Der Quedlinburger Züchterpfad wird Wirklichkeit

Es hat lange gebraucht, eine Idee von Dr. Manfred Kummer aus den 1970er Jahren umzusetzen. 2021 ist ein Jubiläumsjahr mit 250 Jahren Samenzucht in Quedlinburg, welches der Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges gerecht wird. Die IG Saatguttradition im Kultur- und Heimatverein Quedlinburg e.V. konnte jetzt die Idee des Züchterpfades mit Unterstützung der Stadt Quedlinburg, von Betrieben, Einrichtungen und Sponsoren sowie Fördermitteln der Europäischen Union im Rahmen der Programme von "ELER" und "LEADER" umsetzen. Mit der Ausführung wurde die design office Agentur für Kommunikation GmbH (Standort Quedlinburg) beauftragt. Vielen Dank an alle Beteiligten für ihre Kreativität und das Engagement!

Doch nun ein Blick in die Geschichte der Quedlinburger Samenzucht: Wie viele Saatzuchtbetriebe gab es überhaupt? Um 1929 waren es 48 Firmen, am Ende des zweiten Weltkrieges existierten noch 23 Unternehmen mit vollen Speichern! Unsere Blumenstadt Quedlinburg stand auf Augenhöhe mit Erfurt, das auch diesen Namen führte. Die Mischung von weltbekannten Großbetrieben, mittelständischen Züchtern und zahlreichen kleinen Vermehrungsbetrieben machte den Erfolg der einheimischen Pflanzenzüchtung, dem Samenbau und -handel aus.

Heute kommen immer noch Touristen und einheimische Interessierte, die nach den Standorten der Firmen fragen, interessiert an fachlichen Führungen und Informationen zu den hiesigen Züchtern sind. Bisher erinnerte an diesen bedeutendsten Wirtschaftsfaktor in der Stadtgeschichte sehr wenig. Der über Jahre geplante Quedlinburger Züchterpfad möchte diese Tradition wachhalten und den Stolz auf die erreichten Leistungen zum Ausdruck bringen.

Mittels eines zentralen Informationspunktes auf dem Carl-Ritter-Platz, bis 1945 samenbaulich genutzt, mit drei Tafeln und einer Samenkörner symbolisierenden Holzstele erhalten die Besucher und Bürger der Stadt einen ersten Überblick zur Geschichte der Saatgutwirtschaft allgemein und den Zuchtstätten einzelner Unternehmen. Für den Anfang sind es zehn Orte der Erinnerung. Weitere können in der Zukunft folgen. Alle Orte sind zu Fuß im Stadtzentrum erreichbar. Jede Station wird durch eine Informationstafel kenntlich gemacht. Beginnend bei Martin Grashoff in der Langen Gasse, geht es über den Abteigarten zu den Firmensitzen von Heinrich Mette, Alexander Grußdorf und der Gebr. Dippe AG. Von 1945 bis 1991 präsentierten die Deutsche-Saatzucht-Gesellschaft (DSG), später VEB Saat- und Pflanzgut-gartenbauliche Kulturpflanzenarten, das Institut für Pflanzenzüchtung/ Züchtungsforschung und die VVB Saat- und Pflanzgut maßgeblich das Bild Quedlinburgs in aller Welt.

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     Übersichtstafel an der Zentralinsel, Carl-Ritter-Platz                   Informationstafel Station 1

Der Züchterpfad schließt derzeit mit der Station 10. Dort wird an die Verdienste von Mathilde Ebert erinnert. Unter den fast nur männlichen Berufskollegen ragte sie als Begründerin und Dozentin (Weihenstephan) des Lehrberufes Floristin in Deutschland mit ihrem Floristikgeschäft in der Heilige-Geist-Straße heraus. Damit wird auch die Familientradition mit der Gärtnerei Gebr. Ebert als Nestor der einheimischen Tomatenzüchtung gewürdigt.

Ausführliche Erläuterungen zu den einzelnen Stationen werden in einer Broschüre und auf der Website zum Züchterpfad veranschaulicht. Darüber hinaus wird ein handlicher Flyer von den Schülerinnen und Schülern der David-Sachs-Schule, Quedlinburg erarbeitet.

Die feierliche Eröffnung des Züchterpfades findet am 07.07.2021 mit geladenen Gästen statt. Führungen auf dem Züchterpfad können später bei der Quedlinburg-Tourismus-Marketing-GmbH (QTM) gebucht werden.

Weiterführende Links:

Züchterpfad: https://www.saatzuchtpfad-quedlinburg.de

IG Saatguttradition: https://www.khv-quedlinburg.de

QTM: https://www.quedlinburg-info.de/de/