Gelebte Städtepartnerstadt

Besuch von Naturschützern aus der Partnerstadt Herford in Quedlinburg

In diesem Jahr war es wieder an der Reihe der Quedlinburger IG Naturschutz und Ornithologie, vom 27. bis zum 29. Juni Mitglieder der „Bund für Natur und Umwelt“-Gruppe Herford als Gäste in Quedlinburg zu begrüßen. Der Kontakt zwischen den beiden Naturschutzgruppen besteht seit 1990. Ein besonderer Punkt des diesjährigen Besuchsprogrammes für die Gäste aus Herford war die Vorstellung des Quedlinburger Ökogartens. Bei dessen Einrichtung standen Anregungen Pate, welche die Quedlinburger 1991 beim Besuch des Biologiezentrums Bustedt im Raum Herford gewonnen hatten. Die BNU-Mitglieder aus Herford waren mehr als überrascht, welches Kleinod mit dem Quedlinburger Ökogarten entstanden ist, dessen didaktisch klug gestalteten gärtnerischen Anlagen sich in einem ausgezeichneten Pflegezustand befinden. Ganz besonderen Beifall fand die durch Frau Sibinski als Ökogarten-Mitarbeiterin vorgetragene Vorstellung des Handlungskonzeptes „Die andere Stadt“. Hier gestalten die den Ökogarten besuchenden Kinder sehr eigenständig den Alltag in einer Kinderstadt „Andershausen“. Sie übernehmen dabei in kleinen Gruppen die Aufgaben, die in einer richtigen Stadt durch Handel, Gewerbe und Verwaltung realisiert werden. Eine Küchenmannschaft gewährleistet die Vorsorgung aller anwesenden „Stadtbürger“ z. B. mit einem Nudelangebot aus der „Stadtküche“.

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Vom Aussterben bedrohte Herbstorchidee in voller Blüte

Insbesondere im Naturschutzgebiet Gegensteine - Schierberge wächst mit der Herbst-Wendelorchis noch eine Orchideenart, die in Deutschland von der Gefahr auszusterben bedroht ist. Das Nordharzvorkommen ist das mit Abstand individuenreichste Vorkommen in den östlichen Bundesländern. In Nord- und Nordwestdeutschland ist diese Art vermutlich bereits ausgestorben. In Sachsen ist die Art seit Jahrzehnten nicht mehr nachgewiesen. Thüringen verfügt offensichtlich nur noch über 5 Vorkommensgebiete . Die Wendelorchis Spiranthes spiralis - so heißt die botanische Rarität – ist eigentlich im Mittelmeerraum heimisch und erst mit der Waldrodung durch jungsteinzeitliche Viehzüchter und Ackerbauer in das mittlere Europa eingewandert. Die Wendelorchis ist mit einer Höhe der Blütenstände von 10 bis ca. 20 cm eine sehr kleine Orchidee und auf extreme Art an die Beweidung ihrer Standorte durch Schaf- und Ziegenherden angepasst. Die drei bis sieben Laubblätter werden erst ab Ende August ausgebildet. Sie sitzen als Blattrosette dem Boden flach auf, das einzelne Laubblatt erreicht nur eine Länge von 1,5 bis 3,5 cm bei einer Breite von 1 bis 1,5 cm. Charakteristisch für die Vorkommen im Mittelmeerraum ist, dass bedingt durch Überweidung,d. h. durch zu hohen Viehbesatz je Weideflächeneinheit, gegen Ende des Sommers die Vegetation mehr oder weniger restlos abgefressen sein kann und dann ein Weiden nicht mehr lohnt. Zu diesem Zeitpunkt sind alle Laubblätter der kleinen Orchidee abgestorben. Ein rübenartiges Speicherorgan treibt ab Mitte August innerhalb weniger Tage den Blütenstand, der mit vielen kleinen weißlichen Orchideenblüten besetzt ist, die einzigartig für Orchideen wendelartig um die Achse des Blütenstandes angeordnet sind. Daher ergibt sich auch die Bezeichnung „Wendelorchis“ .

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Veranstaltungshinweis

Entsprechend dem langfristigen Arbeitsplan findet unsere nächste Mitgliederversammlung bzw. unser nächster öffentlicher Vortragsabend am Mittwoch, dem 10. September 2008
19 Uhr , im Kunsthoken Quedlinburg statt.
Prof. Heinz Leike (Quedlinburg) berichtet über seine Reise als Biologe durch die Wüste Namib.
Prof. Leike informiert folgendermaßen zum Gegenstand seines Lichtbildervortrages:
„Die Wüste Namib erstreckt sich über mehr als 3000 km an der Küste Westafrikas. Sie wurde zum Namensgeber des in den Grenzen der ehemaligen Kolonie 1990 neu entstandenen Staates Namibia. Die Wüste Namib ist die älteste Wüste der Welt, sie ist mindestens 5 Millionen Jahre alt. Die uns bekannteste Wüste Sahara existiert erst seit ca.
12 000 Jahren. Pflanzen und Tiere der Namib hatten viel Zeit für eine ganz spezielle Anpassung an die extremen Klimabedingungen.So kann die rindergroße Oryxantilope ein ganzes Jahr ohne flüssiges Trinkwasser auskommen. Die nur hier vorkommende, nach einem österreichischen Botaniker benannte Welwitschia gehört zu den ungewöhnlichsten Pflanzen der Erde. Eine Reise in die Namib ist ein unvergleichliches Erlebnis.“

Kurzexkursion zur Herbstwendelorchis-Blüte Großer Gegenstein Ballenstedt

In diesem Jahr hat die Spiranthes-Blüte früher als üblich eingesetzt. Auf den am 17. Juli gemähten Flächen waren die in kurzer Zeit getriebenen Blütenstände gut zu erkennen. Eine Zählung durch Mitglieder des AHO ergab mehr als 2000 blühende Exemplare. Dies lässt bei entsprechenden Pflegemaßnahmen auf den Erhalt der Art hoffen. Weniger gut steht es um den Erhalt des Feldenzians, der auf den gleichen Flächen, aber nur mit wenigen Exemplaren, anzutreffen ist.

Kommentar und Standpunkt:
Die „Rehköpfe“ bei Ballenstedt wurden erneut durch die Mehrheit der Mitgliederversammlung der Planungsgemeinschaft Harz als Hartgestein-Abbaugebiet bestätigt und in den Regionalen Entwicklungsplan Harz aufgenommen (MZ-Bericht vom 4. 9. 08)
Dieser Beschluss ist außerordentlich bedauerlich, weil damit der Gesteinsabbau rechtlich bereits abgesichert ist, obwohl damit die gut begründeten Interessen insbesondere der Mehrheit der Bürger der Stadt Ballenstedt am Erhalt des Harzwaldes im zukünftigen Abbaugebiet ignoriert werden und dies durch Mitglieder des Planungsverbundes, die nicht regionale Anlieger sind. Die Ergebnisse eines Planfeststellungsverfahrens können diesen grundsätzlichen Beschluss nicht mehr außer Kraft setzen, sondern nur fachliche Details modifizieren.