählen


Beim festlichen Weihnachtsbummel durch die auf uns gekommene Stadt-Kulturhistorie kommt spätestens dann das hohe Gefühl auf, „in ein   weihnachtlichesGemälde zu steigen“, wenn unsere Stadtlandschaften ganz malerisch mit ihrem Winterkleid und im Lichterschein grüßen:

 

Der verschneite Quedlinburger Burgberg, von Südwest aus Richtung „Brühl“ 1940 im Winterkleid gesehen.

 

Im festlichen Lichterschein und 1970 im Schnee gespiegelt: Das Renaissance-Portal auf der Südseite des Quedlinburger Rathauses.

 

Das Rathaus-Foto auf dieser Seite verdanken wir dem Quedlinburger Meisterfotografen i. R. Heinz Kittel (Jahrgang 1916). Die historischen Bildpostkartenmotive und nicht benannten Fotos in diesem Beitrag entstammen der „Sammlung Mittelstaedt“.

Manfred Mittelstaedt
Mitglied des Kultur- und Heimatvereins Quedlinburg e. V.