Pilze aktuell - Juni 2020

Gemeine Stinkmorchel (Phallus impudicus)

Kennen Sie das auch? Sie machen einen Waldspaziergang, und urplötzlich steigt Ihnen ein besonderer Geruch in die Nase. Aber diesmal ist es kein Duft, sondern eher ein Gestank.Oft bleibt die Suche nach der Ursache erfolglos. Eine Stinkmorchel, auch Giftmorchel genannt, wächst oft verborgen irgendwo im Gebüsch.

Die Gemeine Stinkmorchel wurde zum Pilz des Jahres 2020 ausgewählt. Nach dem lang ersehnten Regen hat er nun seinen großen Auftritt. Vom Frühsommer bis zum Herbst ist er in Mitteleuropa zu finden. Besonders auf humusreichen Böden, in Wäldern mit Fichten, Eichen, Erlen oder Hainbuchen und in Auwäldern wächst die Gemeine Stinkmorchel häufig.

stinkmorchel klein

Die Pilzentwicklung beginnt mit einem sogenannten Hexenei. Ca. 5cm beträgt der Umfang. Das Hexenei besteht aus einem festen Körper, der in eine gallertartige Masse eingebettet ist. Sobald die Außenhaut reißt und sich das Hexenei öffnet, wächst der ca. 20cm hohe Pilz heraus. Der hohle Stiel mit seiner löchrigen Struktur ist meist strahlend weiß. Der wabenförmig strukturierte Hut ist anfangs fest und olivgrün mit einer kleinen weißen Scheibe an der Spitze. Mit zunehmender Reife verfärbt er sich schwarz und wird schleimig-flüssig. In diesem Stadium macht der Pilz seinem Namen alle Ehre und verströmt einen intensiven Aasgeruch. Für alle Fliegen, Mistkäfer und Schnecken beginnt das Festmahl. Sie vertilgen die verflüssigte Pilzmasse und verbreiten mit ihren Ausscheidungen die Sporen des Pilzes. Übrig bleibt ein hauchzartes brüchiges weißes Gebilde, was im Volksmund "Leichenfinger" genannt wird.

Angesichts des geschilderten Reifeprozesses mag man gar nicht glauben, dass die Hexeneier der Gemeinen Stinkmorchel essbar sind. Nach dem Entfernen der Außenhaut und eventuell der Gallerthülle, können sie roh oder gebraten verzehrt werden. Sie riechen und schmecken nussartig bis rettichartig.

hexenei klein

In anderen Ländern herrschen bekanntlich andere Sitten. Das trifft auch in diesem Fall zu. In der traditionellen chinesischen und japanischen Medizin finden die Hexeneier Beachtung als Vital-und Heilpilze. Gegen Gicht und Rheuma werden sie eingesetzt und finden als Aphrodisiakum zur Libido-und Potenzsteigerung begeisterte Käufer. Auch die extrem feuchtigkeitsbindende Wirkung der gallertartigen Masse, soll frisch aufgetragen, die Haut unverzüglich und stundenlang anhaltend zart und weich machen. 

Der ausgewachsene Pilz ist jedoch, schon allein wegen des unangenehmen Geruches, ungenießbar.

(Bild anklicken liefert die Ansicht in hoher Auflösung)

Pilze aktuell - Mai 2020

Gemeiner Schwefelporling (Laetiporus sulphureus)

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Schwefelporling (Bild: A. Meves)

Leuchtend gelbe Baumpilze erfreuen uns ab Monat Mai. Es sind die frischen einjährigen Fruchtkörper des Schwefelporlings. Wer sie als vegetarische Abwechselung probieren möchte, muss sie erst gründlich abkochen und danach, ohne das Kochwasser zu verwenden, wie Hühnerfrikassé zubereiten oder als Schnitzel braten. Roh sind sie leicht giftig. Da sie mit dem Zimtfarbenen Weichporling verwechselt wurde, der stark giftig ist, empfiehlt sich im Zweifelsfalle ein Besuch der Pilzberatungsstelle.

Die stillosen Fruchtkörper wachsen direkt am Baumstamm von noch lebenden stehenden Laubbäumen, selten an liegendem Totholz. Gelegentlich kommt der Schwefelporling auch an Nadelbäumen vor. Als Wirtsbaum bevorzugt er besonders alte Kirschbäume sowie andere Obstbäume, Eichen, Robinien und Weiden. Fruchtkörper, die an Bäumen mit giftigen Inhaltstoffen wachsen, wie z.B. Eibe, dürfen nicht verzehrt werden, da der Pilz diese Stoffe speichert! Insgesamt ist der Schwefelporling weit verbreitet und häufig. Wenn ein Baum von diesem Pilz befallen ist, stirbt er innerhalb weniger Jahre ab.

Intensiv gelb bis orange und später weißlich verblassend ist das Aussehen der Fruchtkörper. Das Fleisch ist blassgelb, erst weich und saftreich, im Alter käseartig und brüchig. Der Pilz riecht ist anfangs säuerlich nach Zitrone und später streng nach Mäusen. Der Geschmack ist ebenfalls säuerlich, etwas herb. Die Wuchsform kann man mit dachziegelartig überlappend beschreiben. Die dicken, fleischigen Konsolenhüte sind oft fächerartig, unregelmäßig oder halbkreisförmig und haben eine unebene wildlederartige Oberfläche. 10 - 40cm Größe erreicht der einzelne Hut, wobei oft mehrere zusammen gewachsen sind. Die Oberseite der Fruchtkörper sind oft farblich gezont, mit wulstigem schwefelgelben Rand. Junge Exemplare sondern meist gelbliche Wassertropfen ab.

Von Mai bis August wachsen die Schwefelporlinge und fallen danach meist in Teilstücken zu Boden und zersetzen sich. Manchmal gibt es einen zweiten Wachstumsschub von August bis Oktober.

Pilze aktuell- April 2020

Speisemorchel (Morchella esculenta)


  Speisemorchel (Bild: A. Meves)

Wenn ein Pilzsammler im April mit einem breiten Lächeln, leuchtenden Augen und einem gefüllten Körbchen den Wald verlässt, kann man in den meisten Fällen davon ausgehen, dass er Morcheln gefunden hat. Um zu diesen Glücklichen zu zählen, bedarf es etwas Übung und guter Augen.

Trotz der lang anhaltenden Trockenheit haben es auch in diesem Jahr einige Speise- oder auch Rundmorcheln genannt geschafft, sich den Weg durch das aufliegende Substrat zu bahnen. Ob im Garten zwischen den Obstbäumen, im Auwald unter Eschen oder Ulmen oder auf alten Holzplätzen im Wald oder auf Brandstellen, bevorzugen die Morcheln als Bodenfolgezersetzer loses Substrat. Oft kann man mehrere Jahre hintereinander an der gleichen Stelle diese Pilze finden. Ihr besonderes Aussehen verschafft ihnen einen hohen Wiedererkennungswert. 

Die Speisemorchel ist deutlich in Hut und Stiel gegliedert mit einem durchgehenden Hohlraum im Inneren. Der Hut ist rundlich bis spitz geformt und hat ein wabenförmiges Aussehen. Seine Farbe ist sehr variabel von blass gelblich, über gräulich, bis braun und von zerbrechlicher Struktur. Der Stiel ist etwas zäher und fast weiß. Eine Größe von bis zu 12cm können sie erreichen. Der Geruch ist würzig. Der Geschmack ist mild, angenehm aromatisch. Die Speisemorcheln gehören zu den teuersten Edelpilzen, die wild in unserer Gegend wachsen. Man kann sie frisch oder getrocknet verwenden. Der typische Pilzgeschmack wird nach der Trocknung sogar noch verstärkt. Wie alle Morcheln sind sie roh giftig und stehen unter Naturschutz. An dieser Stelle sei der Hinweis erlaubt, Pilze generell nicht in großen Mengen zu sammeln und sie eher als Delikatesse sehr maßvoll zu genießen. Um den Fortbestand zu sichern, empfielt es sich nicht jeden winzigen Pilz sofort zu ernten, sondern einen Teil stehen zu lassen, der sich aussporen kann.

Bei allen Lobeshymnen gibt es einen kleinen Wermutstropfen. Einige sehr wenige Menschen reagieren, wie bei anderen Lebensmitteln auch, allergisch auf Morcheln. Falls man Bedenken hat zu dieser kleinen Gruppe zu gehören, sollte man nach sicherer Pilzbestimmung beim erstmaligen Verzehr nur eine sehr kleine Kostprobe zu sich nehmen.

Die Speisemorchel ist ein sehr begehrter wohlschmeckender Pilz. Doch Vorsicht - sie kann leicht mit der tödlich giftigen Frühjahrslorchel verwechselt werden. Im Zweifelsfall sollte eine Pilzberatungsstelle aufgesucht werden.

Pilze aktuell - März 2020

Judasohr (Auricularia Auricula - Judae)

Judasohr (Bild: A. Meves)

Viele kennen den Mu-Err oder Black Fungus aus dem China-Restaurant. Aber die meisten Menschen sind überrascht, wenn sie erfahren, dass der nahe Verwandte dieses chinesischen Pilzes, das Judasohr, in unseren heimischen Wäldern und fast sogar weltweit anzutreffen ist. Man nennt den Pilz auch Holunderschwamm, was einen Hinweis auf seinen bevorzugten Wirt gibt. Als Schwächeparasit lebt er ebenfalls auf Birke, Ulme, Robinie oder Walnuss.

Da er die besondere Fähigkeit besitzt, sich mehrfach austrocknen zu lassen und dann wieder aufquellen zu können, übersteht er auch längere Trockenperioden. Diese ungewöhnliche Strategie und auch seine Frostbeständigkeit sichern seinen Fortbestand. Erfahrenen Pilzsammlern ist es eine Freude im Winter den Schnee von den Holunderästen zu wedeln und nach Judasohren zu suchen. Auch für Neueinsteiger kann dieser Pilz empfohlen werden, denn es gibt keinen giftigen Doppelgänger. Durch seine äußere Form wie eine Ohrmuschel ist er unverkennbar.

Die Außenseite ist etwas dunkler rötlichbraun, violettgrau bis olivbraun, samtig und leicht filzig. Die Innenseite ist heller, glatt, glänzend und oft von Leisten durchzogen, die wie Adern in einer von der Sonne durchfluteten Ohrmuschel aussehen. Sehr selten kommen weiße pigmentlose Fruchtkörper vor. Seine eigenartige Textur ist ähnlich elastisch wie Meeresalgen, von gallertartig bis etwas zäh. 3-10cm groß können Judasohren werden. Ihr Geschmack ist sehr mild, fast neutral. Der Geruch ist manchmal muffig, erdig.

Aus der asiatischen und chinesischen Küche sind die sogenannten Ohrlappenpilze seit Jahrhunderten nicht mehr weg zu denken. Sie werden als frische oder getrocknete und vorgequollene Pilze als Beilagen in Gemüse, Suppen, Soßen und Salaten verwendet. Ihr hoher Eisenanteil, das enthaltene Kalium, Magnesium, Phosphor, Silicium und Vitamin B1 haben positive Effekte auf den menschlichen Körper. In der chinesischen Medizin haben die Ohrlappenverwandten einen Status als Heilpilze. Gegen Arteriosklerose werden sie verwendet, zur Verbesserung der Fließfähigkeit des Blutes, gegen Kreislaufprobleme, als Entzündungshemmer und zum Cholesterinspiegel senken.

Angesichts seiner weltweit steigenden Beliebtheit wurde das Judasohr zum Pilz des Jahres 2017 gewählt.

Pilze aktuell – Februar 2020

Eichen-Wirrling (Daedalea quercina)

Eichen-Wirrling (Daedalea quercina)
Eichen-Wirrling (Bild: Annette Meves)

Einem sehr auffälligen und schön anzusehenden Baumpilz, dem Eichen-Wirrling, kann man ganzjährig, also auch im Februar begegnen. In der Gattung der Wirrlinge ist er die einzige Art in Europa. Der auch als Eichen-Tramete bekannt gewordene Pilz wächst, wie der Name verrät, hauptsächlich an Eichen, viel seltener an Buche, Edelkastanie, Pappel und Robinie. Als Holzzersetzer und Verursacher von Braunfäule wächst er konsolenartig und oft mit zahlreichen Fruchtkörpern an alten Baumstubben. Wenn er an noch lebenden Bäumen vorkommt, ist Vorsicht geboten, denn ihre Stand- und Bruchsicherheit ist nicht mehr gewährleistet. Der Hut des Eichen-Wirrlings ist ledrig mit einer holzig-korkig zähen Konsistenz, weshalb er als ungenießbar gilt. 6 - 30 cm groß können die Hüte werden. Durch die grobe lamellig-labyrinthische Unterseite kam dieser Pilz zu seiner lateinischen Bezeichnung. Dädalus (griech. Daidalos) war der Baumeister, der das Labyrinth für den Minotaurus schuf. Eine weitere Besonderheit stellt das durchgängig konstante Wachstum der Röhrenschicht dar. Andere Baumpilze dagegen bilden jedes Jahr eine neue Röhrenschicht. Verwechslungsgefahr besteht eventuell mit der Rötenden Tramete oder der Buckeltramete. Der Eichen- Wirrling ist fast weltweit verbreitet und erregte sogar das Interesse der Wissenschaft. Pharmakologisch verwertbare Inhaltstoffe werden gegenwärtig verstärkt in Pilzen gesucht und gefunden. So konnten in diesem Baumpilz antivirale Wirkstoffe und ungewöhnliche Fettsäuren nachgewiesen werden.

Pilze aktuell – Januar 2020

Orangeseitling – Phyllotopsis nidulans

Orangeseitling (Bild: R. Wandelt)

Heute möchten wir einen Pilz vorstellen, der an liegenden Stämmen und auch Stubben von altem Laub- und Nadelholz vom Herbst an bis in den April hinein zu finden ist und auch jetzt im Januar schon mehrfach gefunden wurde. Trotzdem ist der Pilz nicht allzu häufig hier im Harzvorland und Unterharz anzutreffen.

Die hübsch anzusehenden muschelförmigen Fruchtkörper sind 2 bis 6 cm breit, filzig behaart und orange- bis blassgelb gefärbt. Die Lamellen sind orange bis rostgelb. Der Pilz ist einzeln bis dachziegelartig stiellos am Substrat angewachsen, erst im Alter bildet sich oft ein kurzer Stiel. Das Pilzfleisch ist gelb und zäh.

Der Orangeseitling gilt als ungenießbar. Sowohl der Geschmack des Pilzes als auch sein Geruch sind unangenehm. Letzterer erinnert an verfaulenden Kohl.