Die Hornisse  ( Vespa cabro )

Hornissen - nützlich und oft verkannt

Viele Menschen reagieren ängstlich und schreckhaft auf eine laut summende Hornisse. Dabei sind übertriebene Ängste vor diesem Insekt unnötig. Die Hornisse Vespa cabro ist die größte bei uns lebende Wespe. Die Körper der Arbeiterinnen können bis 30 mm lang werden, die Königin sogar bis 35 mm. Kopf, Brust und erstes Hinterleibssegment sind dunkel, braunrot, gefärbt, der Rest des Hinterleibes ist wespentypisch gelb und schwarz gemustert. Hornissen besitzen wie auch andere Wespen kräftige Kiefer. 

Im fortgeschrittenen Frühjahr ab etwa April/Mai, verlassen die überwinternden Königinnen ihr Winterquartier wie z.B. Spalten, ausgenagten Höhlungen im Holz oder unterirdischen Höhlen. Sie suchen nun einen Ort zur Gründung ihres Nestes. Ursprünglich in Baumhöhlen nistend, nutzen sie auch regengeschützte Orte wie Nistkästen, Schuppen oder Dachböden. Nachdem die Königin sich mit Baumsäften oder Nektar gestärkt hat, beginnt sie mit dem Nestbau. Zerkaute und mit Speichel gemischte Holzfasern ergeben das papierähnliche Material für den Bau der Waben. In die nach unten offenen Wabenzellen wird jeweils ein Ei gelegt. Nach etwa einer Woche schlüpfen die Larven. Sie werden von der Königin mit eiweißreichem Futter versorgt. Dazu jagt sie hauptsächlich Insekten wie Fliegen, Mücken, Bienen u. a., die sie zu einen Futterbrei verarbeitet und im Kropf zu den Larven transportiert. Die  erwachsenen Larven verpuppen sich und nach insgesamt 5 bis 6 Wochen schlüpfen die ersten Arbeiterinnen. Diese übernehmen nun den weiteren Nestbau und die Versorgung der Larven, während die Königin sich nun auf das Eierlegen beschränkt und von den Arbeiterinnen gefüttert wird. Die Arbeiterinnen bauen bis zum Herbst immer weitere Wabenetagen und umkleiden das Nest mit einer schützenden Hülle.

Zur Ernährung der Larven jagen die Arbeiterinnen intensiv Insekten. Häufig patrouillieren sie über Blüten, um dort Nektar saugende Insekten zu erbeuten. Selbst ernähren sich die Hornissen gern von Baumsäften und süßem Obst.

Ab August beginnt das Volk Geschlechtstiere, junge weibliche Königinnen und männliche Drohnen, heranzuziehen. Sobald die jungen Königinnen ausfliegen, werden sie noch im Herbst  von den Drohnen begattet.

Im Herbst, etwa Ende Oktober sterben dann die alte Königin und die Arbeiterinnen und das Nest verwaist. Nur die Königinnen überwintern. Sie suchen sich ein Winterversteck, das sie erst zum Spätfrühling verlassen, wenn sich wieder reiches Insektenleben entwickelt und sie ausreichend Futter für ihre Larven finden werden.

Hornissen sind wehrhaft, ihre Gefährlichkeit wird aber im Allgemeinen sehr übertrieben. Die Tiere sind außerhalb ihres Nestbereiches scheu und flüchten eher. Ihre Wehrhaftigkeit zeigen sie erst, wenn sie ihr Nest bedroht sehen. Sie haben einen Verteidigungsradius von zwei bis sechs Metern. Bei unvorsichtiger Annäherung greifen sie dann auch den Menschen an, daher ist es ratsam, sich einem Hornissennest nicht zu sehr zu nähern. 

Das Gift der Hornisse ist nach bisherigen Kenntnissen weniger giftiger als das der Wespe oder Honigbiene. Das Gift der Hornisse enthält jedoch Acetylcholin, einen Neurotransmitter. Dadurch verursacht ein Stich ein höheres Schmerzempfinden. Unabhängig von der tatsächlichen Giftwirkung kann allerdings bei allergisch reagierenden Personen ein Stich einen lebensgefährlichen allergischen Schock auslösen.

Die Hornisse zählt zu den geschützten Arten, deshalb ist es untersagt, ihre Nester zu zerstören. Ist gelegentlich eine Entfernung notwendig, so sind sie durch geschultes Fachpersonal umzusiedeln.

Anfliegende Hornisse am Nesteingang (Bild: Annett Sievers)

Hornisse bei der Verarbeitung der Beute zu Futterbrei (Bild: Annett Sievers)

Hornisse mit ihrer typischen Färbung (Bild: Annett Sievers)

Hornissen am Eingang zu ihrem Nest (Bild: Annett Sievers)

Hornissennest im Dach einer Wanderhütte (Bild: Dr. E. Schliephake)