Pilze aktuell - März 2021

Borstiger Kotling (Lasiobolus)

Foto: Annette Meves

Da im Monat März noch nicht viel Auswahl an großen Pilzen ist, möchte ich jetzt diese Kleinpilze aus der Gattung der Becherlinge/Kotlinge zeigen. Auch wenn der Name bei einigen Ekel hervorrufen könnte, sei an dieser Stelle erwähnt, dass die sehr beliebten Kultur - Champions auf Pferdemist angebaut werden.

Diese gelben, ca. 5mm kleinen Pilze wachsen auf Wildschweinkot. Nur durch eine Lupe kann man das genaue Erscheinungsbild der dottergelben sternförmig anmutenden Pilze richtig erkennen. Sie sind zwar selten, aber wenn die Bedingungen passen, können sie an einem Standort massenhaft im März auftreten. Für ein genaueres Verständnis der Mykologie gehören auch sie in diese Beitragsreihe.

Pilze aktuell - Februar 2021

Erlenkätzchen-Becherling ( Ciboria amentacea)

Direkt nach der Schneeschmelze Anfang Februar bis in den Mai hinein fruktizieren winzige Stielbecherlinge auf den verotteten männlichen Kätzchen des Vorjahres von Erlen und Haselnussgewächsen. Man braucht gute Augen, um die 0,2 - 1,0 cm kleinen Hüte auf den 1 - 2 cm langen dünnen Stielen zu entdecken. Anfangs sind die okerfarbenen bis orangen Hüte kugelförmig, später becherförmig und danach scheibenartig. Die Oberfläche ist glatt und kahl. Allein der Hutrand ist farblich heller abgesetzt und flockig. Das Fleisch ist wachsartig und zerbrechlich, der Geruch neutral und der Geschmack mild. Auch wenn wahrscheinlich niemand auf die Idee kommen würde diese winzigen Pilzchen als Mahlzeit zuzubereiten, sei erwähnt, dass sie ungeniessbar sind.

Foto: Annette Meves

Pilze aktuell - Januar 2021

Blasiger Becherling (Peziza Vesiculosa)     

Am 1. Januar begann auch ein neues Pilzjahr. Seltsame Löcher auf einem mit Pferdemist gedüngten Acker entpuppten sich bei der ersten Wanderung als Blasige Becherlinge. Die eigentlich von März bis in den späten Herbst vorkommenden Pilze hatten es in einer geschützten Lage geschafft, ca. 100 Fruchtkörper auszubilden. Sie wachsen sehr gesellig und bilden manchmal massenhafte Vorkommen und sind überall häufig anzutreffen. In dicht gedrängten Gruppen sind die Pilze oft aus Platzmangel stark deformiert. Mischwälder, gut gedüngte Böden, Misthaufen, Beete und Rindenmulch werden gern von den Blasigen Becherlingen besiedelt.

Die Fruchtkörper sind 2 -12 cm im Durchmesser und 2 - 6 cm hoch. Die jungen Pilze sind erst kugelförmig oder schüsselförmig mit einer kleinen Öffnung. Mit zunehmenden Alter wird die Öffnung größer, die Ränder reißen ein und der Fruchtkörper klappt weiter auseinander. Außen ist eine mehlig- kleiige Oberfläche zu sehen, okerfarben bis hellbraun. Die Innenseite ist glatt, hellbraun bis dunkelbraun. Das Fleisch ist weißlich bis hellbraun, glasig und brüchig. Ebenso gefärbt ist der meist schiefe kurze Stiel. Der Geruch ist neutral.

Der Blasige Becherling zählt zwar zu den essbaren Pilzen, ist aber nicht als Delikatesse hervorzuheben. Er besitzt keinen nennenswerten Eigengeschmack, sondern nimmt gerne den Geschmack des Substrates an, auf dem er wächst. Falls jemand ihn zubereiten möchte, sollte man Fruchtkörper bevorzugen, die auf Pferdemist gewachsen sind.

Foto: Annette Meves

Pilze aktuell - Dezember 2020

Austernseitling (Pleurotus ostreatus) 

Zu Weihnachten Pilze sammeln!? Genau das ist möglich. Wenn Sie einen guten Grund brauchen, um an den Feiertagen, bei manchmal kaltem grauen Wetter, in die Natur zu gehen, könnten Sie nach Austernseitlingen suchen. Diese Pilze sind relativ einfach zu finden und könnten eine gelungene Überraschung für ihre Gäste werden. Mit frischen Waldpilzen beim Festmahl rechnet bestimmt keiner. 

Alte Rotbuchenstämme sind der bevorzugte Ort, an dem der Austernseitling wächst. Auch an anderen Laubbäumen kommt er vor, wie z.B. Pappel und Weide, nur sehr selten an den Baumstämmen von Nadelgehölzen. Als Schwächeparasit bildet er hauptsächlich von Oktober bis März seine Fruchtkörper aus, die büschelartig in Etagen übereinander wachsen. Der Hut ist 5-15cm groß, muschelförmig, zungen- oder spatelförmig, mit einer glatten trockenen Oberfläche, die später etwas weißlich bestäubt ist. Die Hutfarbe ist recht variabel, von blaugrau, stahlblau bis graubraun. Der weiße, meist kurze Stiel wächst seitlich ansitzend und ist zylindrisch, vollfleischig. Die dichten weißlichen Lamellen laufen von der Unterseite des Hutes weit am Stiel herab.Geruch und Geschmack sind im rohen Zustand der jungen Fruchtkörper unbedeutend und im Alter muffig.

Austernseitlinge lassen sich problemlos züchten und sind heute als Marktpilz an zweiter Stelle. Aus Florida wurden die sogenannten Sommer-Austernseitlinge eingeführt, die auch unter dem Namen "Kalbfleischpilz" auf Strohballen kultiviert werden. Sie besitzen den Vorteil, dass sie nicht den Kälteschock benötigen, wie die einheimischen Austernseitlinge, um zu fruktizieren.Foto: Annette Meves

Pilze aktuell - November 2020

Nebelgrauer Rötelritterling (Lepista nebularis, Clitocybe nebularis)

Foto: Torsten Brilloff

Auch jetzt noch, Mitte November, wird von Pilzsammlern die Möglichkeit der Pilzberatung hier bei uns im Landkreis Harz genutzt. Vorgelegt wird neben Maronen, den letzten Rotfußröhrlingen und Violetten Rötelritterlingen auch der typische Spätherbstpilz, der Nebelgraue Trichterling. Kein anderer Pilz eignet sich so gut von den Namen her und vom Aussehen, um ihn hier und jetzt vorzustellen, wie dieser. Graue Nebelkappe, Herbstblattl, Graukopf oder Nebelgrauer Trichterling sind einige Bezeichnungen für diesen robusten Pilz.

Er ist ein gutes Beispiel wie sich das Wissen im Bereich Mykologie wandelt und erweitert. Während er bis vor einigen Jahren als guter Speisepilz galt und als Marktpilz gehandelt wurde, wird er von unseren Pilzberatern heute nicht mehr zum Verzehr empfohlen. Schwere Magen- Darm- Beschwerden zeigten in der Vergangenheit deutlich, dass dieser Pilz Inhaltstoffe enthält, die gesundheitliche Probleme verursachen können.

Der Hut ist 5-20 cm groß, grau bis graubraun, an den Randpartien etwas heller gefärbt und bereift. Jung ist er stets gebuckelt, später rundlich und erst im Alter flach. Die Lamellen an der Unterseite sind creme bis fleischfarben, dicht gedrängt und herablaufend. Der Stiel hat eine keulige Form, ist derb, vollfleischig und weißlich bis blassgrau gefärbt. Der Geruch wird als unangenehm süßlich- mehlartig, etwas parfümiert und arteigen beschrieben. Säuerlich mild und eher unangenehm ist der Geschmack des rohen Pilzfleisches. 

Der Nebelgraue Rötelritterling ist von September bis Dezember ein häufig auftretender Pilz. Im Laub und Nadelwald, sowie im Gebüsch bildet der Pilz oft Fruchkörper aus, die meistens in schön anzusehenden Hexenringen wachsen. Für naturbegeisterte Menschen kann es interessant sein, auch alte Fruchtkörper genauer zu betrachten. In seltenen Fällen wächst auf alten Hüten der Parasitische Scheidling, ein nicht für Speisezwecke geeigneter Pilz aus der Gattung der Scheidlinge. Es lohnt sich, ebenfalls in der näheren Umgebung nach den Violetten Rötelritterlingen zu suchen, da diese die gleichen Ansprüche an die Bodenverhältnisse haben und sehr beliebte Speisepilze sind. Ebenso groß und robust kann  der sehr giftige Riesen-Röthling werden. Mit ihm besteht Verwechslungsgefahr. Er riecht ebenfalls nach Mehl, aber stärker und ohne süßliche Komponente.

 Foto: Gabriele Dietrich

Nachruf Manfred Schult

Foto: Erika Zidek

Wir nehmen Abschied von unserem Pilzfreund Manfred Schult aus Drübeck.

Am 4.November 2020 ist unser langjähriger Pilzfreund und Pilzberater, Herr Manfred Schult, liebevoll Hallimasch genannt, verstorben. Mit ihm verlieren wir einen engagierten Mykologen, der sich in 55 jähriger Tätigkeit als Pilzberater durch seine gewissenhafte Aufklärungsarbeit auf dem Gebiet der Pilzkunde große Verdienste erworben hat. Er wird uns als aktives Gruppenmitglied sehr fehlen. Sein Andenken werden wir in Ehren halten.