Vorfrühlings-Alpenveilchen

Wilde Alpenveilchen im Naturschutzgebiet Müncheberg

 (kleine Bilder zum Vergrößern anklicken)

Das Vorfrühlings-Alpenveilchen (Cyclamen coum)klC coum Blüten ist bei uns nicht einheimisch. Seine Heimat erstreckt sich vom östlichen Bulgarien über die Südukraine entlang der östlichen Schwarzmeerküste und weiter durch die Bergwälder Grusiniens bis zum nördlichen Iran. Gleichermaßen kommt es in der Türkei, im westlichen Syrien und im Norden Israels vor. Die Verbreitung lässt erwarten, dass dieses kleinblütige Alpenveilchen nicht frostfest ist. Tatsächlich verhält es sich anders. Es ist die Pflanze, die unter unseren klimatischen Verhältnissen oft als erste mit der Blüte beginnt, meist schon im Februar und nicht selten aus der Schneedecke heraus. Die Ähnlichkeit des auf Kalkstein stockenden Müncheberg-Waldes mit den C. coum-Standorten an der grusinischen Schwarzmeerküste hat um 1970 einen Quedlinburger Biologen verleitet, hier unter Verwendung von am Naturstandort gewonnenem Saatgut eine Ansaat von C. coum zu probieren. Nach Naturschutzrecht ist dies unzulässig. Die Ansaat hat sich als erfolgreich erwiesen. Seit rund 4 Jahrzehnten schmückt nun an ganz wenigen Stellen das grusinische Vorfrühlings-Alpenveilchen den Niederwald des Müncheberges.klCyclamen Müncheberg

Es ist dabei in all den Jahren zu keiner weiteren Verbreitung gekommen – ein Zeichen dafür, dass die Standortbedingungen hier am Harzrand doch nicht identisch genug denen des grusinischen Bergwaldes  entsprechen.

Die Samen von Cyclamen coum sind absolute Dunkelkeimer. Die Keimung ist dann gewährleistet, wenn das keimende Samenkorn mindestens 1 cm mit Erde bedeckt ist. Die Keimblätter sind sehr klein – maximal 5 mm im Durchmesser. Bleiben sie vom trockenen Laub des Vorjahres bedeck, kann es zu keiner weiteren Entwicklung der Keimpflanze kommen. Genau dies wird das Problem an unseren Standorten sein – der Waldboden ist biologisch nicht aktiv genug: die Samen gelangen nicht in die notwendige Tiefe, das Herbstlaub ist zu groß und verrottet zu langsam. Inzwischen führen zu den Standorten im NSG Müncheberg jetzt Ende Februar-Anfang März richtige ausgetretene Pfade. Jungpflanzen werden achtlos niedergetreten.klPfad zu Blütentrupp

Noch schlimmer – jedes Jahr ist zu erkennen, dass auch Pflanzen ausgegraben werden. Setzt sich dies fort, ist zu befürchten, dass wir den hübschen „Neubürger“ wieder verlieren. Dabei ist zu beachten: Wir befinden uns in einem Naturschutzgebiet, das Verlassen der Wege ist   mit gutem Grund verboten. Auch der „Neubürger“ genießt gesetzlichen Artenschutz !

 

Natürlich eignet sich das Vorfrühlingsalpenveilchen auch für den Vorgarten. Aber bitte nicht in der Natur bedienen ! Pflanzen von Cyclamen coum sind jederzeit im gärtnerische Fachhandel erhältlich. Um im eigenen Garten größere Bestände dieses Gartenschatzes zu etablieren, bedarf es allerdings einiger Erfahrung bei der Schaffung der geeigneten Standortbedingungen. Nackte Gartenerde und Hacken– dies führt nie zum Ziel ! Leichter Baumschatten im Sommer, damit der Standort nicht durch Gräser bzw. andere Stauden überwachsen wird, bekommt dem Vorfrühlingsalpenveilchen dagegen gut.Die an Stielen sitzenden Blütenknospen werden übrigens schon im November angelegt. Sie liegen bis zur ersten Frühjahrssonne flach auf der Erde, um sich dann ganz schnell der Wärme entgegen zu strecken.

P1150958 C coum unter Pfirsich

Vortrag: Heimische Pflanzenwelt

Neue Beobachtungen zur heimischen Pflanzenwelt

 Die Flora unserer Heimat ist relativ gut erfasst. In der uns umgebenden Pflanzenwelt erfolgen allerdings ständig Veränderungen. Eine Hauptursache für diese Veränderungen ist in vielen Fällen die wirtschaftliche Tätigkeit des Menschen. Durch Veränderungen in der Art der Landnutzung (Industrialisierung des Ackerbaus, Wegfall der Nutzung ertragsarmer Standorte mit der Folge der Verbuschung von Offenflächen, Abbau von Baustoffen und Gesteinen, Schaffung von neuen Brachflächen, Wege- und Straßenbau – um einige Beispiele zu nennen) gehen Pflanzenstandorte verloren oder es entstehen potentiell neue Standorte. Der intensive internationale Warenverkehr und der entwickelte Tourismus lösen auch „Wanderbewegungen“ von Pflanzen aus. Ein Teil dieser Neuankömmlinge kann sich in der freien Natur etablieren und wird zum dauerhaften Bestandteil der heimischen Flora. Nicht selten fanden in der Vergangenheit und finden auch heute immer wieder bislang unbekannte Pflanzen Eingang in den Garten am Haus und von hier den Weg in die umgebende Natur. Die Beobachtung all dieser Veränderungen liefert wichtige Informationen darüber, welche Entwicklungen sich in unserer Umwelt vollziehen. Dazu gehört auch das Erkennen der Auswirkungen einer Klimaveränderung auf unsere Pflanzenwelt. An der Erfassung des IST-Zustandes unserer Pflanzenwelt wirken viele Freizeit-Botaniker mit, die in unserer Region mehrheitlich im Botanischen Arbeitskreis Nordharz e. V. organisiert sind. Hier fließen viele Einzelbeobachtungen zu einem Gesamtbild zusammen, welches den dafür zuständigen Fachbehörden unseres Landes zur Verfügung gestellt wird. Prof. Hagen Herdam (Straßberg) ist maßgeblich an der Erstellung dieses Gesamtbildes beteiligt. Über die aktuellen Ergebnisse wird in dem Vortrag „Neue Beobachtungen zur heimischen Pflanzenwelt“ berichtet.

Zu diesem öffentlichen Vortrag ladet die Interessengemeinschaft Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg alle Interessenten herzlich ein. Es wird kein Unkostenbeitrag erhoben.

Termin: Mittwoch, den 11. März 2015, 19 Uhr.

Ort: Bildungshaus „Carl Ritter“ Raum „Einstein“ , Quedlinburg , Heiligegeiststraße 8

Abb.: Dreizähniges Knabenkraut (Orchis tridentata)

Orchistridentata

Baumwipfelpfad Thale - neue Fakten

Neue Fakten zum Thema Baumwipfelpfad Thale

Eine leider nicht positive Geschichte zum Umgang mit unserer Natur und mit dem geltenden Umweltrecht – bitte lesen !

Die inzwischen 10. Variante des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes Nr. 19 der Stadt Thale „Baumwipfelpfad Roßtrappe“ wurde mit Datum 30. 12. 2013 erstellt und dann Anfang Januar 2014 den Trägern öffentlicher Belange mit der Bitte um Stellungnahme zur Kenntnis gegeben.

Weshalb hat es zu diesem Vorhaben inzwischen eine 10. Planvariante gegeben ?

Hat hier jemand gebremst ?

Nein - der Antragsteller selber trifft dazu eine Aussage:

„Nach der letzten Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der öffentlichen Auslegung des Entwurfs vom 2. Mai 2012 des o. g. Planvorhabens haben sich in der Folge, auch unter Berücksichtigung der eingegangenen Hinweise, einige Änderungen ergeben. Der vorliegenden Variante 10 liegt außerdem die Zielstellung zugrunde, den Baumwipfelpfad barrierefrei zu gestalten. Um ein konstantes Gefälle von 7 % realisieren zu können, musste der Pfad auf ca. 700 m verlängert werden.“ Daraus ergaben sich Veränderungen in den Abständen der Stützen und deren Höhen.

Für die in der 10. Variante erfolgte Umstellung des Vorhabens auf eine barrierefreie Gestaltung gibt es einen einfachen Grund: Wenn überhaupt, kann es nur bei einer barrierefreien Gestaltung eine staatliche Förderung des Vorhabens geben !

Für die Zusammenstellung und Prüfung der Hinweise zum Vorhaben (u. a. Umweltbericht, Prüfung der Verträglichkeit des Vorhabens mit den Erhaltungszielen des angrenzenden FFH- und Vogelschutzgebietes beauftragte die Stadt Thale als Vorhabensträger das Planungsbüro Architektur * Stadt * und Dorfplanung Khurana (Aschersleben). Außerdem wurde dieses Büro beauftragt, eine Abwägung aller vorgetragenen Hinweise und Einwendungen zum Vorhaben vorzunehmen und einen Abwägungsvorschlag zu unterbreiten.

Dazu hat das genannte Büro allen Beteiligten Kurzfassungen der Einwendungen zu den zu prüfenden Sachpunkten übermittelt. Die Stellungnahmen von 41 Trägern öffentlicher Belange (Behörden, Stadtverwaltungen und anerkannten Naturschutzverbände) zu dem Vorhaben wurden zusammengestellt. Außerdem wurden auch die Stellungnahmen von Bürger erfasst. Zu 24 Sachpunkten liegt eine Zusammenstellung aller getroffenen Aussagen vor.

 

Beispielhaft sollen die Stellungnahmen zu der Vorhabensplanung für den Sachpunkt 2 – das Landschaftsbild- vorgestellt werden:

 

  1. Landesverwaltungsamt:

Das Vorhaben stellt trotz der Umsetzung von Minimierungsmaßnahmen einen Eingriff insbesondere in das Landschaftsbild dar. Der Eingriff in das Landschaftsbild ist nur durch eine Standortverschiebung in eine weniger exponierte Lage möglich.

 

  1. Obere Naturschutzbehörde:

Die Bedenken bezüglich des Eingriffes in das Landschaftsbild bleiben bestehen. Das waldpädagogische Bildungsziel kann auch an einer anderen, nicht so exponierten Stelle erreicht werden. Nach Auswertung der aktuellen Visualisierung ist festzustellen, dass der Eingriff in das Landschaftsbild dennoch die Erheblichkeitsschwelle nicht unterschreitet. Auch die aktuelle Variante ist weiterhin als technologisches Bauwerk sichtbar und führt zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. Das geplante Vorhaben stellt nach wie vor einen erhebliche Eingriff in das Landschaftsbild dar, der durch eine weitere Rückverlegung des Baumwipfelpfades in den Wald hinein sowie eine weitere Verringerung der Bauhöhe vermeidbar oder zumindest verminderbar wäre.

 

  1. Landkreis Harz – Umweltamt/ Untere Naturschutzbehörde:

Die Variante 9 führt nach Auffassung der unteren Naturschutzbehörde zu einer erheblichen Beeinträchtigung von Natur und Landschaft, welche nicht vollständig ausgleichbar und weiterhin am vorliegenden Standort kaum mit den Belangen des Naturschutzs und der Landschaftspflege zu vereinbaren ist.

Die vorgenommene Visualisierung gibt dennoch gut wieder, dass weiterhin von einer beträchtlichen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes auszugehen ist, da der Baumwipfelpfad von mehreren wichtigen im Plan angegebenen Aussichtspunkten offensichtlich deutlich zu sehen sein wird.

 

  1. Regionale Planungsgemeinschaft Harz:

Unseres Erachtens wird hiermit ( gemeint ist eine Externe Erstaufforstung als Ausgleichsmaßnahme in Gernrode) lediglich die Entnahme von Gehölzen kompensiert (Ausgleich), nicht jedoch die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes im Bodetal. Hier sollte ein funktionaler Ausgleich im Bodetal erfolgen.

 

  1. NABU Sachsen-Anhalt:

Die im Umweltbericht dargelegte Beurteilung des Vorhabens bezüglich des Landschaftsbildes kann vom BABU Sachsen-Anhalt nicht mitgetragen werden. Es wird sich – mit dem Bau des Baumwipfelpfades in dem vorgesehenen Bereich am Oberhang zum Bodetal – der Charakter des hochwertigen Landschaftsbildes nachhaltig verändern. Dies kann nicht ausgeglichen werden.

Das Gebiet ist nach wie vor als Naturpark und als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, um u. a. den Charakter der Landschaft und das Landschaftsbild zu erhalten. Mit dem geplanten Baumwipfelpfad wird beides beeinträchtigt.

 

  1. Bund für Natur und Umwelt (BNU) Landesverband Sachsen-Anhalt:

Auch bei der jetzt veränderten Trassenführung bleibt das Bauwerk etwa ab Stütze Nr. 18 im Landschaftsbild sichtbar. Das Landschaftsbild wird dadurch irreversibel verschlechtert.

Der BNU vertritt eine klare Position: Die Vermittlung von ökologischen-, Naturschutz- und Waldwirtschaftswissen rechtfertigt nicht eine Verbauung und Vernutzung eines einmaligen Landschaftsbildes.

 

  1. Naturschutzwacht Thale und Harzklubzweigverein Thale:

Die Beurteilung der (Auswirkung) des Vorhabens auf das Landschaftsbild wird von uns nicht mitgetragen. Der Charakter des Landschaftsbildes am Oberhang zum NSG Bodetal wird sich nachhaltig verändern und dies kann nicht ausgeglichen werden.

 

  1. Landschaftspflegeverband:

Das anvisierte pädagogische Ziel kann mit weniger drastischen Eingriffen (auch) am Boden erreicht werden. Die negativen Folgen für das einmalige Landschaftsbild im Bodetal sind gravierend.

Mit dem technischen Bauwerk wird das Erscheinungsbild des unverbauten Bodetals erheblich beeinträchtigt und dauerhaft verändert. Derartige Veränderungen des Landschaftsbildes können durch Ausgleichsmaßnahmen nicht kompensiert werden.

Einmalige Landschaftsbilder, wie die des Bodetals, müssen prinzipiell vor baulichen Veränderungen und anderen störenden Faktoren verschont werden. Sie verlieren sonst gerade das Alleinstellungsmerkmal, das Touristen gerade erleben wollen.

 

  1. Es haben sich auch mehrere Bürger geäußert.

Eine Meinung soll stellvertretend für alle anderen zitiert werden:

„Gegen Baumwipfelpfade an sich ist ja nichts auszusetzen, aber die Aussichtsplattform über dem Bodetal wäre doch von allen Seiten, besonders auch vom Hexentanzplatz, deutlich sichtbar ! Gerade aber die Wildheit, Schroffheit und Naturbelassenheit des Bodetals sind einzigartig. Es wäre so schade, wenn diese Einzigartigkeit durch unüberlegte Bauprojekte zerstört und das Landschaftsbild derart verschandelt würde.“

Offensichtlich wird von keinem der beteiligten Trägern öffentlicher Belange, aber auch von keinem Bürger, eine eher positive Bewertung des Vorhabens bzw. Auswirkung auf das Landschaftsbild vorgetragen

 

Es ist bemerkenswert, dass alle zuständigen Fachbehörden darauf verweisen, dass durch das geplante Bauwerk das einmalige Landschaftsbild erheblich negativ beeinträchtigt wird.

 

Die Sicht des Planungsbüros

Dies beeindruckt nicht das mit der Interessenabwägung beauftragte Planungsbüro Khurana. Dieses kommt zu einer anderen Auffassung, die hier nur in Kurzform wiedergegeben werden kann:

 

Im Zuge der Planung werden die Möglichleiten der Minimierung der möglichen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes genutzt.

Die Zielfunktionen des Vorranggebietes für Natur und Landschaft werden durch die „primär waldpädagogische Anlage“, die das Verständnis für Natur und ökologischen Landbau fördern soll, erreicht.

 

Der waldpädagogisch- bildende Aspekt steht im Fordergrund – daher wird auch mit der Waldlandschaft pfleglich umgegangen.

 

Zudem wird das Landschaftsbild an anderer Stelle im Rahmen der Ausgleichsmaßnahmen aufgewertet ( in der Flur Gernrode !).

 

Der Standort ist optimal für alle Belange.

 

Die zu schützende Naturlandschaft „Bodetal“ wird durch die Lange des Bauwerkes nach Ansicht des Vorhabensträgers und der Stadt Thale nicht unzulässig und nicht irreversibel geschädigt.

 

Das Vorhaben wird sich in das Landschaftsbild einfügen. Die Eignung des Gebiets für die ungestörte Erholung in Natur und Landschaft wird nicht erheblich beeinträchtigt.

 

Der Entscheidungsvorschlag für den Stadtrat Thale lautet zu dem oben genannten Sachpunkt:

Der Hinweis, dass die zu schützende Naturlandschaft „Bodetal“ durch die Lage des Bauwerkes nach der Planung 2012 unzulässig beeinträchtigt wird, wird zurückgewiesen. Die Lage (des Baumwipfelpfades) zum Plan 2012 bleibt unverändert.

 

Für die allermeisten Sachpunkte, die Gegenstand der Abwägung sind, werden analoge Entscheidungsvorschläge für den Stadtrat vorgeschlagen:

Die Hinweise werden zurückgewiesen. Die Planung wird nicht geändert.

 

Diesen Entscheidungsvorschlägen ist der Stadtrat Thale am 4. 9. 2014 in namentlicher Abstimmung ohne inhaltliche Prüfung oder Durchführung einer eigenen Abwägung in allen Sachpunkten einstimmig gefolgt. Damit wurde der Bebauungsplan „Baumwipfelpfad“ beschlossen.

 

Dabei gab es ein außerordentliches Ereignis.

Es war bekannt, dass ein Stadtrat zum Baumwipfelpfad bereits im Vorfeld eine andere Meinung vertrat. Deswegen wurde gegenüber diesem Stadtrat ein Mitwirkungsverbot an der Beschlussfassung ausgesprochen.

 

Rechtlich war die Zustimmung zum Bauvorhaben die Voraussetzung dafür, dass die Stadt Thale nun eine Befreiung vom Bauverbot im Landschaftsschutzgebiet Harz und nördliches Harzvorland bei der Kreisverwaltung beantragen konnte.

Der überwiegende Teil der Waldfläche, die für den Baumwipfelpfad benötigt wird, liegt im Landschaftsschutzgebiet. Die Verordnung dazu stammt aus dem Jahr 1994.

Der § 4 1. sagt aus, dass es im Landschaftsschutzgebiet verboten ist, bauliche Anlagen aller Art zu errichten.

 

Bis zu diesem Zeitpunkt waren viele engagierte Naturschützer im Landkreis Harz der Hoffnung, dass angesichts der klaren Aussagen der Fachbehörden und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Harz die Kreisverwaltung keine Befreiung von diesem Bauverbot ausspricht. Ohne diese Befreiung (die ein reiner Verwaltungsakt ohne Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und ohne Beteiligung des Kreistages ist) kann z. B. das Bauvorhaben Baumwipfelpfad nicht realisiert werden.

 

Der Erwartung folgte eine herbe Enttäuschung – was tun ?

Unmittelbar nach dem Beschluss des Stadtrates Thale wurde bei der Kreisverwaltung die Befreiung vom Bauverbot im Landschaftsschutzgebiet beantragt. Und wieder ging es ganz schnell mit der Behördenentscheidung: Bereits am 30. 9. 2014 erteilt die Kreisverwaltung die gewünschte Befreiung von Bauverbot im Landschaftsschutzgebiet. Und welcher Zufall – dem ging eine Veränderung in der Leitung der Unteren Naturschutzbehörde voraus.

 

Gegen diese Befreiung erfolgte am 12. 10. 2014 ein Einspruch von ehrenamtlichen Naturschutzbeauftragten. Auf diesen Einspruch erfolgte am 20. 2. 2015 folgende schriftliche Antwort der Kreisverwaltung:

Es besteht ein öffentliches Interesse an der Umsetzung des B-Planes und Bau des Baumwipfelpfades (u.a. Umweltbildung). Es wird kein möglicher Konflikt mit dem Schutzziel der Landschaftsschutzgebietverordnung gesehen. Das Gesamtlandschaftsbild wird nicht oder nur unerheblich beeinträchtigt. Mögliche Konflikte bezüglich NATURA 2000 und NSG sind nicht zu erkennen. Die Behörde schließt sich insoweit ausdrücklich der Prüfung der Stadt Thale als zuständige Behörde im B-Plan-Verfahren an.

 

Damit blieb dieser Bürger- Einspruch ohne Erfolg.

Widerspruch des NABU

Seiten des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) wurde Ende Oktober 2014 ein Widerspruch gegen die landschaftsschutzrechtliche Befreiung von den für das Landschaftsschutzgebiet geltenden Verboten eingelegt.

Dabei handelt es sich aktuell noch um ein schwebendes Verfahren.

 

War eigentlich der Ausschluss eines Stadtrates von der Beschlussfassung (in Sachen Baumwipfelpfad) durch den Stadtrat Thale gerechtfertigt ? Nein- natürlich nicht.

Dies hat die Kommunalaufsicht des Landkreises Harz (nach einem entsprechenden Prüfantrag) am 15.12. 2014 festgestellt.

Die Konsequenz davon ist, dass der Beschluss des Stadtrates Thale zum Vorhaben nicht rechtskräftig ist. Damit hat auch die Befreiung der Kreisbehörde ihre Rechtskraft verloren. Dies ist eine Chance, noch einmal die Abwägungsunterlagen zu prüfen und eine neue Entscheidung zu treffen. Zuvor muss aber der Stadtrat von Thale erneut über das Bauvorhaben   beschließen. Aktuell ist dies noch nicht erfolgt. Auch hier besteht die Chance, noch einmal die überregionale Bedeutung des technisch unverbauten Bodetales neu zu bewerten.

Kann die sich bislang abzeichnende Fehlentwicklung gegen einen nachhaltigen Natur- und Umweltschutz zum Nachteil des Landes Sachsen-Anhalt auch auf andere Art und Weise verhindert werden ?

Ja, dies ist möglich. Der Flächeneigentümer entscheidet, was auf seinem Eigentum gebaut werden kann. Das Land Sachsen-Anhalt bzw. der Landesforstbetrieb ist Eigentümer des überwiegenden Teils der für den Baumwipfelpfad benötigten Fläche. Hier könnte durch das Ministerium für Umweltschutz und Landwirtschaft eine zweckdienliche Entscheidung getroffen werden. Eine solche Bitte ist Kernpunkt des Offenen Briefes der Teilnehmer der Jahresmitgliederversammlung der Naturschutzverbände des Harzkreises vom 21. 2. 2015.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pressemitteilung 24.02.2015

Bund für Natur und Umwelt (BNU) des Landes Sachsen-Anhalt

Pressemitteilung zur Jahresversammlung der Naturschutzverbände 2015

Am Sonnabend, dem 21.02.2015, hatten sich in Wernigerode rund 60 Vertreter der Naturschutz- und Umweltverbände bzw. Naturschutzgruppen des Landkreises Harz zu ihrer traditionellen Jahreshauptversammlung eingefunden. In seinen Grußworten informierte Landrat Martin Skiebe über die Erarbeitung eines Kreisentwicklungskonzeptes, welches selbstverständlich auch die Aspekte des Natur- und Umweltschutzes berücksichtigt. In die Interessenabwägung sollen die Naturschutzbeauftragten frühzeitig eingebunden werden. Ziel sind tragfähige Kompromisslösungen.

Gerade das Ringen um solche Lösungen haben die aktiven Natur- und Umweltschützer in der Vergangenheit zu oft vermisst. So musste G. Karste als Chef der NABU-Kreisverbandes feststellen, dass zu wichtigen Punkten der Resolution der Jahreshauptversammlung 2014 kein konstruktiver Fortschritt, z. B. in Richtung Erhalt des unverbauten Selketales bei gleichzeitiger Gewährung des notwendigen Hochwasserschutzes, erreicht wurde. Bei der diesjährigen Jahresversammlung konzentrierte man sich deswegen darauf, das Interesse der breiten Öffentlichkeit nur auf ein Thema zu richten – auf den Schutz des Bodetales vor einer technischen Verbauung, die zwar den positiven Begriff Baumwipfelpfad trägt, aber – so meinen die Naturschützer – nur auf die Schaffung einer nicht erforderlichen Super-Aussichtsplattform ausgerichtet ist. Ein Offener Brief unter der Überschrift „Gemeinsam handeln für den unverbauten Erhalt einer einmaligen Naturschönheit Sachsen-Anhalts – das Bodetal bei Thale“ fand deswegen die Zustimmung aller Anwesenden.

Schwerpunkt der Veranstaltung war die Berichterstattung der einzelnen Verbände für die geleistete Vor-Ort-Arbeit bei der Erfassung der in der Nordharzregion besonders reichen Tier- und Pflanzenwelt sowie bei der Organisation und Durchführung von Pflegemaßnahmen, um diesen Reichtum zu erhalten. Nicht wenige unserer heimischen Arten sind in anderen Regionen Deutschlands selten geworden oder sogar vom Aussterben bedroht. In diesen Fällen kommt dem Land Sachsen-Anhalt eine besondere Fürsorgepflicht für den Artenerhalt zu. Dafür wird durch die beteiligten Akteure –die Naturschutzbehörde, der Fördermittelgeber, Schäfereibetriebe, ehrenamtliche Naturschützer, Landschaftspflegeunternehmen und einbezogene wissenschaftliche Einrichtungen viel getan. Beispiele dafür sind blühstarke Bestände einer sehr seltenen Orchideenart oder einer Enzianart, für die nur noch in wenigen Bundesländern Vorkommen bestehen.

Die Veranstaltung fand ihren Abschluss mit einem spannenden Fachvortrag über die schrittweise Vergrößerung der Naturdynamik-Flächen im Nationalpark Harz, in denen im Unterschied zu den ursprünglich durch den Menschen geschaffenen Forsten die Natur sich selbst überlassen bleibt.

Im Pausengespräch gab es eine gut Nachricht: Sowohl Männchen als auch Weibchen des im Winter getrennt durch südliche Gefilde streifenden Wanderfalken-Paares sind wieder im Brut-Lebensraum im Bodetal bei Thale eingetroffen.

Offener Brief der Naturschützer des Harzkreises

                                           Offener Brief            

Gemeinsam handeln für den unverbauten Erhalt einer einmaligen Naturschönheit Sachsen-Anhalts – das Bodetal bei Thale !

 

Das Durchbruchstal der Bode bei Thale ist durch   wildromantische Felsformationen und steile Schluchtwälder, durch seltene Pflanzen und Tiere charakterisiert und durch die Kraft der wilden Bode gestaltet. Mit mehreren Wanderwegen ist diese für die deutschen Lande nördlich der Alpen einmalige Naturlandschaft gut für den sanften Tourismus erschlossen. Der gewaltige Felsenkessel ist Natur pur und ungeachtet der Nähe von pulsierendem Verkehr, geschäftigem Wirtschaftsleben und randnahem Massentourismus bislang frei geblieben von technischer Verbauung und Vernutzung durch den Menschen. Genau das macht den einmaligen Wert der Bodetallandschaft bei Thale aus. Nachhaltig wirtschaften bedeutet, diese unverbaute Naturlandschaft auch für kommende Generationen zu erhalten, die bestehenden umweltrechtlichen Grenzziehungen für Massentourismus nicht niederzureißen.

 

Der unverbauten Ur-Natur des Bodetales droht jetzt ganz große Gefahr. Nur wenige Meter vom Steilabhang des Roßtrappenplateaus bzw. von der Naturschutzgebietsgrenze entfernt soll ein technisches Großbauwerk errichtet werden – eine Aussichtsplattform von mehr als 100 m Länge, die von 11 Stahlstützen mit einer Höhe von 10 bis 25 m getragen wird. Planerisch wird von jährlich 36 000 bis 48 000 Nutzern dieses Aussichtspunktes ausgegangen. Bedingt durch seine Funktion ist dieses Bauwerk nicht durch Baumkronen des Harzwaldes verdeckt, sondern es wird - wenn es realisiert wird - von allen Aussichtspunkten rings um den Felsenkessel des Bodetals das Bild der unverbauten Naturlandschaft zerstören und verdeutlichen, dass man sich hier über die Natur hinweg setzt und z. B. das schützende Bauverbot in einem Landschaftsschutzgebiet leichtfertig aufgehoben hat, um wirtschaftlichen Bestrebungen nachzugeben, die weniger Umweltbildungziele, sondern Ziele des Massentourismus verfolgen. 

 

Um Zustimmung für den Bau der geplanten Aussichtplattform erhalten zu können, wurde diese durch den Vorhabensträger in das „Gewand“ eines Baumwipfelpfades   gekleidet, der Wissen über naturnahe Waldwirtschaft und vor allem Natur-und Umweltschutz vermitteln soll. Diese Argumentation macht es nicht jedem leicht zu erkennen, dass es sich im konkreten Fall um einen „Etikettenschwindel“ handelt. Die Realisierung des Vorhabens am vorgesehenen Standort würde das Gegenteil von nachhaltigem Natur- und Umweltschutz darstellen. Es würde dem Ansehen von Sachsen-Anhalt dauerhaft schaden und dem richtig verstandenen Naturtourismus Abbruch zufügen.

 

Wir – die Teilnehmer der Jahreshauptversammlung der Naturschutzverbände des Harzkreises - sprechen sich deswegen gegen dieses Vorhaben aus. Wir richten an alle Entscheidungs- und Verantwortungsträger sowie an alle Bürger unseres Kreises in dieser Angelegenheit den Appell: Lassen Sie nicht zu, dass eine für ganz Deutschland einmalige Naturlandschaft durch ein nicht notwendiges technisches Großbauwerk im hohen Maße irreversibel geschädigt wird. Lassen Sie nicht zu, dass der bestehende Landschaftsschutz entwertet oder aufgehoben und ein europäisches Arten-Schutzgebiet in seiner Funktionsfähigkeit beschädigt wird. Lassen Sie sich bei Ihren Entscheidungen vom Grundsatz der Nachhaltigkeit leiten – unsere Naturreichtümer müssen auch zukünftigen Generationen zur Verfügung stehen. Korrigieren Sie schon getroffenen Entscheidungen, die diesem Grundsatz nicht entsprechen. Wir fordern die Landesregierung auf, in keiner Form Landeswaldflächen für das Bauvorhaben zur Verfügung zu stellen bzw. dafür Landeswald zu verkaufen.

 

 

Wernigerode, den 21. Februar 2015

 

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschlands e. V.
(BUND)

Bund für Natur und Umwelt e. V.
(BNU)

Naturschutzbund Deutschland e. V.
(NABU)

Gesellschaft zur Förderung des Nationalparks Harz e.V.
(GFN)

M. Jede

Dr. W. Wandelt

Dr. G. Karste

i. V. Knolle

 

Das unverbaute Durchbruchstal der Bode bei Thale.

(Zum Vergrößern bitte anklicken)

Wiederansiedlung des Steinkauzes

Rettungsmaßnahmen für den vom Aussterben bedrohten Steinkauz

 Im nördlichen Harzvorland läuft seit einigen Jahren ein Projekt zur Wiederansiedlung des Steinkauzes. Seit dem Jahr 2012 wird das Wiederansiedlungs-Projekt durch den Arbeitskreis zum Greifvogel- und Eulenschutz in Sachsen-Anhalt e.V. (AGESA e.V.) getragen.

 Jetzt liegt für den Zeitraum 2011 bis 2014 ein umfassender Ergebnisbericht zu diesen Aktivitäten vor.

 Interessenten an diesem Bericht können sich an folgende Kontaktadresse wenden:

 Arbeitskreis zum Greifvogel- und

Eulenschutz in Sachsen-Anhalt e.V.

-1. Vorsitzender-

Martin Kluschke

Martinstr. 26

06108 Halle/Saale

 

 

Nachstehend das Inhaltverzeichnis des Berichtes:

Bericht zum Wiederansiedlungsprojekt für den Steinkauz im „Nördlichen Harzvorland“ für die Jahre 2011 bis 2014

Bearbeitet von: Martin Kluschke

Herbert Teulecke

Eckhard Kartheuser

Uwe Kluschke

Halle, den 05.01.2015 2

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

3

2. Zielstellung des Projektes

4

3. Kooperationspartner

6

3.1 Züchter

6

3.2 Vereine

7

3.3 Institutionen

8

3.4 Landwirtschaftliche Betriebe

8

4. Vorbereitende und begleitende Maßnahmen

11

5. Auswilderungsgebiete

13

6. Auswilderungsstrategie

17

7. Wissenschaftliche Begleitung

19

8. Der Steinkauz als „Schirmart“

21

9. Öffentlichkeitsarbeit

22

10. Finanzierung

23

11. Ergebnisse

24

11.1 Auswilderung

24

11.2 Bestandsverlauf

25

11.3 Verbreitung

26

12. Fazit

28

13. Literatur

30

 

 

Arbeitsplan 2015

Arbeitsplan der IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg 2015

Termine aller öffentlichen Mitgliederversammlungen, die jeweils als 1. Teil der Versammlung einen öffentlichen Vortrag beinhalten

Die Veranstaltungen finden an jedem 2. Mittwoch des Monats (mit Ausnahme Juli, August, Dezember) jeweils 19 Uhr im Bildungshaus „Carl Ritter“ Raum „Einstein“ , Quedlinburg , Heiligegeiststraße 8 statt. Der jeweilige Vortrag ist ein gemeinsames Angebot mit der Kreisvolkshochschule Landkreis Harz. Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist für Gäste kostenfrei. Einzelheiten zu den Inhalten der jeweiligen Vortragsveranstaltungen sind unter der Rubrik „Veranstaltungen“ dieser Internetseite sowie im jeweiligen Semesterplan der Kreisvolkshochschule zu finden. Die Vorträge einschließlich Diskussion dauern in der Regel 1 ½ Stunden, ihnen schließt sich der 2. Teil der Mitgliederversammlung an (aktuelle Sachthemen der Gruppen – bzw. Naturschutzarbeit). Auch dazu sind Gäste willkommen.

 14. Januar 2015

Ornithologische Reise nach Israel

Referent: Uwe Kramer (Quedlinburg)

 

 11. Februar 2015

Der Steinkauz im nördlichen Harzvorland

Referent: Eckhard Kartheuser (Quedlinburg)

 

11. März 2015

Neue Beobachtungen zur heimischen Pflanzenwelt

Referent: Prof. Hagen Herdam (Straßberg)

Bömischer Goldstern

 

28.März 2015

Arbeitseinsatz: Heide- und Trockenrasenpflege in den Harslebener Bergen.

Treffpunkt: 8:00 Uhr, ehemaliger Wildkrautacker in den Harslebener Bergen

 

8. April 2015

Kamelforschung in Zentralaustralien

Referenten: Dr. Birgit Dörges, Dr. Jürgen Heucke (Braunschweig)

 

13. Mai 2015

Schmetterlinge vor unserer Haustür

Referentin: Dagmar Graf

 

15. – 19. Juni 2015: Mehrtagesexkursion Nationalpark Untere Oder

 

10. Juni 2015

Unsere heimischen Waldgesellschaften

Referent: Volker Hanebutt

 

Juli/August 2015

Tagesexkursion: Hochharz

Halbtags-Exkursion: Rund um Ditfurt

Gartenparty

 

9. September 2015

Naturschützer auf Südamerika-Reise

Referenten: Marie-Luise Hillbrecht, Horst Pauly

 

14. Oktober 2015

Im Land der goldenen Pagoden - Ein Reisebericht aus Myanmar

Referent: Horst Rudolph

 

 

11. November 2015

Berichte über Naturerlebnisse der IG – Ornithologie und Naturschutz

 

Weihnachtsfeier der IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg ( nicht öffentlich)

Freitag, 11. Dezember 2015, 18 Uhr – 24 Uhr, im Bildungshaus „Carl Ritter“ Raum „Einstein“, Quedlinburg , Heiligegeiststraße 8.

 

Schützt das Selketal

Informationsveranstaltung zum naturnahen Hochwasserschutz an der Selke am 13 April 2014 um 10 Uhr in der Talmühle Meisdorf

 

Zu dieser Veranstaltung ladet die Bürgerinitiative Naturnaher Hochwasserschutz Selke ein.

Die Veranstaltung steht unter dem Motto: „Hochwasser im Selketal – 20 Jahre danach“

Seit 20 Jahren legt die Bürgerinitiative für einen naturnahen Hochwasserschutz an der Selke alternative Lösungen vor, die den Schutz der Natur und den Hochwasserschutz gleichrangig berücksichtigen.

Aus Anlass dieser 20jährigen Diskussion um den Hochwasserschutz an der Selke informiert die „Bürgerinitiative Naturnaher Hochwasserschutz Selke“ über den aktuellen Stand und die dazu möglichen Alternativen.

Im Rahmen der Veranstaltung ist auch ein Spaziergang zum nahe gelegenen Ort des geplanten Dammbauwerkes vorgesehen. Jeder ist aufgerufen, mit den Veranstaltern naturverträgliche Alternativen des Hochwasserschutzes zu fordern.

 

Hinweis: Benutzen Sie bitte zum Parken den Platz am ehemaligen Freibad. Von dort den Naturlehrpfad an der Selke entlang bis zur Talmühle (ca. 1,5 km).

Leserbrief an die MZ

Leserbrief an die MZ Quedlinburg (28. 2. 2014, Dr. Werner Wandelt) zum Thema Baumwipfelpfad am Bodetal bei Thale

Ohne Hinweise auf die rechtlichen Aspekte ist das Pro und Kontra bezüglich eines Baumwipfelpfades nicht ganz verständlich. Wir erkennen vielleicht als Bürger zu selten, dass es in aller Regel um Interessenabwägungen geht – auf der Grundlage des geltenden Rechtes. Und dies gilt eben für alle. Es gibt auch Pflichten gegenüber den künftigen Generationen, denen eine intakte Natur gesichert werden muss. Deswegen gibt es z. B. das Landschaftsschutzrecht. Auf dieses wird im nachfolgenden Leserbrief hingewiesen.

 Der Konflikt bezüglich Baumwipfelpfad am landschaftlich einmalig schönen und erdgeschichtlich besonders interessanten Bodetal bei Thale ist vielgestaltig. Ein Kernpunkt dabei ist, dass sich die Vorhabensfläche überwiegend in einem Gebiet befindet, welches einen gesetzlichen Naturschutzstatus aufweist - die Fläche gehört zum Landschaftsschutzgebiet „Harz und nördliches Harzvorland“. Diese Naturschutzkategorie ist auf der Grundlage des Bundesnaturschutzgesetzes im Landesnaturschutzgesetz von Sachsen-Anhalt verankert. Dieser Schutzstatus beinhaltet allgemein immer eine Beschreibung des Schutzzweckes, u. a. aber auch bestimmte Verbote, die zur Gewährleistung des Schutzzweckes notwendig sind. Im konkreten Fall ist es verboten, bauliche Anlagen aller Art zu errichten. Deswegen – so sieht der ehrenamtliche Naturschutz dies - kann hier kein Baumwipfelpfad errichtet werden. Die Stadt Thale meint offensichtlich, dass der gesetzliche Landschaftsschutz zwar zu beachten ist, eine Befreiung von dem genannten Verbot aber gefordert und erlangt werden kann. Dabei geht es um ein technisches Großbauwerk „Baumwipfelpfad“ dass mit einer Teilstrecke von rund 150 m Länge und einer Höhe von durchschnittlich 16 m aus allen Richtungen voll sichtbar an der Abbruchkante des Bodetales und damit an der Grenze des Naturschutzgebietes entlang führt.

Wie sieht die von allen beteiligten Akteuren zu beachtende rechtliche Situation aus?

Landschaftsschutzgebiete werden durch die zuständige Kreisverwaltung durch eine Verordnung als solche erklärt – fachlich zuständig ist die Untere Naturschutzbehörde. Die Unterschutzstellung des Landschaftsschutzgebietes „Harz und nördliches Harzvorland“ (hier Altkreis Quedlinburg), erfolgte am 4. 2. 1994 durch den damaligen Landrat (Landrat Mahlo). Sie gilt unverändert fort.

Für die Bewertung der Problematik eines Baumwipfelpfades am Bodetal bei Thale ist es erforderlich, die Festlegungen in der Verordnung über das genannte Landschaftsschutzgebiet zu kennen. So wird in dieser Verordnung zum Schutzzweck gesagt ( § 2), dass der Charakter des Landschaftsbildes insbesondere bestimmt wird durch das Freisein des Außenbereiches von Bebauungen. Es ist besonderer Schutzzweck der Erklärung zum Landschaftsschutzgebiet, dass das Gebiet in seiner Erscheinung erhalten und weiterentwickelt und dass es von Bebauung frei gehalten wird. Das Landschaftsschutzgebiet ist als Pufferzone zu angrenzenden Naturschutzgebieten zu nutzen. Im Landschaftsschutzgebiet   ist es unter anderem verboten, bauliche Anlagen aller Art zu errichten (§ 4 Verbote). Von den Verboten und Geboten dieser Verordnung kann die Untere Naturschutzbehörde auf Antrag Befreiungen gewähren (§ 8 Befreiungen), wenn z. B. 1.das Verbot eines Bauvorhabens zu einer nicht beabsichtigten Härte führen würde und die Abweichung von dem Verbot mit den Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege zu vereinbaren ist und 2.wenn überwiegende Gründe des Wohls der Allgemeinheit die Befreiung erfordern.

Aus den in der Tagespresse veröffentlichten Aussagen wird deutlich, dass   die Stadt Thale der Meinung ist, dass das geplante Bauvorhaben dem Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes nicht entgegensteht, dass die Realisierung des Bauvorhabens „Baumwipfelpfad“ mit den Belangen des Naturschutzes und dem Erhalt des unverbauten Landschaftsbildes zu vereinbaren ist und dass überwiegende Gründe des Wohls der Allgemeinheit die Befreiung erfordern.

 Die im Landkreis Harz aktiven Naturschutzverbände sehen dies völlig anders und haben deswegen auf der Jahreshauptversammlung der Naturschutz- und Umweltverbände des Landkreises Harz (15. 2. 2014) festgestellt: „Der geplante Baumwipfelpfad am NSG Bodetal wird von den Naturschutzverbänden abgelehnt, da von ihm negative Beeinträchtigungen auf das NSG , auf das FFH und auf das europäische Vogelschutzgebiet Bodetal ausgehen bzw. ausgehen können.“ Der Bund für Natur und Umwelt Sachsen-Anhalt (BNU) ist dabei der Auffassung, dass im vorliegenden Fall das öffentliche   Interesse des Landschaftsschutzes, d. h. der Erhalt des technisch unverbauten Bodetales, eindeutig das kommunale und das privatwirtschaftliche Interesse an der kommerziellen Nutzung von geschütztem Naturraum überwiegt. Die Funktionen des Baumwipfelpfades wie vom Vorhabensträger vorgesehen können auch an anderer Stelle realisiert werden, wo das zu schützende Landschaftsbild nicht oder deutlich weniger negativ beeinträchtigt wird.

Die Entscheidung zu dem bestehenden Konflikt muss die Untere Naturschutzbehörde des Harzkreises treffen. Dazu muss die Stadt Thale einen Antrag auf Befreiung von den Verboten nach § 6 der   Landschaftsschutzverordnung stellen. Einen Bescheid dazu gibt es noch nicht. Die Untere Naturschutzbehörde hat allein nach naturschutzfachlichen Aspekten zu entscheiden. Sie unterliegt dabei auch der Fachaufsicht durch die Obere Naturschutzbehörde.

 

Fakten zum Vorhaben „Baumwipfelpfad im Bodetal bei Thale“

Details zum Vorhaben Baumwipfelpfad bei Thale (5.3. 2014)

Das Vorhaben, einen Baumwipfelpfad im Bereich der Abbruchkante des Bodetales bei Thale zu errichten, löst sehr viel Nachdenklichkeit darüber aus, wie wir mit wertvollen Naturgütern umgehen. Der   Bund für Natur und Umwelt Sachsen-Anhalt hat seine Position zu diesem Vorhaben sehr ausführlich begründet. Diese detailreiche Darlegung vom Januar 2014 wird nachfolgend veröffentlicht. Sie vermittelt notwendiges Detailwissen, um zu dem genannten konkreten Vorhaben eine fundierte persönliche Meinung zu beziehen. Wir meinen, dies sollte ein Standpunkt „Pro Natur“ und gegen „Vernutzung wertvoller Natur“ sein.

Stellungnahme des BNU

Vorhabenbezogener B-Plan Nr. 19 „Baumwipfelpfad Roßtrappe“, Stadt Thale, LK Harz

Fassung: Entwurf, Stand: 30.12. 2013 Beteiligung Träger öffentlicher Belange gem. § 4 Abs. 2 BauGB

 

Kurzcharakteristik des Vorhabens

 Die Stadt Thale möchte den vorhabensbezogenen Bebauungsplan Nr. 19 „Baumwipfelpfad Roßtrappe“ aufstellen. Dazu liegt die Variante 10 mit Stand 30. 12. 2013 vor.

 Das Vorhaben „Baumwipfelpfad Roßtrappe“ beinhaltet ein technisches Bauwerk mit einer Gesamtlänge von 700 m. Bei diesem Vorhaben wird über 36 Stützmasten mit einer Steigung von 7 %   ein behindertengerechter Pfad geführt, der in einem Rundkurs endet (Südschleife mit 11 Stützen (ab Stütze 18) , Nordschleife mit 7 Stützen bis Stütze I), Der Baumwipfelpfad beginnt bei der Bergstation der Sesselliftes von Thale zur Rpßtrappenstraße in der Nähe des Roßtrappenhotels und führt in südliche Richtung bis in die Nähe eines Forstweges (zum Teil zugewachsen und nur als Pfad ausgeprägt) entlang der Grenze des Naturschutzgebiets Bodetal. Dieser Weg führt von der Winzenburg (im Osten) bis zum Durchstich durch den so genannten Heidenwall (im Westen) . Die Südschleife des Baumwipfelpfades verläuft mehr oder weniger parallel zu diesem Weg ( ca. 150 m). Etwa ¼ der Strecke des Baumwipfelpfades führt durch das Sondergebiet der Stadt Thale für Tourismus, ¾ des Pfades führen durch das Landschaftsschutzgebiet Harz und nördliches Harzvorland (Zuständigkeit Landkreis Harz). Diese Flächen befinden sich in Besitz des Landesforstbetriebes Sachsen-Anhalt. Der Baumwipfelpfad führt zunächst durch eine Plateaulage mit vorwiegend Buchenhochwald bzw. durch Jungbuchenbestockungen, später durch Mischwaldbestände. In der Nähe des genannten Weges bzw. der Naturschutzgebietsgrenze beginnt die steile Abbruchkante des Bodetales (Blockhalden und . Felsrippen). Auf den flachgründigen Verwitterungsböden stockt ein Wuchshöhe-geminderter individuenarmer Hainbuchen-Traubeneichenbestand trockenwarmer Standorte (geschützter Biotop) mit hohem Totholzanteil. Die Südschleife des Baumwipfelpfades erreicht diesen Hainbuchen-Traubeneichenbestand   bzw. führt durch diesen hindurch. Vom genannten Weg bzw. von der Grenze des Naturschutzgebietes aus eröffnen sich beeindruckende Blicke in das Durchbruchstal der Bode und zur gegenüberliegenden Talkante (Prinzensicht, La-Vieres-Höhe, weiter im Osten das Plateau des Hexentanzplatzes) sowie auf der gleichen Talkantenseite zum Bergsporn der Roßtrappefelsen und auf die Kronen der spärlichen Traubeneichenbestockung.

 

Das Planungsziel des Vorhabens – der Errichtung eines Baumwipfelpfades- wird vom Antragsteller folgendermaßen beschrieben:

„…Ein Lehrpfad, der durch die Verknüpfung von klassischen Lehrpfadelementen wie Schautafeln und Tastelementen und erlebnisorientierten Abschnitten das Verständnis für die ökologischen, naturräumlichen Zusammenhänge im Kronenbereich eines Waldes vermittelt. Dadurch können sich die Besucher einen umfassenden Überblick über die Artenvielfalt der Flora und Fauna des Harzer Waldes in sonst nie erreichter Höhe verschaffen. Durch Gruppenführungen, beispielsweise für Schulklassen, wäre so außerdem eine umfangreiche und greifbare Sensibilisierung für die Belange und Vorgänge in den Lebensräumen unserer heimischen Wälder möglich. Es wird unmittelbar das Ziel verfolgt, das Ökosystem Wald in seiner Vielfalt dem Menschen aus einer für ihn nicht alltäglichen Perspektive darzustellen, die multifunktionale Bedeutung des Waldes einschließlich der Forstwirtschaft zu zeigen, der Forschung zu dienen und   somit die Besucher zu einem modernen Umweltbewusstsein zu erziehen.“ (Vorhabensbezogener Bebauungsplan Nr. 19, (Begründung des Vorhabens , Seite 9).

An anderer Stelle wird ergänzt (Umweltbericht S. 11): Im Weiteren ist auf diesem besonderen Standort (= Baumwipfelpfad) eine gezielte Nutzung für bildende und wissenschaftliche Zwecke im Sinne des Naturschutzes und vor allem des ökologischen Waldbaus angedacht. Angesprochen werden u. a, Vogel- und Fledermausexperten, Insektenfreunde, Gehölzkundler und Naturschutzverbände.

 Es wird erwartet, dass das Vorhaben Baumwipfelpfad Thale nicht nur eine wirtschaftliche Bedeutung für das Unternehmen und die Region hat, sondern auch ein enormes Potenzial birgt für die Vermittlung des Naturparkgedankens,

des Nachhaltigkeitsgrundsatzes einer modernen Forstwirtschaft im Landeswald sowie der Ziele des Europäischen Schutzgebietssystems NATURA 2000.

Es wird davon ausgegangen, dass das Vorhaben dazu dienen wird, den …“Naturpark Harz als Destination weiter aufzuwerten, ihn damit im Wettbewerb der Mittelgebirgsregionen zu stärken und einen naturnahen Tourismus   zu fördern.“ (Vorhabensbezogener Bebauungsplan Nr. 19, (Begründung des Vorhabens , Seite 9).

Es wird damit gerechnet, dass täglich ca. 150 -200 Besucher den Baumwipfelpfad (gegen Entgelt) betreten (Vorhabensbezogener Bebauungsplan Nr. 19, (Begründung des Vorhabens , Seite 13).. Ein Zutritt ist für den Zeitraum Anfang April bis Ende Oktober vorgesehen (31 000 – 42 000 Besucher/Jahr).

 Mit den Abbildungen 21, 22 und 23 im Anhang „Visualisierungen wesentlicher Planvarianten von 2009 bis 2013“ wird sichtbar gemacht, dass auch bei Planungsvariante 10 der Baumwipfelpfad mit seiner Südschleife als technisches Großbauwerk in dem bislang unverbauten Bodetal bei Thale von allen Aussichtspunkten sichtbar wird.

 Der Vorhabensträger erhebt die Forderung, dass für das Vorhaben, weil es ein „Baumwipfelpfad mit Bildungsaspekt für die ökologische Waldwirtschaft und Naturschutz“ ist, von den Verboten der LSG-Verordnung befreit wird. Es soll eine Ausnahmeregelung getroffen werden. (Vorhabensbezogener Bebauungsplan Nr. 19, Teil A Begründung des Vorhabens, S. 11.)

 

 

 

Stellungnahme des BNU zu dem Vorhaben und zu der Forderung, eine Befreiung von den Verboten der LSG-Verordnung zu erteilen.

 

Eine Befreiung von den Verboten nach der LSG-Verordnung kann nicht erteil werden, da es sich um einen gravierenden negativen und nicht ausgleichbaren umfangreichen Eingriff in das Schutzgut Landschafsbild handelt. Eine Befreiung ist auch deswegen nicht möglich, weil von den Zielstellungen des Vorhabens ausgehend die Errichtung des Bauwerkes Baumwipfelpfad nicht in der jetzt geplanten Variante in unmittelbarer Nähe zu Schutzgebieten von europäischem und nationalen Ranges erfolgen muss. Daran besteht kein öffentliches Interesse. Das Vorhaben in der vorliegenden Planungsvariante 10 Stand 30. 12. 2013 ist nicht bewilligungsfähig,

 

Begründung der Stellungnahme

1. Landschaftsschutz

Im Landschaftsschutzgebiet Harz und nördliches Harzvorland ist jede Art von landschaftsverändernden Maßnahmen, dazu zählen Hoch – und Tiefbauten, und die dadurch hervorgerufenen Zerstörungen der gestalteten Landschaft und der wertvollen Ökosysteme verboten.

Generell gilt für Landschaftsschutzgebiete, dass alle Handlungen verboten sind , die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen.

Im Umweltbericht Stand 16. 12. 2013 zum Vorhabensbezogenen Bebauungsplan Nr. 19 Baumwipfelpfad Roßtrappe ( S. 7 unten) wird auf den hier maßgeblichen Regionalen Entwicklungsplan Harz mit folgendem Wortlaut hingewiesen:

Im Interesse der nachhaltigen Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen sollen Freiräume nur in Anspruch genommen werden, wenn dass öffentliche Interesse begründet ist und eine unvermeidliche Inanspruchnahme möglichst flächensparend und umweltschonend erfolgt.

Mit dem geplanten Vorhaben wird gegen diese Grundsätze verstoßen.

Das Bodetal ist das bedeutendste Durchbruchstal in Mitteldeutschland mit besonderen geologischen Bildungen und zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten ….Dies Funktion darf nicht beeinträchtigt werden und ist in seiner Funktion regionalplanerisch zu sichern (Umweltbericht Stand 16. 12. 2013 zum Vorhabensbezogenen Bebauungsplan Nr. 19 Baumwipfelpfad Roßtrappe S. 8). Dabei besteht kein Zweifel daran, dass das nahezu alpin wirkende Bodetal bei Thale als unverbautes Durchbruchstal erhalten bleiben soll. Insbesondere diese Unverbautheit , die bislang ab Hexentanzplatzplateau für das Bodetal auch gesichert werden konnte, macht den besonderen Wert des Bodetales aus und zieht   Touristen an. Diese Unverbautheit des Landschaftsbildes gilt es im konkreten Fall zu erhalten und zu schützen – und dies nicht nur für die Bürger von Thale oder des Harzkreise, sondern für alle Bürger unseres Landes. Dies ist das Anliegen des gesetzlichen Landschaftsschutzes – hier konkret mit der Ausweisung der zu schützenden Landschaften als Landschaftsschutzgebiet.

 

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Forderungen der Naturschutzverbände 2014

Wortlaut der Forderungen der anerkannten Naturschutzverbände des Landkreises Harz 2014

Die anerkannten Naturschutzverbände NABU, BUND und BNU und die GFN appellieren an den Landkreis Harz, das Landesverwaltungsamt und alle anderen verantwortlichen Behörden und Politiker, sich mehr als bisher für den Erhalt der einzigartigen Naturraumausstattung im Landkreis Harz und darüber hinaus im ganzen Harz einzusetzen .Dabei sehen die Verbände auch für das Jahr 2014 folgende Schwerpunkte; die bereits seit Jahren bestehen und den Handlungsbedarf aufzeigen:

  1. Die Verbände des Landkreises Harz setzen sich für den Erhalt und die Weiterführung des Biosphärenreservats „Karstlandschaft/ Südharz“ ein.
  2. Bis 2020 sollen entsprechend der 2007 beschlossenen “Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ 10 % der öffentlichen Waldflächen nicht mehr forstlich genutzt, somit der Eigendynamik überlassen, werden. Die Verbände des Landkreises Harz fordern daher die Ausweisung von Waldschutzgebieten in den FFH Gebieten des Harzes und des Harzvorlandes, so: im Elendstal, im Selketal, im Bodetal, im Fallstein, im Huy und in den Laubwaldgebieten zwischen Wernigerode und Blankenburg.  
  3. Touristische Großprojekte, die mit maximalem Flächenverbrauch wie z.B. am Wurmberg bei Braunlage(Niedersachsen) umgesetzt wurden lehnen die Naturschutzverbände konsequent ab. Im Interesse des Naturschutzes aber auch im Interesse eines naturverträglichen Tourismus müssen die Planungen in Schierke (Sachsen-Anhalt) naturverträglicher gestaltet werden. Geplante Beschneiungsanlagen sind kein Ausdruck für einen schonenden Umgang mit dem Naturraum und werden daher abgelehnt.
  1. Das NSG Selketal ist nach wie vor durch den Bau von zwei Hochwasserrückhaltebecken bedroht. Bei der Planung wurden bisher Alternativen nicht berücksichtigt. Die Verbände fordern eine zeitnahe Umsetzung eines naturraumschonenden Hochwasserschutzes.
  2. Die Naturschutzverbände fordern von der Harzer Schmalspurbahn GmbH den Einsatz von Dieselloks zum Brocken bei erhöhter Brandgefahr.
    Um die Brockenstraße weitestgehend autofrei zu bekommen, muss die Brockenbahn aus Sicht der Naturschutzverbände die Belieferung für die Touristenversorgung verstärkt übernehmen. Konstruktive Absprachen mit allen Verantwortlichen sind längst überfällig.
  3. Der geplante Baumwipfelpfad am NSG Bodetal wird von den Naturschutzverbänden abgelehnt, da von ihm negative Beeinträchtigungen auf das NSG , auf das FFH und europäische Vogelschutzgebiet Bodetal ausgehen bzw. ausgehen können. Auch die Zunahme immer neuer Massenveranstaltungen in Naturschutzgebieten des Landkreises Harz wird mit Sorge registriert. Die Verbände lehnen daher Massenveranstaltungen in Schutzgebieten ab.
  4. Die Naturschutzverbände sehen mit Sorge, dass seit Jahren immer öfter Feldwege ganz oder teilweise umgepflügt werden. Feldraine verschwinden und mit ihnen auch ihre Schutzfunktion gegen Bodenerosion und ihre Rolle als Lebensraum. Die Verbände fordern, dem Einhalt zu gebieten.
  5. Mit Sorge wird wie in den vergangenen Jahren registriert, dass alte Baumalleen Straßenbaumaßnahmen zum Opfer fallen. Die Naturschutzverbände fordern, dass hier mit mehr Augenmaß und Berücksichtigung des Baumschutzes gearbeitet wird und nicht vorschnell vollendete Tatsachen geschaffen werden. Die örtlichen Nuturschutzbeauftragten sind einzubeziehen.
  6. Die Naturschutzverbände fordern kontinuierliche Effizienzkontrolle von Ausgleichs und Ersatzmaßnahmen
  7. Die Naturschutzverbände lehnen die Erteilung von Aufsuchungserlaubnissen sowie Forschungs-, Probe- und Gewinnungsbohrungen zur Gewinnung von Erdgas mittels Fracking kategorisch ab, weil es sich um eine Technologie handelt, deren Umweltauswirkungen kaum kontrollierbar und unerwünschte Folgen nicht wieder reparierbar sind.

Wernigerode, 15.02.2014

BUND ,Marco Jede, Ulrich Kasten, BNU, Dr. Werner Wandelt, Dr. Uwe Wegener, NABU, Dr. Gunter Karste

 

Hinweis auf Naturschutzveranstaltungen im Jahr 2014

Veranstaltungen der Umwelt- und Naturschutzverbände des Harzkreises 2014

15. 02.14 Jahresversammlung der Naturschutzverbände des LK Harz von 09:00 – 15:00 Uhr, in der Hochschule Harz, Hörsaal C, in Wernigerode

15.03.14 Arbeitseinsatz: Biotoppflegearbeiten am Müncheberg Treffpunkt: 9.00 Uhr, am alten Gasthaus „Reisaus“ (Kreuzung, Neinstedt in Richtung Suderode nahe Schule, AKH/ BNU

29.03.14 Arbeitseinsatz: Heide- und Trockenrasenpflege in den Harslebener Bergen. Treffpunkt: 8:00 Uhr, ehemaliger Wildkrautacker in den Harslebener Bergen BNU, NABU/HZ

26.04.14 Arbeitseinsatz: Pflege einer Streuobstwiese „Gönnenicht“ Abbenrode Treffpunkt: 8:00 Uhr, Streuobstwiese-Eingang Abbenrode aus Stapelburg kommend, BUND/HZ

26.04.14 Dendrologische Exkursion: Wanderung vom „Schützenplatz“ Darlingerode durch den Ort und dessen Umgebung, Treffpunkt: 9.00 Uhr, Sandtalhalle Darlingerode („Schützenplatz“), Dauer ca. 3h, NABU/HZ

03.05.14 Arbeitseinsatz: Pflege der Zwergstrauchheiden auf dem Brocken, Treffpunkt: 8:00 Uhr, Schranke Brockenstraße in Schierke, NABU/HZ

24. 05.14 Vogelstimmenexkursion: Treffpunkt: 4:30 Uhr, am Eingang zur Himmelpforte in Wernigerode/Hasserode, Parkplatz der Hochschule Harz, NABU/HZ

30.08.14 Arbeitseinsatz: Schwermetallrasen- Bergwiesenpflege bei Tanne Treffpunkt: 8:30 Uhr, Parkplatz am Allerbach zwischen Königshütte und Tanne Wildfisch- u. Gewässerschutz e.V., WR, NABU/HZ

13.09.14 Arbeitseinsatz: Biotoppflegearbeiten am Hamburger Wappen Treffpunkt: 9:00Uhr, Sportplatz Timmenrode

20.09.14 Nationalparkexkursion zum Brockengarten, Treffpunkt: 8.30 Uhr, in Drei-Annen Hohne, Parkplatz, NABU/ HZ

11.10.14 Arbeitseinsatz: Pflege einer Streuobstwiese „Gönnenicht“ Abbenrode Treffpunkt: 8:00 Uhr, Streuobstwiese- Eingang Abbenrode aus Stapelburg kommend, BUND/HZ

08.11.14 Besucherlenkungsmaßnahmen auf NABU- Flächen in Sorge (Stiftung Nationales Naturerbe) Treffunkt: 9.00 Uhr in Sorge, Parkplatz Ebersbachstraße (Wendeplatz), NABU/ HZ

Die Interessengemeinschaft (IG) Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg trifft sich an jedem zweiten Mittwoch im Monat im Bildungshaus „Carl Ritter“ in Quedlinburg. Heiligegeiststraße 8, Erster Termin: 08.01.14, 19.00Uhr  Raum Einstein.

Im Herbst (September/ Oktober) jeden Jahres organisiert Frau Annette Westermann (NABU/HZ) eine Obstsortenbestimmung in Rieder/ Weddersleben. Dies wird in der Presse rechtzeitig mitgeteilt. Bei Fragen direkt an Tel. 039483/95333 wenden.

Ansprechpartner: BUND/HZ, Marco Jede Tel. 039426/61323 26.04.,11.10. 2014

NABU/HZ, Martin Wirth Tel. 03943/ 601239 26.04.2014 Dr. Gunter Karste Tel. 03943/550220, 03.05.,24.05.,20.09. 2014 Hans-Werner Puls Tel. 01716423485 15.03.,13.09. 2014 Wildfisch-u. Gewässerschutz e.V. Otfried Wüstemann Tel. 03943/550227, 30.08.,08.11. 2014

BNU Dr. Uwe Wegener Tel. 03941/ 442368 29.03.2014

AHK/BNU Hermann Wolke Tel. 03947/772006 15.03.2014 Norbert Rußwurm Tel. 03946/ 810415 29.03.2014

IG- Ornith.u. Naturschutz QLB Dr. Werner Wandelt Tel. 03946/ 52335 .

Ergebnisse der Jahrestagung der Naturschutzverbände Wernigerode 2013

Presseinformation

Am 23. 2. 2013fand in Wernigerode die Jahreshauptversammlung 2013der im Harzkreisvertretenen Naturschutz- und Umweltverbände undNaturschutzvereinigungen statt. Ungeachtet der durch reichlich Neuschneeverursachten schwierigen Straßenverhältnissenahmen rund80 Vertreter der genannten Organisationenan dieserTagung teil. Der Vormittagsteilder Veranstaltung warden Berichtender einzelnen Naturschutzorganisationen über ihre Aktivitätenvorbehalten. Eingeleitet wurde dieser Veranstaltungsteildurch die Grußworte des stellvertretenden Landrates Martin Skiebe. Die vorgetragenen Berichte wurden intensiv diskutiert. Zu vielen Sachfragen konnten die Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde Detailantworten geben. Es wurde deutlich, dassdiekonkrete Naturschutzarbeit im Kreisgebiet durch ein vertrauensvolles Miteinandervon Naturschutzbehörde undehrenamtlichen Naturschutz geprägt ist. Die Pausenzeiten wurden von den Anwesenden zu einem intensivenErfahrungs- und Meinungsaustauschgenutzt. Der Veranstaltungsnachmittagwar durch denVortrag von Bernd Ohlendorf(Landesreferenzstelle für Fledermausschutz Land Sachsen-Anhalt) geprägt. Es wurde über die spannenden Forschungsergebnisse zuden Vorkommenvon Fledermausarten um Nationalpark Harzberichtet.

 

Die Ergebnisse der Naturschutzkonferenz haben ihren Niederschlag gefunden inder Resolution der anerkannten Naturschutzverbände des Landkreises Harz 2013.

Die Naturschutzverbände des Landkreises Harz fordern und setzen sich ein

 

  • für den Erhalt und für die Erlangung derUNESCO -Anerkennung des BiosphärenreservatesKarstlandschaft Südharz.

 

  • für die Entwicklungvon Wintersportgebieten in Schierke und am Wurmberg(Braunlage) mit Augenmaß auf derBasis gemeinsamer Entwicklungskonzepte und ohne ungebremsten Landschaftsverbrauch.

 

  • für einen naturverträglicherHarztourismus auf der Basis länderübergreifend abgestimmter Planungen für den gesamten Harzeinschließlich der Schaffung eines länderübergreifenden öffentlichen Nahverkehrs.

 

  • für den Schutz des Bodetals, welches immer mehr durch Massenveranstaltungen und Baumaßnahmen gefährdet wird. Die Verbände lehnen jegliche negativen Beeinträchtigungen von Naturschutzgebieten und sowie Flächen im Nationalpark Harz ab.

 

  • für einen naturraumschonenden Hochwasserschutz im Selketal. Das NSG Selketal ist nach wie vor durch zwei Erdschüttdämme und einen Wasseraufstau in Hochwasserzeiten bedroht. Naturverträgliche Alternativen werden nicht berücksichtigt.

 

Wortlaut der Resolution der Naturschutzverbände Landkreis Harz 2013

Wernigerode, 23.02.2013

Resolution der anerkannten Naturschutzverbände des Landkreises Harz 2013

Die anerkannten Naturschutzverbände NABU, BUND und BNU und die GFN appellieren an den Landkreis Harz, das Landesverwaltungsamt und alle anderen verantwortlichen Behörden und Politiker, sich mehr als bisher für den Erhalt der einzigartigen Naturraumausstattung im Landkreis Harz und darüber hinaus im ganzen Harz einzusetzen.

Dabei sehen die Verbände für das Jahr 2013 folgende Schwerpunkte:

1.Internationale Anerkennung des Biosphärenreservates Karstlandschaft Südharz

Die Verbände des Landkreises Harz setzen sich für den Erhalt und für die Erlangung derUNESCO - Anerkennung des BiosphärenreservatesKarstlandschaft Südharz ein. Das Land Sachsen-Anhalt muss die Antragstellung mit allen verfügbaren Mitteln fördern.

 

2.Wintersportgebiet mit Augenmaß (gemeinsame Entwicklungskonzepte)

Das seit Jahren vorherrschende Gegeneinander statt Miteinander, wie es sich zum Beispiel an den unabgestimmten Planungen am Wurmberg bei Braunlage(Niedersachsen) und den unmittelbar benachbarten Planungen in Schierke (Sachsen-Anhalt) dokumentiert, muss im Interesse des Naturschutzes, aber auch im Interesse eines naturverträglichen Tourismus beendet werden.

Die Naturschutzverbände fordern den Landschaftsverbrauchin Braunlage und Schierke zu stoppen.

 

3.NaturverträglicherHarztourismus

Die Natur- und Umweltschutzverbände fordern länderübergreifend abgestimmte Planungen für den gesamten Harz einschließlich der Schaffung eines länderübergreifenden öffentlichen Nahverkehrs. Den Mittelpunkt des Harztourismus müssen zum einen Natur und Landschaft mit den Schwerpunkten Naturpark Harz, Biosphärenreservat Südharz/Gipskarst und Nationalpark Harz und zum anderen die Kultur mit den UNESCO -Welterbestädten Lutherstadt Eisleben, Quedlinburg sowie dem Erzbergwerk Rammelsberg mit Goslarer Altstadt und dem Oberharzer Wasserregal bilden.

 

4.Schutz des Bodetals

Das Bodetal und die umgebenden Waldgebiete werden durch immer neue Massenveranstaltungen und Baumaßnahmen gefährdet. Die Verbände lehnen daher Massenveranstaltungen und jegliche negativen Beeinträchtigungen in Naturschutzgebieten und im Nationalpark Harz ab.

 

5.Schutz des Selketals.

Das NSG Selketal ist nach wie vor durch zwei Erdschüttdämme und einen Wasseraufstau in Hochwasserzeiten bedroht. Dabei wurden Alternativen nicht berücksichtigt. Die Verbände fordern einen naturraumschonenden Hochwasserschutz.

 

Dr. Gunter Karste

BUND, Ulrich Kasten

BNU, Dr. Werner Wandelt, Dr. Uwe Wegener

GFN, Dr. Friedhart Knolle