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Schon mal gehört von Franz Sobotta?

Franz Sobotta - ein landwirtschaftlicher Aufseher in einer Quedlinburger Saatzuchtfirma mit drei wechselnden Namen und Besitzern

Franz Sobotta wurde am 30.11.1907 in Klein Strehlitz in Schlesien als der älteste von drei Brüdern geboren. Als junger Mann gelangte er in der Zeit der Weimarer Republik und der Weltwirtschaftskrise als Wanderarbeiter nach Quedlinburg, wo er als landwirtschaftlicher Vorarbeiter und Aufseher bei der Samenzucht Firma David Sachs eine Anstellung fand. Hier gab es sogar einen Arbeitskräftemangel. Wanderarbeiter wurden für die Pflegearbeiten bei der Zuckerrübensamenproduktion, in Zuckerfabriken und in der Sommersaison bis zum Ende der Erntearbeiten saisonal in den Saatzuchtfirmen beschäftigt. Dabei kamen viele Menschen aus dem deutschen und polnischen Osten, dem Eichsfeld und dem Harz. Ein Teil dieser Saisonkräfte wurde als sogenannte Sachsengänger bezeichnet. "Sachsengänger sind deutsche Landarbeiter, welche im Deutschen Kaiserreich die landwirtschaftlich geprägten ostelbischen Regionen verließen, um im Westen besser entlohnte Arbeiten zu finden. Zuerst arbeiteten diese Landarbeiter im Zuckerrübenanbau der preußischen Provinz Sachsen, näherungsweise dem heutigen Sachsen-Anhalt. Die Bestellung, Pflege und Ernte der Zuckerrüben war arbeitsintensiv und kaum mechanisiert, weshalb saisonal sehr viele Arbeitskräfte benötigt wurden. Es handelt sich dabei um eine Form der saisonalen Arbeitsmigration." (wikipedia). Besonders junge Frauen hatten so die Chance, von Quedlinburger Männern geheiratet zu werden. Gleiches galt zur Jahrhundertwende um 1900 für tausende polnische Bergarbeiter, die im Ruhrgebiet heimisch und eingedeutscht wurden. Zahlreiche Namen zeigen noch heute die Herkunft der Arbeiter:innen. In fast allen deutschen Zuckerfabriken wurden zeitweilig Saisonkräfte aus dem Osten eingestellt.

Bis 1937 war Franz Sobotta in der Firma David Sachs, Badeborner Weg 4, beschäftigt. Von der dann Rudolf Schreiber & Söhne genannten Firma wurde er beauftragt, Arbeitskräfte anzuwerben. Die Anwerbung geschah während der Wintermonate, die regelmäßig in Schlesien verbracht wurden. Dazu gab sogar eine regelrechte Wunschliste. So kam es denn auch, dass aus dem Nachbardorf Schreibersdorf, dem heutigen Pisarzowice, eine junge Frau Luzie, angeworben wurde. Sie wurde letztlich Sobottas Ehefrau und brachte sechs Kinder auf die Welt. Der Schreiber'sche Schafshof, heute Ditfurter Weg 9, wurde zum Wohnsitz des jungen Paares. Im Juli 1931 kam dort die Mutter von Autor Eckhard Kartheuser auf die Welt. Später wurden dort in langen Winterabenden vor dem Kohlenherd lange Geschichten aus der alten Heimat und dem schweren Neubeginn in Quedlinburg erzählt. Im zweiten Weltkrieg erhielt Sobotta von Rudolf Schreiber u.a. die Anweisung zur Aushändigung von Bettzeug (Kissen, Decken) und Waschschüsseln für zwei ungarische Volontäre. Erhalten geblieben ist auch eine handschriftliche Notiz vom 07. Mai 1945 über die Rückgabe von 15 Hacken an Franz Sobotta. Die Arbeiten in der Firma verliefen also ohne Einschränkungen! Aber auch über einen jungen Mann namens Friedrich Fabig, der um 1942 in die Firma kam, wurde erzählt. Dieser erhielt Hilfe und Unterstützung von Franz Sobotta.

Nach der Enteignung der Firma Schreiber arbeitete Franz Sobotta weiter in seiner Funktion. In den erhalten gebliebenen Arbeitsnachweisen von Sachs und Schreiber ist u.a. unter „landwirtschaftliche Kenntnisse“ in seinem Arbeitsbuch vom 17. August 1949 vermerkt: „lw. Aufseher“. Die Eintragung bezeugt, dass er vom 31.3.1938 bis 28.02.1946 bei Schreiber tätig war. Vorher werden die Jahre 1935 bis 1937 bei David Sachs bezeugt, wobei er nachweislich schon 1932 für Sachs arbeitete. Bis zu seiner Verrentung hatte er dann am gleichen Ort den dritten Arbeitgeber, das VEG „August Bebel“. Als Brigadier der Abteilung Bebel-Hof wurde er als Aktivist am 13. Oktober 1955 und am 7.11.1957 als Aktivist des Fünfjahrplanes ausgezeichnet. Er arbeitete bis ca. 1973 in seinem Beruf und konnte dann noch zeitweise im Kreiskrankenhaus im Ditfurter Weg als Hausmeister tätig sein.

Bild Franz Sobotta auf einem Feld

Literaturquelle

https://de.wikipedia.org/wiki/Sachseng%C3%A4nger

Erfolgreiches erstes Tomatenseminar 2022

Die neue Tomatensaison 2022 wurde mit einem Seminar der IG Tomatengarten im Verschönerungsverein Aschersleben zu Fragen der Aussaat und Jungpflanzenanzucht gestartet. Über 20 interessierte ZuhörerInnen kamen ins „Rosencafe“, um die Vorträge von Gisa Hoppe zum Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V. (VEN, Tomatenerhalterring in Quedlinburg), und ihres Ehemanns Dr. Heinz-Dieter Hoppe über Tipps von der eigenen Aussaat und Aufzucht bis zur Pflanzung im Klein- und Hausgarten zu verfolgen. Ergänzt wurden die Ausführungen von Mathias Stier, Aschersleben und Dr. Rolf Bielau, (Moderator der Veranstaltung). Eine lebhafte Diskussion mit vielen Fragen und Anregungen zeigte, dass solch ein Seminar für regionales Interesse der hiesigen Tomatenfreunde sorgte.

Gern können sich Interessierte bei Gisela Ewe telefonisch melden (03473 4933), um mit ihr über Spenden von Jungpflanzen ihrer Lieblingssorten zu sprechen. Diese werden dann im diesjährigen Tomatengarten in der Kleingartenanlage „Froser Straße“, Am Hangelsberg gezeigt.

Das nächste Tomatenseminar ist für Anfang/Mitte Mai 2022 geplant. Thema werden Tomatenkrankheiten sein und wie die Pflanzen davor geschützt werden können. Dazu wird es wieder eine Ankündigung in der Lokalpresse geben.

Links:

https://verschoenerungsverein-aschersleben.de/

https://www.nutzpflanzenvielfalt.de/

 

Grit 1

Schon mal gehört von der Welt der Sortennamen?

Die Welt im Sortennamen

Ein interessierter Blick in alte Preislisten und Samenkataloge, hier vier Kataloge der Deutschen Saatzucht Gesellschaft von 1950 bis 1968, kann zu einer Weltreise werden. Heute sind die meisten Sortennamen von Gemüse, Blumen und Heilkräutern Kunstschöpfungen. Zahlreiche Frauennamen gab und gibt es für Tomatensorten wie u.a. 'Nadja', 'Tamina', 'Uta', 'Almut' und 'Katrina'. Vor siebzig Jahren wurden die Herkunft der Sorten oft noch im Namen deutlich. In den Gemüse- und landwirtschaftlichen Sorten spiegelte sich der Stolz auf den jeweiligen Zuchtstandort wider.

Dabei ging es international zu: von ‘Amerikanischer Brauner‘, ‘Amsterdamer‘, ‘Böhmischer Strunk‘ (Kohlrabi), ‘Cantoner (Eissalat)‘, ‘Delfter Markt‘ (Blumenkohl), ‘Deutscher‘ (Feldsalat), ‘Pariser Markt‘ (Möhre) bis zu ‘Wiener Markt‘ (Knollen-Sellerie).

Aber auch gesamtdeutsche Namen waren gebräuchlich: ‘Amager‘ (Kopfkohl), ‘Braunschweiger‘ (Weißkohl, Zwiebel), ‘Dithmarscher früher‘ (Kopfkohl), ‘Glücksstädter Mittelfrüher‘ (Weißkohl), ‘Maleksberger‘, bei Segeberg, (Senf und Rübsen), ‘Rastatter Kleinkörnige‘ (Ackerbohne), ‘Rheinische‘ (gelbe Futterrübe),Stuttgarter Riesen‘ (Zwiebel).

Hauptsächlich waren es dann aber doch ostdeutsche Sorten mit den ortsbezogenen Bezeichnungen. Besonders auffällig ist dies bei den Städten Aschersleben, Hadmersleben, Erfurt und Quedlinburg, alles traditionelle Züchtungsstandorte für Gemüse und Zierpflanzen.

Sechs Busch- und Stangenbohnen trugen den Ortsnamen Ascherslebener, wie z.B. die Stangenbohne ‘Ascherslebener Auenstolz‘ und die Buschbohne ‘Ascherslebener Prinsa‘.

‘Hadmerslebener Brunsviga‘, ‘Hadmerslebener Diadem‘ und weiteren acht Sorten aus der Zuchtstation der ehemaligen Terra AG, Aschersleben und die spätere Abteilung Gemüsezüchtung des Instituts für Pflanzenzüchtung der Deutschen Akademie für Landwirtschaft sowie der Winterweizen-Getreidezüchtung, ehemals Heine.

Fünf Sorten präsentierten die stolze Blumenstadt Erfurt mit ihren vielen Saatzucht-Unternehmen: ‘Erfurter Zwerg‘-der deutschlandweit bekannteste Blumenkohl mit verschiedensten Nachbauten und ‘Heinemanns Erfurter Auslese‘, eine Rosenkohlsorte. Dazu kam noch der Kohlrabi ‘Erfordia‘.

Die Deutsche Saatzucht Gesellschaft in Quedlinburg ging aus vier großen Privatfirmen hervor. Um 1950 wurden noch viele alte Sortennamen verwendet, was auch als Stolz auf die Leistungen der damaligen Züchter gewertet werden kann.

Bis 1968 trugen allein 27 Sorten die Bezeichnung Quedlinburger im ersten Teil ihres Namens. Nach 1991 wurde sogar der Stadtname nachträglich hinzugefügt. Die ‘Frühe Liebe‘ (1951), eine sehr frühe Tomatensorte und spätere Mutterlinie der erfolgreichsten DDR-Tomate ‘Harzfeuer F‘, beide von Friedrich Fabig gezüchtet, wurde anonym auch als ‘Quedlinburger frühe Liebe‘ bezeichnet. Seit 2020 gibt es mit einer Fleischtomate auch ein ‘Quedlinburger Ochsenherz‘.

Besonders Erbsen-, Busch- und Stangenbohnen- sowie Radieschen- und Spinatsorten waren Quedlinburger, z.B. ‘Quedlinburger Fest und Früh‘ (Radieschen) und ‘Quedlinburger Lange Brech II‘ (Buschbohne), ‘Quedlinburger Delex‘ (Markerbse) und ‘Quedlinburger Fortschritt‘ (Spinat).

Die Stangenbohne ‘Quedlinburger Speck‘ ist sicher vielen Älteren bekannt und wird in Haus- und Kleingärten heute noch gern angebaut. Die Quedlinburger ‘Allgefüllte‘ Sommer-Levkojen präsentierten über Jahrzehnte die Leistungen von Kappert, Pauly und Schreiber. Schon der Blumenfachmann der Gebr. Dippe AG, Robert Beist, wusste, wie gefüllte Levkojen (Matthiola) gezüchtet werden.

Von A, wie ‘Altenburger Tonnen‘-eine Futterrübe, bis Z, wie ‘Zittauer Gelbe‘ (Speisezwiebel) ging die Reise durch die DDR-Sortennamen. Hier die einzelnen „Stationen“:

‘Bautzener‘, Futterpflanze.

‚Bendelebener‘, Luzerne.

‘Bernburger‘, wie z.B. „Bernburger Einhäusiger“, eine Hanfsorte. Es gab sieben Sorten, die wohl meist von der Firma Braune in Biendorf stammten, darunter eine Zuckerrübensorte.

‘Bördeperle‘, ‘Börderose‘ und die Erbse ‘Bördi‘, ‘Bördeweiß‘, Weißhafer.

‘Criewener Gelbe‘, eine Kohlrübe und der Winterweizen ‘Criewener 192‘ aus der Nähe von Schwedt.

‘Derenburger Silber‘, Winterweizen.

‘Dornburger Weißblühende‘ und fünf weitere landwirtschaftliche Sorten

Dresdener Plattrunde‘ war eine Speisezwiebel. Dazu kamen der Knollen-Sellerie ‘Dresdener Markt‘ und eine Tomatenauslese mit gleichem Namen.

‘Etterberger‘, Sommerwicken.

‘Flämimgsgold‘ und ‘Flämingstreue‘, Hafer.

‘Friedrichswerther Berg‘ hießen eine Ackerbohne und eine Wintergerste, eine ‘Friedrichswerther‘ war eine Futterrübe.

‘Gülzower Süße Blaue‘ war eine Süßlupine, dazu der Sommerraps ‘Gülzower‘.

Hohenthurmer Gleichzeitig Reifender‘, ein Hanf.

Hohenfinower Vierzeilige‘, Sommergerste.

Kleinwanzlebener‘ stand für Zuckerrüben aber auch andere landwirtschaftliche Kultursorten.

‘Langensteiner‘ standen für Zuckerrüben, Winterweizen und Luzerne.

‘Lobericher‘, Futterrüben, Futtermöhre.

‘Löbauer Blau‘, ein Faserlein.

‘Magdeburger Markt‘, Knollen-Sellerie.

‘Mahndorfer‘, nahe Halberstadt, waren Mais- und Wintergerstensorten.

‘Mansfelder Grüne‘ sind Erbsen

‘Mecklenburger Marien‘, ein Winterroggen.

‘Motterwitzer‘, Glatthafer, Wiesenfuchsschwanz, Rohrglanzgras, Welsches Weidelgras.

‘Müncheberger Weiko III‘ und Müncheberger Blaue Süß II waren Lupinensorten.

‘Neugatterslebener‘, Luzerne.

‘Oderdörfer‘, Knollen-Sellerie.

‘Petkuser‘ hießen je ein Sommer- und ein Winterrogen.

‘Paunsdorfer‘, Winterwicken.

‘Plaussiger‘, eine Luzerne.

‘Probsthaidaer‘, Weißklee.

‘Rügener‘, Sommerwicken.

‘Schlanstedter‘, Ackerbohne.

‘Teltower Kleine‘, Mairübe.

‘Thüringer‘, Luzerne.

‘Zernickower‘, Rotschwingel.

Prof. Heinz Leike - ein Züchtungsforscher für die praktische Pflanzenzüchtung

Am 30.12.2021 vollendete sich der Lebensweg von Prof. Heinz Leike, der am 26.04.1932 in Lauenburg/Pommern geboren wurde. Kriegsbedingt konnte er erst 1946 nach der Umsiedlungsaktion seine 1944 unterbrochene Schulausbildung fortsetzten. Nach seiner mit der Gesamtnote „Auszeichnung“ bestandenen Reifeprüfung folgte ein fünfjähriges Biologie-Studium an der Rostocker Universität. Bis 1969 blieb er, zuletzt Oberassistent, am Botanischen Institut, wo er auch promovierte. Im selben Jahr begann er seine Tätigkeit als Abteilungsleiter im Institut für Pflanzenzüchtung der Deutschen Akademie der Landwirtschaft in Quedlinburg. Zuerst nahm er noch parallel seine Lehrverpflichtungen an der Rostocker Universität wahr.

Bereits 1970 wurde H. Leike zum Leiter des neugegründeten Bereichs „Naturwissenschaftliche Grundlagen“ (in dem die Abteilungen Physiologie, Biochemie und Biophysik vereinigt waren) berufen. 1970 schloss er das in Rostock begonnene Habilitationsverfahren ab. Die Universität verlieh ihm dazu die Facultas Docendi, die Lehrbefähigung an Hochschulen, für das Fach Pflanzenphysiologie. Ebenfalls 1970 erfolgte seine Ernennung als Stellvertreter des Direktors des Quedlinburger Institutes. Die Struktur der Bereiche wechselte mehrmals und so übernahm Leike später den Wissenschaftsbereich „Entwicklungsphysiologie“, in dem vornehmlich Fragen der Zell-, Gewebe- und Organkultur bearbeitet wurden. Damit sollten die Forschungen auf diesen Gebieten für die praktische Pflanzenzüchtung nutzbar gemacht werden. Darauf aufbauende Ergebnisse waren Methoden zur Erhaltung und Vermehrung wertvoller Einzelpflanzen und Linien, wie z.B. Gewebekulturen für Spargel, Rosenkohl, Weizen, Roggen u.a. Kulturpflanzen sowie Embryokulturverfahren, mit deren Hilfe schwierige Art- und Gattungsbastardierungen realisiert wurden. Der frühere Speicher 21 auf dem ehemaligen Dippe-Hof, nun Institutsgelände des Institutes für Züchtungsforschung (IfZ) der AdL der DDR erhielt moderne Laboreinrichtungen und wurde wegen seines weißen Anstrichs oder der vielen weißen Kittel (?) auch das Weiße Haus genannt. Ab 1988 kamen als Ziele In-vitro-Techniken für o.g. Bastardierungen bei Gemüse- und Futterleguminosen, somatische Zellhybridisierungen, Embryokulturen, Zell- und Kalluskulturen sowie gentechnische Methoden für die Diagnose und den Transfer von Genen bei Weizen und Gerste hinzu.

Leike unterstanden sechs Abteilungen mit sehr spezialisierten Arbeitsgebieten. Bereits 1987 konnten u.a. die ersten fünf Gemüsesorten, bei denen In-vitro-Verfahren im Zuchtprozess eingesetzt wurden, zugelassen werden. Zuchtzeiteinsparungen von zwei Jahren werden dazu in der Literatur angegeben. Aber auch die Erdbeer- und Zuckerrübenzüchtung der AdL-Institute wurden unterstützt (Dehne, 2016).

In der Zeit der politischen Umbrüche bis 1991 führte Prof. Heinz Leike das IfZ bis zur sogenannten Abwicklung am 31.12.1991. Danach ging er in den Vor(un)ruhestand. Er war interessiert an der hiesigen Stadtgeschichte. Mehrere Jahre konnte er sogar englischsprachige Stadtführungen in Quedlinburg anbieten. Außerdem war er viele Jahre im Kultur- und Heimatverein Quedlinburg aktiv.

Prof Leike

 

Literatur

Heinz Leike, Wissenschaftlicher Lebenslauf, ohne Jahresangabe

Joachim Dehne (Hrsg.), Zur Geschichte des Institutes für Züchtungsforschung (IfZ) Quedlinburg, dr ziethen verlag 2016, S.21 ff und 41 ff

Ehrung für Dr. Friedrich Fabig

Am 9.12.2021 beschloss der Stadtradt der Welterbestadt Quedlinburg, im Bebauungsgebiet Nr. 41 „Wohngebiet Erwin-Baur-Straße“ die künftige Planstraße 1 mit dem Straßennamen „Friedrich-Fabig-Straße“ zu bezeichnen (MZ vom 29.12.2021, Kurzmitteilung). Dr. Friedrich Fabig war ein sehr erfolgreicher Quedlinburger Gemüsezüchter und züchtete die bekannte Tomate 'Harzfeuer'.

Fabig VogelDr. Friedrich Fabig und Paul Vogel

 

Weitere Informationen:

https://www2.quedlinburg.de/bi/vo_9332.htm

https://khv-quedlinburg.de/index.php/saatguttradition/alle-beitraege/355-erfolgreiche-tomatenzuechtung-in-quedlinburg

https://www.mz.de/lokal/aschersleben/vielfalt-in-154-sorten-beim-tomatentag-in-aschersleben-3231405

https://www.mz.de/lokal/aschersleben/zum-zehnten-tomatentag-in-aschersleben-wurde-eine-broschure-aufgelegt-3236580

Friedrich August Haubner

In der Festschrift „150 Jahre Samenzucht in Eisleben“ (Siebecke & Ohnmacht, 1997) wird auf die Einflüsse des Regenschattens des Harzes für die Saatgutwirtschaft und die Rolle der Bodenstruktur hingewiesen. Faktoren, die schon im 18. Jahrhundert Quedlinburger Kunst- und Handelsgärtner unter der feudalen Herrschaft des Reichsstiftes befähigten, den Samenbau als den prägenden einheimischen Wirtschaftszweig zu etablieren. Doch welche Verbindung bestand zwischen dem Eislebener Samenzüchter Friedrich August Haubner und Köthen bzw. Quedlinburg?

Friedrich August Haubner, am 24.03.1817 in Eisleben geboren, erwarb schon als Kind erste gartenbauliche Kenntnisse im väterlichen Betrieb. Wie damals üblich, erweiterte er sein berufliches Wissen bei anderen Lehrherren in den Staaten des Deutschen Bundes. In der „Fürstlich-Anhaltinischen Schloßgärtnerei“ in Köthen (Anhalt) erlernte er von 1837 bis 1840 den Gärtnerberuf. In dieser Zeit besuchte er auch die Wörlitzer Kunstgärten. Die Köthener Fürsten hatten rings um das Schloss zuerst eine typisch barocke Gartenanlage anlegen lassen. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde diese in einen Park mit zahlreichen ausländischen Bäumen umgestaltet. Die Ansicht von Merian oder eines seiner Schüler von 1600 zeigte eine imposante, weitläufig gestaltete Anlage. Die Orangerie am ehemaligen Springtor, 1865 abgerissen, diente gleichzeitig als Theater. Östlich davon am nördlichen Rand des Schlossparkes stand das 1785 erbaute Gewächshaus. Dort wird August Haubner wohl besonders seine Kenntnisse in der Pflanzenkultivierung vertieft haben. Robert Schulze beschreibt das Gewächshaus als „stimmungsvollen Bau, der aus zwei mächtigen, sich nach oben verjüngenden Türmen mit gewaltigen Hohlkehlengesimsen und geschwungenen, schiefergedeckten Hauben bestand, zwischen denen der mit sprossengeteilten Glasflächen versehene Mittelbau stand“. 1913 kam der Abriss und der Ersatz durch das Dürerhaus am gleichen Platz. Daran anschließend steht auch heute noch das ehemalige Hofgärtnerhaus. Über Details seines Aufenthaltes ist leider nichts bekannt. Nach der dreijährigen Lehrzeit in Köthen ging Haubner auf die Walz (Siebecke & Ohnmacht, 1997). Von Spandau, wo er zunächst seine Kräuterkenntnisse vertiefte, wechselte er nach Charlottenburg und von dort in die Königliche Schloßgärtnerei Sanssouci. Als weitere Stationen seiner Wanderjahre sind Frankfurt/Main und Hamburg bekannt. Angaben zu seinen Lehrmeistern gibt es nicht. Bei seiner Rückkehr in Eisleben hatte er wohl zu viel neue Eindrücke mitgebracht und verließ sein Vaterhaus, um selbständig zu werden. Am 13. November 1847 gründete er in Eisleben seine eigene Firma im Samengeschäft. Gurken-, Möhren- und Zwiebelsaatgut wurde in bester Qualität produziert. Haubner züchtete selbst auch neue Sorten. Mit eigenen und zugekauften Sorten baute er ein großes, umfassendes Sortiment auf, das in den Preisverzeichnissen dokumentiert ist. Und Quedlinburg? Mit den Firmen Dippe, Mette und Keilholz unterhielt er enge Handelsbeziehungen, aber auch mit dem Erfurter Saatzucht-Unternehmen Benary. Haubners Firma wurde von seinen Söhnen fortgeführt. 1901 verstarb er im hohen Alter in Eisleben. In der DDR wurden die Firmengebäude als Zuchtstation genutzt und existieren heute noch.

Festschrift S4 5

GWH Koethen 1

Literatur:

Robert Schulze (1923) Köthen, 6. Aufl., im Selbstverlag, S. 204 und Abbildung Gewächshaus im Schloßgarten

Elke Siebecke, Dr. Bernhard Ohnmacht (1997) Festschrift 150 Jahre Samenzucht in Eisleben. Von den Anfängen zur Gegenwart, S. 4ff

Übergabe des wissenschaftlichen Nachlasses von Dr. Manfred Kummer

Herr Dr. Manfred Kummer war Wissenschaftler am Institut für Züchtungsforschung und später bei der Getreidezucht Breun. Er hinterlässt umfangreiche wissenschaftliche Dokumente, die von seiner Frau Ilse-Marie Kummer und seinem Sohn im Herbst 2021 der IG Saatguttradition übereignet wurden.

Am 10. Dezember 2021 konnte Dr. Rolf Bielau zwei große Kisten mit dem umfangreichen wissenschaftlichen Nachlass von Dr. Kummer an das Landesarchiv Sachsen Anhalt, Filiale Merseburg, übergeben, die Frau Schröpfer und Frau Lehmann in Empfang nahmen.

Nach Schenkungen weiterer Donoren an die Fachhochschule Erfurt und das Stadtarchiv Quedlinburg war dies bereits die zweite Übergabe von samenbaulich und pflanzenzüchterisch wertvollen Unterlagen an das Landesarchiv in Merseburg. Dort liegen u.a. die archivierten Dokumente des Instituts für Pflanzenzüchtung/Züchtungsforschung sowie Zuchtunterlagen vom VEG (S) "August Bebel" und der Saatzucht/ISP Quedlinburg GmbH.

Wir bedanken uns herzlich bei Familie Kummer.

AG Zuchtmethodik Dr. M.Kummer u. MirarbeiterInnen ganz linksDr. Manfred Kummer (links) mit MitarbeiterInnen der AG Zuchtmethodik, Foto aus Familienbesitz

 

DrKummerArchivDr. Rolf Bielau und Frau Schröpfer

ZP 9Ilse-Marie Kummer

Mette-Ausstellung am Julius Kühn-Institut

Die vom September bis November 2021 in der Quedlinburger St. Blasii Kirche die gezeigte Sonderausstellung zur Firma Heinrich Mette ist als nächste Station am Julius Kuhn-Institut präsent und wurde am 3. Dezember 2021 eröffnet. Leider ist sie coronobedingt dort zunächst nur den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Gästen des JKIs zugänglich.

Am Tag der offenen Tür des JKI, am 20. Mai 2022, ist die Ausstellung für Besucher*innen von 15 bis 20 Uhr geöffnet!

Weitere Informationen zur Ausstellung:

https://khv-quedlinburg.de/index.php/saatguttradition/alle-beitraege/354-eroeffnung-der-sonderausstellung-zur-saatzuchtfirma-heinrich-mette-in-der-quedlinburger-st-blasii-kirche

https://zuechterpfad.khv-quedlinburg.de/index.php/stationen/station-4

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JKI 4 1

JKI 3 2

Was verband Quedlinburg mit dem Kloster Althaldensleben und der Hundisburg?

Johann Gottlieb Nathusius (1760-1835) und Philipp Nathusius (1815-1872), Carl von Dippe (1852-1900) und Herbert Beer (geb. 1935) sind Namen, die Quedlinburgern nur noch bedingt bekannt sind. Was verband sie und welchen Bezug haben sie zu Quedlinburg und Althaldensleben bzw.Hundisburg?

Die Geschichte beginnt mit Johann Gottlieb Nathusius. Durch seine Liebe zu den Pflanzen erlangte er früh gärtnerische Kenntnisse. Geschäftliche Erfolge in der Großkaufmannsfirma Sengewald in Magdeburg, die er 1793 alleinig leitete, führten zu einem beträchtlichen Startkapital. Die in dieser Zeit aufblühende Zuckergewinnung zunächst aus der Runkelrübe, dann ab 1850 aus der gezüchteten Zuckerrübe, führte zur Nachfrage nach Sorten mit immer höherem Zuckergehalt und deren Saatgutvermehrung und Handel. „Die hohen Preise des Zuckers in den Kriegsjahren brachten ihn (Nathusius) auf den Gedanken im Jahre 1809 eine Runkelrüben-Zuckerfabrik anzulegen.“ Deswegen erwarb er 1810 seinen ersten großen Besitz, das Kloster Althaldensleben. Einer seiner vielfältigen Gewerbebetriebe errichtete er als Althaldenslebener Zuckerfabrik (1813-1820). Sein Gärtnermeister Herr Reinhardt, "welcher im Herbst 1812 und Winter 1813 den Umfang der Zuckersiederey mit geleitet hatte, auch den Bau der Runkelrübe mit betrieben hatte, war auch im Tabakanbau als Planteur bekannt." Nathusius kannte zwar das chemische Verfahren der Zuckergewinnung (Rübenzuckerfabrik Althaldensleben), aber der finanzielle Erfolg blieb aus.

Sein Sohn Philipp Nathusius (1815-1872) "verkaufte 1849 Althaldensleben an seinen Bruder Heinrich und gründete 1850 mit dem „Lindenhof“ in Neinstedt ein Knabenrettungs- und Brüderhaus, dessen äußere Leitung Philipp als Vorsteher selbst übernahm. Von nun an stellte er sein Leben ausschließlich in den Dienst der Inneren Mission, wofür er letztlich 1861 in den Adelsstand erhoben wurde. Er starb am 18. August 1872 während eines Kuraufenthaltes in Luzern. In seiner Familie spielte das Christentum eine dominierende Rolle."

Die Verbindung von Althaldensleben und Quedlinburg beruht auf der Pflanzenzüchtung. Sehr frühzeitig hatten Quedlinburger Kunstgärtner mit der Züchtung neuer Runkelrübensorten in den Betrieben von Andreas Keilholz und Heinrich Mette begonnen. Schließlich entwickelte sich auch deswegen eine profitable Zuckergewinnung in der preußischen Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Magdeburg mit der Zuckersiederei von Hanewald und Zerbst 1833 im Badeborner Weg. Das erforderliche Rübensaatgut kam von den oben genannten Firmen. Ab 1850 übernahm dann Gustav Adolf Dippe (1824-1890) die lokale Führung in der Züchtung, dem Anbau und weltweiten Handel von Zuckerrüben. Sein Sohn Carl (auch Karl) von Dippe (1852-1900) konnte die von Vilmorin (Frankreich) entwickelte Zuchtmethodik der Individualauslese mit Nachkommenschaftsprüfung im Unternehmen der Gebr. Dippe erfolgreich durchsetzen. Damit hatte er anfangs einen erheblichen Vorsprung zur Konkurrenz, wie Rabethge & Giesecke in Kleinwanzleben und ca. 60 weitere Mitbewerber zwischen Braunschweig und Nordhausen. Die Familie Dippe war um 1900 eine der reichsten Familien in der Provinz Sachsen. Karl v. Dippe und Anna Esche, geb. v. Dippe, führten die Liste der reichsten Bürger an. Das Kapital der Familie belief sich auf zirka 70 Millionen. Das meiste davon stammte aus der Zuckerrübenzüchtung und dem Samenhandel damit. Die Profite aus Gemüse-, Blumen- und Landwirtschaftliche Sämereien waren dagegen untergeordnet.

Karl war königlich preußischer Kommerzienrat, wurde 1900 in den erblichen Adelsstand erhoben und war leitender Mitinhaber des Familienunternehmens. Er ließ in Quedlinburg die Villa im Neuen Weg Nr. 23 (zur Stumpfsburger Brücke hin) erbauen. 1893 erwarb er privat, nicht für die Firma, das Klostergut Althaldensleben. Dippes Forstbeamte sorgten für Aufregung, als sie das Betreten des Parks und der Gutsforsten verboten und Ostern 1894 die Ausflügler auf die öffentlichen Verkehrswege zurückwiesen. Das dortige Wochenblatt berichtete am 12. Juli 1894: „Am Montag dieser Woche hat der jetzige Besitzer des hiesigen Klostergutes, Herr Commerzienrath Dippe Quedlinburg hier seinen feierlichen Einzug gehalten, um mit Familie auf seinem neuen Besitzthum einige Zeit zu wohnen. Dippe wohnte nur zeitweise auf dem Klostergut und nutzte seinen Besitz hauptsächlich als Jagdrevier. So wurden 1897 bei einer Jagd im Park 32 Fasane, 55 Kaninchen und 8 Hasen erlegt. Gärtnerische Aktivitäten dürften sich damals auf den hausnahen Bereich des Dippeschen Gartens beschränkt haben.“ Die Fasanerie wurde vergrößert. Wie es scheint, ließ Dippe die erstmals in den Park integrierten Baumschulflächen, die später landwirtschaftlich genutzt wurden, in dem Sinne von August Goedde gestalten. Dippe konnte seinen Althaldenslebener Besitz leider nur einige Jahre genießen. Er starb unerwartet am 6. Juni 1900 in Berlin. Seine Witwe Emmi, geb. Maykath, hielt den Besitz zunächst in eigener Verantwortung, bis dann der Sohn Gustav von Dippe und letztlich 1911 der Schwiegersohn Hans von Mackensen Eigentümer wurde. Am 29. April 1905 heiratete der 29jährige Oberleutnant die 17jährige Margarethe Ottilie von Dippe, die jüngste Tochter des verstorbenen Kommerzienrates von Dippe. Das Wochenblatt berichtete: „Die Übernahme des Gutes durch Herrn von Mackensen erfolgt am 1. Januar 1912. Der bisherige Besitzer Gustav von Dippe ist bereits nach Quedlinburg übergesiedelt.“

Ein weiterer bekannter Quedlinburger kam auch aus Althaldensleben. Paul Josef Beer, geb. 1895 in Breslau, wurde am 17. März 1930 neuer Obergärtner in Hundisburg. Er war ein Fachmann für Obstplantagen und gartenkünstlerische Aktivitäten. Nach 1945 konnte er als Gärtnermeister Beer in der Gutsgärtnerei Hundisburg weiterarbeiten. Im Frühjahr 1952 verließ Paul Beer Hundisburg und wurde Wirtschaftsleiter des VEG Quedlinburg. Dieser Betrieb ging u.a. aus der 1945 enteigneten Gebrüder Dippe AG hervor. Beer wirkte dann in Quedlinburg bis zu seinem Tod am 29. August 1959.

Sein Sohn Herbert Beer, geb. 31. Mai 1935 in Hundisburg, wurde auch Gärtner. Herbert lernte in Egeln und Hundisburg, absolvierte die Fachschule für Gartenbau in Quedlinburg und die Hochschule für Landwirtschaft Bernburg mit dem Abschluss als Diplomgärtner. Von 1959 bis 1992 war Herbert Beer als Fachschullehrer an der Fachschule für Gartenbau in Quedlinburg tätig.

Literatur

Gäde, Helmut, Mitteldeutsche Landwirte und Gärtner, Lebensläufe, Lebenswerke und Vermächtnisse von Männern und Frauen die sich um Nahrungsgüter und eine schöne Umwelt sorgten, docupoint Sachbuch Barleben 2010, S.71ff

Hauer, Ulrich, Von Kunstgärtnern und Gartenkunst, 2005, Haldensleben-Hundisburg, verschiedene Seiten

Links

https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottlob_Nathusius

Carl Dippe

Anna Esche, geb. v. Dippe

IMG 20140729 0017 Zwei BeerenHerbert und Paul Josef Beer, © H. Beer

IMG 20140821 0015Herbert Beer (Bildmitte), © H. Beer