Rechenschaftsbericht zur Arbeit 2014 und 2015

Rechenschaftsbericht über die Aktivitäten der Interessengemeinschaft Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg in den Jahren 2014 und 2015 

Entsprechend der Satzung der Interessengemeinschaft findet alle 2 Jahre eine Wahlversammlung statt. Diese wurde am 10. Februar 2016 durchgeführt. Im Rahmen dieser Versammlung wurde Rechenschaft abgelegt über den Zeitraum 2014 bis 2015. Auf der Basis dieses Berichtes wurde die bisherige Leitung entlastet. Gleichzeitig erfolgt die Wahl der IG-Leitung für den Zeitraum 2016 bis 2017. An der Wahlversammlung nahmen von 28 Mitgliedern 20 Mitglieder teil. Die nicht anwesenden Mitglieder fehlten entschuldigt.

Schwerpunkte in dem Rechenschaftsbericht des IG-Leiters Dr. Werner Wandelt:

60 Jahre Naturschutz in Quedlinburg

2014 wurde mit gutem Erfolg eine Veranstaltung anlässlich des 60jährigen Bestehens der Quedlinburger Naturschutz- Gruppe durchgeführt, die bei allen Teilnehmern einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Dafür war wesentlich, dass diese Veranstaltung dank der Unterstützung durch die Kreissparkasse in einer guten räumlichen Umgebung durchgeführt werden konnte (Veranstaltungssaal im Objekt Turnstraße Quedlinburg). Durch die Teilnahme von Landrat Skiebe und dem damaligen Quedlinburger Oberbürgermeister Brecht hat die über viele Jahre reichende Arbeit der Quedlinburger Ornithologen und Naturschützer eine hohe Wertschätzung erfahren. Der moderierte Rückblick (Frau E. Koch-Kupfer – MdL) auf die Naturschutzaktivitäten in Quedlinburg und auf das persönliche Erleben der Gruppenmitglieder hat viel Freude bereitet. Da die IG Ornithologie und Naturschutz eine Fachgruppe des Kultur- und Heimatvereins Quedlinburg ist, war es selbstverständlich, dass der Vorsitzende des Dachvereins, Arno Schade,   an der festlichen Veranstaltung teilgenommen hat und die Gruppenarbeit würdigte. Die Mitglieder Manfred Thiele, Horst Pauly, Dr. Paul Scholze und Udo Wolff wurden mit der Goldenen Ehrennadel des Kulturbundes ausgezeichnet. Schließlich ist auch zu sagen, dass es eine tolle Geste war, dass Vertreter unserer BUND-Freunde aus Herford an unserer Jubiläumsveranstaltung teilgenommen haben. In Vorbereitung des Jubiläums wurde es auch geschafft, eine Broschüre „60 Jahre Naturschutz in Quedlinburg“ herzustellen. Daran waren viele Gruppenmitglieder mit ihren Text – und Bildbeiträgen beteiligt. Es war ein Kraftakt, bis zur Jubiläumsveranstaltung im Oktober 2014 dieses Heft zu drucken. Mit Unterstützung der Kreissparkasse ist es gelungen, auf eine ansprechende Art und Weise die Geschichte der Quedlinburger Ornithologie- und Naturschutzgruppe und viele persönliche Naturerlebnisse zu dokumentieren.

Mitgliederversammlungen

In beiden Berichtsjahren wurden jeweils 9 Mitgliederversammlungen (mit jeweils einem öffentlichen Vortragsteil) und einer Weihnachtsfeier durchgeführt. 2014 haben im Durchschnitt jeweils 18 Mitglieder und 2015 rund 19 Mitglieder an den Versammlungen teilgenommen. Auch wenn die Vorträge nicht in erster Linie für Gäste veranstaltet werden, so freuen sich die Gruppenmitglieder, wenn es eine positive Resonanz auf das öffentliches Vortragsangebot gibt: 2014 konnten im Durchschnitt 12 Gäste begrüßt werden, 2015 17 Gäste je Veranstaltung. Gegenstand der Vorträge sind in jedem Fall naturkundliche Themen oder Reiseberichte der IG – Mitglieder. Im Zusammenspiel mit der Kreisvolkshochschule – dem Vermieter und Kooperationspartner – gibt es keine Probleme. Das Vortragsangebot der IG ist gleichzeitig auch ein Vortragsangebot der Kreisvolkshochschule. Die Gruppenveranstaltungen finden im Einsteinraum   des Quedlinburger Bildungshauses statt. Sie sind in jedem Fall durch den Austausch von Naturbeobachtungen der Mitglieder und durch neue Sachinformationen zu Natur und Umwelt geprägt

Weitere Gruppenaktivitäten:

Ein besonderes Erlebnis sind die Mehrtagesexkursionen, die auch in der Vergangenheit ein wichtiger Bestandteil der Aktivitäten der Quedlinburger Naturschützer waren.

Hier ein Rückblick auf die 4-Tage-Exkursionen seit 2009:

2009 Osterzgebirge/ Zinnwald
2010 Nationalpark Müritz
2011 Ilmenau/Thüringer Wald
2012 Biosphärenreservat   Schorfheide
2013 Exkursion Breisgau/Schwarzwald
2014 Biosphärenreservat Oberlausitzer Teich- und Heidelandschaft
2015 Biosphärenreservat Untere Oder
2016 in Vorbereitung: Biosphärenreservat Rhön

Bislang wurde auch immer jährlich eine inhaltsreiche Tagesexkursion durchgeführt. 2015 war dies die Exkursion Hochharz – Wald im Umbau und 2014 die Exkursion Oberharzer Waldgesellschaften (Elendstal), die wir zusammen mit unserer Partner- BUND-Gruppe Herford realisiert haben.

Öfter sollten eigentlich Kurzexkursionen stattfinden, die auf wenige Stunden begrenzt sind. 2015 lautete das Thema einer solchen Exkursion „Rund um Ditfurt“ (einschließlich Begehen des „Heuke-Parkes, in dem wohl die Quedlinburger Äbtissinnen früher eine Art „Sommerresidenz“ unterhalten hatten). 2014 wurde gemeinsam mit der BUND-Gruppe Herford eine Wanderung zum Steinberg Rieder und durch den Ballenstedter Schlosspark realisiert.

Die schöne und seit vielen Jahren gepflegte Tradition der Weihnachtswanderung – auch mit Freunden und Familie- haben wir auch 2015 fortgesetzt.

Die Mitglieder

Die IG umfasst Ende 2015 28 Mitglieder, die Mitgliederzahl hat in den zurückliegenden Jahren stetig zugenommen.

Pflegeeinsatz im Naturschutzgebiet Harslebener Berge

Seit mehr als 30 Jahren findet gemeinsam mit den Naturschutzfreunden aus Halberstadt im Naturschutzgebiet Harslebener Berge ein Pflegeeinsatz statt. Es geht dabei um das Entbuschen der vom Zuwachsen bedrohten Offenflächen. Das Strauchwerk wird abgeschnitten und an Ort uns Stelle verbrannt – eine unverzichtbare Verfahrensweise. Die fachliche Verantwortung für diese Aktivität liegt bei dem IG-Mitglied Norbert Russwurm.

Eintreten für den Schutz der Natur

Um den heute in Mode gekommenen Begriff „Baustelle“ zu verwenden – wir können 4 markante „Naturschutzbaustellen“ ausmachen, wo es der IG darauf ankommt, sich für den Erhalt der heimatlichen Naturschätze einzusetzen und Ansprüche auf ungebremste Naturvernutzung zurückzuweisen:

Die am Rande des Naturschutzgebietes Bodetal geplante Mega-Aussichtsplattform

(der so genannte Baumwipfelpfad): Hier liegt der von uns mitgetragene Nabu-Widerspruch zu der durch den Kreis erteilten Befreiung vom Bauverbot im Landschaftsschutzgebiet noch immer beim Landesverwaltungsamt.

Die Hochwasser-Rückhaltebecken im Naturschutzgebiet Selketal: Hier ist das Planfeststellungsverfahren für Meisdorf noch immer nicht eröffnet, bezüglich Straßberg bewegt sich das Verfahren nicht.

Die Kreisverwaltung will die Altkreis-bezogenen Satzungen der Landschaftsschutzgebiete zusammenfassen und novellieren. Die Kommunen haben den Wunsch nach „Erleichterungen“ öffentlich angemeldet. Ein Einbeziehen der Naturschutzverbände in das Verfahren ist bislang noch nicht erfolgt. Schwerpunkt muss die Beibehaltung des Verbotes von Maßnahmen sein, die das Landschaftsbild verschlechtern.

In Schierke sollen größere Flächen von montanem Fichtenwald in Pisten mit künstlicher Beschneiung umgewandelt werden. Das stellt eine Gefahr für das Trinkwasser dar. Das Verfahren ist zunächst zum Stillstand gekommen.

Unterm Strich: Das Jahr 2015 als ein Jahr von „Wartepositionen“ zu betrachten.

Aktivitäten unserer Mitglieder

Eigentlich ist es so, dass die Einzelaktivitäten unserer Mitglieder bezüglich Zeitaufwand und Ergebnis bei weitem das übertreffen, was für die Gruppe insgesamt sichtbar wird. Dafür soll hier ein besonderer Dank ausgesprochen werden.

Dabei handelt es sich in erster Linie um Kartierarbeiten in den Bereichen Ornithologie und Floristik/Botanik sowie Habitatpflegearbeiten bzw. auch redaktionelle Arbeiten. . Zu nennen sind hier insbesondere Prof. Herdam, Dr. V. Kartheuser, Norbert Russwurm, Dr. U. Kison, Roland Schweigert, Uwe Kramer. Eine ganz besondere Bedeutung kommt den Anstrengungen von E. Kartheuser zu, den Steinkauz bei uns wieder dauerhaft heimisch zu machen.

Der langjährige Einsatz von Udo Wolff für die Erfassung der heimischen Flora und deren aktiven Schutz vor allem durch Habitatpflege wurde zu Beginn des Jahres 2016 durch die Verleihung der Verdienstmedaille des Landkreises Harz gewürdigt.

Für ihre Aktivitäten wurden Eckhard Kartheuser und Prof. Hagen Herdam mit der Goldenen Ehrennadel des Kulturbundes geehrt.

Wahl der Gruppenleitung.

Wiedergewählt wurden Horst Rudolph (stellvertretender Leiter ) und Dr. Werner Wandelt (Leiter der IG). Wolfgang Hohlfeld hat das Amt des Schatzmeisters der Gruppe in jüngere Hände gelegt. Dagmar Graf wurde als seine Nachfolgerin in die Gruppenleitung gewählt. W. Hohlfeld war insgesamt ohne Unterbrechung 50 Jahre Mitglied der Leitung der Quedlinburger Ornithologie – und Naturschutzgruppe. Er hat damit mehr als jedes andere Gruppenmitglied des Profil der Quedlinburger Naturschutzarbeit geprägt.

Einladung zur Naturschutzkonferenz 2016

 

                    

         Einladung

zur Jahreshauptversammlung der Naturschutz- und Umwelt-verbände des Landkreises Harz

Gäste sind wie immer herzlich willkommen!           

 

Tagungsort: Hörsaal C in der Hochschule Harz in Wernigerode

Friedrichstraße 57 – 59 (L 100 von Wernigerode Richtung Elend/Schierke)

Termin: Sonnabend der 27.02.16, 9.00 Uhr

             Vorgesehener Ablauf:

09:00 Uhr

Eröffnung durch Herrn Dr. Werner Wandelt (Quedlinburg)

9.15 - 10.15 Uhr Jahresberichte der Verbände mit anschließender Diskussion und Kurzbeiträgen
10.15 - 10.30 Uhr Kaffeepause
10.30 - 12.00 Uhr Jahresberichte der Verbände mit anschließender Diskussion und Kurzbeiträgen

12.00 - 13.00 Uhr

Mittagspause
13.00 - 14.00 Uhr

Naturkundlich-ornithologische Exkursionen in Zentralasien (2007-2009-2011), Frank-Ulrich Schmidt

14.00 - 14.30 Uhr Diskussion

                                  

                                              

Zu der Konferenz laden ein:

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschlands e. V. (BUND)

 

M. Jede
Förderkreis für Vogelkunde und Naturschutz am Museum   Heineanum e. V. Dr. B. Nikolai

Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU)

 

Dr. G. Karste

Gesellschaft zur Förderung des Nationalparks Harz e. V.   (GFN)

 

T. Schwarzenberg

                          

 

Veranstaltungen im Jahr 2016

Veranstaltungsplan der IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg für das Jahr 2016

Auch im Jahr 2016 findet jeden 2. Mittwoch im Monat die Mitgliederversammlung statt. Im Rahmen dieser Mitgliederversammlungen berichten in einem öffentlichen Vortragsteil Mitglieder der IG oder   Gastreferenten von Ihren Naturerlebnissen bzw. informieren über aktuelle Fragen des Natur- und Umweltschutzes. Veranstaltungsort ist das Bildungshaus Quedlinburg und hier der in der 1. Etage gelegen Einsteinraum. Diese Vortragsveranstaltungen erfolgen in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule Harz. Die Teilnahme an den jeweils 19 Uhr beginnenden Veranstaltungen ist kostenfrei.

Folgende Vorträge sind für 2016 geplant:

Mittwoch, 13. Januar 2016, 19.00 – 21.15 Uhr

Naturparadies Seealpen (Referent: Norbert Russwurm, Quedlinburg)

 

Mittwoch, 10. Februar 2016, 19.00 – 21.15 Uhr

Madagaskar – naturkundlicher Reisebericht (Referent: Prof. Hagen Herdam, Straßberg)

 

Mittwoch, 9. 3. 2016, 19.00 – 21.15 Uhr

Eine botanische Reise zu den Landschaften Südportugals (Referent: Armin Hoch, Hain)

 

Mittwoch, 13. 4. 2016 19.00 -21.15 Uhr

Molekulargenetische Methoden für die Artabgrenzung bei Pflanzen und Tieren  (Rerent: Dr. Edgar Schliephake, Gernrode)

 

Mittwoch, 11. 5. 2016, 19.00 – 21.15 Uhr

Orchideen unserer Heimat (Referent: Horst Kallmeyer, Thale)

 

Mittwoch, 8. 6. 2016, 19.00 – 21.15 Uhr

Naturerlebnis Indonesien (Referent: Horst Rudolph, Quedlinburg)

 

Mittwoch, 14. 9. 2016, 19.00 – 21.15 Uhr

Naturdenkmale in der Gemarkung Quedlinburg (Referent: Wolfgang Hohlfeld, Quedlinburg)

 

Mittwoch, 12. 10. 2016, 19.00 – 21.15 Uhr

Als Naturschützer in Namibia unterwegs (Referenten: Dr. Veronika und Eckhard Kartheuser, Quedlinburg)

 

Mittwoch, 9. 11. 2016, 19.00 – 21.15 Uhr

Berichte über Naturerlebnisse der Mitglieder der IG Ornithologie und Naturschutz (Referent: Dr. Werner Wandelt u. a. )

Detailinformationen zu den jeweiligen Vorträgen sind auf unserer Internetseite im Veranstaltungsplan zu finden.

In den Monaten Juli und August findet keine Mitgliederversammlung statt. In dieser Zeit treffen wir uns zur Gartenparty. Der Dezember (16. 12. 2016 ) ist für die Gruppen-Weihnachtsfeier reserviert.

Die diesjährige Tagesexkursion wird in das Orchideengebiet Tote Täler im Saale-Unstrut-Tal führen. Zielgebiet der Mehrtagesexkursion im Juni ist das 3-Länder- Biosphärenreservat Rhön.

Der Termin für den Frühjahrsarbeitseinsatz (Herslebener  Berge)  wird noch bekannt gegeben.

Naturbeobachtungen 2015

Mitglieder der Interessengemeinschaft Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg berichten von  schönen Naturerlebnissen  insbesondere im Jahr 2015

Im Rahmen der November - Mitgliederversammlung der IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg wird kein größerer Vortrag gehalten, sondern mehrere Mitglieder der Quedlinburger Interessengemeinschaft stellen in kurzen Bildbeiträgen ihre schönsten Beobachtungen in der heimatlichen Natur vor. Berichtet wird aber auch über Naturerlebnisse in Schweden, z. B. über die Birkhuhnbalz, die leider in Deutschland kaum noch beobachtet werden kann. Gleichermaßen wird über die Erlebnisse auf Naturschutzexkursionen berichtet. Es wird auch über den aktuellen Stand des Kampfes der Naturschützer unserer Region gegen die Verbauung des Bodetals mit einem technischen Großbauwerk (zusätzliche Aussichtsplattform= Baumwipfelpfad) auf dem Roßtrappe-Plateau informiert.

BodetalHerzogsblick
   Abb.: Blick in das Bodetal vom Aussichtspunkt Herzogsblick

Diese öffentliche Vortragsveranstaltung der IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg findet am

Mittwoch, dem 11. November 2015, 19 Uhr, im Bildungshaus „Carl Ritter“ Raum „Einstein“, Quedlinburg , Heiligegeiststraße 8 statt.

Wie immer sind Gäste herzlich willkommen !

Information:

Im Dezember findet keine öffentliche Vortragsveranstaltung statt.

Termin für die nächste derartige Veranstaltung ist Mittwoch, der 13. Januar 2016.

Thema des Vortrages: Die Natur der Seealpen – des südlichsten Teils des Alpenbogens.

Referent ist Norbert Russwurm (Quedlinburg)

Demnächst finden Sie auf unserer Internetseite den gesamten Veranstaltungsplan für das Jahr 2016.

 

Pilzausstellung

Große Pilzausstellung in Quedlinburg

Auch in diesem Jahr findet in Quedlinburg wieder eine Pilzausstellung statt. Vom 10. (Sonnabend) bis zum 11. Oktober 2015 (Sonntag) jeweils von 10 – 18 Uhr stellen die Mitglieder der FG Mykologie im Kultur- und Heimatverein Quedlinburg die Pilze vor, die aktuell in der Vorharzregion bzw. im Harz gefunden werden können. Die Ausstellung findet im historischen Gebäude „Weißer Engel“ (Lange Gasse 33) statt, welches sich in unmittelbarere Nähe zum zentralen Parkplatzes „Carl-Ritter-Platz“ befindet. In der Ausstellung werden in diesem Jahr rund 300 Pilzarten vorgestellt. Zu sehen ist unter anderem auch der extrem giftige „Grüne Knollenblätterpilz“ . Es ist ein Anliegen derFachgruppenmitglieder (die in verschiedenen Orten des Harzkreises ansässig sind), den interessierten Bürgern die   Vielgestaltigkeit der Pilzarten und deren Schönheit vorzustellen, aber auch über die Eigenschaften und Erkennungsmerkmale der Pilzarten aufzuklären. Im Vordergrund stehen dabei das sichere Erkennen wertvoller Speisepilze und die Vermeidung von Pilzvergiftungen. So wird z. B. auch der häufig vorkommende giftige Karbol - Egerling vorgestellt, der sehr leicht mit dem wertvollen Wiesen - Champignon oder dem Anis - Egerling verwechselt werden kann. Im Rahmen der Ausstellung wird auch über das Wirksamwerden der offiziellen Pilzberatung des Landkreises Harz informiert. Es besteht die Möglichkeit, während Pilzausstellung gefundene Pilze bestimmen zu lassen.

Unsere heimischen Waldgesellschaften

Der Harzwald

Die nächste öffentliche Vortragsveranstaltung der IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg findet am Mittwoch, den 10. Juni 2015, 19 Uhr, im Bildungshaus„Carl Ritter“ Raum „Einstein“ , Quedlinburg , Heiligegeiststraße 8) statt. Sie ist dem Thema „Heimische Waldgesellschaften“ gewidmet.

„Herzynia silva“ - Waldgebirge, so nannten die alten Römer die schier undurchdringliche Wildnis nördlich der Donau. Wenn auch der einstige Urwald planvoller Wirtschaftlichkeit gewichen ist, bestimmen noch heute ausgedehnte Wälder den Harz. Es ergibt sich die Frage Gibt es harztypische Wälder ? Welche Waldbilder bzw. Waldgesellschaften verdienen das Prädikat „typisch Harz“? Im Vortrag von Volker Hanebutt (Ballenstedt) wird darauf eine Antwort gegeben.

Der Begriff „Waldgesellschaften“ kommt vor allem in der Forstwirtschaft, aber auch in der Geobotanik und in der Pflanzensoziologie zur Anwendung. Die Abgrenzung von Waldgesellschaften kann als ein Ordnungssystem verstanden werden. In Mitteleuropa werden Waldgesellschaften vor allem als Pflanzengesellschaften beschrieben, bei denen der jeweilige Baumarten-Bestand ein besonders wichtiges Ordnungskriterium ist. Von natürlichen Waldgesellschaften wird dann gesprochen, wenn eine vom Einwirken des Menschen unabhängige Artengemeinschaft vorliegt, die durch Standort- und Klimabedingungen maßgeblich geprägt ist. Solche natürlichen Waldgesellschaften sind in Mitteleuropa kaum noch vorzufinden. Nahezu immer hat der Mensch und die Art und Weise seiner Naturnutzung die Artenzusammensetzung der anzutreffenden Waldgesellschaften maßgeblich beeinflusst. Die Abgrenzung und Charakterisierung der in der Regel anzutreffenden und durch die menschliche Tätigkeit beeinflussten Waldgesellschaften ist eine wichtige Voraussetzung für den richtigen Umgang mit dem Wald. Auch der heutige Wald soll durch die Forstwirtschaft standortgerecht entwickelt, genutzt und erhalten werden. Dabei erfahren Waldgesellschaften eine durchaus dynamische Entwicklung, z. B. auch im Ergebnis von Klimaveränderungen. Je besser der Mensch die Gesetzmäßigkeiten der Waldgesellschaften versteht und vor allem auch berücksichtigt, um so besser kann eine auf Naturnähe und Naturerhalt ausgerichtete Forstwirtschaft betrieben werden.

Volker Hanebutt stellt in seinem Lichtbildervortrag die natürlichen Waldgesellschaften unserer Region vor. Es werden die Beziehungen zu den Lebensraumtypen der EU-Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen dargestellt. Die genannte Richtlinie (aus dem Jahr 1992) ist eine Naturschutz-Richtlinie der Europäischen Union (EU). Sie wird umgangssprachlich auch als Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (kurz FFH-Richtlinie) oder Habitatrichtlinie bezeichnet.

Die enge Wechselwirkung von Boden, Klima und Vegetation wird exemplarisch an Hand der forstlichen Standorterkundung aufgezeigt.

Die nachstehenden Bilder zeigen ein Beispiele dafür, wie  durch Aufforstung standortgeprägte Waldgesellschaften entstehen:

Blanke Sandflächen am Regenstein (Blankenburg) um 1900Hanebutt Regensteingebiet um 1900

Flechten - Kiefernwald 100 Jahre später an gleicher Stelle (Heers)Hanebutt Flechten Kiefernwald im Heers

 

 

Vortrag "Schmetterlinge vor der Haustür"

Heimische Natur

(Bilder anklicken)

Die nächste öffentliche Vortragsveranstaltung der IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg (Mittwoch, 13. Mai 2015, 19 Uhr, im Bildungshaus„Carl Ritter“ Raum „Einstein“ , Quedlinburg , Heiligegeiststraße 8) ist den Schmetterlingen gewidmet.

Distel Falter 21 kleinSchmetterlinge sind wunderschöne Tiere. Sie stellen eine Herausforderung für den Hobbyfotografen dar. In dem Vortrag „Schmetterlinge vor unserer Haustür“ stellt Dagmar Graf (Quedlinburg) als Liebhaberin dieser hübschen Insekten ihre Aufnahmen vor. Dabei wird deutlich: Schmetterlinge sind in ihrer Form – und Farbenvielfalt ein wichtiger Bestandteil unserer Natur. Sie sind Meister der Tarnung. Erst auf dem 2. Blick werden viele Schönheiten sichtbar.

Schmetterlinge sind nicht nur schön. Sie zeigen uns als Bioindikatoren an, wie es um den Zustand unserer Umwelt bestellt ist. Sie stellen spezielle Ansprüche an ihre Lebensräume. In Gärten lieben sie nektarreiche Stauden und Kräuter. Blütenreiche Feuchtwiesen beherbergen viele Bläulinge. Hauhechel Bläuling 7Zahlreiche Waldfalter dagegen brauchen lichte Wälder.

 

Hans. Cr. Andersen hat dazu gesagt:

„Leben allein genügt nicht, sagte der Schmetterling. Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man auch haben.“

 

Die moderne Landwirtschaft und die heutigen Formen der Landnutzung machen oft genug diese kleine Blume unserem Schmetterling streitig. Die Bilddokumentation unserer heimischen Schmetterlinge wird damit zu einem wichtigen Beitrag für den notwendigen Umweltschutz.

Naturgeschützte Frühjahrsblüher

Die Wiesenkuhschelle in der Vorharzlandschaft

Kuhschelle Einzelblüte kleinEin besonderer Schatz der heimischen Flora ist die Wiesenkuhschelle (Pulsatilla pratensis), die in der Vorharzlandschaft im Raum Quedlinburg noch einige Vorkommen aufweist. Die Blütezeit beginnt im März und dauert je nach Witterung bis Mitte April; auch Ende April können noch blühende Pflanzen angetroffen werden. Die Wiesenkuhschelle unterscheidet sich von anderen Kuhschellenarten, die bei uns nicht vorkommen, durch relativ kleine schwärzlich-violette Blüten, die meist zur Erde geneigt sind und mehr oder weniger geschlossen abblühen. In hohen Grasbeständen (des Vorjahres) sind die blühenden Pflanzen oft schwerKuhschelle Vollblüte klein zu entdecken. Nach der Blüte streckt sich der die Blüte tragende Stängelteil. In Wikipedia ist zum Fruchtstand folgende Beschreibung zu finden: „In einem kugeligen Fruchtstand stehen viele, kleine, spindelförmige Nüsschen („Achänen“) zusammen, die sich jeweils aus einem freien Fruchtblatt entwickeln, an denen der Griffel, stark verlängert und zottig behaart, einen Federschweif bildet. Die Früchte der Kuhschellen sind Federschweifflieger und bohren sich mit scharfen Spitzen durch hygroskopische Bewegungen noch tief in den Boden ein.“

Die charakteristische Erscheinungsform des Fruchtstandes hat zur volkstümlichen Bezeichnung „Teufelsbart“ geführt. Diese Fruchtstände, die sich bald nach der Blüte entwickeln, sind viel leichter zu entdecken als die Einzelblüten. Sie stellen einen ganz besonderen und längere Zeit sichtbaren Schmuck der Kuhschellen-Standorte dar.

Kuhschellen Samenträger kleinDie Wiesenkuhschelle ist eine Pflanzenart mit osteuropäischer bzw. pannonischer Verbreitung. Sie erreicht am Harz ihre absolute westliche Verbreitungsgrenze. Die Verbreitung reicht in Deutschland von der Neiße über den Raum Dresden (ohne in das Erzgebirge hineinzureichen) bis zum Nordharzvorland. In nördlicher Richtung gibt es ab der Oder bis hin zur Linie Harz – Lübeck viele Einzelvorkommen. Nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz differenziert sich die Art in schlecht abgrenzbare Kleinarten, die sich beim gegenwärtigen Wissensstand nicht durchgehend getrennt kartieren lassen. In Deutschland kommt wahrscheinlich nur die Unterart ssp. pratensis vor, die den nördlichen Teil des Art-Gesamtareals besiedelt. Im Süden wird diese Sippe durch die ssp. nigricans vertreten. Aufgrund dieser Nord-Süd-Differenzierung könnte die Verantwortung für Deutschland für den Erhalt der genannten Unterart höher ausfallen, als aus dem Areal der Gesamtart geschlossen werden kann. Nach der bisherigen Auffassung handelt es sich bei unseren Nordharz-Vorland- Vorkommen der Wiesenkuhschelle um die Unterart ssp. nigricans. Den Details der schwierigen Art-Diagnostik soll hier nicht weiter nachgegangen werden.

Wichtiger für den praktischen Naturschutz ist, wie der Erhalt der Vorkommen gerade an der Westgrenze des Vorkommensgebiets gesichert werden kann. Dazu gibt es wenig Hoffnungsvolles. Bei vielen Standorten handelt es sich um kleine isoliert Vorkommen. Dies gilt zum Beispiel für den Bestand auf dem so genannten Muschelberg in der Quedlinburger Feldflur. Die Spreuauflage aus den Grasresten der Vorjahre ist hier oft so dicht, dass die Samen kaum den erforderlichen Bodenschluss erreichen. Kommt es zu einer Keimung, unterliegen die sehr kleinen Keimpflanzen dem Konkurrenzdruck der übrigen Vegetation. Die einzelne Kuhschellenpflanze kann sehr alt werden – aber es kommt zu keiner Bestandsverjüngung. Da nicht an jedem der Reststandorte Schafhutung möglich ist, sollte unbedingt wieder das früher im Januar/Februar übliche Abbrennen der Grasfluren praktiziert werden.

Es drängt sich eine Frage auf: Wie ist es überhaupt zu dem großen ursprünglich geschlossenen Artareal gekommen, wenn heute viele Vorkommen in ihrem Fortbestand bedroht sind ? Hier kommt vermutlich einer biologischen Besonderheit aller Kuhschellenarten eine besondere Bedeutung zu: Werden Samen unreif ( vor dem Lösen aus dem Fruchtstand) ausgesät, keimen diese alle zu einem hohen Prozentsatz und beachtlich  schnell. Reifen die Samen an der Pflanze aus, keimen sie nur sehr verzögert (über mehrere Jahre verteilt) und nur zu einem sehr geringen Prozentsatz. Es ist gut vorstellbar, dass unter den Bedingungen des Vorkommens großer Tierherden (Nacheiszeit) oder unter den Bedingungen einer auf großen Flächen erfolgenden Hutung von Weidetieren unreife Samen von Kuhschellen in den Boden getreten werden und bei Sommerregen sofort auskeimten. So kann es durch spezifische ökologische Bedingungen zu einer großflächigen Verbreitung z. B. der Wiesenkuhschelle gekommen sein. Ganz offensichtlich ist dabei die Einwanderung nach der letzten Eiszeit aus dem südosteuropäischen Raum (und nicht direkt aus dem Süden)  erfolgt. Die Besiedlung der Flächen des heutigen Deutschland fand sicher dort ein Ende, wo sich nach der Eiszeit dichteKuhschellen Harslebener Berge klein Wald- oder Feuchtgebiete entwickelten. Dies würde die Arealgrenze im Nordharzvorland erklären. Gelangen keine unreifen Samen auf bzw. in den Boden bei gleichzeitigem Fehlen von Sommerregen, greift nur die für Kuhschellen typische Vermehrung: nur ganz wenige reife Samen keimen. Die Keimrate bzw. die Überlebensrate von Sämlingen ist in unserem Gebiet heute so gering, dass mit weiteren Verlusten bei den aus nur noch wenigen Exemplaren bestehenden Vorkommen zu rechnen ist. Um so mehr gilt, dass die noch vorhandenen individuenreichen Vorkommen ( z. B. im Naturschutzgebiet Harslebener Berge) vor der Samenreife beweidet werden sollten und die Bildung von Streuauflagen verhindert werden muss. Das giftige Kuhschellenkraut wird von Weidetieren nicht gefressen. Ein abschließender Hinweis: Die Wiesenkuhschelle eignet sich wegen ihrer kurzen Blütezeit und der relativ kleinen und unscheinbaren Blüte nicht für eine Gartenkultur.

Pflanzen im Naturschutzgebiet Münchenberg

Puschkinia scilloides– ein Neophyt im

Naturschutzgebiet Münchenberg

(Bilder durch Anklicken vergrößern)

P1210278 klein Puschkinia MünchebergIm Münchenberg (nördliches Harzvorland) hat nicht nur das Frühlingsalpenveilchen eine neue Heimat gefunden, sondern auch ein kleines frühjahrsblühendes Blumenzwiebelgewächs, welches in der Südost-Türkei, im Kaukasus, im Nord-Irak, im Nord- und West-Iran sowie im Libanon seine Heimat hat. Auch in diesem Fall erfolgte wohl Ende der 1960iger Jahre  -obwohl nicht zulässig- eine gezielte Ansaat. Dabei entsprechen die Standortbedingungen im Münchenberggebiet keineswegs den heimatlichen Standortbedingungen - Puschkinia ist eine Pflanze der subalpinen und alpinen Wiesen, die vom tauenden Bergschnee gut durchnässt werden. Die blühende Pflanze erinnert an das wohlbekannte Scilla, daher die Artbezeichnung P. scilloides. Die Blüten sind weißlich, die Mittelader ist hellblau gefärbt. Nach der Herkunft Libanon wurde die Art früher auch P. libanotica genannt. Zu erklären ist noch die lateinische Bezeichnung Puschkinia ( es gibt keinen allgemein geläufigen deutschen Namen ! ). Die Namensgebung erfolgt nach Graf Apollo Mussin-Puschkin, einem russischen Chemiker und Pflanzensammler (1760-1805), der vor allem im Kaukasus als Pflanzensammler aktiv war. Seit 1808 ist Puschkinia scilloides in Mitteleuropa eine beliebte anspruchslose Gartenpflanze geworden. P1210284 klein PuschkiniaDie Ansaat im Münchenberg erfolgte an nur einer Stelle in einem Randbereich des Niederwaldes. Bis heute ist hier der Ausgangsbestand erhalten geblieben. Eine Ausbreitung im viel zu schattigen Waldbereich ist nicht erfolgt. P1210280 klein PuschkiniaDafür ist ein „Auswandern“ in den angrenzenden, nach Nordosten geneigten Wiesenbereich zu verzeichnen. Mitte April schmücken hier direkt an einem Wanderweg viele kleine Blütenstände die kurzrasige Triftfläche am Rande eine Gebüschkante. Dieses Auswandern scheint nur dort kleinflächig Erfolg zu haben, wo kein Aufheizen und Austrocknen der Triftfläche erfolgt. Eine großflächige Verbreitung ist deswegen nicht zu befürchten. Auch wenn es sich um einen Neophyten handelt – der Gast aus der fernen kaukasischen Bergheimat sollte auf jeden Fall unseren Schutz verdienen.

P1210283 klein Puschkinia Wiese

Puschkinia  als lockerer Bestand im Rasen

Vortrag Kamelforschung

Lichtbildervortrag:

13 Jahre Kamelforschung in Zentral-Australien


Die nächste öffentliche Vortragsveranstaltung der IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg (Mittwoch, 8. April 2015, 19 Uhr, im Bildungshaus„Carl Ritter“ Raum „Einstein“ , Quedlinburg , Heiligegeiststraße 8) ist der Kamelforschung in Australien gewidmet.

Ja, es ist richtig - Kamele in Australien. (Bilder zum Vergrößern anklicken)

Ca. 20 000 Dromedare wurden in der Zeit von 1850 bis 1908 nachAustralien importiert. Sie stammten aus dem heutigen Gebiet von Rajastanin Indien und der Region Kandahar in Pakistan. Da die englischen  Kolonisten in Australien keine Erfahrung mit Kamelen hatten, bediente man sich des Wissens afghanischer Kamelhalter, die ihre Kamele nach Australien begleiteten und mit ihnen die Arbeit verrichteten. Ursprünglich versuchte man das Innere Australiens mit Pferden- und Ochsengespannen zu erschließen, was sich jedoch wegen des fehlenden Oberflächenwassers als unmöglich erwies. 000011 wilde DromedareDas Kamel als eines der best angepassten Wüstentiere war das ideale Transportmittel, um die trockenen Regionen im Zentrum zu erschließen. Die Kamele versorgten die weit verstreuten Farmen und Bergbauregionen mit Nachschub und hatten erheblichen Anteil am Bau der Eisenbahnlinien. Mit dem Aufkommen moderner Verkehrsmittel wurden die Dromedare zunehmend überflüssig und meist einfach in die Freiheit entlassen. Die Nachkommen dieser Tiere stellen heute die größte wildlebende Welt-Population von Dromedaren dar. Inzwischen ist ihre Zahl auf weit über 1 Million angestiegen. Das kann nicht ohne Probleme bleiben. Es ist notwendig, mehr über die Biologie der sehr scheuen Dromedare zu wissen.

Innerhalb der Zeitspanne von 1984 bis 2004 forschten die beiden Biologen Dr. Birgit Dörges und Dr. Jürgen Heucke an den verwilderten Dromedaren in Zentralaustralien. Die ersten beiden Forschungsaufenthalte wurden im Auftrag des Zoologischen Instituts der TU Braunschweig und von der  Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert. DromedarbeobachtungDie Folgeuntersuchungen zwischen 1995 und 2004 wurden anfangs aus eigenen Mitteln getragen, später von der Australischen Forschungs-gemeinschaft, dem Landwirtschafts- und dem Umweltministerium Australiens gefördert. Innerhalb der Voruntersuchungen stellte sich alsbald heraus, dass die Dromedare nicht territorial gebunden sind und der sich entwickelnden Vegetation nach mehr oder weniger spärlichen Regenfällen folgen. Um eine individuell bekannte Kamelpopulation über längere Zeit genauestens zu untersuchen, wurde es notwendig, ein Forschungsgehege zu errichten. Bereits 1987 wurde ein 20000 ha großes Gebiet eingezäunt, in dem bis zu 400 individuell bekannte Kamele lebten. Innerhalb des Forschungsgeheges befand sich das Basislager "Camelot" – fernab von jeglicher Zivilisation. Die Versorgung erfolgte über das 360 km entfernt gelegene Alice Springs. Schwerpunkte der Untersuchungen waren die soziale Organisation und das Verhalten der Dromedare sowie die Physiologie und Ökologie der Tiere unter frei lebenden und natürlichen Bedingungen.Dromedarforscher

Wir sind sehr froh darüber, dass Frau Dr. Dörges und Herr Dr. Heuke uns über ihre einmaligen Forschungsergebnisse berichten. Selbstverständlich erzählen die Vortragenden auch von dem spannenden Leben in der einzigartigen  australischen Wildnis - mit Sandstürmen, langen Dürreperioden aber auch sintflutartigen Regenfällen in der Wüste Australiens.

Landschaftspflege

Naturschutz- Arbeitseinsatz im Naturschutzgebiet Harslebener Berge – Steinholz

Seit mehr als 30 Jahren findet unter Beteiligung der Naturschutzfreunde aus Halberstadt und Quedlinburg (NABU , BUND, BNU) jeweils im zeitigen Frühjahr im Bereich der Offenflächen der Harslebener Berge in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde ein Pflegeeinsatz statt.

Termin für den diesjährigen Arbeitseinsatz ist Sonnabend, der 28. 3. 2015. Beginn 8 Uhr vor Ort. Ende ca. 12 Uhr.

Gäste – Unterstützer sind herzlich willkommen!

Treffpunkt ist der Rastplatz am Ende der Zufahrtstraße Westerhausen (Straße Am Fischberg) – Steinholz. Hier beginnen die östlichen Offenflächen der Harslebener Berge. Hier muss wieder etwas gegen die Verbuschung insbesondere auch der Adonisflächen getan werden. Wildrosen und Weißdorn sowie anderes Strauchwerk müssen zurück geschnitten werden. Das Schnittgut ist von der Fläche zu beräumen.

Bitte an feste Arbeitsschuhe und entsprechende Kleidung denken! Benötigt werden Entastungsscheren (wie in der Forstwirtschaftlich üblich) und Harken. Zum Teil steht Werkzeug zur Verfügung. Das Schnittgut wird an Ort und Stelle verbrannt – natürlich mit Brenngenehmigung. Für ein Frühstück ist gesorgt.

Für die Anfahrt bitte Fahrgemeinschaft bilden ! Rückfragen an die Leitung der Interessengemeinschaft Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg.

Märzenbecherblüte

Im Märzenbecherland

(Bilder durch Anklicken vergrößern)

Der Name sagt es – ab Anfang März verkündet der einheimische MärzenbecherMärzenbecherEinzelblüten( Leucojum vernum – er gehört aus botanischer Sicht zu den Narzissen-Gewächsen) den Start in den Frühling. Im Bereich der nordöstlichen Harzkante gibt es eine Reihe von Vorkommen dieses prächtigen Blumenzwiebelgewächses. Am bekanntesten davon ist das Vorkommen im Zehling – einer naturgeschützten Waldinsel in der Nähe der Ballenstedter Gegensteine. Dieser Bestand, der sich immer noch in Ausbreitung befindet, ist der flächengrößte der Region. Die vielen tausend weißen Blütenbecher bieten vor allem bei Frühlingssonne ein prägendes einmaliges Naturerlebnis. Es ist gut, dass für die zahlreichen Besucher extra ein Parkplatz eingerichtet wurde. Negativ ist anzumerken, dass der schmale Pfad durch das Blütenmeer immer breiter ausgetreten wird. ZehlingHier muss einfach mehr Ehrfurcht vor der Natur bewiesen werden.

Viel weniger bekannt sind die Vorkommen in den Bach- und Flusstälern, die den Harzrand durchschneiden. Dazu gehören zum Beispiel das Siebersteintal und das Amtmanntal. Diese Vorkommen sind unstrittig Wildvorkommen - der Ursprung des Vorkommens im Zehling könnte auch auf eine vor langer Zeit erfolgte Anpflanzung zurückgehen. Der Bach im Amtmanntal mündet in den Ballenstedter Schlossteich. Durchwandert man dieses Tal bis hin zu den Quellbereichen, sind an vielen Stellen sowohl im Bachgrund, auf angrenzenden Wiesen als auch in dunklen kleinflächigen Erlenbrüchen kleinere Vorkommen zu entdecken, die in den letzten Jahren offensichtlich eine Vergrößerung erfahren und so in der Summe dem Zehlingvorkommen Konkurrenz machen. DieAmtmanntal Bestandszunahme könnte eventuell eine Auswirkung milderer Winter sein. Es gelangen mehr Keimlings-pflanzen zur Entwicklung. Zu beachten ist, dass wir uns im Naturschutzgebiet „Burgesroth – Bruchholz“ befinden und hier das Wegegebot zu befolgen ist. Zum Quellbereich gehört auch der Forstort „Armer Heinrich“. Neben einer Quellwiese mit einem Märzenbecher-Restbestand steht hier ein gewaltiges mittelalterliches Sühnekreuz. In der Nähe befindet sich ein alter Hutewald. AlteicheDavon zeugen die letzten verbliebenen Eichen. Umgestürzte und sich langsam zersetzende Baumriesen (Bruchholz !) geben dem nun stockenden sommerdunklen Weißbuchen-Bestand ein besonderes geheimnisvolles Gepräge. Auch in diesem Waldteil breitet sich inselartig der Märzenbecher aus. Tief im Wald verborgen und fern jeder menschlichen Einwirkung ist hier ein besonders großer Bestand zu entdecken.

BruchholzBei dem naturgeschützten Märzenbecher handelt es sich um eine Art mit westeuropäischer Verbreitung, sie erreicht in Deutschland die Ostgrenze ihrer Vorkommen. Im norddeutschen Flachland fehlt der Märzenbecher. Der Märzenbecher hat sehr spezifische Standortansprüche an Boden und Mikroklima. Deswegen gelingt in vielen Fällen keine Gartenkultur. Wichtig für eine erfolgreiche Ansiedlung ist ein dauerhaft feucht bleibender lehmiger Boden. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Initialpflanzung stellt der kleine Märzenbecherbestand im Quedlinburger Brühlpark dar.

Vorfrühlings-Alpenveilchen

Wilde Alpenveilchen im Naturschutzgebiet Müncheberg

 (kleine Bilder zum Vergrößern anklicken)

Das Vorfrühlings-Alpenveilchen (Cyclamen coum)klC coum Blüten ist bei uns nicht einheimisch. Seine Heimat erstreckt sich vom östlichen Bulgarien über die Südukraine entlang der östlichen Schwarzmeerküste und weiter durch die Bergwälder Grusiniens bis zum nördlichen Iran. Gleichermaßen kommt es in der Türkei, im westlichen Syrien und im Norden Israels vor. Die Verbreitung lässt erwarten, dass dieses kleinblütige Alpenveilchen nicht frostfest ist. Tatsächlich verhält es sich anders. Es ist die Pflanze, die unter unseren klimatischen Verhältnissen oft als erste mit der Blüte beginnt, meist schon im Februar und nicht selten aus der Schneedecke heraus. Die Ähnlichkeit des auf Kalkstein stockenden Müncheberg-Waldes mit den C. coum-Standorten an der grusinischen Schwarzmeerküste hat um 1970 einen Quedlinburger Biologen verleitet, hier unter Verwendung von am Naturstandort gewonnenem Saatgut eine Ansaat von C. coum zu probieren. Nach Naturschutzrecht ist dies unzulässig. Die Ansaat hat sich als erfolgreich erwiesen. Seit rund 4 Jahrzehnten schmückt nun an ganz wenigen Stellen das grusinische Vorfrühlings-Alpenveilchen den Niederwald des Müncheberges.klCyclamen Müncheberg

Es ist dabei in all den Jahren zu keiner weiteren Verbreitung gekommen – ein Zeichen dafür, dass die Standortbedingungen hier am Harzrand doch nicht identisch genug denen des grusinischen Bergwaldes  entsprechen.

Die Samen von Cyclamen coum sind absolute Dunkelkeimer. Die Keimung ist dann gewährleistet, wenn das keimende Samenkorn mindestens 1 cm mit Erde bedeckt ist. Die Keimblätter sind sehr klein – maximal 5 mm im Durchmesser. Bleiben sie vom trockenen Laub des Vorjahres bedeck, kann es zu keiner weiteren Entwicklung der Keimpflanze kommen. Genau dies wird das Problem an unseren Standorten sein – der Waldboden ist biologisch nicht aktiv genug: die Samen gelangen nicht in die notwendige Tiefe, das Herbstlaub ist zu groß und verrottet zu langsam. Inzwischen führen zu den Standorten im NSG Müncheberg jetzt Ende Februar-Anfang März richtige ausgetretene Pfade. Jungpflanzen werden achtlos niedergetreten.klPfad zu Blütentrupp

Noch schlimmer – jedes Jahr ist zu erkennen, dass auch Pflanzen ausgegraben werden. Setzt sich dies fort, ist zu befürchten, dass wir den hübschen „Neubürger“ wieder verlieren. Dabei ist zu beachten: Wir befinden uns in einem Naturschutzgebiet, das Verlassen der Wege ist   mit gutem Grund verboten. Auch der „Neubürger“ genießt gesetzlichen Artenschutz !

 

Natürlich eignet sich das Vorfrühlingsalpenveilchen auch für den Vorgarten. Aber bitte nicht in der Natur bedienen ! Pflanzen von Cyclamen coum sind jederzeit im gärtnerische Fachhandel erhältlich. Um im eigenen Garten größere Bestände dieses Gartenschatzes zu etablieren, bedarf es allerdings einiger Erfahrung bei der Schaffung der geeigneten Standortbedingungen. Nackte Gartenerde und Hacken– dies führt nie zum Ziel ! Leichter Baumschatten im Sommer, damit der Standort nicht durch Gräser bzw. andere Stauden überwachsen wird, bekommt dem Vorfrühlingsalpenveilchen dagegen gut.Die an Stielen sitzenden Blütenknospen werden übrigens schon im November angelegt. Sie liegen bis zur ersten Frühjahrssonne flach auf der Erde, um sich dann ganz schnell der Wärme entgegen zu strecken.

P1150958 C coum unter Pfirsich

Vortrag: Heimische Pflanzenwelt

Neue Beobachtungen zur heimischen Pflanzenwelt

 Die Flora unserer Heimat ist relativ gut erfasst. In der uns umgebenden Pflanzenwelt erfolgen allerdings ständig Veränderungen. Eine Hauptursache für diese Veränderungen ist in vielen Fällen die wirtschaftliche Tätigkeit des Menschen. Durch Veränderungen in der Art der Landnutzung (Industrialisierung des Ackerbaus, Wegfall der Nutzung ertragsarmer Standorte mit der Folge der Verbuschung von Offenflächen, Abbau von Baustoffen und Gesteinen, Schaffung von neuen Brachflächen, Wege- und Straßenbau – um einige Beispiele zu nennen) gehen Pflanzenstandorte verloren oder es entstehen potentiell neue Standorte. Der intensive internationale Warenverkehr und der entwickelte Tourismus lösen auch „Wanderbewegungen“ von Pflanzen aus. Ein Teil dieser Neuankömmlinge kann sich in der freien Natur etablieren und wird zum dauerhaften Bestandteil der heimischen Flora. Nicht selten fanden in der Vergangenheit und finden auch heute immer wieder bislang unbekannte Pflanzen Eingang in den Garten am Haus und von hier den Weg in die umgebende Natur. Die Beobachtung all dieser Veränderungen liefert wichtige Informationen darüber, welche Entwicklungen sich in unserer Umwelt vollziehen. Dazu gehört auch das Erkennen der Auswirkungen einer Klimaveränderung auf unsere Pflanzenwelt. An der Erfassung des IST-Zustandes unserer Pflanzenwelt wirken viele Freizeit-Botaniker mit, die in unserer Region mehrheitlich im Botanischen Arbeitskreis Nordharz e. V. organisiert sind. Hier fließen viele Einzelbeobachtungen zu einem Gesamtbild zusammen, welches den dafür zuständigen Fachbehörden unseres Landes zur Verfügung gestellt wird. Prof. Hagen Herdam (Straßberg) ist maßgeblich an der Erstellung dieses Gesamtbildes beteiligt. Über die aktuellen Ergebnisse wird in dem Vortrag „Neue Beobachtungen zur heimischen Pflanzenwelt“ berichtet.

Zu diesem öffentlichen Vortrag ladet die Interessengemeinschaft Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg alle Interessenten herzlich ein. Es wird kein Unkostenbeitrag erhoben.

Termin: Mittwoch, den 11. März 2015, 19 Uhr.

Ort: Bildungshaus „Carl Ritter“ Raum „Einstein“ , Quedlinburg , Heiligegeiststraße 8

Abb.: Dreizähniges Knabenkraut (Orchis tridentata)

Orchistridentata

Baumwipfelpfad Thale - neue Fakten

Neue Fakten zum Thema Baumwipfelpfad Thale

Eine leider nicht positive Geschichte zum Umgang mit unserer Natur und mit dem geltenden Umweltrecht – bitte lesen !

Die inzwischen 10. Variante des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes Nr. 19 der Stadt Thale „Baumwipfelpfad Roßtrappe“ wurde mit Datum 30. 12. 2013 erstellt und dann Anfang Januar 2014 den Trägern öffentlicher Belange mit der Bitte um Stellungnahme zur Kenntnis gegeben.

Weshalb hat es zu diesem Vorhaben inzwischen eine 10. Planvariante gegeben ?

Hat hier jemand gebremst ?

Nein - der Antragsteller selber trifft dazu eine Aussage:

„Nach der letzten Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der öffentlichen Auslegung des Entwurfs vom 2. Mai 2012 des o. g. Planvorhabens haben sich in der Folge, auch unter Berücksichtigung der eingegangenen Hinweise, einige Änderungen ergeben. Der vorliegenden Variante 10 liegt außerdem die Zielstellung zugrunde, den Baumwipfelpfad barrierefrei zu gestalten. Um ein konstantes Gefälle von 7 % realisieren zu können, musste der Pfad auf ca. 700 m verlängert werden.“ Daraus ergaben sich Veränderungen in den Abständen der Stützen und deren Höhen.

Für die in der 10. Variante erfolgte Umstellung des Vorhabens auf eine barrierefreie Gestaltung gibt es einen einfachen Grund: Wenn überhaupt, kann es nur bei einer barrierefreien Gestaltung eine staatliche Förderung des Vorhabens geben !

Für die Zusammenstellung und Prüfung der Hinweise zum Vorhaben (u. a. Umweltbericht, Prüfung der Verträglichkeit des Vorhabens mit den Erhaltungszielen des angrenzenden FFH- und Vogelschutzgebietes beauftragte die Stadt Thale als Vorhabensträger das Planungsbüro Architektur * Stadt * und Dorfplanung Khurana (Aschersleben). Außerdem wurde dieses Büro beauftragt, eine Abwägung aller vorgetragenen Hinweise und Einwendungen zum Vorhaben vorzunehmen und einen Abwägungsvorschlag zu unterbreiten.

Dazu hat das genannte Büro allen Beteiligten Kurzfassungen der Einwendungen zu den zu prüfenden Sachpunkten übermittelt. Die Stellungnahmen von 41 Trägern öffentlicher Belange (Behörden, Stadtverwaltungen und anerkannten Naturschutzverbände) zu dem Vorhaben wurden zusammengestellt. Außerdem wurden auch die Stellungnahmen von Bürger erfasst. Zu 24 Sachpunkten liegt eine Zusammenstellung aller getroffenen Aussagen vor.

 

Beispielhaft sollen die Stellungnahmen zu der Vorhabensplanung für den Sachpunkt 2 – das Landschaftsbild- vorgestellt werden:

 

  1. Landesverwaltungsamt:

Das Vorhaben stellt trotz der Umsetzung von Minimierungsmaßnahmen einen Eingriff insbesondere in das Landschaftsbild dar. Der Eingriff in das Landschaftsbild ist nur durch eine Standortverschiebung in eine weniger exponierte Lage möglich.

 

  1. Obere Naturschutzbehörde:

Die Bedenken bezüglich des Eingriffes in das Landschaftsbild bleiben bestehen. Das waldpädagogische Bildungsziel kann auch an einer anderen, nicht so exponierten Stelle erreicht werden. Nach Auswertung der aktuellen Visualisierung ist festzustellen, dass der Eingriff in das Landschaftsbild dennoch die Erheblichkeitsschwelle nicht unterschreitet. Auch die aktuelle Variante ist weiterhin als technologisches Bauwerk sichtbar und führt zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. Das geplante Vorhaben stellt nach wie vor einen erhebliche Eingriff in das Landschaftsbild dar, der durch eine weitere Rückverlegung des Baumwipfelpfades in den Wald hinein sowie eine weitere Verringerung der Bauhöhe vermeidbar oder zumindest verminderbar wäre.

 

  1. Landkreis Harz – Umweltamt/ Untere Naturschutzbehörde:

Die Variante 9 führt nach Auffassung der unteren Naturschutzbehörde zu einer erheblichen Beeinträchtigung von Natur und Landschaft, welche nicht vollständig ausgleichbar und weiterhin am vorliegenden Standort kaum mit den Belangen des Naturschutzs und der Landschaftspflege zu vereinbaren ist.

Die vorgenommene Visualisierung gibt dennoch gut wieder, dass weiterhin von einer beträchtlichen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes auszugehen ist, da der Baumwipfelpfad von mehreren wichtigen im Plan angegebenen Aussichtspunkten offensichtlich deutlich zu sehen sein wird.

 

  1. Regionale Planungsgemeinschaft Harz:

Unseres Erachtens wird hiermit ( gemeint ist eine Externe Erstaufforstung als Ausgleichsmaßnahme in Gernrode) lediglich die Entnahme von Gehölzen kompensiert (Ausgleich), nicht jedoch die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes im Bodetal. Hier sollte ein funktionaler Ausgleich im Bodetal erfolgen.

 

  1. NABU Sachsen-Anhalt:

Die im Umweltbericht dargelegte Beurteilung des Vorhabens bezüglich des Landschaftsbildes kann vom BABU Sachsen-Anhalt nicht mitgetragen werden. Es wird sich – mit dem Bau des Baumwipfelpfades in dem vorgesehenen Bereich am Oberhang zum Bodetal – der Charakter des hochwertigen Landschaftsbildes nachhaltig verändern. Dies kann nicht ausgeglichen werden.

Das Gebiet ist nach wie vor als Naturpark und als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, um u. a. den Charakter der Landschaft und das Landschaftsbild zu erhalten. Mit dem geplanten Baumwipfelpfad wird beides beeinträchtigt.

 

  1. Bund für Natur und Umwelt (BNU) Landesverband Sachsen-Anhalt:

Auch bei der jetzt veränderten Trassenführung bleibt das Bauwerk etwa ab Stütze Nr. 18 im Landschaftsbild sichtbar. Das Landschaftsbild wird dadurch irreversibel verschlechtert.

Der BNU vertritt eine klare Position: Die Vermittlung von ökologischen-, Naturschutz- und Waldwirtschaftswissen rechtfertigt nicht eine Verbauung und Vernutzung eines einmaligen Landschaftsbildes.

 

  1. Naturschutzwacht Thale und Harzklubzweigverein Thale:

Die Beurteilung der (Auswirkung) des Vorhabens auf das Landschaftsbild wird von uns nicht mitgetragen. Der Charakter des Landschaftsbildes am Oberhang zum NSG Bodetal wird sich nachhaltig verändern und dies kann nicht ausgeglichen werden.

 

  1. Landschaftspflegeverband:

Das anvisierte pädagogische Ziel kann mit weniger drastischen Eingriffen (auch) am Boden erreicht werden. Die negativen Folgen für das einmalige Landschaftsbild im Bodetal sind gravierend.

Mit dem technischen Bauwerk wird das Erscheinungsbild des unverbauten Bodetals erheblich beeinträchtigt und dauerhaft verändert. Derartige Veränderungen des Landschaftsbildes können durch Ausgleichsmaßnahmen nicht kompensiert werden.

Einmalige Landschaftsbilder, wie die des Bodetals, müssen prinzipiell vor baulichen Veränderungen und anderen störenden Faktoren verschont werden. Sie verlieren sonst gerade das Alleinstellungsmerkmal, das Touristen gerade erleben wollen.

 

  1. Es haben sich auch mehrere Bürger geäußert.

Eine Meinung soll stellvertretend für alle anderen zitiert werden:

„Gegen Baumwipfelpfade an sich ist ja nichts auszusetzen, aber die Aussichtsplattform über dem Bodetal wäre doch von allen Seiten, besonders auch vom Hexentanzplatz, deutlich sichtbar ! Gerade aber die Wildheit, Schroffheit und Naturbelassenheit des Bodetals sind einzigartig. Es wäre so schade, wenn diese Einzigartigkeit durch unüberlegte Bauprojekte zerstört und das Landschaftsbild derart verschandelt würde.“

Offensichtlich wird von keinem der beteiligten Trägern öffentlicher Belange, aber auch von keinem Bürger, eine eher positive Bewertung des Vorhabens bzw. Auswirkung auf das Landschaftsbild vorgetragen

 

Es ist bemerkenswert, dass alle zuständigen Fachbehörden darauf verweisen, dass durch das geplante Bauwerk das einmalige Landschaftsbild erheblich negativ beeinträchtigt wird.

 

Die Sicht des Planungsbüros

Dies beeindruckt nicht das mit der Interessenabwägung beauftragte Planungsbüro Khurana. Dieses kommt zu einer anderen Auffassung, die hier nur in Kurzform wiedergegeben werden kann:

 

Im Zuge der Planung werden die Möglichleiten der Minimierung der möglichen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes genutzt.

Die Zielfunktionen des Vorranggebietes für Natur und Landschaft werden durch die „primär waldpädagogische Anlage“, die das Verständnis für Natur und ökologischen Landbau fördern soll, erreicht.

 

Der waldpädagogisch- bildende Aspekt steht im Fordergrund – daher wird auch mit der Waldlandschaft pfleglich umgegangen.

 

Zudem wird das Landschaftsbild an anderer Stelle im Rahmen der Ausgleichsmaßnahmen aufgewertet ( in der Flur Gernrode !).

 

Der Standort ist optimal für alle Belange.

 

Die zu schützende Naturlandschaft „Bodetal“ wird durch die Lange des Bauwerkes nach Ansicht des Vorhabensträgers und der Stadt Thale nicht unzulässig und nicht irreversibel geschädigt.

 

Das Vorhaben wird sich in das Landschaftsbild einfügen. Die Eignung des Gebiets für die ungestörte Erholung in Natur und Landschaft wird nicht erheblich beeinträchtigt.

 

Der Entscheidungsvorschlag für den Stadtrat Thale lautet zu dem oben genannten Sachpunkt:

Der Hinweis, dass die zu schützende Naturlandschaft „Bodetal“ durch die Lage des Bauwerkes nach der Planung 2012 unzulässig beeinträchtigt wird, wird zurückgewiesen. Die Lage (des Baumwipfelpfades) zum Plan 2012 bleibt unverändert.

 

Für die allermeisten Sachpunkte, die Gegenstand der Abwägung sind, werden analoge Entscheidungsvorschläge für den Stadtrat vorgeschlagen:

Die Hinweise werden zurückgewiesen. Die Planung wird nicht geändert.

 

Diesen Entscheidungsvorschlägen ist der Stadtrat Thale am 4. 9. 2014 in namentlicher Abstimmung ohne inhaltliche Prüfung oder Durchführung einer eigenen Abwägung in allen Sachpunkten einstimmig gefolgt. Damit wurde der Bebauungsplan „Baumwipfelpfad“ beschlossen.

 

Dabei gab es ein außerordentliches Ereignis.

Es war bekannt, dass ein Stadtrat zum Baumwipfelpfad bereits im Vorfeld eine andere Meinung vertrat. Deswegen wurde gegenüber diesem Stadtrat ein Mitwirkungsverbot an der Beschlussfassung ausgesprochen.

 

Rechtlich war die Zustimmung zum Bauvorhaben die Voraussetzung dafür, dass die Stadt Thale nun eine Befreiung vom Bauverbot im Landschaftsschutzgebiet Harz und nördliches Harzvorland bei der Kreisverwaltung beantragen konnte.

Der überwiegende Teil der Waldfläche, die für den Baumwipfelpfad benötigt wird, liegt im Landschaftsschutzgebiet. Die Verordnung dazu stammt aus dem Jahr 1994.

Der § 4 1. sagt aus, dass es im Landschaftsschutzgebiet verboten ist, bauliche Anlagen aller Art zu errichten.

 

Bis zu diesem Zeitpunkt waren viele engagierte Naturschützer im Landkreis Harz der Hoffnung, dass angesichts der klaren Aussagen der Fachbehörden und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Harz die Kreisverwaltung keine Befreiung von diesem Bauverbot ausspricht. Ohne diese Befreiung (die ein reiner Verwaltungsakt ohne Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und ohne Beteiligung des Kreistages ist) kann z. B. das Bauvorhaben Baumwipfelpfad nicht realisiert werden.

 

Der Erwartung folgte eine herbe Enttäuschung – was tun ?

Unmittelbar nach dem Beschluss des Stadtrates Thale wurde bei der Kreisverwaltung die Befreiung vom Bauverbot im Landschaftsschutzgebiet beantragt. Und wieder ging es ganz schnell mit der Behördenentscheidung: Bereits am 30. 9. 2014 erteilt die Kreisverwaltung die gewünschte Befreiung von Bauverbot im Landschaftsschutzgebiet. Und welcher Zufall – dem ging eine Veränderung in der Leitung der Unteren Naturschutzbehörde voraus.

 

Gegen diese Befreiung erfolgte am 12. 10. 2014 ein Einspruch von ehrenamtlichen Naturschutzbeauftragten. Auf diesen Einspruch erfolgte am 20. 2. 2015 folgende schriftliche Antwort der Kreisverwaltung:

Es besteht ein öffentliches Interesse an der Umsetzung des B-Planes und Bau des Baumwipfelpfades (u.a. Umweltbildung). Es wird kein möglicher Konflikt mit dem Schutzziel der Landschaftsschutzgebietverordnung gesehen. Das Gesamtlandschaftsbild wird nicht oder nur unerheblich beeinträchtigt. Mögliche Konflikte bezüglich NATURA 2000 und NSG sind nicht zu erkennen. Die Behörde schließt sich insoweit ausdrücklich der Prüfung der Stadt Thale als zuständige Behörde im B-Plan-Verfahren an.

 

Damit blieb dieser Bürger- Einspruch ohne Erfolg.

Widerspruch des NABU

Seiten des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) wurde Ende Oktober 2014 ein Widerspruch gegen die landschaftsschutzrechtliche Befreiung von den für das Landschaftsschutzgebiet geltenden Verboten eingelegt.

Dabei handelt es sich aktuell noch um ein schwebendes Verfahren.

 

War eigentlich der Ausschluss eines Stadtrates von der Beschlussfassung (in Sachen Baumwipfelpfad) durch den Stadtrat Thale gerechtfertigt ? Nein- natürlich nicht.

Dies hat die Kommunalaufsicht des Landkreises Harz (nach einem entsprechenden Prüfantrag) am 15.12. 2014 festgestellt.

Die Konsequenz davon ist, dass der Beschluss des Stadtrates Thale zum Vorhaben nicht rechtskräftig ist. Damit hat auch die Befreiung der Kreisbehörde ihre Rechtskraft verloren. Dies ist eine Chance, noch einmal die Abwägungsunterlagen zu prüfen und eine neue Entscheidung zu treffen. Zuvor muss aber der Stadtrat von Thale erneut über das Bauvorhaben   beschließen. Aktuell ist dies noch nicht erfolgt. Auch hier besteht die Chance, noch einmal die überregionale Bedeutung des technisch unverbauten Bodetales neu zu bewerten.

Kann die sich bislang abzeichnende Fehlentwicklung gegen einen nachhaltigen Natur- und Umweltschutz zum Nachteil des Landes Sachsen-Anhalt auch auf andere Art und Weise verhindert werden ?

Ja, dies ist möglich. Der Flächeneigentümer entscheidet, was auf seinem Eigentum gebaut werden kann. Das Land Sachsen-Anhalt bzw. der Landesforstbetrieb ist Eigentümer des überwiegenden Teils der für den Baumwipfelpfad benötigten Fläche. Hier könnte durch das Ministerium für Umweltschutz und Landwirtschaft eine zweckdienliche Entscheidung getroffen werden. Eine solche Bitte ist Kernpunkt des Offenen Briefes der Teilnehmer der Jahresmitgliederversammlung der Naturschutzverbände des Harzkreises vom 21. 2. 2015.