Pilze aktuell - April 2021

Foto: Annette Meves

Gemeiner Tiegelteuerling (Crucibulum laeve)

Die uralten fantasievollen Geschichten, die sich um diese Pilzart ranken, beweisen wieder einmal wie sehr sich unsere Vorfahren mit den kleinsten Details unserer Natur auseinander gesetzt haben. Sie gaben ihnen die bildhaften Namen Brotkorbpilz und Vogelnestpilz. Die winzigen linsenförmigen weißen Sporenpakete (Peridiolen) deuteten sie in der Vorhersage als Mini-Münzen. Dadurch befürchteten sie bei einem massenhaften Auftreten in feuchten Jahren, dass alles viel teuerer werden würde. Auch heute noch ist das Interesse an den Gemeinen Tiegelteuerlingen groß. 2014 wurden sie zum Pilz des Jahres ernannt.

Die 0,5 bis 1,2cm großen Fruchtkörper sind anfangs fast kugelig und später tiegelartig geformt. Außen sind sie gelb-orange und filzig behaart und innen glatt und hell beige. Am Scheitel befindet sich ein oranges Häutchen, dass bei zunehmender Reife aufreißt und den Blick frei gibt auf die weißlichen Peridiolen. Diese sind zum Beginn am Boden des Fruchtkörpers angeheftet durch einen Myzelstrang. Später löst sich die Verbindung und zusammen mit dem klebrigen Myzelstrang werden die Sporenpakete durch Regentropfen, kleine Vögel oder Insekten aus dem Tiegel entfernt und dienen zur weiteren Verbreitung. Der Geruch ist neutral, der Geschmack unbedeutend und das Fleisch gelbbraun bis rotbraun. Gemeine Tiegelteuerlinge sind ungeniessbar.

In der frostfreien Zeit sind sie vom Frühjahr bis teilweise zum Jahresende zu finden. Auch wenn es manchmal so scheint, als ob sie direkt auf dem Erdboden wachsen würden, stellt sich beim näheren Hinsehen heraus, dass sie ihrer Aufgabe als Folgezersetzer gerecht werden und auf Holzresten und vergrabenen Pflanzenteilen fruktizieren.