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Erfolgreiche Tomatenzüchtung in Quedlinburg

Die Kulturtomate (Lycopersicon esculentum L.) zählt zu den Pflanzenarten, die erst relativ spät in den Fokus von Quedlinburger Züchtern gelangte. Die Hochzeit der hiesigen Tomatenzüchtung begann in den 1930er Jahren und setzte sich bis 1990 fort. Deutschlands bekannteste Sorte ‘Harzfeuer F1‘ kommt aus Quedlinburg. Aber der Reihenfolge nach:

Die erste Quedlinburger Gärtnerei, die sich mit der Züchtung von Tomaten beschäftigte, ist wahrscheinlich der Gartenbaubetrieb Gebr. Ebert in der ehemaligen Bismarckstr. 12, heute Stresemann Str. 30, am Itschensteg. Bereits in den 1880er Jahre selektierte man hier erstes Zuchtmaterial und war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs aktiv. Die Züchtungen der Gebr. Ebert gelten als verschollen, auch Sortennamen sind leider nicht mehr bekannt.

Im Preisverzeichnis der Firma Samuel Lorenz Ziemann wurde 1909 die Sorte ‘Ziemanns Rote Riesen‘ erwähnt.

Bereits vor 1910 befand sich die Sorte ‘Goliath‘ der Firma David Sachs im Handel. Erstmals ausgestellt und als hervorragende Gemüsesorte bezeichnet wurde sie auf der Gemüse-Ausstellung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in Berlin 1910. Weitere Tomatensorten sind ‘Allererste‘ und ‘Rote Beere‘, die ab 1937 in den Handel gelangten. ‘Schreibers Priora‘ wurde im Katalog 1938 erstmalig erwähnt. 1940 befand sich die Sorte ‘Braunfleckfeste Treib‘ in Prüfung bei der Sortenregisterstelle, erhielt aber keine Sortenzulassung. Leider gelten auch hier alle Sorten als verschollen. Der von jüdischen Glauben zum Protestantismus konvertierte Inhaber Hans Sachs galt in der Nazizeit als Jude. Um einer Arisierung (Enteignung) zu entgehen, überschrieben er und seine Schwester Henriette Jacobs, geb. Sachs, ihre Anteile auf Rudolf Schreiber, der bereits 1900 in das Unternehmen David Sachs als Züchter und Mitinhaber eingetreten war. 1942 musste die Ehefrau Elsbeth Sachs ihre restlichen Anteile auch an Rudolf Schreiber übertragen, der nun neuer Allein-Inhaber wurde. Er firmierte bis zur Enteignung 1945 unter dem Namen Rudolf Schreiber & Söhne (Abb.1).

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Abb. 1: Haupt-Preisverzeichnis 1937/38 der Samenzüchterei Rudolf Schreiber & Söhne. Einlageblatt bezüglich der Enteignung von David Sachs.

1931 führte die Otto Storbeck Samenzüchterei die Tomatensorte ‘Standard‘ ein. Diese Sorte fand aber nur in den 1930er Jahren Verbreitung. Die Saatzuchtfirma Andreas Keilholz zog 1936 ihre Freiland-Stabtomate ‘Weltbrand‘ aus der offiziellen Sortenprüfung zurück. Von der Gebr. Dippe AG ist nur der Stamm „Dippes Nz 802“ bekannt. Er ist in der Genbank des IPK Gatersleben eingelagert.

Nach dem Zeiten Weltkrieg erfolgten umfangreiche Züchtungsarbeiten am Institut für Pflanzenzüchtung Quedlinburg (1972 in Institut für Züchtungsforschung umbenannt). Erstes Ausgangsmaterial waren u.a. Zuchtstämme aus den Kreuzungsarbeiten des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Züchtungsforschung Müncheberg (R. v. Sengbusch). Dieses Zuchtmaterial war bereits Mitte der 1930er Jahre an die Fa. David Sachs übergeben worden. Daraus resultierten u.a. die oben genannten Sorten ‘Allererste‘ und ‘Rote Beere‘ (Abb. 2). Das Material wurde wohl von Friedrich Fabig ins Institut für Pflanzenzüchtung mitgebracht, der seit 1941 bei Rudolf Schreiber & Söhne züchterisch tätig war.

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Abb. 2: Haupt-Preisverzeichnis 1937/38 der Samenzüchterei Rudolf Schreiber & Söhne. Neuheiten 1937-38.

Die 1951 zugelassene Sorte ‘Frühe Liebe‘ basiert ebenfalls auf dem Müncheberger Material. Manfred Kummer, der die Idee zum Quedlinburger Züchterpfad hatte und in den 1950er Jahren für die Tomatenprüfungen am Prüfort Quedlinburg der Zentralstelle für Sortenwesen verantwortlich war, notierte in einem DSG-Katalog von 1953 die Herkunft der Sorte (Abb. 3):

ca. 1930: Kreuzung „Bonner Beste“ x Lycopersicum pimpinellifolium (E.-Baur-Inst. Müncheberg)

1936: Beginn der Züchtungsarbeit in Quedlinburg = frühreife u. platzfeste Typen x „Mikado“

1951: Hz „Quedlinburger Fr. Liebe“ (14 Tg. Früher als „Bonner Beste“ u. 21 Tg. Früher als „Rheinlands Ruhm“, Ertrag: 85 % v. „B. Beste“

1952 53 DSG Hauptkatalog Kummer 2Abb. 3: Handschriftliche Herkunftsangaben von Manfred Kummer zur Sorte ‘Frühe Liebe‘

Züchter der ‘Frühen Liebe‘ (synonym ‘Quedlinburger Frühe Liebe‘) war Friedrich Fabig. Er entwickelte sich zum erfolgreichsten Gemüsezüchter Quedlinburgs und züchtete in seinem Berufsleben bis 1986 über 70 Gemüsesorten, davon allein sieben Tomatensorten! 1953 folgten die von Fabig gezüchtete Sorte ‘Fanal‘ sowie die von Paul Vogel entwickelte Stabtomate ‘Harzer Kind‘.

Friedrich Fabig war maßgeblich an der Einführung der Tomaten-Hybridzüchtung beteiligt. Bekannt ist er durch seine Schöpfung ‘Harzfeuer F1‘. Diese war die erste DDR-Hybridtomate und wurde 1959 zunächst unter dem Namen ‘Primavera‘ zugelassen. Auf Einspruch einer westdeutschen Saatgutfirma, die eine Tomate gleichen Namens im Sortiment hatte, musste kurzfristig ein neuer Name gefunden werden. Der Züchter entschied sich für ‘Harzfeuer F1‘. Am 21. September 1961 wurde der neue Name im DDR-Sortenregister bekanntgegeben.

Weitere Sorten von Friedrich Fabig waren ‘Grit‘ (1970) sowie in den 1980er Jahren die Hybridsorten ‘Joker F1‘ und mit Rolf Bielau ‘Boderot F1‘ und ‘Bodeglut F1‘. Letztgenannter züchtete auch die Sorte ‘Ines F1‘. Die Züchtung von Martin Stein ‘Auriga‘, eine Sorte mit leicht oranger Farbe und hohem Beta-Carotin-Gehalt, kam 1980 in den Handel und ist heute als Hobbysorte gefragt. 1984 folgte im Institut für Züchtungsforschung Quedlinburg die Buschtomate ‘Katrina‘, deren Züchterin Barbara Neubert ist. Weitere Buschtomaten von ihr waren ‘Helga‘ und ‘Almut‘. Mehrere Neuzuchtstämme aus dem Institut konnten nach der Eingliederung in die BRD nicht mehr zur Zulassung gebracht werden.

Auch nach 1991 ging die Tomatenzüchtung in Quedlinburg weiter. Christoph Kleinhannns züchtete nach dem Wechsel aus Eisleben in die Samen Mauser Quedlinburg Zucht u. Produktion, später Saatzucht Quedlinburg GmbH die kompakten Mini Sorten ‘Balcony Red‘ und ‘Balcony Yellow‘ für die Topf- und Terassenkultur. Dazu kamen bis 1998 gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Kunzemann die für den Intensivanbau im Gewächshaus geeigneten Sorten ‘Itema F1‘, ‘Franzi F1‘, ‘Lioba F1‘ und ‘Fatima F1‘.

In der Kontinuität der Quedlinburger Tomatenzüchtung liegen die acht Sorten der Firma satimex Quedlinburg GmbH, die ab 2018 von Eike Kampe und Clemens Heinzerling in den Handel gebracht wurden. Es sind vier Cocktailtomaten: ‘Lemonia F1‘, ‘Red Bambi F1‘, ‘Black Bambie F1‘, ‘Yellow Bambi F1‘, zwei Fleischtomaten: ‘Quedlinburger Ochsenherz‘, ‘Quedlinburger Rosamunde F1‘ sowie die Sorten ‘Oringa‘ und ‘Black Jack‘. Drei der Sorten sind derzeit noch im Zulassungsverfahren.

Das Quellenverzeichnis ist bei den Autoren einsehbar.

 

 

Besuch von Gleichgesinnten

Führung und Erfahrungsaustausch mit Gästen aus Hamburg am 28.08.2021 in Quedlinburg

Es ist ein gutes Gefühl, wenn wir bei unserer Arbeit zur Bewahrung der Saatguttradition in Quedlinburg nicht nur Anerkennung in unserer Region, sondern weit darüber hinaus erfahren.

Ein Zufallsbesuch führte ein Mitglied des Fördervereins des Museums der Arbeit in Hamburg im Jahr vor der Coronakrise in unsere kleine Ausstellung im Finkenhäuschen. Das Museum der Arbeit und der Förderkreis verfolgen durchaus ähnliche Ziele wie wir, natürlich mit einer ganz anderen Dimension und auch längeren Geschichte. Herr Wiedey fand es so oder so wert, dass sich der Freundeskreis bei einer Jahresexkursion auch einmal mit einem Thema der Agrargeschichte beschäftigen sollte. Wie wir jetzt, nach dem Besuch wohl mit ein wenig Übertreibung sagen können, öffneten wir ihnen die Tür zu einer Schatzkammer.

Besonders angenehm, wie interessiert und aufgeschlossen die Hamburger auch an dem DDR-Abschnitt der Saatgutgeschichte und unseren persönlichen Erfahrungen mit der Transformation von aus sozialistischer Planwirtschaft in die Privatwirtschaft waren.

Wir danken Herrn Rogge, Herrn Wiedey und ihren Freunden für den Besuch, ihre Anerkennung und Anregungen für unsere Arbeit.

Gastbeitrag:

Wir der Freundeskreis des Museums der Arbeit in Hamburg, führen seit 30 Jahren „Museumsreisen“ zu kultur- und industriegeschichtlich bedeutsamen Orten durch.

Dieses Jahr waren wir mit 33 Personen Gast in der Welterbestadt Quedlinburg. Uns lockte auch die Industriegeschichte der Stadt, vor allem die international bedeutende Saaatzucht und Saatgutproduktion.

Die Mitglieder der Interessengruppe Saatguttradition im KHV empfingen uns am Sonnabend, 28. August vor dem Finkenhäuschen und in zwei Gruppen begann die Führung entlang des neuen Züchterpfades. Dagmar Graf, Dr. Rolf Bielau, Hartmut Klein und Matthias Stier erläuterten engagiert, ausführlich und sehr anschaulich, unterstützt durch ergänzendes Bildmaterial, die baulichen Überreste an den Standorten der Infotafeln und die spannungsreiche Geschichte der Saatgutproduktion.

Von den ganz frühen Anfängen über die Entwicklung eines gehaltvollen Zuckerrübensamens, der einen Boom auslöste, über die Kaiserzeit bis zur persönlich erlebten DDR und Wendezeit bis heute wurde der Bogen geschlagen aus Fakten, Geschichten und beeindruckenden Zahlen, was die Produktionsmengen betrifft. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Führung äußerten sich begeistert über die lebendigen Schilderungen der Zeitzeugen, die auch die Phase der DDR und Wendezeit für uns anschaulich und nachvollziehbar werden ließen.

Schade dabei natürlich, dass es in der Welterbestadt noch kein Museum oder ähnliche Stätte gibt, an denen man Saatgutmuster, technische Anlagen, historische Werkzeuge  und Dokumente ständig sehen und vorgeführt bekommen kann. Wir wünschen, dass dieses unseren Gastgebern mit Hilfe der Quedlinburger Stadtgesellschaft  und des Landes noch gelingen wird.

Freunde des Museums der Arbeit Hamburg e.V., Wolfgang Wiedey, 2.9.2021

 

Schon mal gehört von Gertrud Schmidt?

Gertrud Schmidt - eine Quedlinburgerin leitet die Saatzuchtfirma in den schwierigen Kriegsjahren 1943-1945

P.J. Schmidt war ein kleines, mittelständisches Unternehmen, das Gemüse- und Blumensamen für Deutschland produzierte und handelte. Die Firma war in der Weberstraße ansässig und bewirtschaftete verschiedene Felder rund um Quedlinburg, u.a. am Liebfrauenberg. Mit diesem Beitrag soll die tapfere Frau, Gertrud Schmidt, gewürdigt werden, die im 2. Weltkrieg und auch danach die Leitung der Firma bis zur Wiederkehr ihres Mannes übernehmen musste. Unter welchen Bedingungen und Herausforderungen sie das bewerkstelligte, belegen historische Dokumente der Saatzuchtfirma P.J. Schmidt, unter denen ich eine gebündelte, beschädigte Mappe aus dem Kriegsjahr 1943 vom „Schriftverkehr, Briefe N-Z vom 1.1.43 bis 31.12.43“ fand.

Schon beim Stöbern in den Post- und Bestellkarten, amtlichen Schreiben und Briefen an und von Behörden merkt man, dass der „Endsieg“ nur noch Propaganda war. Kontingentierung, verwaltete Mangelwirtschaft und teilweise offene Verzweiflung sind erkennbar und werden nicht bemäntelt. Frau Gertrud Schmidt, geb. Buchmann (1906 bis 2006) musste nach der Einberufung ihres Ehemanns Paul Johannes (38 Jahre) allein zurechtkommen. Auszüge aus unterschiedlichen Briefen und Postkarten sollen die damalige, schwierige Situation belegen. Schlussfolgerungen kann der Leser selber ziehen.

Bereits Anfang 1943 ist die Versorgungslage angespannt: Im Brief vom 16.1.43 an Heinrich Post, Samenhandlung Eifa in Hessen, teilt P.J. Schmidt mit: „...wenn das so weiter geht, werde ich noch nicht einmal in der Lage sein, den kleinsten Auftrag zu erledigen. ...Allerdings wird es sich nur um kleine Mengen handeln.“

Ein weiterer Brief vom 6.2.43 an einen Kunden: „Wir haben jetzt unsere Zuteilungen erhalten und diese sind derart gering, dass wir jeden alten Kunden nur 20 % seines vorjährigen Bezuges liefern können. Neue Kunden können daher leider gar nicht berücksichtigt werden.“

Ein Schreiben aus Alzenau, Mainfr.,12.3.43: „Wie sie mir mitteilten, sollte ich Sie nochmals an meinen Auftrag erinnern und hoffe ich dadurch ganz bestimmt, daß Sie mir doch auch eine Zuteilung machen.

Wilhelm Schönen, Baumschule Samenhandlung, Rheydt=Giesenkirchen, schreibt am 16.3.43: „Ihre Karte habe ich erhalten und teile Ihnen mit, daß ich kein Lot Samen mehr im Hause habe, ich bin der einzigste Verkäufer am Ort. Der andere ist eingezogen. Schicken Sie mir doch umgehend was in Ihren Kräften steht. Sie glauben nicht wie ich von den Leuten überlaufen werde.

Der Oberpräsident des Landes-Ernährungsamt Sachsen-Anhalt Halle (Saale) am 27. Februar 1943 an Frau Schmidt: „Es war ihnen schon seit vorigem Jahr bekannt, daß Sie mit der Einberufung rechnen müssen. Ich habe nicht die Absicht, den Wehrbezirkskommandeur nunmehr noch um eine andere Entscheidung zu bitten.“

17. April 1943. Um den Mitarbeiter Heinrich Winter (?) als Kraft für den Betrieb zu erhalten, wird ein UK Antrag benötigt. (UK = Unabkömmlichkeit). Deswegen schrieb Frau Schmidt dann am 6.7.1943 an die Reichsfachschaft der Samenkaufleute in Berlin-Charlottenburg; …und ich muß als seine Ehefrau (ohne jegliche Fachkenntnisse) den Betrieb weiterführen. Es handelt sich also um ein kriegswichtiges Unternehmen...nur ein eine einzige männl. deutsche Arbeitskraft... und zwar bekam er Mittwochs Bescheid und mußte am Sonntag bereits Soldat sein.“ Es ist bekannt, dass zu dieser Zeit im Haushalt „Noch ein kleiner Junge(n) (6 Jahre alt).“ ist. Dies ist Sohn Gerhard Schmidt.

Am 28.4.43 bittet Frau Schmidt um die Bewilligung eines Fahrrades: „…ich führe das Geschäft mit einer Angestellten und einem Lehrling. Da ich außerdem noch 70 Morgen Acker zu bewirtschaften habe und mich ...um alles kümmern muß, kann ich nicht jeden Weg zu Fuß machen.

Nur der Einsatz von Zwangsarbeiterinnen, (so genannten Ostarbeiterinnen) ersetzte die notwendigen Arbeitskräfte.

19.5.43, Frau Schmidt an Wirtschaftsamt Quedlinburg: „Bitte um Bezugsschein für 4 Kochtöpfe,1 Waschtopf, 1 Waschschüssel, 2 Wassereimer, 10 Essschüsseln und vier weitere größere Schüsseln.

Der Quedlinburger Oberbürgermeister Karl Selig als Ortspolizeibehörde schreibt am 26.5.1943: Zur ausländerpolizeilichen Erfassung und Fingerabdrucknahme haben die bei Ihnen beschäftigten umstehend aufgeführten Ostarbeiter am 1.6.43 in der Verwaltungspolizei, Grünhagenhaus, Zi 17 zu erscheinen. Rückseite: 1. Wera Fuzuk, 2. Lena Samara, 3 .Maria Neschetta, 4. Lida Prichodka.

Am selben Tag schreibt der Oberbürgermeister als Ortspolizeibehörde: „In Ihrem Betrieb beschäftigen Sie 4 sowjetrussische Zivilarbeiterinnen. ...Sie sind dafür verantwortlich, daß die bei Ihnen beschäftigten Arbeiterinnen außerhalb der zugewiesenen Tätigkeit nicht mit der deutschen Bevölkerung zusammentreffen. Die Ostarbeiterinnen haben sich beim Verlassen des Lagers (Heinrichplatz, d. A.) und bei der Rückkehr stets beim Lageraufseher zu melden. Die Arbeitskräfte haben auf der rechten Brustseite eines jeden Kleidungsstückes auf blauen Grund Schrift „Ost“.

8. Juni 1943, Weberstr. 42, Antrag auf Zuteilung von Zulagekarten für Langwege und Nachtarbeiter, insgesamt beschäftigt 9 Ausländer und ein Deutscher

Am 22. Juni 1943 schreibt der Oberbürgermeister als Ortspolizeibehörde an Herrn P.J. Schmidt, Samenbau: „Den Erfordernissen des totalen Krieges muß in vollem Umfang und rücksichtslos Rechnung getragen werden und infolgedessen auch eine weitere Einschränkung im Kfz Verkehr vorgenommen werden. Unter dem Gesichtspunkt des totalen Krieges kann ich ... ein öffentliches Interesse an der Weiterbenutzung Ihres unter Kennzeichen IM-210918 ...weiter nicht erkennen. Ab dem 30.06.43 wird die Genehmigung …zurückgenommen.

Am 7. Juli, 20 Uhr ist im Prinz Heinrich Versammlung sämtlicher Anbauer von Hafer, Gerste und Kartoffeln. ...ist die Teilnahme an der Versammlung für jeden Anbauer unerläßlich. gez. Ebert Ortsbauernführer

Am 5. Mai 1943 erhält Herr Paul Schmidt, Weberstraße 26, das jährliche Formular zur Bodenbenutzungserhebung 1943. Er ist aber bereits seit dem 25.02.43 Soldat! Das seine Frau den Betrieb führt, interessiert in der frauenfeindlichen Nazizeit keinen.

Leop. Wallmann, Nachfolger Papiergroßhandlung in Quedlinburg, bittet am 1. Juni 1943 „eine Erklärung ab(zu)geben, damit“ Wallmann durch Wiederbeschaffung der Pappen (nötig für Lieferungen) weiter produzieren kann. Der Brief vom Reichsverband der Pflanzenzucht (28.9.43).: „Den eingesandten Zuteilungsbescheid erhalten Sie in der Anlage zurück. ...dürfen PZT-Gewebesäcke für Saatgut nicht mehr abgeben werden. An Stelle von PZT-Gewebe wird daher Reinpapiergewebe PT 700 geliefert.“ Fa. Schmidt erhält den Zuteilungsbescheid zum Bezuge von 200 Säcken (!) der Qualität P.T-700 vom Reichsverband der Pflanzenzucht“ (13.10.43).

Am 1. Oktober 1942 wird ein „Reichsnährstand Einheitsvertrag für Pachtgrundstücke zwischen P.J. Schmidt und Herrn Franz Tettenborn, Blankenburg Harz zu (einem) Ackerstück über den Sandkuhlen über 80,4 Morgen“ abgeschlossen.

Die Einladung der Ortsfachgruppe Quedlinburg im Reichsnährstand Abteilung Gartenbau zur Monatsversammlung durch den Ortsfachwart kommt am 30. November 1943: „Thema Behandlung und Pflege von Aussaaten, Überwinterung von Gemüse“.

Eine Kundenkarte aus Gomau Main, 7.12.43: „Melde mich für die kommende Saison etwas eher bei Ihnen, damit bei Ihrer Verteilung nicht wieder zu spät komme. Sonst immer zufriedener Kunde m.d.G.

Bis zu ihrem Lebensende lebte Gertrud Schmidt in ihrer kleinen Wohnung im ersten Stock des Betriebsgebäudes im Weinbergweg. Dort befanden sich auch Flächen für Züchtung und Vermehrung. Nach dem Tod ihres Ehemanns wurde der Betrieb vom Sohn Gerhard bis 2015 fortgeführt.

Mappe

 

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P.J.Schmidt Preisliste 1954

 

GSchmidt2 2Gertrud und Paul Johannes Schmidt

GSchmidt 1 2Gertrud Schmidt und Sohn Gerhard

 Fotos: Stephanie Schmidt

Aktuelles: Vortrag auf der BUGA

Wissenswertes über Tomaten

An dem BUGA Standort Petersberg in Erfurt werden im ehemaligen Festungsgraben die Erfurter Gartenschätze wie Arznei- und Gewürzpflanzen, verschiedene Gemüse- und Blumensorten gezeigt.

Unser Mitglied Dr. Rolf Bielau gab am 1. August 2021, unterstützt von Dr. Wolf-Dieter Blüthner aus Erfurft, in zwei Vorträgen mit Diskussion sein Fachwissen zu Tomaten an die Besucher weiter. Dabei interessierten die Besucher besonders Krankheiten bei Tomate wie Blütenendfäule, Gelbkragen und natürlich Braunfäule. Darüber hinaus hatte Herr Hoser aus Süddeutschland Saatgutproben von verschiedenen alten und DDR Sorten vorbereitet, die die Beuscher kostenlos mitnehmen konnten.

Impressionen von der Vortragsveranstaltung

 

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Impressionen von den Erfurter Gartenschätzen

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Quedlinburger Züchterpfad feierlich eröffnet!

Der Quedlinburger Züchterpfad wurde am 7. Juli 2021 bei bestem Wetter feierlich auf der Zentralinsel in der Carl-Ritter-Straße eröffnet. Nach Grußworten von Hartmut Klein (Sprecher IG Saatguttradition), Christoph Brücke-Wendorff (Vorsitzender KHV Quedlinburg) und des Oberbürgermeisters Frank Ruch wurde der Blickfang der Zentralinsel, eine Holzstele, geschaffen von Herrn Uwe Bormann, feierlich enthüllt. Wie Kerstin Zentner von design office erklärte, symbolisiert die Stele auf einem Spatengriff übereinander liegende Samen von Rübe, Bohne und Fenchel gekrönt von einem goldenen Samenkorn als Sinnbild für den Wohlstand, den Quedlinburg durch die Saatzucht erlangte. Dr. Rolf Bielau, der Initiator des Projektes, führte in die Entstehung und Umsetzung des Züchterpfads nach einer Idee von Dr. Manfred Kummer ein und die Gäste im Anschluss zu einigen Stationen des Züchterpfads.

Impressionen

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Hartmut Klein (Sprecher IG Saatguttradition)

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  Rolf Bielau, Initiator des Züchterpfads

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   .... und Hasso Storbeck

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Manfred Grußdorf und Hasso Storbeck

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Dr. Christian Schickardt (IG Saatguttradition), Doreen Walther (QTM), Kerstin Zentner (design office)

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Ilse Marie Kummer

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Christoph Brücke-Wendorff (Vorsitzender KHV Quedlinburg)

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Oberbürgermeister Frank Ruch

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Holzstele auf der Zentralinsel, Foto: J. Meusel

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Dagmar Graf (IG Saatguttradition) und Holzbildhauer Uwe Bormann

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Station 1 des Quedlinburger Züchterpfads, Lange Gasse 12, Samenzüchterei Martin Grashof 

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Station 5, Alexander Grußdorf, Neuer Weg 24           

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Versteckte Büste von Gustav Adolf Dippe, Neuer Weg 22/23

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Station 7, Neuer Weg 22/23

Fotos: Dr. Sylvia Plaschil

 

Berichte in der Presse

MZ, 8. Juli 2021, Seite 14

Qurier 08/2021, Titelblatt und S. 6-7

https://www.quedlinburg.de/de/amtsblatt/qurier-082021.html

Zur Website

https://zuechterpfad.khv-quedlinburg.de/

 

 

 

 

Schon mal gehört von Garten- oder Saatzucht-Inspektoren?

Im 19. Jahrhundert spezialisierten sich die gartenbaulichen Tätigkeiten. In Sachsen, Dresden, und der preußischen Provinz Sachsen, Merseburg, wurde an verdiente langjährige Mitarbeiter in den Behörden und Saatzucht-Unternehmen der Titel eines Inspektors, mit unterschiedlichen Bezeichnungen, vergeben. Ebenso wie die Höhere Staatslehranstalt für Gartenbau Dresden-Pillnitz bildete die 1896 von Prof. Dr. Hans Settegast gegründete Gartenbaulehranstalt in Bad Köstritz Gartenbauinspektoren, später auch Diplom Gartenbauinspektoren, für Leitungsfunktionen aus. Wer waren die Garten- oder Saatzucht-Inspektoren?
Paul Schindel, der Gestalter der Kuranlagen in Bad Elster, Paul Schindel, erhielt um 1880 den Titel Königlicher Gartenbau-Inspektor. Er verstarb 1921. Aber auch in Berlin konnte Eduard Neide, am 1. April 1818 in Magdeburg geboren, eine stattliche Kariere starten: Gärtnerlehre in der Nathusius'schen Baumschule in Althaldensleben, im Königl. Dienst im Tiergarten zuerst als Obergärtner, später als Garten-Inspektor und schließlich als Garten-Direktor.

Aus der Familie Hermann August Wilhelm Mette in Könnern/Sa. begann der zweitälteste Sohn Otto Carl Wilhelm Mette (1877-1951) seine Gärtnerlehre beim Garten-Inspektor Eichler in der Schlossgärtnerei Wernigerode. Er startete in seiner Gärtnerei mit dem Samenbau und Schnitt-blumenanbau.

Insgesamt arbeiteten allein für die Firma Dippe 12 Saatzucht-Inspektoren undFiedler Obergärtner, mehr als 130 gelernte Gärtner, 60 Hofmeister und Aufseher. 1926 wurden drei langjährig beschäftigte Inspektoren genannt. Gustav Carl Fiedler, Gartenbau-Inspektor in der Gebr. Dippe AG, begann als Hospitant 1859 an der Gärtnerlehranstalt am Wildpark bei Potsdam. Fiedler konnte auf eine 63jährige Dienstzeit in der Firma Dippe zurückblicken! Diese gehobene Funktion beinhaltete die Kontrolle aller Feld- und Selektionsarbeiten der gärtnerischen Mitarbeiter.

Karl Martin Friedrich Sehrbunt (12.07.1842-31.10.1920, Quedlinburg) war verheiratet mit Johanna Catharina, geb. Koller, mit der er 4 Kinder hatte. Er war von 1857 bis 1920 in derselben Firma, davon die längste Zeit dieser 63 Jahre als Saatzucht-Inspektor und zuständig insbesondere für die Zuckerrübenzüchtung.

Auf 55 Jahre ununterbrochener Arbeit in der Firma Dippe konnte der Saatzucht-Inspektor Ferdinand Schuhmann zurückblicken.

Über die Feldflur verteilt, wurden rund um Quedlinburg, Rübenzucht- und Prüffelder angelegt. Ebenso wuchsen auf den Feldern Blumen, Gemüse und Gewürzpflanzen für die Samenvermehrungen. Mittels Kolonnen von Männern und Frauen, z.T. Saisonkräften, unter Aufsicht durch die Obergärtner u.a. Bittkau und Engel, dem Gartenbau-Inspektor Paul Vogel und Saatgut-Inspektoren wie Robert Johann Beist, musste das Pflanzmaterial mit der Hand, die restlichen Kulturen per Sämaschine in den Boden gebracht werden.

Der Vermehrungsanbau von Blumensamen und die Lagerhaltung in der Adelheidstr. 1 wurde von Beist betreut, der in Europa als bester Kenner des Blumensamensortiments galt. Er war von 1865 bis 1932 bei der Firma Gebr. Dippe AG beschäftigt, war hier noch als 80-Jähriger bis 1935 im Beruf tätig und starb zuletzt 1944 als Saatzucht-Inspektor.

Beist Mitte

Bildmitte Robert Johann Beist

Fabig Vogel

Dr. Friedrich Fabig und Paul Vogel 

                       

Paul Vogel (1899-1977) war ein produktiver und kreativer Blumen- und Gemüsezüchter in der Gebr. Dippe AG und hatte eine Zuchtabteilung im Institut für Pflanzenzüchtung Quedlinburg. Er schuf 22 Blumen- und 19 Gemüsesorten, darunter die Tomate „Harzer Kind“ und zahlreiche Asternsorten verschiedenen Typs.

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Paul Vogel

  

Fritz Beyme und Frau

Fritz Beyme mit Frau Elisabeth

 

Theodor Tugendheim (1868-1945) arbeitete sich vom Gärtner, Obergärtner zum Gartenbau-Inspektor empor. Diesen Titel hatte er sowohl in der Firma David Sachs als auch bei Fa. Rudolf Schreiber & Söhne inne.

Friedrich Fabig trat 1941 in die Fa. Rudolf Schreiber & Söhne als ausgebildeter Gartenbau-Inspektor ein und hatte die Funktion eines Saatzuchtleiters.

Aber auch in der Ascherslebener Firma Terra AG gab es diese Bezeichnung. Der erfolgreiche Tomatenzüchter Friedrich Beyme aus dem Gartenbaubetrieb Gustav Beyme lernte seinen Beruf in Aschersleben. Lebenslang gab er später als Beruf Saatzucht-Inspektor an.

Obwohl tausende Frauen als Saisonkräfte oder fest angestellte Mitarbeiterinnen im Gartenbau und speziell in der Saatzucht und im Samenbau über die Jahrzehnte in Quedlinburg, Erfurt, Aschersleben, Eisleben und anderen Orten tätig waren, ist keine Inspektorin überliefert worden!

Die Literaturquellen sind bei dem Autor einsehbar.

Fotos: Archiv R. Bielau und Hartwig Beyme

Der Quedlinburger Züchterpfad wird Wirklichkeit

Es hat lange gebraucht, eine Idee von Dr. Manfred Kummer aus den 1970er Jahren umzusetzen. 2021 ist ein Jubiläumsjahr mit 250 Jahren Samenzucht in Quedlinburg, welches der Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges gerecht wird. Die IG Saatguttradition im Kultur- und Heimatverein Quedlinburg e.V. konnte jetzt die Idee des Züchterpfades mit Unterstützung der Stadt Quedlinburg, von Betrieben, Einrichtungen und Sponsoren sowie Fördermitteln der Europäischen Union im Rahmen der Programme von "ELER" und "LEADER" umsetzen. Mit der Ausführung wurde die design office Agentur für Kommunikation GmbH (Standort Quedlinburg) beauftragt. Vielen Dank an alle Beteiligten für ihre Kreativität und das Engagement!

Doch nun ein Blick in die Geschichte der Quedlinburger Samenzucht: Wie viele Saatzuchtbetriebe gab es überhaupt? Um 1929 waren es 48 Firmen, am Ende des zweiten Weltkrieges existierten noch 23 Unternehmen mit vollen Speichern! Unsere Blumenstadt Quedlinburg stand auf Augenhöhe mit Erfurt, das auch diesen Namen führte. Die Mischung von weltbekannten Großbetrieben, mittelständischen Züchtern und zahlreichen kleinen Vermehrungsbetrieben machte den Erfolg der einheimischen Pflanzenzüchtung, dem Samenbau und -handel aus.

Heute kommen immer noch Touristen und einheimische Interessierte, die nach den Standorten der Firmen fragen, interessiert an fachlichen Führungen und Informationen zu den hiesigen Züchtern sind. Bisher erinnerte an diesen bedeutendsten Wirtschaftsfaktor in der Stadtgeschichte sehr wenig. Der über Jahre geplante Quedlinburger Züchterpfad möchte diese Tradition wachhalten und den Stolz auf die erreichten Leistungen zum Ausdruck bringen.

Mittels eines zentralen Informationspunktes auf dem Carl-Ritter-Platz, bis 1945 samenbaulich genutzt, mit drei Tafeln und einer Samenkörner symbolisierenden Holzstele erhalten die Besucher und Bürger der Stadt einen ersten Überblick zur Geschichte der Saatgutwirtschaft allgemein und den Zuchtstätten einzelner Unternehmen. Für den Anfang sind es zehn Orte der Erinnerung. Weitere können in der Zukunft folgen. Alle Orte sind zu Fuß im Stadtzentrum erreichbar. Jede Station wird durch eine Informationstafel kenntlich gemacht. Beginnend bei Martin Grashoff in der Langen Gasse, geht es über den Abteigarten zu den Firmensitzen von Heinrich Mette, Alexander Grußdorf und der Gebr. Dippe AG. Von 1945 bis 1991 präsentierten die Deutsche-Saatzucht-Gesellschaft (DSG), später VEB Saat- und Pflanzgut-gartenbauliche Kulturpflanzenarten, das Institut für Pflanzenzüchtung/ Züchtungsforschung und die VVB Saat- und Pflanzgut maßgeblich das Bild Quedlinburgs in aller Welt.

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     Übersichtstafel an der Zentralinsel, Carl-Ritter-Platz                   Informationstafel Station 1

Der Züchterpfad schließt derzeit mit der Station 10. Dort wird an die Verdienste von Mathilde Ebert erinnert. Unter den fast nur männlichen Berufskollegen ragte sie als Begründerin und Dozentin (Weihenstephan) des Lehrberufes Floristin in Deutschland mit ihrem Floristikgeschäft in der Heilige-Geist-Straße heraus. Damit wird auch die Familientradition mit der Gärtnerei Gebr. Ebert als Nestor der einheimischen Tomatenzüchtung gewürdigt.

Ausführliche Erläuterungen zu den einzelnen Stationen werden in einer Broschüre und auf der Website zum Züchterpfad veranschaulicht. Darüber hinaus wird ein handlicher Flyer von den Schülerinnen und Schülern der David-Sachs-Schule, Quedlinburg erarbeitet.

Die feierliche Eröffnung des Züchterpfades findet am 07.07.2021 mit geladenen Gästen statt. Führungen auf dem Züchterpfad können später bei der Quedlinburg-Tourismus-Marketing-GmbH (QTM) gebucht werden.

Weiterführende Links:

Züchterpfad: https://zuechterpfad.khv-quedlinburg.de/

IG Saatguttradition: https://www.khv-quedlinburg.de

QTM: https://www.quedlinburg-info.de/de/

Eröffnung des Züchterpfades verschoben

Liebe Freunde und Freudinnen der IG Saatguttradition,

die für den 6. Juni 2021 geplante feierliche Eröffnung des Züchterpfades im Rahmen des Programms UNESCO-Welterbetag in Quedlinburg wurde leider pandemiebedingt verschoben. Der neue Termin wird rechtzeitig in der Presse und auf unserer website bekannt gegeben.

Wir freuen uns auf Sie als Besucher/in. Bleiben Sie gesund!

Schon mal gehört von Helga Meißner?

(Beitrag zur Serie: Schon mal gehört von… ?)

Helga Meißner (1936-2010) war eine der wenigen leitenden Frauen in der Quedlinburger Pflanzenzüchtung und im Samenbau. Zunächst war Frau Meißner als Mitarbeiterin im VEG Zierpflanzen Erfurt, BT Quedlinburg unter der Leitung von Hermann Wagner tätig. Ab 1972 führte sie die Zuchtstation des VEG (Saatzucht) „August Bebel“ Quedlinburg in der Oeringerstraße (ehemals Laux, dann Hake & Co). Hier wurden Neuzüchtung bei Gemüse und Zierpflanzen sowie Erhaltungszüchtung bei Gemüse, Zierpflanzen, Zuckerrüben und Getreide betrieben.

         VEG Zierpflzn. Erfurt BT Quedlinburg Weyhegarten DSG Werbung Au

Saatzuchtstation, Verwaltung, Oeringer Hof,        VEG (S) Zierpflanzen Erfurt, BT Quedlinburg,

Sammlung R. Bielau                                                  Weyhegarten, Sammlung E. Wilhelm

 

Beide oben genannten Einrichtungen wurden 1979 vereinigt und als VEG (S) „August Bebel“ weitergeführt. Mit der Gesamtleitung wurde Frau Meißner betraut. Die vergrößerte Einrichtung war Mitglied in der Züchtergemeinschaft (ZG) Gemüse der DDR (Leiter Dr. Rainer Weichold). Die Zierpflanzenzüchtung war ab 1984 in einer gesonderten Züchtergemeinschaft organisiert, die aus der Vereinigung der ehemaligen ZG samenvermehrte Zierpflanzen (Leiter Richard Schellhase) und der ZG vegetativ vermehrte Zierpflanzen (Leiter Herr Pilz) hervorging.

Während ihrer beruflichen Laufbahn züchtete Frau Meißner mit ihrem Mitarbeiter Wolfgang Besen die fünf Freilandkopfsalatsorten ‘Laresta‘, ‘Lazena‘, ‘Ladura‘, ‘Labelle‘ und ‘Lamira.‘ Darüber hinaus wurden von ihr die Chicoreesorte ‘Hegi‘ für die Wassertreiberei und 1990 die Chicoreesorte ‘Taurus‘ gezüchtet.

     Meissner   

Helga Meißner (rechts, Vordergrund) bei der Salatselektion im Kleersgarten, Sammlung R. Bielau

Hinzu kamen zwischen 1963 und 1979 mit ihrer Mitarbeiterin Rosemarie Schneider sechs Dahlien-Neuzüchtungen wie ‘Rabattenzauber‘ in weiß und rot sowie die rosa blühende ‘Harzfee‘. Außerdem betreute Frau Meißner die Erhaltungszüchtung von zahlreichen übergebenen DDR Neuzüchtungen. Sie war bis zum Ende des VEG im Jahr 1990 für 270 ha Zuchtfläche verantwortlich. In der fast ausschließlich von Männern dominierten Züchtergemeinschaft Gemüse und in allen anderen Züchtungsbereichen war Helga Meißner eine sehr geachtete und respektierte Fachfrau.