Eine Spinne aus dem warmen Süden zieht es in den Norden

Die Dornenfingerspinne – eine Spinne, die nicht gestört werden will.

Ein nicht ungefährlicher Bewohner des Trockenrasens findet sich zunehmend im nördlichen Harzvorland, die Dornenfingerspinne Cheiracanthium punctorium (Villers, 1789), auch kurz Dornenfinger genannt. Ursprünglich eine wärmeliebende, mediterrane Art, hat sie sich immer weiter in den Norden ausgebreitet. Sie bevorzugt warme, extensiv bewirtschaftete, offene Biotope wie Wiesen, Trockenrasen, Waldlichtungen oder Randflächen von Waldrändern oder Gräben.

Jetzt im Hochsommer baut das Weibchen zur Eiablage auffällige Gespinste. Sie lebt nun in diesen relativ stabilen Gespinsten und wachen über die heranwachsenden Jungtiere.

Der Dornenfinger ist eine echte Webspinne. Ihr Körper ist bis 1,5 cm hat, dazu kommen noch die körperlangen Beine. Der Vorderkörper, Prosoma genannt, ist blass rot-orange gefärbt. Der Hinterleib, das Ophistosoma, ist gelblich bis olivgrün mit einen diffusen Rückenstreifen. Die langen Beine sind gelb-bräunlich mit dunklen Fußenden (Tarsen). Auffällig sind die orange-braunen, kräftigen Kieferklauen, Cheliceren genannt, die in den dunklen, schwarz gefärbten Giftklauen enden.

Ihre Besonderheit ist, dass diese Kieferklauen so stark sind, dass diese Spinne als eine der wenigen heimischen Spinnen die Haut des Menschen durchstechen und ihr Gift injizieren kann. Der Biss wird als sehr schmerzhaft empfunden, ähnlich dem einer Wespe oder Biene. Beschrieben wird, dass sich nach kurzer Zeit an der Bissstelle ein brennender Schmerz einstellt, der sich über das betroffene Glied erstrecken kann. Meist verschwinden diese Symptome nach 1 bis 2 Tagen, Todesfälle oder dauerhafte Schäden sind nicht bekannt.

 

   

 

Die Spinnen gehen meist nachts auf Jagd und jagen hauptsächlich Insekten, die sie mit ihrem Gift töten und aussaugen. Tagsüber ruhen sie in rundlichen Ruhegespinsten in der niederen Krautschicht. Die Männchen spinnen ihr Ruhegespinst an der Seite der Gespinste der sich entwickelnden Weibchen. Nach deren letzter Häutung durchbrechen die Männchen zur Paarung die Gespinstwand und begatten die jungen Weibchen. Die befruchteten Weibchen bauen zur Brutpflege ein bis hühnereigroßes, sehr dichtes und festes Brutgespinst in den oberen Enden von Grashalmen und Pflanzenstängeln. Dieses wird gelegentlich noch mit einem lockere  äußerlichen Gespinst überzogen. In diesem Brutgespinst legt sie die Eier in einem Eikokon ab, der meist 80 bis 100 Eier enthält. Die jungen Spinnen, die  nach etwa 3 bis 5 Wochen schlüpfen, verbleiben im Brutgespinst unter dem Schutz der Mutter.

Bei Beschädigung des Gespinste droht die Mutter sofort mit ihren Chelizeren und versucht, etwaige Angreifer zu beißen und zu vertreiben. Daher sollte tunlichst vermieden werden, diese Gespinste zu öffnen oder zu zerstören.

 

 Das Brutgespinnst am Ende von Grashalmen

 Bei Beschädigung des Gespinste droht die Mutter sofort mit     ihren Chelizeren

 

Im Herbst, in der Zeit von Oktober  bis November, öffnet die Mutter das Brutgespinst und entlässt die Jungen in die Freiheit. Diese überwintern in Gespinsten geschützt in Bodennähe. Das Spinnenweibchen selbst verbleibt meist im Gespinst und verstirbt hier.

Alle Aufnahmen: Dr. Edgar Schliephake