Die Amerikanische Kiefern- oder Zapfenwanze

Eine amerikanische Zapfenwanzenart breitet sich auch in Deutschland aus

Jetzt im Herbst kann man öfter der Amerikanischen Kiefern- oder Zapfenwanze , Leptoglossus occidentalis Heidemann, 1910, begegnen. Die erwachsenen Tiere dieser Art suchen zum Überwintern geschützte, warme Räume auf und gelangen so regelmäßig in Häuser und Wohnungen. Als reine Pflanzensaftsauger sind sie, trotz ihres langen Stechrüssels, für den Menschen ungefährlich und harmlos und lediglich als „Lästlinge“ zu bewerten.

Die bis 2 cm langen Wanzen gehören zur Familie der Randwanzen (Coreidae). Die rotbraun gefärbten Tiere haben lange Fühler und  Beine. Ganz charakteristisch sind die verbreiterten Schienen (Tibia) an den Hinterbeinen, wodurch sie unverwechselbar mit anderen heimischen Rand- oder Lederwanzen ist. Der Hinterleib ist gelb mit dunklen Querbändern gezeichnet. Diese Zeichnung wird aber durch die Flügel verdeck, so dass bei geschlossenen Flügeln lediglich eine schwarz-weißlich Streifung der Hinterleibsränder sichtbar ist. Auf den Flügeln trägt sie ein meist nur schwach gefärbtes Zickzack-Muster. Die Tiere besitzen einen langen Saugrüssel, der beim Laufen unter den Körper geklappt ist und dessen Spitze bis zur Mitte des Hinterleibes reicht. Die Wanzen sind gute Flieger, die beim Flug ein hörbar summendes Geräusch erzeugen. Bei Berührung, sondern sie, wie viele andere Wanzen, ein Duftsekret ab.

Wie der Name zeigt, stammt diese Art ursprünglich aus dem Nordwesten Nordamerikas.

In Europa wurde sie erstmals 1999 in Italien gesichtet. Da sie sehr anpassungsfähig ist und sich von den verschiedensten Nadelbaumarten (Kiefern, Douglasie, Weiß-Tanne)ernähren kann, konnte sie sich seither als Neueinbürger (Neozoon) weit in Europa ausbreiten. 2006 wurde das erste Exemplar in Deutschland nachgewiesen.

Die in geschützten Verstecken überwinternden Weibchen legen ab Ende Mai ihre Eier an die Nadeln ihrer Wirtsbäume. Die Larven, als Nymphen bezeichnet , schlüpfen nach ca. 2 Wochen und saugen an Nadeln und Zapfen. Insgesamt durchlaufen sie 5 Nymphenstadien und erreichen etwa im August das Erwachsenenstadium.

In ihrer Heimat wird diese Art in Samenplantagen als Schädling eingestuft, Mit ihrem Saugrüssel können sie in den Zapfen bis zu den Samen vordringen und diese durch ihr Saugen schädigen. In Europa und speziell Deutschland, wurden bisher keine Schäden beobachtet.

Abbildungen: Dr. Edgar Schliephake

 

Die Herbst-Wendelorchis im Jahr 2022

Ergebnisse der Erfassung blühender Pflanzen im August 2022

Die Herbstwendelorchis (Spiranthes spiralis) ist ein besonderes Kleinod unserer heimatlichen Orchideen-Flora.

Bild: Norbert Rußwurm

Ein Blick auf die Verbreitungskarte Deutschland  (FloraWeb) dieser sehr seltenen Art zeigt, dass diese Orchidee im mittleren Deutschland im Aussterben begriffen ist. Neben Verbreitungsschwerpunkten in Bayern weist  Spiranthes  spiralis nur im Nordharzvorland und insbesondere im Raum Rieder-Ballenstedt beachtliche Vorkommen auf. In 6 Bundesländern ist die Art ausgestorben. Die  Herbstwendelorchis ist eine typische Pflanzenart des Mittelmeerraumes. Mit der Ausbreitung der Wander-Schafhutung auch in Mitteleuropa ist diese Orchideenart als Kulturfolger bei uns eingewandert. Unterbleibt  eine an die Ansprüche  von Spirantes spiralis  angepaßte Schafhutung,  droht ein Aussterben dieser Art. Spiranthes spirales bildet ab Ende der Blütezeit im September Blattrosetten aus, die den Winter überdauern und sich bei ausreichender Frühjahrsfeuchte bis zum Einsetzen der Sommertrockenheit optimal entwickeln und dann absterben. Sommerniederschläge regen nach einer Ruhepause zum Austrieb der Blütenstände an. Es ergibt sich die Frage, wie diese Art bei uns mit den Temperatur- und Niederschlagsbedingungen der letzten Jahre zurechtkommt. Die diesjährige Zählung blühender Pflanzen hat ergeben, dass gegenüber den Vorjahren mit 20 bis 40 %  ein deutlicher Rückgang der Anzahl blühender Pflanzen zu verzeichnen ist. Dies ist eine starke Reaktion auf die extreme Frühjahrs- und Sommertrockenheit insbesondere des Jahres 2022.

Es ist bekannt geworden, dass die Schafhutung in den Vorkommensgebieten zukünftig unterbleiben könnte. Dies würde die Vorkommen von Spiranthes spiralis allerdings stärker in ihrem Fortbestehen gefährden als  die  gegenwärtige Tendenz einer Reduzierung  der Niederschlagsmenge in der Vegetationszeit. Die hohen Sommer-Temperaturen dieses Jahres stellen vermutlich keinen entscheidenden Negativfaktor für die Herbstwendelorchis dar

Arbeitsplan Herbst 2022

Öffentliche Vortragsveranstaltungen der  IG Ornithologie und Naturschutz  Quedlinburg 2022 im Rahmen von Mitgliederversammlungen der Naturschutzgruppe

im Zeitraum von September – November  2022

14. September

Kurzvorträge: Naturerlebnisse der Mitglieder der Interessengemeinschaft Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg

Themen: Die diesjährige Naturschutzexkursion zum Schaalsee, Beobachtungen zur Artenvielfalt von Vögeln im Hausgrundstück, Wiederbewaldung und Aufforstung von forstlichen Flächen im Unterharz

 Die  öffentliche  Vortragsveranstaltung  findet am Mittwoch, dem 14. 9.  2022,  19 Uhr,  in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule im Bildungshaus „Carl Ritter“ Raum „Einstein“, Quedlinburg , Heiligegeiststraße 8,  statt. Bedingt durch die begrenzte Teilnehmeranzahl ist eine Teilnahme nur nach  Anmeldung bei der  Kreisvolkshochschule in Quedlinburg möglich. Telefon: 03946 524030

 

12. Oktober

Der Wolf in Sachsen-Anhalt- aktuelles Wissen

Referentin:  Anja Weber

 Im Jahr 2013 leben sechs, 2019 schon 15 Wolfsrudel in Sachsen-Anhalt. Im Monitoringjahr 2020/21 wurden 22 Rudel und drei Paare auf der Landesfläche sowie sechs grenzübergreifende Rudel nachgewiesen.  Seit 2017 wird die Beobachtung der Entwicklung der Wolfspopulation sowie die Organisation des Schutzes  der Nutztierbestände durch das Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) organisiert, durchgeführt und fachlich begleitet. In ihrem Vortrag stellt   A. Weber vom WZI den  aktuellen Wissensstand  zur Wolfspopulation in Sachsen-Anhalt vor.

Die  öffentliche  Vortragsveranstaltung  findet am Mittwoch, dem 12. 10.  2022,  19 Uhr,  in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule im Bildungshaus „Carl Ritter“ Raum „Einstein“, Quedlinburg , Heiligegeiststraße 8,  statt. Bedingt durch die begrenzte Teilnehmeranzahl ist eine Teilnahme nur nach  Anmeldung bei der  Kreisvolkshochschule in Quedlinburg möglich. Telefon: 03946 524030

 

9. November

Bergwanderung zu den eisigen Höhen des Transalai-Gebirges –ein Bildbericht

Referent: Norbert Rußwurm

Die höchsten Berge Kirgisiens erreichen mehr als 7 000 m Höhe. Sie sind  nur nach einer langen Akklimatisationszeit und anstrengendem  Aufstieg erreichbar.  Beginnend in den Steppen des Ferghanatals führt der Weg an Bergseen und mächtigen Gletschern vorbei  über hochalpines Gelände bis ganz nach   oben. Norbert Rußwurm (Quedlinburg) hat dabei  die alpine  Tier- und Pflanzenwelt beobachtet.

Die  öffentliche  Vortragsveranstaltung  findet am Mittwoch, dem 9.11.  2022,  19 Uhr,  in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule im Bildungshaus „Carl Ritter“ Raum „Einstein“, Quedlinburg , Heiligegeiststraße 8,  statt. Bedingt durch die begrenzte Teilnehmeranzahl ist eine Teilnahme nur nach  Anmeldung bei der  Kreisvolkshochschule in Quedlinburg möglich. Telefon: 03946 524030

 

Eine Spinne aus dem warmen Süden zieht es in den Norden

Die Dornenfingerspinne – eine Spinne, die nicht gestört werden will.

Ein nicht ungefährlicher Bewohner des Trockenrasens findet sich zunehmend im nördlichen Harzvorland, die Dornenfingerspinne Cheiracanthium punctorium (Villers, 1789), auch kurz Dornenfinger genannt. Ursprünglich eine wärmeliebende, mediterrane Art, hat sie sich immer weiter in den Norden ausgebreitet. Sie bevorzugt warme, extensiv bewirtschaftete, offene Biotope wie Wiesen, Trockenrasen, Waldlichtungen oder Randflächen von Waldrändern oder Gräben.

Jetzt im Hochsommer baut das Weibchen zur Eiablage auffällige Gespinste. Sie lebt nun in diesen relativ stabilen Gespinsten und wachen über die heranwachsenden Jungtiere.

Der Dornenfinger ist eine echte Webspinne. Ihr Körper ist bis 1,5 cm hat, dazu kommen noch die körperlangen Beine. Der Vorderkörper, Prosoma genannt, ist blass rot-orange gefärbt. Der Hinterleib, das Ophistosoma, ist gelblich bis olivgrün mit einen diffusen Rückenstreifen. Die langen Beine sind gelb-bräunlich mit dunklen Fußenden (Tarsen). Auffällig sind die orange-braunen, kräftigen Kieferklauen, Cheliceren genannt, die in den dunklen, schwarz gefärbten Giftklauen enden.

Ihre Besonderheit ist, dass diese Kieferklauen so stark sind, dass diese Spinne als eine der wenigen heimischen Spinnen die Haut des Menschen durchstechen und ihr Gift injizieren kann. Der Biss wird als sehr schmerzhaft empfunden, ähnlich dem einer Wespe oder Biene. Beschrieben wird, dass sich nach kurzer Zeit an der Bissstelle ein brennender Schmerz einstellt, der sich über das betroffene Glied erstrecken kann. Meist verschwinden diese Symptome nach 1 bis 2 Tagen, Todesfälle oder dauerhafte Schäden sind nicht bekannt.

 

   

 

Die Spinnen gehen meist nachts auf Jagd und jagen hauptsächlich Insekten, die sie mit ihrem Gift töten und aussaugen. Tagsüber ruhen sie in rundlichen Ruhegespinsten in der niederen Krautschicht. Die Männchen spinnen ihr Ruhegespinst an der Seite der Gespinste der sich entwickelnden Weibchen. Nach deren letzter Häutung durchbrechen die Männchen zur Paarung die Gespinstwand und begatten die jungen Weibchen. Die befruchteten Weibchen bauen zur Brutpflege ein bis hühnereigroßes, sehr dichtes und festes Brutgespinst in den oberen Enden von Grashalmen und Pflanzenstängeln. Dieses wird gelegentlich noch mit einem lockere  äußerlichen Gespinst überzogen. In diesem Brutgespinst legt sie die Eier in einem Eikokon ab, der meist 80 bis 100 Eier enthält. Die jungen Spinnen, die  nach etwa 3 bis 5 Wochen schlüpfen, verbleiben im Brutgespinst unter dem Schutz der Mutter.

Bei Beschädigung des Gespinste droht die Mutter sofort mit ihren Chelizeren und versucht, etwaige Angreifer zu beißen und zu vertreiben. Daher sollte tunlichst vermieden werden, diese Gespinste zu öffnen oder zu zerstören.

 

 Das Brutgespinnst am Ende von Grashalmen

 Bei Beschädigung des Gespinste droht die Mutter sofort mit     ihren Chelizeren

 

Im Herbst, in der Zeit von Oktober  bis November, öffnet die Mutter das Brutgespinst und entlässt die Jungen in die Freiheit. Diese überwintern in Gespinsten geschützt in Bodennähe. Das Spinnenweibchen selbst verbleibt meist im Gespinst und verstirbt hier.

Alle Aufnahmen: Dr. Edgar Schliephake

 

Der Japanische Schnurbaum

Der Japanische Schnurbaum - ein Straßenbaum für den Klimawandel

 

        Der Japanische Schnurbaum in Quedlinburg                                                  Im Juli eine Fülle honigreicher  Blüten

Die Wärme und die Trockenheit der letzten Sommer zwingen dazu zu prüfen, welche Baumarten unter diesen  Bedingungen am besten  für die Verwendung als Straßengrün bzw. für den innerstädtischen Bereich  geeignet  sind.  Langjährige Erfahrungen zeigen, dass sowohl die Winter- als auch die Sommerlinde unschlagbar sind in ihrer Eignung als Straßenbaum- allerdings unter der Bedingungen, dass der Straßenraum dafür ausreichend  groß ist. Sowohl der Spitz- als auch der Bergahorn dürften weniger gut für ein heißer werdendes Stadtklima geeignet sein. Bei der Prüfung bislang wenig verwendeter Baumarten ist zu  berücksichtigen, dass auch die Winter milder geworden sind und längere Perioden mit Temperaturen von – 25° kaum noch zu erwarten sind.  Eine Prüfung neuer Baumarten auf Eignung als für innerstädtischer Bereiche bedeutet nicht, dass dafür nur  bislang gar nicht in Betracht gezogene Baumarten zu bewerten sind. Schon immer  wurden durch die für das Baumgrün verantwortlichen Stadtverwaltungen wenig bekannte Baumarten  in Anbauversuche einbezogen. Es kommt jetzt darauf an,  neue Anbauerfahrungen aus diesen Anbauversuchen abzuleiten. Auch in Quedlinburg  besteht  eine solche Möglichkeit. Bereits vor mehr als 30 Jahren erfolgte im Harzweg im Bereich der Aral-Tankstelle die Pflanzung einer Baumart, die schon damals für  ihre Hitzetoleranz und gute Eignung als Straßenbaum bekannt war. Es handelt sich um den Japanischen Schnurbaum ( Styphnolobium japonicum ) (alt: Sophora japonica).Dieses Gehölz, dass  zu den Schmetterlingsblütlern gehört zeichnet sich dadurch aus, dass die Blüte erst im Juli- August erfolgt. Auch die Quedlinburger Schnurbäume stehen jetzt in voller Blüte und sind dabei von vielen Bienen umschwärmt.

                                                                                     Blütenstand  und Blätter

Bei Neupflanzungen im Stadtbereich  sollte der japanische Schnurbaum unbedingt Berücksichtigung finden.

Breitet sich die Steppe aus ?

Floristische Beobachtungen im Sommer 2022

In Zusammenhang mit dem Bau der B 6n – der heutigen A 36 – wurden Maßnahmen der Flurneuordnung realisiert. Diese beinhalten auch eine  Bereitstellung von Flächen für Maßnahmen des Natur- und Umweltschutzes. Konkret wurde ein Streifen bisheriger landwirtschaftlicher Nutzfläche   entlang des Naturschutzgebietes Harslebener Berge – Steinholz aus der regulären  Ackernutzung herausgenommen und der natürlichen Sukzession überlassen. Es ist heute nicht mehr ganz klar, welches vorrangige Ziel dabei verfolgt wurde. In Betracht kommen der nachhaltige Schutz  seltener Ackerwildkräuter, die in diesem Bereich Vorkommen besitzen oder die Entwicklung von Trockenrasengesellschaften. Zu erwarten ist, dass ohne Schaf-und Ziegenhutung auf lange Sicht gesehen eine Verbuschung der Stilllegungsfläche  einsetzt. In den ersten Jahren nach der Stilllegung breite sich auf den gut mit Nährstoffen versorgten Flächen der  Löwenzahn aus. Im Frühjahr erstrahlten die Flächen im satten Gelb. Heute bietet sich ein anderes Bild. Die aktuelle Artenzusammensetzung zeigt, dass noch nicht erkennbar ist, in welche Richtung die natürliche  Sukzession führt. Es sind Vertreter der Trockenrasengesellschaft zu finden, aber auch Arten, die zu den Saumgesellschaften gehören oder gar für ruderale Bereiche ( nährstoffreiche Siedlungsbereiche) typisch sind. Es überwiegt zum Teil das Bild einer bunt blühenden Wiesensteppe. An anderen Stellen in Ackerrandnähe breiten  sich immer mehr Glatthaferbestände (Arrhenatherum elatius) aus , die konkurrenzschwache  Arten völlig verdrängen. Es ist deutlich zu erkennen, dass alle Ackerwildkräuter Verlierer der Stilllegung sind – ihr Erhalt erfordert eine extensive Ackernutzung mit gelegentlicher Bodenbewegung ohne Düngereintrag und ohne Pestizidbehandlung. Nur an einer Stelle fanden wir bei einer Exkursion der IG Ornithologie und Naturschutz einen gut  entwickelten kleinen Bestand von Feldrittersporn (Consolida regalis) Hier war der Boden durch die Drillschare bewegt worden, ohne dass  eine dichte Getreideansaat erfolgte – ein typischer Vorgewende-Bereich. Die trockenen letzten Jahre haben die Verbreitung der Gelben Skabiose (Scabiosa ochroleuca) und  der Sichelmöhre ( Falcaria vulgaris) sehr begünstigt. Häufiger ist der in Deutschland sehr seltene Windsbock (Rapistrum perenne) geworden, eine typische Pflanze der mitteldeutschen Lößtrockengebiete, deren oberirdische  Teile als Pflanzenball vom Wind über die  unverbuschte Fläche getrieben werden. Bemerkenswert ist die  begonnene Einwanderung des Adonisröschens (Adonis  vernalis)in die Stilllegungsflächen – aber nur dort, wo es einen Altbestand reichlich blühender Pflanzen gibt. Der Baumbestand der Südseite des Steinholzes  ist besonders stark durch den Florenwechsel  geprägt. Viele Altkiefern sind abgestorben. Dazwischen stehen in üppigem Grün   junge Traubeneichen (Quercus petraea), die hier natürliche Standorte hat. Es ist sicher richtig, die umgefallenen Altkiefern nicht zu beräumen. Sie sind ein Schutz für junge Eichen und eine noch viele Jahre fließende Nährstoffquelle. Für die Verbreitung der  Eichen sorgt der Eichelhäher. Für die schnelle und durchgängige Wiederbegrünung ist aber auch eine gezielte Ansaat der Traubeneiche erforderlich. Dies hat die Stadt Quedlinburg auch vor. Es zeichnet sich ab, dass auch junge Eichen in diesem Jahr viele Früchte (Eicheln) tragen werden = Mastjahr. Dies sollte für die geplante Ansaat genutzt werden.

 Stilllegungsfläche am  Fuß der Harslebener Berge (NSG)                      Stilllegungsfläche am Rande des Steinholzes(NSG)

   Sichelmöhre                                                                                                  Gelbe Flockenblume     

    Windsbock                                                                                                   Ackerrittersporn

   Dichter Glatthaferbestand                                                                                 Ein Adonisröschen am bisherigen Ackerrand

   Abgestorbene Kiefer                                                                                         Kräftiges Wachstum der Traubeneichen

 

 

Terminveränderung der Juni-Mitgliederversammlung

Hinweis auf Terminveränderung der Juni-Mitgliederversammlung

Aus technischen Gründen findet die Juni- Mitgliederversammlung nicht am Mittwoch, den 8. Juni, sondern am Mittwoch, den 15. Juni, statt. Die Mitgliederversammlung findet wie immer im Quedlinburger Bildungshaus  der Volkshochschule, Heiligegeiststraße 8,  statt. Beginn 19 Uhr.

Im öffentlichen Vortragsteil  berichtet unser Referent Ole Anders (Nationalpark Harz)  über die Luchse im Harz - vom Wald in die Agrarlandschaft.

Im Jahr 2000 startete die Wiederansiedlung des Luchses im Harz. Inzwischen hat sich eine vitale Population der großen Katzenart im nördlichsten deutschen Mittelgebirge entwickelt. Langsam aber stetig breitet sich der Luchs über die Grenzen des Harzes hinaus in die Agrarlandschaft aus. Alle westeuropäischen Luchsvorkommen sind jedoch sehr klein und manche leiden bereits unter einer teils dramatisch geringen genetischen Diversität. Inzuchterscheinungen drohen. Die Vernetzung der Vorkommen ist dringend erforderlich. Vor welchen Herausforderungen aber auch Chancen steht der Schutz des Luchses im Harz, in Deutschland und in Europa? Der Vortrag gibt dazu  einen Überblick.   

In den zurückliegenden Monaten konnten an unseren Mitgliederversammlungen  Corona-bedingt nur maximal 20 Personen teilnehmen.

Wir freuen uns sehr über die jetzt erfolgte Lockerung der Abstandsregelung. Dadurch können am Vortrag zum Thema  „Der Luchs im Harz“ in begrenzter Anzahl auch Gäste teilnehmen. Es ist aber eine Teilnahmeanmeldung erforderlich. Diese ist unter  der Telefonnummer 03946 524030 bei der Kreisvolkshochschule möglich.

Neues zur Waldtulpe

 

Ein weiteres Vorkommen der Waldtulpe (Tulipa sylvestris) in der Region Quedlinburg

Seit einiger Zeit ist bekannt, dass es an der Straße von Harsleben nach Westerhausen    ein Vorkommen der Waldtulpe gibt. Es befindet sich dort, wo von Harsleben bzw. Quedlinburg kommend, rechts von der Straße  die Ackerflächen an die Waldfläche stoßen. In diesem Jahr zeigen sich hier viele blühende Exemplare (Abb. 1).

Im Bereich dieser Fläche wurden leider auch Holzhäckselmassen und sonstiger  Abfall entsorgt. Dies hat natürlich den Bestand  beeinträchtigt. Es droht auch ein Überwachsen des Bestandes  durch viele Jungbäume. Sicher im Zuge der letzten Straßenbaumaßnahmen gelangten auch einige Zwiebeln in den Bereich der unmittelbaren Straßenböschung. Hier kann sich ein neues Teilvorkommen etablieren. Die Waldtulpe zeichnet sich im Gegensatz zu anderen Wildtulpenarten dadurch aus, dass nicht blühfähige  Zwiebeln einen hohlen Trieb ausbilden, der nicht senkrecht nach unten wächst ( bis die neue Zwiebel für das nächste Jahr  eine für sie optimale Tiefe gefunden hat), sondern waagerecht von der Ausgangszwiebel fort. Am Ende des hohlen Triebes  wird die  Zwiebel für das Folgejahr angelegt. An der Basis  der alten Zwiebel kann außerdem eine Tochterzwiebel  gebildet werden. Im günstigsten Fall kann sich  die Anzahl der Zwiebeln eines  Bestande auf diese Art und Weise  jährlich verdoppeln. Der recht komplizierte vegetative Vermehrungsvorgang wurde von JÄGER 1973 ausführlich beschrieben: https://www.zobodat.at/pdf/Hercynia_10_0429-0448.pdf  

Der seitlich wachsende Trieb erreicht in der Regel eine Länge von 10 bis 25 cm. Um diesen Betrag kann sich ein  Bestand der Waldtulpe  jährlich seitlich ausdehnen. Selbst unter optimalen Bedingungen (Gartenland) wird dieser Betrag nur selten  erreicht (Abb. 2).

Eine Vermehrung über Samen ist möglich. In der freien  Natur wird sie eher nicht wirksam. T. sylvestris ist eine autotetraploide   Form. Hier ist mit geringen Keimquoten der Samen zu rechnen. Außerdem blüht in der Regel nur ein sehr geringer Anteil der vorhandenen Pflanzen.

Eine  Kontrolle  des oben beschriebenen  Standortes  ergab eine Überraschung, Er setzt sich auch auf der linken Strassenseite in einem Jungwaldbereich fort (Abb. 3). Es ergibt sich die Frage nach der Herkunft des Bestandes. Konnte zunächst vermutet werden, dass er  auf Gartenabfälle zurückzuführen ist, muß jetzt eher angenommen werden, dass ursprünglich  ein geschlossenes Vorkommen bestand , was beim Erstbau der Straße   von Westerhausen nach Harsleben durchtrennt wurde. Offen bleibt, wann und  wie der vermutete primäre Bestand  entstanden ist.

Die Echte Schlüsselblume

Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) erobert den Quedlinburger Ochsenkopf zurück

Der  sogenannte Ochsenkopf ist ein Hügel am Bicklingsbach. Er ist die erste Erhebung des östlich von Quedlinburg gelegenen Höhenzuges der Seweckenberge. Der Ochsenkopf wurde erst nach 1945 teilweise aufgeforstet. Dadurch gingen viele Standorte  seltener Pflanzenarten verloren, z. B. auch Vorkommen des Adonisröschens. Die nach Norden geneigte Fläche wurde sicher schon immer als Ackerland  bzw. immer als  Wiese genutzt. Der Wiesenteil ist durch eine am Ackerland  endende  Geländestufe  gegliedert. Ganz am Ende  dieser Geländestufe überlebte ein sehr kleinflächiges Vorkommend   der Echten Schlüsselblume die  Veränderungen der  Pflanzenwelt des Ochsenkopfes.

Über Jahrzehnte hinweg kamen hier immer nur einige Exemplare der Echten Schlüsselblume zur Blüte. In den letzten Jahren hat sich dies in einer sehr kurzen Zeitspanne   erheblich verändert. Heute  sind in der viele Hektar großen Rasenfläche oberhalb und unterhalb der Geländestufe zahlreiche Primel zu finden.

Was mag diese schnelle Ausbreitung bei unveränderter Landnutzung ausgelöst haben? Die  Entfernung zwischen den Einzelpflanzen ist in den Randbereichen des Gesamtareals dabei  teilweise noch beträchtlich, sie kann mehrere 10 m betragen. Es ergibt sich die Frage, wie die Samen, die über keinen Flugapparat verfügen, diese Entfernung überbrücken.  Es lohnt sich, diese Ausbreitung einer sehr attraktiven einheimischen Pflanzenart  zu beobachten. In unserer  Region  bevorzugt diese Primelart Halbtrockenrasen. Erleben wir hier eine nicht erwartete  Auswirkung der Klimaveränderungen ? Sind Ausgangspflanzen vorhanden, ist diese Ausbreitung der Echten Schlüsselblume übrigens auch auf Gartenflächen zu beobachten.

Auf der Kuppe des Ochsenkopfes wuchs seit den 70ger Jahren  auf blankem Sand eine Kiefer. Jetzt hat die Trockenheit der letzten Jahre das Leben auch dieser Kiefer beendet.  Nun hat ein Sturm den Baum umgeblasen.

In der Nähe ist im gleichen Zeitraum ein Walnussbaum langsam in die Breite gewachsen.

Nie wuchsen spontan im Umfeld junge  Nussbäume. Das ist jetzt der Fall.Im Schutz der abgestorbenen Kiefer kommen die ersten jungen Nussbaumsämlinge zu ihrer Entwicklung. Hier kann vor  Ort der beginnende Florenwechsel erlebt werden.

Der Lerchensporn blüht

Der Lerchensporn – ein prächtiger Frühjahrsblüher

Ende März- Anfang April  fällt in vielen Parkanlagen, kleinen Wäldchen, bewaldeten Bach- und Flussufern  sowie  Hecken  der Lerchensporn mit seinen zahlreichen , etwa 20-30  cm hohen weißen oder  trübpurpurnen Blütenständen auf. Bevorzugt werden dabei lehmige Böden und feuchte Standorte. In den letzten Jahren ist dabei eine erhebliche Vergrößerung  der Bestände zu  beobachten. Immer häufiger wandert der Lerchensporn auch in Obstwiesen und Gärten ein. Die einzelne Pflanze bildet reichlich Samen aus, die von Ameisen weit verbreitet werden. Offensichtlich profitiert der Lerchensporn dabei von den milderen Wintern der  letzten Jahrzehnte. Botanisch handelt es sich um den Hohlen Lerchensporn (Corydalis cava).

Er verfügt über eine hohle Knolle,  die im Boden verborgen ist und einen Durchmesser von ca. 3-4 cm erreicht. Der Hohle Lerchensporn ist ein mitteleuropäisches Florenelement. Sein Verbreitungsgebiet deckt sich mit dem Areal der Buchen, er meidet aber den atlantischen Küstenbereich. Die Lerchensporne sind eine sehr artenreiche Gattung der  Familie der Mohngewächse. In Sachsen - Anhalt sind noch 3 weitere  Lerchenspornarten zu finden. Dazu gehört der deutlich kleinere (Höhe 10- 15 cm) mittlere Lerchensporn (C. intermedia)  mit oft nur 2 trübpurpurfarbenen Blüten. Diese mitteleuopäische Art ist viel weniger häufig anzutreffen als der Hohle Lerchensporn. Im Westen Deutschlands kommt sie nur gelegentlich vor. Auf der Südseite der Quedlinburger Altenburg ist ein großer Bestand dieses Lerchensporns zu finden. Eine weitere Art ist der Zwerglerchensporn (C. pumila) , der etwas größer als der  mittlere Lerchensporn ist  und dessen 4- 6 Blüten dicht gedrängt zusammen stehen. Diese Art kommt abgesehen von Vorkommen an der Oder nur im mittleren Sachsen-Anhalt vor. Er fehlt der Vorharzregion, ist aber als östliche  Art im Raum Freckleben vorhanden.

       

Mittlerer Lerchensporn (Bild: N. Rußwurm)                           Zwerglerchensporn (Bild: N. Rußwurm)

Schließlich gibt es bei uns noch den Gefingerten Lerchensporn (C. solida), der in Sachsen-Anhalt nicht einheimisch ist, aber vermutlich vor langer Zeit angepflanzte  stabile Vorkommen aufweist. Die Art ist im Westen Deutschlands einheimisch, kommt aber vor allem in Südeuropa vor. Aus den Karpaten stammen sehr farbkräftige ( vor allem rote Töne) und blütenreiche Formen, die 15- 20 cm hoch werden, und  als Sorten zunehmenden Eingang in die Frühjahrsgärten finden. Hier kann   durch Versamung eine schnelle Ausbreitung erfolgen. Es ist damit zu rechnen, dass diese südeuropäischen Formen in den nächsten Jahren  als Adventivart  bei uns auftreten werden.

       

Gefingerter Lerchensporn                                                     Gartenformen des gefingerten Lerchensporns

Die genannten Lerchenspornarten können durch die Art der Blütentragblätter  leicht unterschieden  werden:

       

Gefingerte Blütentragblätter: C. solida und  C.pumila          Ganzrandige Blütentragblätter: C. cava und C. intermedia.

C. intermedia weist im Unterschied zu den anderen Arten  am Stängel ein großes Niederblatt auf.

Märzenbecherstandort vernichtet

Verstoß gegen Naturschutzgesetz

Viele Naturfreunde kennen den großen Märzenbecherbestand unweit des sogenannten Schirms  im  Bereich der Kuckhornwiese – ganz in der Nähe zum Naturschutzgebiet Burgesroth-Bruchholz und zum Naturschutzgebiet  Oberes Selketal (und Nebentäler). Bei diesem Vorkommen handelt es sich um ein isoliertes Einzelvorkommen in einem Erlenbruch. Dieser Erlenbruchwald  ist nach  § 30 BNatSchG und § 22 NatSchG LSA gesetzlich geschützt. Am Rande dieses Erlenbruches führt vom Schirm kommend  in Richtung  Ballenstedt der Eierkuchenweg vorbei. Der Märzenbecher selber ist nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Er darf weder gepflückt noch ausgegraben werden. Dementsprechend dürfen Märzenbecherstandorte auch nicht vernichtet werden.

Die folgende Abbildung zeigt diesen Märzenbecherbestand  im Jahr März 2019.  Zu diesem Zeitpunkt waren viele Fichten in Randbereichen des Erlenbruchs  von Windbruch  betroffen. Der Erlenbruch selber ist intakt.

Jetzt im März 2022  zeigt sich das nachstehende  Bild. Der Erlenbruchwald ist weitgehend  zerstört. Der Märzenbecherstandort wurde  vernichtet.

Wie konnte dies geschehen ?  Die Forstfläche gehört einem privaten Waldbesitzer. Mit schwerer Technik (Schiebeschild) wurde   in einem breiten Streifen der gesamte Bruchwaldbestand  beseitigt und die Holz- und Erdmassen zu hohen Wällen aufgetürmt. Dafür hat keine Notwendigkeit bestanden, denn im Bruchwaldbereich stockten keine Fichten. Diese Vernichtungsarbeit wurde offensichtlich nach dem  April 2021  durchgeführt. In einem Randbereich haben nur wenige Märzenbecherpflanzen überlebt.

        

Auf dem feuchten Sumpfboden liegen noch vereinzelte freigeschobene Zwiebeln. Der Wasserhaushalt des Bruch-waldes ist  vermutlich irreversibel  gestört.

Zwiebeln_P1450118.jpg

 

 

 

Es ergibt sich die Frage, weshalb dieses Vernichtungswerk geschehen ist.

Alle Naturfreunde sollten sich das Zerstörungswerk ansehen und mit dazu beitragen, dass  Derartiges zukünftig nicht mehr geschehen kann.

 

  

 

 

 

Kamelhalsfliegen

Kamelhalsfliegen und ihre Verwandtschaft

Zum Insekt des Jahres2022 wurde die Schwarzhalsige Kamelhalsfliege (Venustoraphidia nigricollis) ausgewählt.

Die Kamelhalsfliegen, wissenschaftlich Raphidioptera genannt, sind geflügelte Insekten, aber keine Fliegen (Diptera)! Im Vergleich zu anderen Insektenordnungen sind sie eine recht kleine und wenig bekannte Insektengruppe und in Deutschland mit lediglich 10 Arten vertreten.

 Auf Grund ihrer auffälligen Flügeläderung zählt man sie zur Gruppe der Netzflüglerartigen. Zu dieser Gruppe gehören weiterhin die eigentlichen Netzflügler (Neuroptera), wie z. B. Florfliegen oder Schmetterlingshafte. Weiterhin sind die sogenannten Großflügler (Megaloptera), wie z. B. die  Schlamm- oder Wasserflorfliegen  zugehörig.

      

Schmetterlingshafte                                                   Schlammfliege

                  

Florfliege                                                                               Kamelhalsfliege , eine Laus fressend.

Die meisten Arten der Kamelhalsfliegen sind weniger als 2 cm lang. Bei näherer Betrachtung fällt das stark verlängerte vordere Brustsegment und der lange, flache Kopf auf. Beide sind sehr beweglich und werden oft über der Körperebene gehalten, womit sich die Namensgebung dieser Tiere erklärt. Die Komplexaugen sind halbkugelig und liegen vorn am Kopf. Ihre 4 durchsichtigen Flügel sind dunkel  geädert. In der Ruhestellung werden sie dachartig über dem meist dunkel gefärbtem Körper getragen. An den Weibchen fällt die fast körperlange, biegsame Legeröhre am Hinterleibsende auf. Wie aus Fossilfunden und Bernsteineinschlüssen bekannt, lebten Kamelhalsfliegen mit ihrer charakteristischen Form schon zur Zeit der Saurier und haben sich seitdem nur wenig verändert.

Die Kamelhalsfliegen sind tagaktiv und fliegen im späten Frühjahr, etwa Mai bis Juni. Ihr Lebensraum ist das Blattwerk von Büschen und Bäumen bis zum Kronenbereich. Sie ernähren sich räuberisch,  vorwiegen von Blattläusen. Auch ihre langgestreckten Larven jagen, meist an der Baumrinde, Blattläuse und andere kleine Insekten und ihre Stadien. Durch deren Vertilgen wie z. B. von Larven und Käfern des Borkenkäfers oder Eiern forstschädlicher Schmetterlinge, sind es für den Forstschutz sehr nützliche Insekten.

Die Larvenentwicklung dauert meist 2 bis 3 Jahre mit zwischen 9 und 15 Häutungen, bevor sie sich in Rindenspalten verpuppen und im Frühjahr schlüpfen.

Die erwachsenen Tiere leben nur wenige Wochen, in denen sie sich paaren und ihre Eier ablegen müssen.

Abb.: Dr. E. Schliephake

Mitgliederversammlungen 2022

Die Mitgliederversammlungen im 1. Halbjahr 2022

Die Mitgliederversammlungen der IG Ornithologie und Naturschutz finden seit Januar 2022 so wie schon seit vielen Jahren jeweils am 2. Mittwoch des Monats im Einsteinraum der Kreis-Volkshochschule in Quedlinburg statt. Sie beginnen jeweils 19 Uhr.

Bedingt durch die noch nicht überwundene Corona-Epidemie gelten für uns die jeweiligen Schutzmaßnahmen (G-Regelungen). Dazu gehört auch die Abstandsreglung. Dies bedeutet, dass nur maximal 20 Personen an den Mitgliederversammlungen teilnehmen können. Dies hat zur Folge, dass wir zur Zeit keine öffentlichen Mitgliederversammlungen durchführen können.  Wir bedauern dies  sehr – zumal laut unserem Arbeitsplan im Rahmen der Mitgliederversammlungen viele interessante Vorträge stattfinden. Nur in dem Maße, wie die Zahl von 20 Teilnehmern nicht überschritten wird, heißen wir natürlich gern interessierte Bürger willkommen. Wir hoffen natürlich sehr, dass diese jetzt geltende Einschränkung bald aufgehoben werden kann.

 

Nachstehend  unser Vortragsprogramm für das 1. Halbjahr 2022.

 

12. Januar

Titel des Vortrages: Aktuelle Ergebnisse zum Milanschutz

Referent : Martin Kolbe

In den letzten Jahren haben die Konflikte zwischen diesem charismatischen Greifvogel und dem Menschen, besonders beim Ausbau der erneuerbaren Energien, zugenommen. Gleichzeitig gibt es groß angelegte Forschungs- und Schutzprogramme, die sich für den Schutz dieser besonderen Vogelart einsetzten. Martin Kolbe vom Rotmilanzentrum in Halberstadt gibt in seinem Vortrag einen aktuellen Überblick auf die laufende Forschung zum Rotmilan in Sachsen-Anhalt und über die Landesgrenzen hinaus. Ebenso wir auch ein Einblick vermittelt, wie der Rotmilan trotz aller Schwierigkeiten geschützt und erhalten werden kann. 

 

9. Februar

Titel des Vortrages: Südafrika:  Vom Kap der Guten Hoffnung bis zu den Viktoriafällen

 

Referent: Dr. Edgar Schliephake

Mit seinem Vortrag  möchte Dr. Edgar Schliephake (Gernrode)   einen Eindruck von der landschaftlichen Vielfalt und des tierischen Reichtums Südafrikas vermitteln. Die Reise beginnt am Kap der Guten Hoffnung mit seiner einzigartigen Fynbos Flora und den Südafrikanischen Pinguinen. Durch das Weinbaugebiet Stellenbosch und die Cederberge führt die Reise ins Namaqualand, vorbei am großen Fish-River-Canyon zu den roten Sanddünen Namibias. Im Etosha-Nationalpark zeigen sich Elefanten, Löwen, Giraffen und viele Antilopen. Auf dem Okawango sind nicht nur Krokodile und Flußpferde, sondern auch verschiedene Vögel am Ufer zu erleben. Durch den Caprivi-Streifen im Norden Namibias geht es weiter über Botswana und den Chobe-Fluß zum Chobe Nationalpark mit seinem Reichtum an Tieren. Die Reise endet an den rauschenden Viktoriafällen in Simbabwe.

 

9. März

Titel des Vortrages: Der Steinkauz im Nördlichen Harzvorland und interessante Einblicke in sein  Familienleben

Referenten: Annette Westermann, Eckhard Kartheuser

Seite dem Jahr 2000 wird das Nördliche Harzvorland wieder vom Steinkauz besiedelt. Annette Westermann und Eckhard Kartheuser gewähren interessante Einblicke  in das Leben dieser vom Aussterben bedrohten Kauzart.

 

13. April

Titel des Vortrages: Der Pflanzenreichtum  im Nationalpark Harz

Referent: Dr. Hans-Ulrich Kison

Für den Nationalpark Harz ist eine aktuelle Flora erarbeitet worden. Für die 25 000 ha  Nationalparkfläche wurden rund  1.200 Arten von Farn- und Blütenpflanzen festgestellt. Das entspricht etwa einem Drittel der in Deutschland insgesamt vorkommenden Arten. Mit Bezug auf diese Flora werden von Dr. Hans-Ulrich Kison (Quedlinburg)  charakteristische Arten für den Oberharz in Wort und Bild vorgestellt.   Der Vortrag zeigt nicht nur den Pflanzenreichtum eines der größten Waldnationalparke Deutschlands, sondern er setzt sich auch damit auseinander, wie diese Pflanzenarten zu bewerten sind, wie es mit der Natürlichkeit der Lebensräume bestellt ist und welchen Veränderungen zu erwarten sind.

11. Mai

Titel des Vortrages: Nationalparks in Kroatien

Referenten: Dr. Veronika u. Eckhard Kartheuser

Die beiden kroatischen Nationalparks Plitvicer Seen und  Krka sind durch ihre   reiche Naturausstattung und  die zahlreichen Karstphänomene charakterisiert. Sie waren 2019  Reiseziel  von Familie Kartheuser (Quedlinburg), die im  Vortrag ihre Beobachtungen und Erlebnisse vorstellt. Hauptattraktion  der Plitvicer Seen sind die 16 kaskadenförmig zugeordnete kristallklare Einzelseen. Der Nationalpark Krka umfasst den Mittellauf des gleichnamigen Flusses im Hinterland der Küste in der Nähe von Split.

8.  Juni

Titel des Vortrages: Luchse im Harz  - Vom Wald in die Agrarlandschaft

Referent: Ole Anders 

Im Jahr 2000 startete die Wiederansiedlung des Luchses im Harz. Inzwischen hat sich eine vitale Population der großen Katzenart im nördlichsten deutschen Mittelgebirge entwickelt. Langsam aber stetig breitet sich der Luchs über die Grenzen des Harzes hinaus in die Agrarlandschaft aus. Alle westeuropäischen Luchsvorkommen sind jedoch sehr klein und manche leiden bereits unter einer teils dramatisch geringen genetischen Diversität. Inzuchterscheinungen drohen. Die Vernetzung der Vorkommen ist dringend erforderlich. Vor welchen Herausforderungen aber auch Chancen steht der Schutz des Luchses im Harz, in Deutschland und in Europa? Der Vortrag gibt einen Überblick.     

Notwendige Änderungen behalten wir uns vor.

Frühjahrsblüher im Brühl

Gelbe Tupfer im Quedlinburger Stadtpark Brühl

Vor einiger Zeit wurden an geeigneten Stellen im Parkteil des Brühl Winterlinge (Eranthis hyemalis) angepflanzt.

Ausgehend von diesen Startpflanzungen sind an einigen Standorten schon stattliche Kolonien dieser prächtigen Frühjahrspflanze entstanden.

Es ist vorstellbar, dass es in der nächsten Zukunft zu einer weiteren Ausbreitung des Winterlings kommt. Dadurch kann der Brühl weiter an Attraktivität   für seine Besucher gewinnen.  Durch Aussaaten an vielen Stellen kann dieser Prozeß begünstigt werden. Die ursprüngliche Heimat des Winterlings reicht von Südostfrankreich sowie  IItalien  und Ungarn  bis nach Bulgarien. Schon um 1600 gelangte der Winterling in deutsche Gärten, ohne  oder nur im Ausnahmefall den Weg in heimische Laubwälder zu finden. Durch Gartenabfälle verursacht ist eine solche Einwanderung heute  häufig zu beobachten. Der Winterling verbreitet sich durch Samen, die  auch bei ungünstiger Frühjahrswitterung sehr reichlich  ausgebildet werden. Heftiger Regen während der Samenreife begünstigt die flächige Verbreitung. Die milder gewordenen Winter erleichtern  das Überleben der  Keimlinge, die in der Vergangenheit  bei Februar-Barfrost oft erfroren sind. Auch in vielen Kleingärten ist in den letzten Jahren gegenüber früher eine starke Vermehrung der Winterlinge zu verzeichnen. Im ersten Vegetationsjahr bildet der Winterling nur zwei sehr kleine Keimblätter aus, im Folgejahr nur ein kleines  erstes Laubblatt.  Erst im 4. Jahr nach der Keimung ist mit der ersten Blüte zu rechnen. Dann kann der Winterling im Garten sogar zum Unkraut werden. Gibt es im Brühl auch andere Neuankömmlinge ? Ja ! Im Brühlpark wurden vor längerer Zeit an 2  Stellen  auch Märzenbecher ausgepflanzt.  Dieser breitet sich sehr viel langsamer als der Winterling aus und dies auch nur an zusagenden Standorten. Schlimm ist es, wenn von den wenigen Pflanzen  auch noch einige ausgegraben  und dabei durch Unkenntnis  die Pflanzen zerstört werden. Angepflanzt wurde im Brühl auch der Dalmatinische  Elfenkrokus (Crocus tommasinianus). Für diesen ist noch keine intensive Ausbreitung zu verzeichnen. Diese kann aber für die Zukunft erwartet werden, wenn eine Rasenpflege analog zu der auf der Bossewiese erfolgt. Natürlich ist  im Ergebnis von Anpflanzung auch das Schneeglöckchen im Brühl zu finden. Auch bei diesem ist noch keine intensive Ausbreitung in  Gang gekommen.

        

Märzenbecher im Brühl                                      Durch Ausgraben zerstörte Märzenbecherpflanze

Der Dalmatische Elfenkrokus

 

Märzenbecherblüte

Die Märzenbecherblüte im Naturschutzgbiet Zehling – ein wunderbares  Naturerlebnis, dem mit mehr Respekt  begegnet werden muss.

Der Märzenbecher ist eine in der Harzregion relativ häufige früh blühende einheimische Blumenzwiebelpflanze ( Amaryllisgewächs), die aber mit Blick auf Deutschland einen deutlich südlicheren  Verbreitungsschwerpunkt aufweist und eine nördliche Verbreitungsgrenze etwa auf der Linie Hannover- Cottbus erreicht. Bei uns sind die Vorkommen meist an die Bachtäler am Harzrand gebunden. Nur  wenn die Standortverhältnisse zusagen,  werden größere Bestände gebildet. Ein solches Massenvorkommen befindet sich im Naturschutzgebiet Zehling bei Ballenstedt, in einem Privatwald. Das Erleben der vielen Tausend leuchtend weißen Blütenglocken im noch kahlen Laubmischwald vermittelt eine wunderbare, befreiende  Einstimmung in den beginnenden Frühling. Das Blühwunder beginnt in der Regel Ende Februar. Der anfänglich kleine Bestand hat sich insbesondere in der Obhut Ballenstedter Naturschützer zu seiner heutigen Größe entwickelt. Heute weiß man, dass für die Samenverbreitung kaum Insekten sorgen, sondern Tiere, die die für uns giftigen Samenkapseln fressen und die Samen wieder ausscheiden. Auch ein Transport der Samenkapseln durch fließendes Wasser trägt zur Verbreitung der Art bei.  Es ist gut, dass sich immer mehr Menschen  auch aus den Nachbarkreisen das Naturschauspiel der Märzenbecherblüte nicht entgehen lassen. Leider ist es aber so, dass  der durch das Areal führende Fußpfad ohne Rücksicht auf die Blütenpracht  immer breiter ausgetreten wird. Die zertretenen Pflanzen können  ihr Leid nicht laut klagen. Verlorene Arealflächen erneuern  sich nicht. Jeder Besucher des  Märzenbecherbestandes im Zehling sollte sich vornehmen, den notwendigen Respekt vor der Natur und  das rechte Umweltschutzverständnis zu beweisen und auch unachtsame Besucher darauf hinweisen, dass in einem Naturschutzgebiet striktes Wegebot gilt.

        

Solche Trittspuren im Märzenbecherbestand dürfen nicht entstehen!