Alle Beiträge

Dauerbrenner Gustav Adolf Dippe - Denkmal

Gustav Adolf Dippe gilt als einer der Protagonisten der reichen Geschichte unserer Welterbestadt auf dem Gebiet der Saatzucht. Seine Verdienste und die Bedeutung des von ihm und seinem Bruder im 19. Jahrhundert gegründeten Saatgutkonzerns wurden und werden an den unterschiedlichsten Stellen, so auch innerhalb des Projektes “Quedlinburger Züchterpfad“ der Interessengruppe Saatguttradition, gewürdigt.

Umso bedauernswerter ist der Zustand des ihm gewidmeten Denkmals im Eingangsbereich des ehemaligen Dippe-Hofs im Neuen Weg. Immer wieder erreichen uns Beschwerden darüber. Dabei hat unsere Interessengruppe (IG) in der Vergangenheit verschiedene Vorstöße unternommen, um eine würdige Gestaltung des Umfelds des Denkmals zu erreichen. Auch die MZ berichtete darüber im Zusammenhang mit der Diskussion um den Stadtratsbeschluss zum möglichen Titel „Blumenstadt Quedlinburg“. Jedoch liefen diese Vorstöße bisher überwiegend ins Leere.

Unterstützung fand die IG bisher nur durch die Schulleitung der David-Sachs-Schule. Diese erklärte sich bereit, nach der Herrichtung des Vorplatzes und bei sicherem Zugang zum Denkmal die Pflege der Anlage mit ihren Schülern zu übernehmen.

Bitten an die Stadtverwaltung und die Denkmalsbehörde, in dieser Sache gegenüber den verschiedenen Eigentümern aktiv zu werden, wurden abschlägig oder sehr zurückhaltend beschieden unter Hinweis auf die Platzierung des Denkmals auf privatem Grund und dadurch fehlende Einflussmöglichkeiten.

Die David-Sachs-Schule hatte zuletzt sogar die Umsetzung des Denkmals ins Spiel gebracht, um überhaupt eine Lösung zu finden. Die Interessengruppe hätte bei fehlender Alternative diese Lösung befürwortet, natürlich aber den Verbleib am historischen Standort favorisiert.

Endlich, endlich gab es den von der IG schon lange vorgeschlagenen Ortstermin am Dippe-Denkmal. Leider noch nicht mit allen Beteiligten, aber immerhin trafen sich am 27.07.2022 Vertreter der Denkmalsbehörde des Landkreises und des Landes, der Stadtverwaltung, der David-Sachs-Schule und unserer IG im Neuen Weg.

Die Behördenvertreter wurden dabei unsererseits auf die bereits fehlende Bronzeplatte an einem Denkmalsflügel sowie auf den desolaten Zustand des Originalhoftores mit dem Zuckerrübenmotiv und die Gefahr weiterer Diebstähle hingewiesen.

Denkmal

Tor

 Für die Idee zur Umsetzung des Denkmals besteht aus verständlichen, denkmalspflegerischen u.a. Gesichtspunkten keine Chance. Geänderte Eigentumsverhältnisse lassen aber die Hoffnung zu, dass jetzt seitens des neuen Eigentümers der gesamten Eingangszone und des betroffenen Gebäudes mehr Verständnis für die Bedeutung des Denkmals und eine Verbesserung der Situation besteht. Die Behördenvertreter nahmen mit dem Eigentümer bereits Gespräche auf und wurden von der Schule und uns erneut gebeten, diese Angelegenheit sehr nachdrücklich voranzutreiben.

Große Hoffnung setzen wir in das Vorhaben des Oberbürgermeisters, alle im Dippe-Hof ansässigen Grundstückseigentümer an einen Tisch zu bekommen. Laut Vertreter der Welterbestadt besteht das Ziel dieses Gespräch in einem zwischen allen Beteiligten abgestimmten Gesamtentwicklungskonzept für den historischen Saatgutwirtschafshof.

Hoffentlich lassen sich dabei die Vorschläge der IG, z.B. zu einem Depot für historische Saatguttechnik, integrieren.

Hartmut Klein

Sprecher der IG Saatguttradition

Standpunkt zum Antrag der CDU-Fraktion für die Stadtratssitzung am 30.06.22 „Hervorhebung der Welterbestadt als Blumenstadt“

Sicherlich wäre die Hervorhebung Quedlinburgs als „Blumenstadt“ eine weiteres schönes Attribut, mit dem sich die Welterbestadt schmücken könnte.

Angesichts der Traditionen, die Quedlinburg zu diesem Thema besitzt, sollte man diese Initiative gerade von Seiten der IG Saatguttradition  nur begrüßen.

Bevor ein Beschluss zu einer solchen Erweiterung der Bezeichnung Quedlinburgs in der Öffentlichkeit getroffen wird, sollte man allerdings Folgendes bedenken:

Wenn der Titel „Blumenstadt“ nicht nur eine wohlklingende Floskel bleiben soll, muss man sich klar darüber sein, dass das zusätzliche Anstrengungen und Kapazitäten erfordern wird. Das wird gerade jetzt im Zusammenhang mit der Diskussion um die zukünftige Nutzung des Abteigartens sichtbar.

Zwar gelingt es den Mitarbeitern des Bauhofes/Abt. Stadtgrün jedes Jahr wieder, wunderschöne Pflanzungen am Bahnhofsvorplatz und an einigen anderen zentralen Punkten im Stadtgebiet zu arrangieren und den Sommer über zu pflegen. Zur würdigen Gestaltung anderer bedeutender Flächen fehlen der Abt. Stadtgrün offensichtlich einfach die Kräfte. Der Zustand der zentralen Achse im Abteigarten ist das hervorstechendste und traurigste Beispiel dafür. Eine Auslagerung der Verantwortung für die Pflegearbeiten an Externe ist offenbar keine Lösung.

Die Annahme des zusätzlichen Titels „Blumenstadt“ würde u.E. erfordern:

  • Die Übernahme der zentralen Achse des Abteigartens in die volle Regie der Stadt Quedlinburg ohne Wenn und Aber
  • Gestaltung und Pflege in Anlehnung an das historische Vorbild und unter Berücksichtigung der Anforderungen seitens der „Gartenträume Sachsen-Anhalt“
  • Aktivitäten der Stadt und Einflussnahme auf private Eigentümer zur Beseitigung einiger weiterer „Schandflecke“ in der Quedlinburger Stadtgrünlandschaft (z.B. ehemalige Brühlgaststätte)
  • Bereitstellung der erforderlichen Kapazitäten im Bereich Stadtgrün

Aus den Diskussionen bei der Verabschiedung der Leitlinien zur Pflege der Saatzuchttradition Quedlinburgs im Vorjahr und den sich anschließenden Aktivitäten zur Umsetzung der damit verbundenen konkreten Vorhaben weiß unsere Interessengemeinschaft leider nur zu gut, wie mühselig es trotz aller guten Absichten der Stadtverwaltung ist, zu zählbaren Ergebnissen zu kommen. Und das meist in solchen Fällen, wo es um menschliche, finanzielle und  räumliche Kapazitäten  oder um zwischen WES und privatem Eigentum übergreifende Zuständigkeiten geht. So gibt es seit Sommer 2021 noch keine zählbaren Forstschritte bei den für unsere IG so wichtigen Anliegen wie dem Depot für historische Saatguttechnik oder dem Dippe-Denkmal am Neuen Weg.

Bei der Diskussion um den Titel „Blumenstadt“ und Abteigarten sollte man auch den Zusammenhang herstellen zu dem im Programm zur letzten Oberbürgermeisterwahl enthaltenen Vorhaben Landesgartenschau in der WES. Der Wunsch dafür ist groß, aber auch das würde riesige Anstrengungen und finanzielle Mittel erfordern, die angesichts der Haushaltslage der kommenden Jahre wohl kaum aufzubringen sein werden. Die Schwierigkeiten, die Bad Dürrenberg gerade mit der aktuellen Landesgartenschau hat, sollten zu denken geben.

Deshalb der Rat an die Stadträte: Überlegen Sie sich diesen Schritt gut.

Schaffen Sie vielleicht erst einmal ein paar der o.a. Voraussetzungen mehr in dieser Richtung, und beschließen Sie dann erneut.

Das wäre sicherlich besser, als später mit einem verfrüht in Anspruch genommenen Titel Kritik oder sogar Spott ernten zu müssen.

 

Hartmut Klein

Sprecher der IG Saatguttradition

Tel. 03946-9013448

Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Dieses Statement wurde vor der Stadtratssitzung an den Oberbürgermeister, die Stadtratsvorsitzende und Stadtratsmitglieder übergeben.

Auf Anfrage erhielt danach auch die Lokalredaktion der Mitteldeutschen Zeitung diese Mitteilung.

Züchter auf dem Züchterpfad

Bericht zu dem Besuch einer Gruppe des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter e.V. (BDP) in Quedlinburg am 09.07.2022

Unsere Interessengruppe freut sich sehr, dass der vor einem Jahr im Rahmen unseres Projektes eröffnete „Quedlinburger Züchterpfad“ weiter so eine gute Resonanz findet. Und das nicht nur bei den Einheimischen und touristischen Besuchern Quedlinburgs, sondern auch unter den Fachleuten der Saatzuchtbranche.

So konnten wir seit diesem Frühjahr jetzt bereits die dritte Gruppe von Züchtern zu einer Führung auf dem Züchterpfad begrüßen.

Zuerst zeigten wir anlässlich eines Abschluss-Jubiläums einer Gruppe von früheren Absolventen des Pflanzenzüchtungsstudiums an der Martin-Luther-Universität Halle unseren Züchterpfad, danach kam uns eine internationale Projektgruppe aus Vertretern des Julius Kühn-Instituts (JKI) und der weltweit agierenden Gemüsezuchtfirma Rijk Zwaan mit holländischen Wurzeln besuchen.

Am 9.07.2022 begab sich schließlich eine Gruppe unter Führung des BDP, des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter e.V., mit uns auf den Züchterpfad. Es handelte sich hier um Nachwuchskräfte aus Züchtung, Versuchswesen und anderen Bereichen der Saatgutwirtschaft, die jetzt in Quedlinburg eine dreijährige berufliche Fortbildung zum „Meister für Pflanzentechnologie“ mit der feierlichen Zeugnisübergabe abschlossen. Träger dieser Fortbildung ist der BDP, durchgeführt wurde sie unter Nutzung der Einrichtungen des Biotechparks Gatersleben. Der Besuch des Züchterpfads wurde als kulturelle Umrahmung der Abschlussfeier gewählt.

Der Rundgang diente nicht nur der Vermittlung von Fakten zur Quedlinburger Saatzuchthistorie; vielmehr wurde in den begleitenden Gesprächen sofort der Bogen von der Saatzucht und Samenhandel von früher zu heute geschlagen. Unsere IG-Mitglieder Dagmar Graf als Praktikerin in Züchtung und Versuchswesen und Hartmut Klein als Samenkaufmann konnten dazu genug aus ihrem Arbeitsleben berichten, und erstaunlicherweise gab es viele Berührungspunkte zu dem, was den Züchternachwuchs heutzutage bewegt.

Der Besuch dieser Gruppe hat uns aus folgenden Gründen besonders gefreut: Einmal gehörten der BDP und einige seiner Mitgliedsbetriebe neben dem Institut in Gatersleben und dem JKI zu den maßgeblichen Sponsoren des Züchterpfades. Wir konnten so nun Einiges von der Unterstützung, die wir erhalten hatten, wieder zurückgeben. Zum anderen wurde mit der Fortbildung von Nachwuchskräften hier an den traditionellen Standorten deutlich, welchen Stellenwert unsere Region nach wie vor für die Saatzuchtbranche in Deutschland und international besitzt. Und an diesem Image ein wenig mitzuarbeiten, ist unserer Interessengruppe in den letzten Jahren durchaus gelungen.

Es wäre schön gewesen, wenn es unserem im April verstorbenen Gründungsmitglied und maßgeblichen Initiator des Züchterpfads, Dr. Rolf Bielau, noch vergönnt gewesen wäre, diese Wertschätzung selbst zu erleben.

ZPfad BDP 1

Die Besuchergruppe des BDP an der Zentralinsel des Züchterpfads.

© Hartmut Klein, BDP

Festumzug in Quedlinburg

Im Rahmen der Festzeit 1100 Jahre urkundliche Erwähnung Quedlinburgs fand am Pfingstsonntag ein Festumzug bei bestem Wetter statt. Die IG Saatguttradition war gärtnerisch geschmückt und gut gelaunt mit dabei.

Festumzug 0

Festumzug 1

Festumzug 2

Festumzug 3

Festumzug 4

Festumzug 5Fotos: S. Plaschil

Übrigens feiert die IG Saatguttradition ihr 5jähriges Jubiläum am Freitag, den 17.06.2022, 16:30 Uhr mit einem Konzert in der Blasiikirche (siehe Veranstaltungen).

Wussten Sie schon, dass die 'Harzfeuer F1' Vorfahren aus der Mark Brandenburg hat?

Müncheberg, eine östlich von Berlin im Landkreis Märkisch-Oderland gelegene Kleinstadt beherbergt seit Ende der 1920er Jahre mehrere landwirtschaftliche Forschungseinrichtungen. Begonnen hat es mit dem Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung (1928-1945) (Wikipedia 2021a).

Reinhold von Sengbusch war seit Eröffnung des Instituts bis 1937 als Abteilungsleiter angestellt. Er war einer der vielseitigsten Wissenschaftler und Pflanzenzüchter Deutschlands. Unter seiner Leitung gelang es, alkaloidfreie Mutanten bei Lupinen aufzufinden und daraus eine neue Kulturpflanze, die Süßlupine zu entwickeln. Sengbusch beschäftigte sich u.a. mit Getreide, Gemüse, Obst und Industriepflanzen (Sengbusch um 1980). Er züchtete z. B. die einhäusigen (monözisch) Spinatsorten 'Wisemona' und 'Somona'. Am bekanntesten dürfte allerdings die Erdbeersorte 'Senga Sengana' sein (Wikipedia 2021b).

1930 übernahm Sengbusch F1-Nachkommenschaften aus Kreuzungen zwischen Solanum pimpinellifolium (damals als S. racemigerum bezeichnet) und verschiedenen Sorten von Kulturtomaten (Solanum lycopersicum) (Hackbarth et al. 1933). S. pimpinellifolium (Abb. 1) ist eine kleinfrüchtige, süß schmeckende Wildform aus Südamerika, die sich durch Frühreife, Platzfestigtigkeit und Resistenz gegen die Samtfleckenkrankheit (Fulvia fulva, syn. Cladosporium fulvum) auszeichnet. Sie reift ca. 8-14 Tage früher als damalige Kulturformen der Tomate (Tab. 1).

S pimpinellifolium Hoppe

Abb. 1: Solanum pimpinellifolium (Wildtomate) freilaufend, nicht ausgegeizt (Foto G. + H.-D. Hoppe)

Tab. 1: Auszug aus den Sortimentsbeobachtungen 1931 (entnommen aus: Hackbarth et al. 1933)

Sortenbezeichnung

Blühbeginn nach Tagen

Reifezeit nach Tagen

Reifeverlauf

(relativer Anteil Pflanzen mit reifen Früchten)

11.7.

18.7.

28.7.

1.8.

8.8

15.8.

S. racemigerum Nr. 42

70

123

13

67

80

100

--

--

Präsident Garfield

90

139

--

--

20

67

100

--

Bonner Beste

80

135

--

--

44

56

89

100

Tuckswood

83

139

--

--

8

31

70

100

Kirschförmige Gelbe

98

146

--

--

70

70

80

80

König Humbert

90

139

--

--

17

33

58

100

1931 untersuchten Sengbusch und seine Mitarbeiter Joachim Hackbarth und Natascha Loschakowa-Hasenbusch die F2-Nachkommenschaften auf züchtungsrelevante Merkmale. Wobei insbesondere Frühreife und Großfrüchtigkeit berücksichtigt wurden. Zum Vergleich wurden damals gängige Kultursorten angebaut (Tab.1).

Über verschiedene Selektionsschritte mit mehreren 10.000 Sämlingen konnten geeignete Nachkommen ausgewählt werden. Ein Teil von ihnen wurden mit Kultursorten zurückgekreuzt. Auf diesem Wege entstanden frühreifende, großfrüchtige Linien. Die Linien mit einem Fruchtgewicht von über 30 g wurden 1935 einer Reihe von Zuchtbetrieben zur eigenen züchterischen Bearbeitung zur Verfügung gestellt (Sengbusch 1935).

Seit 1937 sind in historischen Saatgutkatalogen Sorten zu finden, die auf die Müncheberger Linien zurückgehen. Das frühreifende Zuchtmaterial wurde als Kreuzungspartner mit ertragreichen Sorten genutzt. Die Quedlinburger Firma Rudolf Schreiber & Söhne entwickelte daraus die Tomatensorte 'Allererste', die ab 1937 im Handel war. Das Zuchtmaterial der Schreibers wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch das Institut für Pflanzenzüchtung Quedlinburg übernommen und weiterentwickelt. 1951 erfolgte die Zulassung der 'Frühen Liebe' (syn. 'Quedlinburger Frühe Liebe'), sie ist aus der Kreuzung 'Allererste' x 'Mikado' entstanden (Kraus 1954). Die 'Frühen Liebe' gehört zu den Erhaltersorten des Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN).

Den größten Erfolg feiert das Müncheberger Material in der Stabtomatensorte 'Harzfeuer F1'. Einer der Eltern ist die 'Frühe Liebe'. Die 'Harzfeuer F1' zählt zu den bekanntesten und beliebtesten deutschen Sorten. Sie ist seit 1959 zugelassen (Zentralstelle für Sortenwesen)! Von den drei Erhaltungszüchtern ist auch einer in Quedlinburg ansässig, die ISP International Seeds Processing (Bundessortenamt 2022).

Von den in Tab. 2 aufgeführten und nicht extra erwähnten Sorten sind nur noch die 'Zuckertomate', 'Lyconorma' und 'Lycoprea' in der Genbank des IPK Gatersleben als Akzessionen zu finden. Die beiden letztgenannten Sorten sind Buschtomaten und speziell für norddeutsche Verhältnisse unter Beteiligung von Sengbusch gezüchtet worden (Sengbusch um 1980). Sie sind besonders frühreif und reifen im Hamburger Raum bei Freilandkultur bereits Mitte Juli, während andere Sorten erst nach dem 1. August reife Früchte liefern. 'Lyconorma' und 'Lycoprea' haben wahrscheinlich Kreuzungseltern, die aus dem ursprünglichen Müncheberger Rückkreuzungsprogramm stammen.

Tab. 2: Sorten von Kulturtomaten, die nachweislich aus den Müncheberger Zuchtlinien direkt selektiert oder mittels Kreuzungszüchtung weiterentwickelt wurden

Sortenname

Firma

Jahr

Zuchtverfahren

Zucker-Tomate

F. C. Heinemann Erfurt

1937

Einzelauslese

Allererste

Rudolf Schreiber & Söhne Quedlinburg

1937

Einzelauslese

Rote Beere

Rudolf Schreiber & Söhne Quedlinburg

1937

Einzelauslese

Zucker-Tomate kleinfrüchtig

Weigelt & Co. Erfurt

1938

Einzelauslese

Zucker-Tomate großfrüchtig

Weigelt & Co. Erfurt

1938

Einzelauslese

Zuckertomate

Friedr. Adolph Haage Jun. Erfurt

1938

Einzelauslese

Zuckertomate kleinfrüchtig

Ernst Benary Erfurt

1939

Einzelauslese

Fromholds Müncheberger Frühtomate

E. Fromhold & Co. Naumburg

1945

Wahrscheinlich Kreuzung

Benarys Gartenfreude

Ernst Benary Erfurt

1950

Mutation aus Rote Beere

(Quedlinburger) Frühe Liebe

Institut für Pflanzenzüchtung Quedlinburg

1951

Kreuzung

Schreibers Priora

Rudolf Schreiber & Söhne Braunschweig

1954

Kreuzung

Harzfeuer F1

Institut für Pflanzenzüchtung Quedlinburg

1959

Kreuzung

Lyconorma (Buschtomate)

BA f. Züchtungsforschung an Kulturpflanzen Ahrensburg

1970

Kreuzung

Lycoprea (Buschtomate)

BA f. Züchtungsforschung an Kulturpflanzen Ahrensburg

1970

Kreuzung

Freude (Gardener's Delight)

Ernst Benary Samenzucht Hann. Münden

2008

?

Wahrscheinlich wurden noch mehrere Sorten unter Nutzung der frühreifen Formen von Sengbusch gezüchtet. Es ist allerdings schwierig dies nachzuvollziehen, da nicht alle Züchter die Herkunft bzw. die Kreuzungspartner benennen. Das Beispiel aus Müncheberg zeigt, welche Bedeutung die Forschung für die Entwicklung von verbesserten Sorten und deren Vielfalt hat.

Kompletter Artikel unter: https://vern.de/muencheberger-tomaten/

Quellen

Bundessortenamt (2022): Sorteninformationen. Hannover. Online verfügbar unter https://www.bundessortenamt.de/apps6/bsa_sorteninfo/public/de, zuletzt geprüft am 06.04.2022.

Hackbarth, J.; Loschakowa-Hasenbusch, N.; Sengbusch, R. v. (1933): Die Züchtung frühreifer Tomaten mittels Kreuzungen zwischen Solanum lycopersicum und Solanum racemiger. In: Der Züchter 5 (5), S. 97–105.

Kraus, Wilhelm (1954): Frucht- und Zwiebelgemüse. Arten- und Sortenkunde: Deutscher Bauernverlag (Arbeiten des Sortenamtes für Nutzpflanzen, 6).

Sengbusch, R. v. (1935): Die Müncheberger Tomatenarbeiten. Müncheberg. Online verfügbar unter https://pure.mpg.de/rest/items/item_39081_6/component/file_52548/content, zuletzt geprüft am 15.04.2021.

Sengbusch, R. v. (um 1980): Von der Wildpflanze zur Kulturpflanze. Eine Dokumentation meiner Arbeiten. Unveröffentlicht.

Wikipedia (Hg.) (2021a): Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung. Online verfügbar unter https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kaiser-Wilhelm-Institut_für_Züchtungsforschung&oldid=210059734, zuletzt aktualisiert am 21.03.2021, zuletzt geprüft am 11.04.2022.

Wikipedia (Hg.) (2021b): Reinhold von Sengbusch. Online verfügbar unter https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Reinhold_von_Sengbusch&oldid=213708569, zuletzt aktualisiert am 09.07.2021, zuletzt geprüft am 11.04.2022.

Zentralstelle für Sortenwesen der DDR: Sortenliste für landwirtschaftliche Kulturarten, Gemüse und Obst: VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag. Jahrgänge 1950, 1951, 1959, 1961, 1990

 

 

Quedlinburger Blumenzauber im Handel

Anlässlich der Festwochen zum 1.100jährigen Jubiläum der urkundlichen Ersterwähnung Quedlinburgs kreierte Matthias Stier, der Blumenspezialist der IG Saatguttradition, eine farbenfrohe Mischung einjähriger Sommerblumen unter dem Titel "Blumenzauber".

Blumenzauber Vorder   Blumenzauber Rueck

Mit dem Erwerb von "Blumenzauber" unterstützen Sie die Projektarbeit der IG Saatguttradition.

Das Samentütchen ist erhältlich bei folgenden Einrichtungen und Einzelhändlern:

Quedlinburg Tourismus Marketing GmbH, Markt 4, Quedlinburg

Becher, Spielzeugladen, Breite Str. 49, Quedlinburg

Ladengalerie Clara, Gildschaft 10, Quedlinburg

Cafe Sonnenschein, Goethestrasse 12, Quedlinburg OT Gernrode

Fa. Blütenstiel A. Trolldenier, Steinbrücke 1, Quedlinburg

Samocca Cafe und Kaffeerösterei, Lange Gasse 30, Quedlinburg

Thalenser Hexenmanufaktur, 06502 Thale, Bahnhofstr.1

Kosmetikinstitut Beauty, Bockstraße 2, Quedlinburg

Thomas Possin Onlineshop: https://gartensaaten.de/Blumenzauber

Mit dem "Blumenzauber" könnte es bei Ihnen bald so aussehen:

Blumenzauber1

Blumenzauber3

 An alle QuedlinburgerInnen: Machen Sie mit beim Blumenschmuckwettbewerb!

https://festzeit.quedlinburg-info.de/de/index/blumenschmuckwettbewerb.html

Frühlingsfest im Ökogarten

Beim Fühlingsfest im Ökogarten waren unsere Mitglieder Dagmar Graf und Mathias Stier mit dabei. Hier konnten Kinder eine Blühfläche anlegen. Gesät wurde die farbenfrohe, insektenfreundliche Mischung einjähriger Sommerblumen, die Matthias Stier, der Blumenspezialist der IG Saatguttradition, unter dem Titel "Blumenzauber" anlässlich der Quedlinburger Festwochen kreierte.

Kommt es nun zum Blüh-Wettbewerb zwischen Ökogarten und Schulhof? Wir sind gespannt, wie sich die unterschiedlichen Blühflächen entwickeln!

IMG 20220503 WA0002

IMG 20220503 WA0003

 

 

Quedlinburger Blumenmarkt

Auf dem gut besuchten Blumenmarkt zu den Quedlinburger Hoftagen präsentierte sich die IG Saatguttradition mit einem eigenen Stand, unterstützt durch Thomas Possin, der Samentütchen verschiedener einheimischer Saatgutfirmen verkaufte. Viele wissbegierige Einheimische und Gäste nutzten die Gelegenheit, sich zur Geschichte der Saatzucht zu informieren. Prägnante Orte der Saatguttradition werden auf dem Quedlinburger Züchterpfad, zu dem es eine umfangreiche Broschüre der IG gibt, wieder lebendig. Der Bogen zur Gegenwart wurde auf dem Blumenmarkt durch die Präsenz des Julius Kühn-Instituts, Ökogartens und der in Quedlinburg ansässigen Saatgutunternehmen gespannt.

Matthias Stier, der Blumenspezialist der IG Saatguttradition, kreierte anlässlich der Festwochen eine farbenfrohe Mischung einjähriger Sommerblumen unter dem Titel "Blumenzauber". Dieses Samentütchen kann in der Stadtinformation  der Quedlinburg Tourismus Marketing GmbH und bei verschiedenen Einzelhändlern in der Welterbestadt erworben werden.

Mit dem Erwerb unterstützen Sie die Projektarbeit der IG Saatguttradition.

 

IG 2

Stand 1

Stand 2

JKI

Blumenzauber Vorder

Blumenzauber Rueck

Weiterführende Links

https://zuechterpfad.khv-quedlinburg.de/

https://www.julius-kuehn.de/

https://www.oekogarten-quedlinburg.de/

https://www.mz.de/lokal/quedlinburg/gute-stimmung-bei-den-hoftagen-in-quedlinburg-endlich-wieder-draussen-3369086?reduced=true

Quedlinburger SchülerInnen legen Blühwiese an

Unser Mitglied Matthias Stier half diese Woche den Kindern der Neustädter Grundschule sowie der Integrationsschule Am Kleers beim Anlegen einer insektenfreundlichen Blühwiese im Schulhof und Schulgarten. Zur Aussaat wurde eine von der IG Saatguttradition extra für das Stadtjubiläum 1.100 Jahre Quedlinburg zusammengestellte Blühmischung verwendet. Diese enthält u.a. Kornblumen, Klatschmohn, Schleierkraut und Cosmea.

Wir wünschen den Mädchen und Jungen, dass die Saat gut aufgeht und hoffen, dass sie die Quedlinburger Tradition fortführen.

IMG 20220502 WA0000

IMG 20220502 WA0001

IMG 20220502 WA0002

IMG 20220502 WA0006

IMG 20220502 WA0003

IMG 20220502 WA0004

IMG 20220502 WA0005

Immer mit der Saatzucht verbunden

Erinnerung an Dr. Rolf Bielau

Wir erhielten die traurige Nachricht, dass uns unser Freund und Mitstreiter Dr. Rolf Bielau für immer verlassen hat. Die Interessengemeinschaft Saatguttradition verliert mit ihm ein Mitglied, das entscheidende Impulse für die Arbeit unserer IG seit ihrer Gründung vor fünf Jahren gegeben hat.

Im Jahr 1948 in Köthen geboren, nahm Rolf Bielau nach dem Abitur 1967 ein Studium der Pflanzenproduktion an der Martin-Luther-Universität in Halle auf. Er schloss es mit der Promotion zu einem Thema der Tomatenhybridzüchtung ab. Sein Berufsleben führte ihn über verschiedene Stationen in Pflanzenbau und Züchtung schließlich in das Institut für Züchtungsforschung nach Quedlinburg, Dort arbeitete Dr. Bielau anfänglich sogar noch unter dem Nestor der Tomatenzüchtung der DDR, Dr. F. Fabig, und schließlich an verantwortlichen Stellen in der Gemüsezüchtung des Instituts.

Die Umbrüche in der hiesigen Wissenschaftslandschaft nach 1990 stellten neue berufliche Herausforderungen und führten ihn zu verschiedenen Auslandseinsätzen für Züchtungs- und Vermehrungsprojekte der Samen Mauser AG Schweiz. Sein Berufsleben schloss Dr. Bielau als Gartenleiter der International Seeds Processing GmbH in Quedlinburg im Jahr 2013 ab.

Nach dem Eintritt in den Ruhestand ist Dr. Bielau noch einmal richtig durchgestartet und hat sich in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, so im Kleingärtnerverband und im Freundeskreis der Bibliothek, engagiert. Seine große Leidenschaft war aber immer die Saatzucht im Allgemeinen sowie Zuckerrübe und Tomate im Besonderen. Bei letzterer gab er wichtige Impulse für die Publizierung und Demonstration alter mitteldeutscher Tomatensorten durch Vereine u.a. in Aschersleben und Neugattersleben.

Für die erfolgreiche Arbeit der IG Saatguttradition hat Rolf Bielau mit der Erfassung historischen Schriftgutes und seinen Publikationen einen essentiellen Beitrag geleistet.

Im letzten Jahr hat sich Dr. Bielau einen Traum erfüllt: Das von Dr. Kummer initiierte und von ihm wieder aufgenommene Projekt des „Quedlinburger Züchterpfads“ wurde durch die IG realisiert und würdevoll an die Welterbestadt übergeben. Damit hat er sich Dr. Bielau bleibende Verdienste um die Bewahrung der Saatzuchttradition in unserer Heimatstadt erworben.

21M1165

Rolf ZP 1

21M1164

Rolf ZP 2

Wir als seine Freunde, Mitstreiter und ehemalige Kollegen haben in den vielen Jahren der Zusammenarbeit seine Kollegialität und den unermüdlichen Einsatz für unsere gemeinsamen Ziele schätzen gelernt. Wir werden ihn immer in freundschaftlicher und ehrender Erinnerung behalten.

Nun hat der Tod ihn so plötzlich aus dem aktiven Leben gerissen; dabei hatte er noch so viele Pläne!

Hartmut Klein

Sprecher der IG

https://www.mz.de/lokal/quedlinburg/rolf-bielau-aus-quedlinburg-der-immer-mit-der-saatzucht-verbunden-war-ist-gestorben-3367233?reduced=true