Die Graue Skabiose

Ein blauer Edelstein

Zu den Pflanzenarten, die im nördlichen Harzvorland die Blütenfülle der Trockenrasengesellschaften Im Spätsommer bestimmen, gehört die blau blühende Graue Skabiose (Scabiosa canescens). Dieses Kardengewächs ist eine in Deutschland und in Mitteleuropa sehr seltene Pflanzenart, die ihren Verbreitungsschwerpunkt im Süden von Sachsen-Anhalt und im Nordosten von Thüringen hat. In einigen Bundesländern ist die Art ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. Bedingt durch den Verbreitungsschwerpunkt trägt Deutschland eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser Art.

   

Abb: Die Graue Skabiose im Bestand                                        Verbreitungskarte

Anmerkung: Es  gibt eine weitere  bei uns häufige sommerblühende blaue Skabiosen-Art- die Tauben-Skabiose. Beide Arten können am gleichen Standort vorkommen. Die Unterscheidung beider Arten ist nicht leicht und basiert vor allem auf Blütenmerkmalen ( Bei der duftenden Grauen Skabiose sind die Kelchspelzen weißlich, bei der geruchlosen Tauben-Skabiose hingegen schwärzlich).

„Mit dem Begriff „Verantwortungsarten“ werden Arten bezeichnet, für die eine große Verantwortung besteht, weil sie nur in Deutschland hier vorkommen oder weil ein hoher Anteil der Weltpopulation hier vorkommt. Ihr Schutz hat einen hohen Stellenwert im Artenschutz. In der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt wurde 2007 das Ziel formuliert, dass Arten, für die Deutschland eine besondere Erhaltungsverantwortung trägt, bis 2020 überlebensfähige Populationen erreichen sollen. Dazu sollen Artenhilfsprogramme für nationale Verantwortungsarten bundesweit bzw. in dem Verbreitungsgebiet der Art entwickelt, umgesetzt und koordiniert werden. Zur Unterstützung dieses Ziels wurde 2011 im Bundesprogramm Biologische Vielfalt der Förderschwerpunkt „Verantwortungsarten“ geschaffen.

Seit April 2021 gibt es in diesem Rahmen das Förderprogramm

Die Graue Skabiose und ihre Lebensräume im mitteldeutschen Verbreitungsgebiet – erhalten – schützen – fördern

Laufzeit: April 2021 – März 2026

Gesamt-Finanzvolumen: 1.71 Mio. € (Sachsen-Anhalt und Thüringen)

Projektträger: Hochschule Anhalt

Fördergeber: Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) sowie Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt (MULE).

Über dieses Programm wurde unlängst in der Presse berichtet.

„Bestands- und Gefährdungsanalyse

Das Projekt startet mit einer Erfassung und Bewertung der aktuellen Bestands- und Gefährdungssituation der Grauen Skabiose. Darauf aufbauend sollen Konzepte für die langfristige Sicherung der Art entwickelt und Handlungsräume für Maßnahmenumsetzungen erarbeitet werden. Die Geländeerfassungen betreffen nicht nur den Status und die Verortung der Vorkommen, sondern auch vegetations- und standortkundliche sowie populationsbiologische Aspekte. Ein weiterer Schwerpunkt wird die wissenschaftliche Begleitung der projektseitigen Maßnahmenumsetzungen sein.

Schutzkonzept und Maßnahmenumsetzungen

In enger Abstimmung mit dem behördlichen und ehrenamtlichen Naturschutz sollen ein Maßnahmenprogramm sowie flächenkonkrete Maßnahmenkonzeptionen erarbeitet und exemplarisch umgesetzt werden. Letzteres umfasst sowohl Artenschutzmaßnahmen (Populationsstützungen und Ansiedlungen) als auch Biotoppflegemaßnahmen zur Wiederherstellung geeigneter Standortbedingungen. Ein Schwerpunkt der Maßnahmenumsetzungen werden die Randbereiche des mitteldeutschen Verbreitungsgebietes sein, wo die Graue Skabiose allein durch die geringere Zahl an Vorkommen und die kleineren Populationsgrößen stärker und vielfach akut gefährdet ist. Neben den projektseitigen Aktivitäten sollen auch weitere Maßnahmenumsetzungen durch Dritte angeregt und/oder begleitet werden.

Aufbau eines Akteursnetzwerkes

Zur nachhaltigen Absicherung des Vorhabens soll ein über das Ende der Projektlaufzeit hinauswirkendes Akteursnetzwerk aufgebaut werden. Zentrale Akteure sind neben den Behörden und Verwaltungen insbesondere Personen, die die Flächen besitzen und bewirtschaften. Vorgesehen ist ein Austausch mit möglichst allen für die jeweilige Flächenentwicklung relevanten Zielgruppen. Die Gewinnung und Vernetzung von Akteuren wird auch ein Schwerpunkt der projektbegleitenden Öffentlichkeitsarbeit sein.

Mit den Projektinhalten und -zielen eng verknüpft sind Themen wie die Möglichkeiten und Grenzen eines nachhaltigen Artenschutzes sowie das Konzept der Verantwortungsarten. So sollen anhand der Grauen Skabiose die Herausforderungen eines zeitgemäßen Artenschutzes sowie der Aspekt der besonderen Verantwortlichkeit vermittelt und die Akzeptanz für damit einhergehende Förder- und Schutzmaßnahmen erhöht werden.“

Es  ist erfreulich, dass es jetzt dieses spezielle Programm zum Schutz der Grauen Skabiose gibt. Hier kann man freilich sagen : Der Worte sind genug gewechselt – nun lasst uns endlich Taten sehen. Die Standorte der Grauen Skabiose sind von ehrenamtlichen Naturschützern unseres Kreises längst kartiert. Nach unseren Erfahrungen kommt es vor allem darauf an, die jeweiligen  Standorte nachhaltig vor Verbuschung zu bewahren. Dazu ist die notwendige Beweidung nachhaltig zu sichern. Dazu bedarf es vor allem einer wirksamen unbürokratischen finanziellen Unterstützung der wenigen Schaf- und Ziegenhalter in unserer Region. Wenn dies gesichert ist, reproduzieren sich die vorhandenen Vorkommen der Grauen Skabiose selber.

Abb:. Norbert Rußwurmk

Der Russische Bär

Insekten der Heimat – der Russische Bär Euplagia quadripunctaria (P. 1761)

Beim Spaziergang entlang der Waldwege im Unterharz könne wir als Besonderheit gelegentlich den als Russischer Bär bezeichnete Falter an Blüten entdecken. Auffällig an diesem etwa 5cm großen Falter sind seine blauschwarzen Flügel mit dem weißen Streifenmuster.  Die meist verdeckten Hinterflügel sind dagegen leuchtend rote mit 3 bis 4 schwarzen Flecken. Es ist der Russische Bär bzw. auch Spanische Flagge genannte Bärenspinner Euplagia quadripunctaria (Poda 1761). Im Unterschied zur Mehrzahl seinen Verwandten ist dieser Falter tagaktiv und besucht bei Sonnenschein verschiedenste Blüten, häufig die der Kratzdisteln oder des Wasserdosts. Dort sitzt er und saugt mit seinem langen Rüssel Nektar. Der Kontrast der schwarz-weißen Musterung der Vorderflügel und die beim Auffliegen  aufleuchtenden roten Hinterflügel mit den schwarzen Punkten dienen als Warn- und Schrecktracht.

Dieser Bärenfalter ist eher ein Bewohner des südlichen Europa und hat gegenwärtig mit dem Harz seine nördliches Verbreitungsgebiet. Auf der Insel griechischen Insel Rhodos findet sich eine große Population im sogenannten „Schmetterlingstal“.

Die Raupen des Russischen Bär sind polyphag. Die Falterweibchen legen ihre Eier an die Blattunterseite. Die Raupen schlüpfen im September. Sie sind, wie fast alle Bärenspinnerraupen, stark behaart( daher der Name Bärenspinner). Sie fressen die Blätter verschiedener Kräuter, ehe sie überwintern. Im folgenden Jahr verpuppen sie sich im Juni im Boden in einem Gespinst, bevor nach ca. 4 Wochen die Falter schlüpfen.

Der Russische Bär ist nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie  europarechtlich streng geschützt.

Zwei Falter des Russischen Bären Euplagia quadripunctaria

Oberseite des Russischen Bären

Unterseite des Russischen Bären

Falter beim Nektarsaugen

Eine dem Russischen Bären sehr ähnliche Art ist der ebenfalls tagaktive Schönbär Callimorpha dominula (L. 1758), deren Flügel anstelle der Streifen helle Punkte tragen.

Ein naher Verwandter- der Schönbär Callimorpha dominula

Woher kommt der Kuckucksspeichel?

Die Wiesenschaumzikade Philaenus spumarius (L. 1758)

Während des Sommers sind häufig weiße Schaumflocken an Pflanzen und Gräsern auffällig. Die volkstümliche Bezeichnung ist Kuckucksspeichel oder Kuckucksspucke. Erzeugt werden sie aber nicht vom Kuckuck, sondern es sind Schaumnester, erzeugt von Larven der  Schaumzikade. Meist sind es die Larven der Wiesenschaumzikade Philaenus spumarius. Die Wiesenschaumzikade ist eine nur 5 bis 7 mm große, unauffällige Rundkopfzikade. Ihre Flügel bedecken dachförmig den Hinterleib und sind  graubraun gemustert. Färbung und Musterung der einzelnen Tiere können aber sehr stark variieren, von hell sandfarben bis schwärzlich braun. Die Zikaden verfügen über ein ausgezeichnetes Sprungvermögen, so dass sie sich bei Gefahr mit einem Sprung retten und dann fliegend das Weite suchen.

Zikaden sind Pflanzensaftsauger. Mit einem Stechrüssel bohren sie die Leitgefäße der Pflanzen an und ernähren sich vom Pflanzensaft.

Zur Paarfindung sind die Zikaden in der Lage, rhythmische Schwingungen zu erzeugen, die von den Partnern als Vibrationen wahrgenommen werden. Die Weibchen legen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen, bei ihren Wirtspflanzen sind sie nicht wählerisch. Daher findet man die Schaumnester an den verschiedensten Pflanzen. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven ähneln bereits den erwachsenen Insekten (Hemimetabolie) und ernähren sich ebenfalls saugend. Sie besitzen an ihrem Unterleib eine Atemhöhle, aus der sie Luft in die aus dem Darm abgegebene, eiweißhaltige Flüssigkeit pumpen und damit das Schaumnest aufbauen. Dieser Schaum dient als Versteck, schützt die Larven aber auch vor dem Austrocknen. Nach mehrmaliger Häutung, bei der sich die Larven von orange zu gelblich grün verfärben und die Flügelansätze immer deutlicher werden,  kriecht die erwachsene Zikade aus dem Schaumnest.

Kuckucksspeichel-Schaumnester der Schaumzikade am Weidenröschen

 

Schaumnest der Larve einer Wiesenschaumzikade.

 

Schaumzikadenlarve  

 

         

Schaumzikade Philaenus spumarius                                          Zikade beim Saugen am Pflanzenstängel

Bilder: Dr. Schliephake

Die Hornisse  ( Vespa cabro )

Hornissen - nützlich und oft verkannt

Viele Menschen reagieren ängstlich und schreckhaft auf eine laut summende Hornisse. Dabei sind übertriebene Ängste vor diesem Insekt unnötig. Die Hornisse Vespa cabro ist die größte bei uns lebende Wespe. Die Körper der Arbeiterinnen können bis 30 mm lang werden, die Königin sogar bis 35 mm. Kopf, Brust und erstes Hinterleibssegment sind dunkel, braunrot, gefärbt, der Rest des Hinterleibes ist wespentypisch gelb und schwarz gemustert. Hornissen besitzen wie auch andere Wespen kräftige Kiefer. 

Im fortgeschrittenen Frühjahr ab etwa April/Mai, verlassen die überwinternden Königinnen ihr Winterquartier wie z.B. Spalten, ausgenagten Höhlungen im Holz oder unterirdischen Höhlen. Sie suchen nun einen Ort zur Gründung ihres Nestes. Ursprünglich in Baumhöhlen nistend, nutzen sie auch regengeschützte Orte wie Nistkästen, Schuppen oder Dachböden. Nachdem die Königin sich mit Baumsäften oder Nektar gestärkt hat, beginnt sie mit dem Nestbau. Zerkaute und mit Speichel gemischte Holzfasern ergeben das papierähnliche Material für den Bau der Waben. In die nach unten offenen Wabenzellen wird jeweils ein Ei gelegt. Nach etwa einer Woche schlüpfen die Larven. Sie werden von der Königin mit eiweißreichem Futter versorgt. Dazu jagt sie hauptsächlich Insekten wie Fliegen, Mücken, Bienen u. a., die sie zu einen Futterbrei verarbeitet und im Kropf zu den Larven transportiert. Die  erwachsenen Larven verpuppen sich und nach insgesamt 5 bis 6 Wochen schlüpfen die ersten Arbeiterinnen. Diese übernehmen nun den weiteren Nestbau und die Versorgung der Larven, während die Königin sich nun auf das Eierlegen beschränkt und von den Arbeiterinnen gefüttert wird. Die Arbeiterinnen bauen bis zum Herbst immer weitere Wabenetagen und umkleiden das Nest mit einer schützenden Hülle.

Zur Ernährung der Larven jagen die Arbeiterinnen intensiv Insekten. Häufig patrouillieren sie über Blüten, um dort Nektar saugende Insekten zu erbeuten. Selbst ernähren sich die Hornissen gern von Baumsäften und süßem Obst.

Ab August beginnt das Volk Geschlechtstiere, junge weibliche Königinnen und männliche Drohnen, heranzuziehen. Sobald die jungen Königinnen ausfliegen, werden sie noch im Herbst  von den Drohnen begattet.

Im Herbst, etwa Ende Oktober sterben dann die alte Königin und die Arbeiterinnen und das Nest verwaist. Nur die Königinnen überwintern. Sie suchen sich ein Winterversteck, das sie erst zum Spätfrühling verlassen, wenn sich wieder reiches Insektenleben entwickelt und sie ausreichend Futter für ihre Larven finden werden.

Hornissen sind wehrhaft, ihre Gefährlichkeit wird aber im Allgemeinen sehr übertrieben. Die Tiere sind außerhalb ihres Nestbereiches scheu und flüchten eher. Ihre Wehrhaftigkeit zeigen sie erst, wenn sie ihr Nest bedroht sehen. Sie haben einen Verteidigungsradius von zwei bis sechs Metern. Bei unvorsichtiger Annäherung greifen sie dann auch den Menschen an, daher ist es ratsam, sich einem Hornissennest nicht zu sehr zu nähern. 

Das Gift der Hornisse ist nach bisherigen Kenntnissen weniger giftiger als das der Wespe oder Honigbiene. Das Gift der Hornisse enthält jedoch Acetylcholin, einen Neurotransmitter. Dadurch verursacht ein Stich ein höheres Schmerzempfinden. Unabhängig von der tatsächlichen Giftwirkung kann allerdings bei allergisch reagierenden Personen ein Stich einen lebensgefährlichen allergischen Schock auslösen.

Die Hornisse zählt zu den geschützten Arten, deshalb ist es untersagt, ihre Nester zu zerstören. Ist gelegentlich eine Entfernung notwendig, so sind sie durch geschultes Fachpersonal umzusiedeln.

Anfliegende Hornisse am Nesteingang (Bild: Annett Sievers)

Hornisse bei der Verarbeitung der Beute zu Futterbrei (Bild: Annett Sievers)

Hornisse mit ihrer typischen Färbung (Bild: Annett Sievers)

Hornissen am Eingang zu ihrem Nest (Bild: Annett Sievers)

Hornissennest im Dach einer Wanderhütte (Bild: Dr. E. Schliephake)

 

Die Große Blaue Holzbiene Xylocopa violacea

Ein Südländer auf dem Weg nach Norden

Bis zu 28 mm groß wie eine Hummel, ein schwarz-blauer Körper und dunkle, violett schimmernde Flügel, das sind die Kennzeichen der Großen Blauen Holzbiene Xylocopa violacea (L. 1758). In den letzten Jahren ist sie auch in unserer Region regelmäßig zu beobachten. Die Bienen sind gute Flieger und fliegen laut summend rastlos von Blüte zu Blüte. Hier sammeln sie Nektar und Pollen für sich und ihren Nachwuchs.  Sie besucht die verschiedensten Blüten. Durch ihre lange Zunge kommen sie besonders bei Korb-, Lippen- und Schmetterlingsblütlern an den Nektar , häufig kann man sie z. B. an den Blütentrauben des Blauregens (Wisteria) sehen. Zu beobachten sind sowohl die Weibchen als auch die Männchen. In diesem Jahr konnten die Holzbienen schon im zeitigen Frühjahr beim Besuch der Krokusblüten gesehen  werden.

Die Holzbiene ist eine Einsiedlerbiene. Ihr Lebensraum sind warme und trockene Gebiete wie  Streuobstwiesen, Parks oder Gärten mit  Totholz.  Im Unterschied zu anderen Bienen überwintern sowohl Weibchen als auch Männchen. Nach der Paarung im Frühjahr nagen die Weibchen mit ihren Kiefern einen bis 30 cm langen Brutgang in abgestorbene Äste, Stämme oder trockene Pfosten. In diesen Gängen legen sie bis 15 hintereinander liegende Nistzellen an, die sie mit Pollen und Nektar füllen und abschließend mit einem  Ei belegen. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven ernähren sich von diesen Vorräten. Nach 6 bis 8 Wochen verpuppen sie sich und bereits im Juli kann die nächste Generation schlüpfen, die sich aus dem Holz ins Freie nagt. Sowohl Weibchen als auch Männchen überwintern in geschützten Plätzen wie Spalten oder Rissen.

Die Blaue Holzbiene lebte hauptsächlich in Süd- bis Mitteleuropa. In Deutschland kam sie bis in die 80iger Jahre nur in der wärmebegünstigten Oberrheinebene vor. Seit der Jahrtausendwende breitet sie sich immer weiter nach Norden aus und ist nun infolge der Klimaerwärmung in Deutschland weit verbreitet.

Nur die Weibchen besitzen, wie alle Bienen, einen Giftstachel, sind aber sehr stechunlustig und nicht aggressiv! Ihr Stich ist dem einer Honigbiene vergleichbar. Die Männchen der Blauen Holzbiene sind anhand ihrer gelborange gefärbten Fühlerringe sicher von den Weibchen zu unterscheiden.

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„Eine Holzbiene beim Besuch in einer Glockenblume“

„Ein Weibchen der Großen Holzbiene“

„Ein Männchen der Großen Holzbiene. Auffällig die zwei gelborangen Fühlersegmente“

Alle Bilder: Dr. E. Schliephake

 

 

Der Diptam blüht

Ein Juwel  der geschützten heimischen Flora

Eine der schönsten Blütenpflanzen der  Nordharzregion  ist der Diptam  ( Dictamnus albus ) – der Brennende Busch  der Bibel. In diesem  Jahr - so scheint uns – blüht der Diptam besonders prächtig. Es lohnt sich sehr, einem der größten Vorkommen in den nächsten Tagen ( bis Ende Juni) einen Besuch abzustatten. Es befindet sich am Südhang des Hoppelberges und ist von Börnecke aus über die Bahnhofstraße Richtung Bahnhof Börnecke  gut zu erreichen. Dabei bitte beachten, dass sich das Vorkommen in einem Naturschutzgebiet befindet und hier die Wege nicht verlassen werden dürfen. Dies ist auch nicht notwendig: Der schmale Wanderpfad führt direkt an den reich blühenden Beständen vorbei. Dabei sollte uns bewusst sein, dass der Diptam eine für Deutschland sehr seltene Pflanze wärmebegünstigter Laubwälder ist und z. B. im Harz und in Norddeutschland völlig fehlt. Es handelt sich um eine langlebige Staude, die am Naturstandort eine Höhe von 120 cm erreichen kann.

Der Diptam sondert im hohen Maße hocharomatische ätherische Öle ab,  die tatsächlich an der Pflanze  bei hochsommerlichen Temperaturen zum Brennen gebracht werden können. Eigene Erfahrungen dazu habe ich nicht. Der Diptam weist noch eine weitere Besonderheit auf. In den ätherischen Ölen, welche die Blüten- und Fruchtstände absondern, sind hautreizende Stoffe enthalten, welche   bei intensivem Kontakt mit der Haut dazu führen, dass diese gegenüber UV-Strahlung überempfindlich wird. Dies äußert sich darin, dass an  Kontaktstellen mit dem  Diptam  unter der Einwirkung von Sonnenlicht große Blasen (analog zu Brandblasen) entstehen können, die nur sehr langsam abheilen. Der Diptam gehört zu den Rautengewächsen und ist mit den Zitrusgewächsen verwandt. Die Vorkommen des Diptam befinden sich im Mittelmeerraum und reichen weit nach Osten bis China. Die Vorkommen in Deutschland  befinden sich an der nördlichen Verbreitungsgrenze. Diptam  wurde im hohen Mittelalter als Heilpflanze genutzt. Er wird in der Landgüterverordnung Karl des Großen im Verzeichnis der von Krongütern anzubauenden Pflanzen  erwähnt. Da es sich um eine sehr wärmebedürftige Pflanze handelt wird daraus abgeleitet, dass es um 800 deutlich wärmer als heute gewesen ist. Diptam ist noch heute eine besonders langlebige Gartenpflanze,  die im Staudenhandel erworben werden kann. Die Vermehrung ist schwierig, Entnahmen vom Wildstandort verbieten sich.

Blühender Diptambestand

Blütenstände des Diptam

Eine sehr seltene weiß blühende Mutante des Diptam

alle Bilder: Dr. W. Wandelt

Ein unerwünschter Zuwanderer

Das orientalische Zackenschötchen (Bunias orientalis)

Wenn jetzt noch Anfang Juni  rapsgelbe Tupfer in der Landschaft zu sehen sind, so handelt es sich ganz sicher nicht um Raps, sondern um das „orientalische Zackenschötchen“. Diese Pflanze, die ebenfalls  zu den Kohlgewächsen gehört, breitet sich in der letzten Zeit  auch in Sachsen-Anhalt massiv aus. Bei dem Zackenschötchen handelt es sich um eine zwei – bis mehrjährige Pflanze , die eine Höhe von bis zu 1,50m   erreicht und sehr schnell durch Aussaat dichte  Bestände bildet. Wo das Zackenschötchen gute Bedingungen vorfindet, kann es die vorhandene Vegetation stark bis vollständig verdrängen. Es liebt Trockenheit und Sonne bei guter Nährstoffversorgung. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet dieser Pflanze  sind die osteuropäischen Offengebiete nördlich des Schwarzen Meeres und des Kaspi. Zu diesem Verbreitungsbiet gehört offensichtlich das pannonische Becken. 1867 wird von ersten Funden dieser Pflanze in Wien berichtet. 1768 hat Linné die Pflanze schon in Schweden gefunden. Heute ist das orientalische  Zackenschötchen als Neophyt in ganz Europa zu finden. Eine  besonders intensive Ausbreitung z. B. in den mitteldeutschen Trockengebieten ist in den letzten 20 Jahren zu verzeichnen. Heute wandert dieser Neophyt auch  in unserer Region invasiv  in Halbtrockenrasen ein. Ein Beispiel dafür  ist das Areal des Flächennaturdenkmals Trogs westlich von Quedlinburg. Die geschlossenen Bestände des Zackenschötchens  verdrängen hier die wertgebenden Arten wie z. B. Adonisröschen und Sand-Silberscharte. Bislang wurde kein Verfahren gefunden, um das Zackenschötchen zurückzudrängen. Die sehr robuste Pflanze ist ein Überlebenskünstler. Die Samen bleiben viele Jahre lang keimfähig. Es drängt sich die  Frage auf, wieso es erst jetzt zu einer invasiven Verbreitung der Art kommt. Bislang gibt es dazu keine gesicherten Erkenntnisse. Vorstellbar ist, dass die im Verlauf milderen Winter der letzten Jahre ohne längere Barfrostperioden das Überleben von Sämlingen  begünstigen. Dies gilt z. B. für den Winterling, der schon seit   langer Zeit bei uns eingebürgert ist, aber ebenfalls erst in den letzten Jahren seine Vorkommen vergrößert und ausdehnt. Das Zackenschötchen wurde auch als Wildgemüse  empfohlen (Türkische Rauke). Von einem diesbezüglichen Anbau sollte wegen der Verwilderungsgefahr unbedingt Abstand genommen werden.

Bestände des orientalischen Zackenschötchens am FND Trog/Quedlinburg (Bild: N. Rußwurm)

 

Orientalisches Zackenschötchen- Einzelpflanze ( Bild: N. Rußwurm)

Der Trauer-Rosenkäfer ist in Quedlinburg angekommen

Der Trauer-Rosenkäfer - Ein weiteres Indiz für den fortschreitenden Klimawandel!

Der Trauer-Rosenkäfer lebte bisher in den Ländern rund um das Mittelmeer. Im letzten Jahrzehnt begann der Käfer eine enorm schnelle expansive Verbreitung nach Norden und ist nun auch in unserer Gegend zu finden. Sein deutscher Name bezieht sich auf die schwarze, schwach metallisch glänzende Färbung, sein wissenschaftlicher Name ist Oxythyrea funesta (PODA, 1761).

Die Käfer werden  8 bis 12 mm groß. Charakteristisch sind die symmetrisch angeordneten weißen Flecke auf dem Halsschild und den Flügeldecken sowie die dichte, lang abstehende, helle Behaarung auf der Oberseite.

Die Käfer leben bevorzugt an Waldrändern, blütenreichen Wiesen, auf Trocken- und Magerrasen. Sie ernähren sich von Blütenpollen unterschiedlichster Pflanzen. Häufig fressen sie an Korbblüten- und Doldengewächse. In deren Blüten sind sie oftmals tief eingegraben zu finden.

Der Entwicklungszyklus dauert ein Jahr. Die Weibchen legen die Eier in den Boden. Die Larven fressen an Wurzeln verschiedener Pflanzen und verpuppen sich im Herbst. Die Käfer überwintern im Kokon, der aus Erde und abgestorbenen Pflanzenteilen besteht. Sie erscheinen dann im Frühsommer, mitunter schon ab April.

Zuerst wurde diese Art in Südwestdeutschland und ab 1994 auch im Raum Dresden nachgewiesen. Nun ist diese Art auch in der näheren Umgebung von Quedlinburg angekommen und konnte hier im Mai 2021 auf Frühlings-Greiskraut Senecio vernalis und Ackersenf Sinapis arvensis in Anzahl beobachtet werden.

Bild 1: Ein Pärchen des Trauer-Rosenkäfers

Bild 2: Der Trauer-Rosenkäfer

Bildautor: Dr. E. Schliephake

Märzfliegen im Harz

Die Märzhaarmücke (Bibio marci)

Die oft als Märzfliegen bezeichneten Insekten sind Ende März bis etwa Ende Mai häufig auf offenen Flächen wie Wiesen oder an Gebüsch- und Waldrändern zu beobachten. Es sind auffällige, schwarze Insekten, die oft in lockeren Schwärmen in der Luft schwirren. Die Märzhaarmücke, Bibio marci; gehört trotz ihrer fliegenähnlichen Gestalt zu den Mücken, die zusammen mit den Fliegen die Ordnung der Zweiflügler (Diptera) bilden.

Die Märzhaarmücke ist zwischen 8 und 11 mm lang und tiefschwarz gefärbt. Den Namen Haarmücke verdanken sie ihrer besonders der bei den Männchen auffälligen Körperbehaarung. Die Geschlechter sind leicht an der Augengröße zu unterscheiden. Die etwas kleineren Männchen haben auffällig große Augen und silbrig glänzende Flügel. Die Augen der Weibchen sind im Vergleich deutlich kleiner und ihre Flügel sind schwärzlich. Im Unterschied zu den Fliegen haben Haarmücken erkennbar gegliederte Fühler, auch wenn diese recht kurz sind.

Die im Frühjahr schlüpfenden erwachsenen Tiere ernähren sich harmlos von Pflanzensäften, Blütennektar und Honigtau und tragen somit auch zur Blütenbestäubung bei. Beim Fliegen lassen die Männchen ihre Beine hängen  und suchen nach Weibchen. Nach der Paarung legen die Weibchen bis zu 100 Eier in lockeren Boden. Sie nutzen dazu die dornartig ausgezogenen Schienen der Vorderbeine. Die schlüpfenden Larven sind beinlos, anfangs nur behaart, später mit kurzen stachelartigen Fortsätzen versehen. Sie ernähren sich hauptsächlich von verrottendem Pflanzenmaterial und sind daher recht nützlich. Nur selten kommt es vor, dass sie bei Massenauftreten oder Trockenheit Wurzeln lebender Pflanzen anfressen. Die Märzfliege hat nur eine Generation im Jahr, die Larven überwintern und verpuppen sich im Boden. Die Märzfliegen sind von Europa bis Zentralasien zu finden.

Neben der Märzhaarmücke B. marci, gibt es noch eine Reihe weiterer Haarmückenarten, wie die etwas später fliegende Johannishaarmücke (Bibio johannis) oder die Gartenhaarmücke (Bibio hortulans), deren Weibchen einen rotbraunen Körper besitzen.

Alle Bilder: Dr. E. Schliephake

Bild 1: Pärchen der Märzhaarmücke (Bibio marci), links das Weibchen, rechts das Männchen. Die Flügel des Weibchen sind dunkel, an den Vorderbeinen sind die dornenförmigen Verlängerungen zu erkennen.

Mrzhaarmcke 002Bild 2: Männchen der Märzhaarmücke. Die Augen sind groß und behaart. Die Flügel silbrig gefärbt.

Bild 3: Kopf eines Weibchens der Märzhaarmücke (B. marci), die Augen sind deutlich kleiner als beim Männchen..

Feuerwanzen - auffällige Insekten

Die Feuerwanze

Im Frühling, mit Erwärmung des Boden, kommen markant gefärbte Insekten, oft in großer Anzahl, ans Licht und in die Sonne! Finden kann man sie  bevorzugt am Stammgrund von Laubbäumen. Es sind die auffällig gefärbten Tiere der Gemeinen Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus). Fälschlicherweise verschiedentlich als Feuerkäfer bezeichnet, gehören die rot-schwarz gefärbten, bis 12 mm langen  Insekten zu der Unterordnung der Wanzen.

Der Körper der Feuerwanze ist an der Oberseite flach und trägt eine ganz charakteristische Zeichnung. Der schwarze Kopf, das rot eingefasste Halschild, das schwarze, für Wanzen typische dreieckige Schildchen und die großen runden Flecke auf den Flügeln machen sie unverwechselbar. In der Regel sind die Flügel der Feuerwanze verkürzt und reichen nur wenig über die Mitte des Hinterleibes. Sie sind daher nicht flugfähig und leben vorwiegend am Boden. Ihre auffällige Färbung dient offensichtlich als Warntracht. Obwohl sie eigentlich für Vögel nicht giftig sind, werden sie von diesen verschmäht.

Wanzen besitzen einen Saugrüssel und sind überwiegend Pflanzensaftsauger, jedoch gibt es eine ganze Reihe von Arten die räuberisch leben oder sogar als Ektoparasiten Blut saugen. Die Gemeine Feuerwanze dagegen saugt bevorzugt an den Samen von Lindenbäumen (Tilia spp.), aber auch an denen anderer Pflanzen (Eibisch, Malve) und der Robinie. Nur sehr selten besaugen sie notgedrungen, ohne Schäden zu verursachen, krautige Pflanzen. Da sie neben toten Insekten auch Insekten- und Schneckeneier nicht verschmähen, besitzen sie sogar einen Nutzen für den Garten.

Die Tiere paaren sich im April/Mai, danach legen die Weibchen ihre Eier gruppenweise in Höhlungen im Boden ab. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven häuten sich fünfmal bis zum ausgewachsenen Insekt. In Mitteleuropa entwickelt sich nur eine Generation im Jahr und die erwachsenen Tiere überwintern.

Häufig findet man die Tiere in großen Gruppen, die bis zu hunderten von Tieren zählen können, an ihren Futterplätzen oder in der Sonne. Für den Zusammenhalt solcher Aggregierungen spielen bestimmte Duftstoffe (Pheromone) eine große Rolle.

Die Feuerwanzen sehen durch ihre auffällige Färbung zwar gefährlich aus, sind jedoch für uns ganz harmlos und es besteht kein Grund, sie zu bekämpfen.

 

 

Bilder: E. Schliephake

Blauer Frühling in Quedlinburg

Traubenhyazinthen

Anfang  April beginnt die  Blüte der Traubenhyazinthen.  Das leuchtende Blau ist in vielen Gärten zu sehen, immer häufiger  wird diese hübsche Pflanze auch im öffentlichen Grün  verwendet. Die Traubenhyazinthen  bilden viele Brutzwiebelchen . Insbesondere dadurch können   schnell durch Gartenabfälle neue Lebensräume  z.B. unter Gebüschen und Hecken besiedelt werden. Dem kommen die milder gewordenen Winter entgegen. Die im April blühenden  Traubenhyazinthen treiben ihr Laub schon im Herbst.  Kahlfröste können da erheblichen Schaden anrichten.  Nach einer Initialpflanzung hat sich die Traubenhyazinthe  in den letzten 20  Jahren unter den Quedlinburger Moorbergeichen schnell verbreitet. Es wird sich um die Art Muscari armeniacum handeln, die aus dem östlichen Mittelmeerraum  bzw. aus dem Kaukasus stammt und heute  bei uns als Neophyt auftritt.  In Quedlinburg  sind aber auch Altbestände der  Traubenhyazinthe zu finden.  So erstrahlen ab Anfang April die Steilhänge am  Wegelebener Weg  im leuchtenden Blau  der Traubenhyazinthe.  Ähnlich großflächige Bestände  sind im Areal des  Quedlinburger  Aegidii-Friedhofes zu bewundern. Sicher spielt  hier die Samenverbreitung die entscheidende Rolle. In beiden Fällen  könnte es  sich auch um  Muscari neglectum handeln, die Weinbergs-Traubenhyazinthe. Diese Art stammt ebenfalls aus dem Mittelmeerraum. Sie ist schon vor 1500 in Deutschland heimisch geworden. Sie wird deswegen als Archäophyt eingestuft. Beide Arten lassen sich nur schwer voneinander unterscheiden.

Bestand im Ägidii-Friedhof

Bestand am Wegelebener Weg

Bilder: Dr. W. Wandelt

Insekten unserer Heimat

Der Wollschweber

Der Große Wollschweber (Bombylius major) aus der Gruppe der Woll- oder Hummelschweber ist besonders im Frühjahr häufig zu beobachten. Die Schweber gehören zu den Fliegen (Brachycera) und besitzen somit nur ein Flügelpaar. Die Tiere sind bis 12 mm lang und, wie mit einem dunkel- bis hellbraunen Pelz, dicht behaart. Sie haben lange Beine und einem auffälligen, langen Saugrüssel, der meist gerade nach vorn gestreckt ist. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Nordamerika, Europa und Nordafrika bis Asien. Sie bevorzugen als Lebensraum freie Flächen wie Weg- oder Waldrändern, Wiesen oder Lichtungen, auch in Gärten sind sie zu beobachten. Sie sitzen gern in der Sonne um sich aufzuheizen. Die Männchen haben bevorzugte Sitzplätze, wo sie auf Weibchen warten, und verteidigen diese auch gegen andere Rivalen. Sie sind sehr gewandte Flieger und saugen, ähnlich wie Kolibris, im Flug vor den Blüten schwirrend mit ihrem Rüssel Nektar.

Die Larven der Wollschweber leben im Unterschied zu ihren Eltern als Brutparasit an den im Boden lebenden Larven von Solitärbienen, möglicherweise auch Grabwespenlarven. Die Weibchen werfen ihre Eier bevorzugt in der Nähe solcher Bruthöhleneingänge ab. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven besitzen bis zur ersten Häutung Beine und krabbeln selbständig in die Nester ihrer Wirte. Hier ernähren sie sich anfangs von den Vorräten der Larven. Mit den weiteren Häutungen verlieren sie ihre Beine und sind nun von madenartiger, beinloser Gestalt. Sie saugen sich an der Wirtslarve fest, um diese auszusaugen. Sie überwintern im Wirtsnest und verpuppen sich im Frühjahr. Die Puppen sind beweglich und können sich mit Hilfe von Zähnchen am Vorderende und Borsten am Hinterende aus den verschlossenen Brutzellen befreien, bevor sie dann etwa ab März schlüpfen.

Groer Wollschweber 1

Bild: Dr. Edgar Schliephake

Der Nashornkäfer

Nashornkäfer finden in großen Komposthaufen  den notwendigen Lebensraum

Der Nashornkäfer Oryctes nasicornis (Linnaeus, 1758) ist eine auffallend große Käferart und der einzige Vertreter aus der Familie der Riesenkäfer in Mitteleuropa. Er ist 25-40 mm lang, kastanienbraun glänzend gefärbt mit hell rotbrauner Behaarung an der Unterseite. Die Männchen mit dem starken, nach hinten gebogenem Horn auf dem Kopf geben der Art ihren Namen.

Nashornkäfer klein

 

 Nashornkäfer: links ein Weibchen, rechts ein Männchen (Foto: Host Rudolph)

Der Nashornkäfer lebte ursprünglich in lichten Laubwäldern. Seine engerlingartigen Larven entwickeln sich im Totholz von Laubbäumen, in Stubben, abgestorbenen Wurzeln oder in Baumhöhlen mit Mulm.

Mit dem im frühen Mittelalter weit verbreiteten Handwerk der Lohgerbereien nutzten die Nashornkäfer auch die Abfallhaufen der Eichenlohe, aber auch gern Sägemehlhaufen. Seit dem 20. Jhd. und dem fortschreitenden Raubbau der Laubwälder findet die Entwicklung überwiegend in Komposthaufen der Gärtnereien sowie in Dunggruben der Bauernhöfe statt. Deshalb finden wir heute Nashornkäfer in Siedlungsgebieten, in Gärtnereien, Kleingärten, Sägewerken, Kompostieranlagen, also überall da, wo geeignetes Entwicklungssubstrat für die Larven vorhanden ist.

Larve

 

 

 

Eine Nashornkäferlarve. Die Larven benötigen für ihre Entwicklung Zellulose. Diese wird im Enddarm (im Bild der dunkle Hinterlaib) abgebaut. Die chemischen Bindungen der Zellulosemoleküle werden hier durch symbiotische  Bakterienarten aufgeschlossen.  (Foto: Horst Rudolph)

Durch diese weitgehende Einstellung auf Entwicklungssubstrate, die eng mit dem Wirken des Menschen verbunden sind, kann diese Art als Kulturfolger angesehen werden. Trotzdem sieht man den Käfer relativ selten: Die Larvenentwicklung dauert 3-5 Jahre. Die Verpuppung erfolgt in einem Kokon, der aus Erde und Holzstückchen zusammengeklebt ist. Die Käfer erscheinen normalerweise im Spätfrühling und sind dämmerungsaktiv. Sie leben nur wenige Wochen.

Die hier abgebildeten Tiere wurden Ende Februar 2021 in einem Komposthaufen im Quedlinburger Stadtgebiet entdeckt.

Aufgrund der Lebensweise in verrottenden  Vegetabilien, in denen Temperaturen herrschen, die stets höher als in der Umgebung sind, scheint die Art nicht mehr fest an ihren ursprünglichen Entwicklungsrhythmus gebunden, so dass frisch entwickelte Imagines schon im zeitigen Frühjahr, ja sogar im Winter gefunden werden können!

Der Nashornkäfer ist nach Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt.

Der Borkenkäfer

Der Borkenkäfer – ein Steckbrief

Die Fichtenwälder des Harzes  sind  in kurzer Zeit großflächig abgestorben oder im Absterben begriffen.

Hauptsächlich ist dies verursacht durch den Borkenkäfer, unterstützt durch die   Trockenheit und Hitze der letzten Jahre. Dieser kleine Käfer , der unendlichen Schaden anrichtet, wird nachfolgend vorgestellt.

 Borkenkäfer Ips typographus 1  Borkenkäfer Ips typographus 2

  Abb.: Der erwachsene Borkenkäfer                                                   

Die Borkenkäfer leben unter der Baumrinde  und ernähren sich von dem Bastgewebe, in dem der Baum vor allem die in den Nadeln und Blättern gebildeten Nährstoffe transportiert.

Borkenkäfer sind eine Unterfamilie der Rüsselkäfer (Curculionidae), ohne dass sie einen Rüssel bilden! In Deutschland sind etwas über 100 Arten heimisch. Davon sind nur wenige Arten wie Kupferstecher oder Buchdrucker  als Waldschädlinge gefürchtet .

Der Buchdrucker, Ips typographus, so hat ihn Carl von Linné 1758 benannt, hat seinem Namen nach der Form der Fraßgänge unter der Rinde, die an die Zeilen eines Buches erinnern. Die Käfer sind klein, nur bis 5 mm lang. Ihr Körper ist fein behaart und hat eine zylindrische Form Der Kopf ist, bis auf die Fühler, unter dem abgerundeten Halsschild verborgen. Die Flügeldecken am Hinterende sind eingedellt und besitzen an der Kante kleine Zähnchen.

Bevorzugt befällt der Buchdrucker die Fichte, vermehrt sich aber auch an anderen Nadelbäumen. Im Frühjahr, bei Temperaturen ab 16° C, beginnen die überwinterten Käfer ihren Befallsflug. Borkenkäfer lassen sich dabei von einem sehr ausgeklügeltem System von Duftstoffen leiten.

Die Käfermännchen orientieren sich an Duftstoffen der Bäume und fliegen vorwiegend geschädigte Bäume an. Sie bohren sich in die Rinde und legen dort eine sogenannte „Rammelkammer“ an. Zur Verteidigung produzierte Harzinhaltsstoffe der Bäume wandeln die Käfer in Duftstoffe um, die weitere Käfer anlocken. Durch diese erhöhte Angriffsintensität wird letztendlich die Widerstandsfähigkeit des Baumes überwunden. Mit Sexualduftstoffen angelockte Weibchen paaren sich mit den Männchen und fressen, von der Rammelkammer ausgehend, bis 15 cm lange Brutgänge in den Rindenbast. Während die Weibchen den Gang ausfressen, legen sie in regelmäßigen Abständen von wenigen mm jeweils ein Ei in ausgenagte Nischen, insgesamt bis zu 60 Eier. Nicht selten legen die Weibchen nach einem Regenerationsfraß sogar einen weiteren Brutgang mit bis zu 40 Eiern an.

Nach erfolgreicher Paarung und Besiedlung des Baumes beginnen die Käfer einen Duftstoff zu produzieren, der zufliegende Käfer abschreckt und somit die Überbesiedlung des Baumes verhindern soll.

Nach ein bis zwei Wochen schlüpfen aus den Eiern in den Einischen die weißlichen Käferlarven. Die Larven fressen Gänge, die von dem Brutgang wegführen und den Rindenbast weiter zerstören.

Borkenkäferfrassgänge in der Rinde mit Puppen  Larve des Borkenkäfers

 Abb.:  Fraßgänge in der Rinde mit Puppen                                                          Abb.: Larve des Borkenkäfers

Infolge dessen wird in den Bäumen der Nährstofftransport von Krone zur Wurzel gestört und die Bäume werden massiv geschädigt. Nach ca. 3 bis 4 Wochen verpuppen sich die Larven am Ende ihres Fraßganges in einem ovalen Larvenbett und nach weiteren 2 Wochen Puppenruhe schlüpfen die anfangs hellbraunen Jungkäfer.

Sie fressen noch einige Zeit im Rindenbast (Reifefraß). Danach bohren sie sich durch die Borke ins Freie und schwärmen auf der Suche nach neuen Bäumen, die sie befallen können, aus. Ein Teil der Käfer reagiert sofort auf die Duftstoffe der nächsten Bäume in der Umgebung und fliegt diese an. Ein anderer Teil reagiert anfangs kaum auf solche Düfte und fliegt bis zu einigen 100 m. Sie fliegen bevorzugt bei Windstille, können jedoch durch auftretende Winde auch noch viel weiter verfrachtet werden.

Die gesamte Entwicklungsdauer einer Käfergeneration ist sehr abhängig von der Temperatur, so dass in einem warmen Jahr bis zu drei Generationen möglich sind. Damit können aus der Brut eines einzelnen Borkenkäferweibchens sich über 100000 Nachkommen entwickeln!

Die Larven, Puppen und Käfer der letzten Generation überwintern in ihren Fraßgängen, bereits ausgeborte Käfer können auch im Streu am Fuß der Bäume überwintern. Borkenkäfer überwintern nur einmal, bei der Bildung mehrere Generationen leben sie nur einige Monate.

Unter standortgerechten Bedingungen kann sich eine gesunde Fichte durchaus einem übermäßigen Käferbefall erwehren, indem sie zur Abwehr giftige sekundären Pflanzenstoffen (z. B. Terpenoide) bildet und mit ihrem Harz die Fraßgänge der Käfer flutet und verklebt. Diese Abwehr versagt jedoch bei geschwächten Bäumen, etwa infolge anhaltender Trockenheit und Hitze, wenn der Waldboden der flachwurzelnden Fichte keine ausreichende Feuchtigkeit bietet. Stehen die Fichten zudem noch großflächig in Monokultur, können sich die Borkenkäfer massenhaft vermehren. Sie verursachen dann die Schäden, die wir gegenwärtig erleben.

Wichtig zu wissen:

Der Borkenkäfer ist  kein neuer Schädling, er ist schon immer ein Bewohner des Fichtenwaldes. Bereits  in den Jahren 1773-1786 wurde von einer Borkenkäferkalamität, genannt die „Große Wurmtrocknis“ berichtet (Dierschke and Knoll, 2002). Auch 1947/1948  kam es zu einer enormen Vermehrung des Borkenkäfers, verbunden mit entsprechenden Waldschäden. Erfahrenen Forstleuten war immer bewusst, dass die Anpflanzung der nicht standortgerechten Fichte im Harz mit einem   hohen Risiko verbunden ist.

Alle Abbildungen: E. Schliephake

 

Der Felsengoldstern blüht

Ein Blütenwunder für ganz extreme Standorte

Der Felsengoldstern (Gagea bohemica) gehört zu den Pflanzen, die in unserer Region den Blütenreigen im Laufe des Jahres eröffnen. Dies ist auch in diesem Jahr so. Dieser sehr kleine  und seltene Goldstern hat entlang der Harzkante  ein wichtiges  Verbreitungsgebiet. Charakteristisch ist das Vorkommen auf  ganz flachgründigen und sommertrockenen   Böden auf Sandsteinklippen. Ein solcher Standort ist der in der Feldflur von Quedlinburg befindliche Luftenberg. Neuere Untersuchungen haben ergeben, dass  die Art relativ unempfindlich  gegenüber den Randwirkungen intensiv genutzter  Ackerflächen ist. Wichtig ist, dass der Standort nicht durch höhere Pflanzen überwachsen wird. Dies kann durch entsprechende Pflegemaßnahmen gewährleistet werden. Nur so konnte  das Vorkommen innerhalb des Naturdenkmales Luftenberg  erhalten bleiben.  Die Trockenheit der letzten Jahre hat diesem Vorkommen  nicht geschadet. Es lohnt sich, nach diesem Blütenzwerg  Ausschau zu halten, der sich im Laufe seiner Evolution so erfolgreich  an extreme Standorte  angepasst hat. Alle  anderen bei uns heimischen Goldsternarten  benötigen wesentlich bessere  Standorte. Sie sind auch viel größer als unser oft nur 5 cm  hoher Frühlingsblüher.

k Luftenberg Schildk P1420729 Böhmischer Goldstern

k P1420731 Goldsternk P1420732 Goldsternblüte

Bilder. W. Wandelt